Wahnsinn in 50k oder warum die Pomodoro-Methode auch im Haushalt hilft (Irina Christmann)

Der NaNoWriMo neigt sich dem Ende zu. Viele haben schon die 50k erreicht, wieder andere haben aus verschiedenen Gründen aufgegeben.

Manche Geschichten sind beendet, andere fangen gerade erst an …

Ein großes Ereignis kommt nicht ohne Zahlen aus, auch wenn ich** kein Freund dieser ständigen Wordcountdurchsagen bin, fand ich die tägliche Info erstellt durch Eluin nur für unsere Servergruppe doch sehr interessant. Überrascht habe ich zur Kenntnis genommen, dass das gesamte Team bereits am 15.11.2017 rund 1 Million Wörter geschrieben hatte. Zum Vergleich: Das ist mehr als doppelt so viel wie bei Herr der Ringe und ein bisschen weniger als alle Harry Potter Bände zusammen.

Ich sage, wir sind alle Gewinner, egal ob wir eine Story beendet oder einfach nur ein Stück vorangebracht haben, egal ob der Button sich grün gefärbt hat oder eben nicht. Wichtig ist, dass man es versucht hat. Und genauso wichtig ist das Erkennen der eigenen Grenzen. Was bringt es, zwei Wochen Schreiburlaub zu machen, wenn man den größten Teil des Tages nur vor dem PC sitzt und den blinkenden Cursor auf dem halbleeren Dokument anstarrt – wie ich letztes Jahr – statt konzentriert eine Stunde zu schreiben, bevor man ins Bett geht, oder vor der Arbeit, auf dem Weg dahin, oder wo und wann auch immer man sich am besten fühlt?!

Für mich lebenswichtig war das #team5am

Spätesten 5.30 Uhr starteten wir in einen Wordsprint und mindestens die Hälfte des Tagespensums war geschafft. Ein bisschen chatten während des ersten Kaffees, Tees, Kakaos des Tages und mein Tag konnte so richtig losgehen. Mit dem Wissen schon so viel geschafft zu haben waren auch Rechercheaufgaben für das Schulprojekt des Kindes oder der Einbau von Rauchmeldern zu verkraften und mehr oder weniger eine Randerscheinung, die mich kaum aus der Fassung bringen konnte. Der Abendspaziergang mit dem Hund diente der Planung der Szenen für den nächsten Schreibtag und nach erfolgreichen Tagen gönnte ich mir statt weiterer Schreibzeit einen Film oder ein gutes Buch. Auch wenn ich wusste, dass ich eigentlich noch schreiben könnte. Allerdings ist es viel einfacher morgens mit den schon fertigen Ideen anzufangen, als erst neue ausbrüten zu müssen.

Dieses Gehemmtsein hält sich bei mir, nämlich im Zweifel den ganzen Tag. Ich persönlich bin total froh, wie der NaNo bei mir gelaufen ist. Von Anfang an hatte ich eine tolle Truppe zusammen, mit der ich mich täglich mehrmals über unseren Chatserver austauschen konnte. Immer war jemand da, mit dem man sich freuen konnte sich virtuell ausheulen. Wir haben uns mit WordWars zum nächsten Ziel getrieben und zwischendurch mal eben schnell den Plot geändert, weil es sich eben so ergeben hat. Wir haben neue Wörter erfunden, uns mehrmals gewünscht einen Zeitregulierer wie Hermine Granger zu haben, oder mit Dr. Who in die Tardis steigen zu können. Wir haben Charaktere getauscht, Namen erfunden und uns über das Lieblingsprogramm unserer Kinder unterhalten, denn ja, die meisten von uns sind schreibende Mütter oder Väter, Studierende, volltags arbeitende Menschen die um jede Minute Schreibzeit kämpfen.

Zu wissen, dass man nicht alleine ist, hilft ungemein

Irgendwann zwischendrin hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich wollte die 50k nur mit Sprints erreichen, von diesem Ziel bin ich derzeit noch ziemlich weit entfernt, aber noch kann ich es schaffen. Aber es tut gut ein Wortpolster zu haben, wenn es doch noch eng wird. Denn tatsächlich geht bei mir eben immer das echte Leben vor … Auch wenn es sich um Bügelwäsche oder die Reinigung des Treppenhauses handelt.

Wie sich herausgestellt hat, ist eine Abwandlung der Pomodoro-Methode durchaus praktisch für mich: Nach einem Schreibintervall weg vom Rechner, und z. B. die Wäsche aus der Maschine aufhängen, oder in den Trockner packen. Dabei die Gedanken ein bisschen wandern lassen und mit einer neuen Idee nach erledigter Aufgabe zurück an den Rechner. Nach einem weiteren Schreibintervall dem Berg Bügelwäsche zu Leibe rücken. Und wie sich herausgestellt hat sind – genau wie im NaNo – die kleinen Schritte am Ende auch effektiv. So effektiv sogar, dass dafür am Wochenende plötzlich mehr Schreibzeit vorhanden war, weil die Wäsche eben schon gemacht und das Treppenhaus schon am Donnerstag gewischt war.

Es sind Erfahrungen wie diese, die ich aus dem NaNo 2017 mitnehme. Danke, dass ihr in „meinem Team“ wart und wir diese Zeit zusammen erlebt haben.

**Autorin des Beitrags ist Irina Christmann

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