Fragefreitag: Wie wichtig findest du ein Lektorat?

Immer mal wieder geistert durch die Welt der Selfpublisher die Meinung, ein Lektorat wäre überflüssig. Wir fragen heute unsere Nornen und euch. Macht mit unter #NornenFrageFreitag und verratet uns: Wie wichtig findest du ein Lektorat?

Katharina Ushachov aka Evanesca: Sehr wichtig. Und das nicht nur, weil ich Lektorin bin. Klar, es wird Fehler geben, die Schnellleser*innen ohne Autorenhintergrund ohnehin überlesen. (Aus eigener Erfahrung: Es wird auch schon mal nicht bemerkt, dass ein halbes Kapitel fehlt, weil die Technik versagt hat). Aber ich als Leserin, die gleichzeitig auch Autorin und Lektorin ist, möchte ein sauber gearbeitetes Buch. Ein schlampiges oder nicht vorhandenes Lektorat sorgt dann schon mal dafür, dass ich Bücher von der Person nie mehr auch nur mit der Kneifzange anfasse.

Tiphaine Somer Elin: Lektorat ist wichtig, ganz klar – aber und das ist ein GROßES aber: er oder sie muss passen. Zur Autorin, zur Geschichte, zum Schreibstil. Sich mit einem Lektor über einen Schreibstil (nicht Einzelfehler, sondern Stil!) rumschlagen müssen, weil er/sie ein völlig anderes Verständnis von einer guten Geschichte hat, kann einem die Lust am Werk nehmen. Also genau suchen und auch AUSsuchen, damit es wirklich passt.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ohne Lektorat geht es nicht. Auch Autoren werden betriebsblind und übersehen kleine (und große) Logikfehler oder haben das Gefühl, manches wäre offensichtlich, was tatsächlich eher Fragen aufwirft. Ein gutes Lektorat findet diese Schwachstellen und hilft, sie auszubügeln, ohne den eigenen Stil oder die Intention zu verraten.

Janna Ruth: Natürlich ist ein Lektorat wichtig, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass gute (!) Testleser ein Lektorat am Anfang auch ersetzen können. Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Kolleginnen nicht den Lohn für ihre Arbeit zugestehe, aber gerade am Anfang ist ein Lektorat für einen ganzen Roman oft weit außerhalb des Budgets eines Selfpublishers. Daher lässt sich mit einer kleinen kritischen Armada von Testlesern trotzdem ein gutes, wenn auch arbeitsintensiveres Lektorat ersetzen.

Michelle Janßen: Das kommt drauf an. Wenn man wirklich als AutorIn leben möchte, kommt man um ein professionelles Lektorat nicht herum. Ich kann allerdings verstehen, wenn Selbstpublisher die noch nicht das Kapital haben, diesen Schritt übergehen.

Laura Kier: Ich finde sehr wichtig, dass Lektoren oder andere Autoren den Text eingehend prüfen. Es muss in meinen Augen nicht zwingend Geld fließen, um ein Buch qualitativ aufzuwerten. Ich hatte bereits extrem gute Betaleser unter Autoren, die besser waren als ein bezahltes Lektorat. Von daher: es muss eine prüfende Instanz drüber, die noch nicht Textblind ist und den Text kritisch betrachtet.

Diandra Linnemann: Ein Lektorat ist nicht zwingend notwendig, macht aber garantiert jeden Text besser, wenn die Lektorin etwas von ihrem Handwerk versteht. Als SP leiste ich mir keines und arbeite den Text stattdessen mehrfach mit exzellenten Testlesern durch, aber mein erstes richtiges Verlagslektorat war doch noch einmal eine andere Hausnummer. Ich war quasi sehr genervt und sehr verliebt gleichzeitig, wie in einer guten Beziehung.

Alexandra Bauer: Es ist wichtig, denn eigenen Fehler findet man im Text nicht! Ich ärgere mich IMMER über Fehler im Buch – vor allem über die im eigenen. Leider passiert sowas auch trotz Lektorat, was nicht passieren sollte. Letztlich trifft es immer den Autor/die Autorin.

Sarah König: Prinzipiell finde ich es wichtig, aber ich sehe es wie einige andere Nornen auch: Es muss für den Anfang kein bezahltes Lektorat sein, es müssen aber immer gut ausgewählte Leser sein, die mit dir das Buch testen, dich kritisieren, etc. Da ich mir selbst das SP noch nicht zugetraut habe, habe ich mich zur Entscheidungsfindung natürlich auch damit beschäftigt. Und die Kohle, die man für Lektorat und mehr ausgeben soll sind einfach unverhältnismäßig hoch, für das enorme Risiko, nichts davon wieder einspielen zu können.

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Unverzichtbar! Alleine Testleser können schon so viele Ecken und Kanten eines Textes herausarbeiten, ein professionelles Lektorat scannt das Dokument und hilft dabei, das beste aus dem Text herauszuholen.

Jasmin Engel: Wichtig bis sehr wichtig. Ich habe für meinen zweiten Roman ein Lektorat in Anspruch genommen und die Lektorin hat noch Fehler und Schwächen gefunden, die meine beiden Testleser und ich wohl nie bemerkt hätten.

June Is: Ich wollte früher ohne Lektorat nichts veröffentlichen, mittlerweile tue ichs doch – allerdings ausschließlich auf der HP. Ich glaube aber nicht, dass es sonderlich gut ist.

Fragefreitag: Was ist für dich der größte Vorteil beim Selfpublishing?

Im April dreht sich im Nornennetz alles um das Thema Selfpublishing. Wir haben einige Selfpublisher in unseren Reihen und auch Autoren, die sowohl selbst, als auch von Verlagen veröffentlicht wurden. Noch immer schrecken viele Leser vor SP-Büchern zurück, erwarten niedrigere Preise und sind voreingenommen. Auch Buchhandlungen tun sich manchmal schwer damit, Bücher, die nicht aus einem Verlag kommen, ins Regal zu stellen. Dabei kann sich gerade hier ein wahrer Schatz verbergen. Wir wollen es heute wissen und fragen beim #NornenFrageFreitag: Was ist für dich der größte Vorteil beim Selfpublishing? Macht mit und verratet uns, welche Möglichkeiten ihr darin seht.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Auch Nischenthemen unterzubringen, vor denen Verlage gerade bei jungen Autor*innen zurückschrecken.

Janna Ruth: Seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können und zum Beispiel schnell bei Aktionen reagieren zu können. Dazu kommt noch die Möglichkeit Geschichten unverfälscht schreiben zu können. So manches, was laut Marktforschungen nicht laufen würde, hat im Selfpublishing eine Chance.

Elenor Avelle: Prognosen über den Erfolg einer Geschichte, sind so eine Sache. Selfpublishing eröffnet Werken eine Chance, die bei Verlagen Schubladendenken zum Opfer fallen würden.

Grumpy Moon: Selbst über meinen Fortschritt zu bestimmen und nicht ständig auf andere angewiesen zu sein, so wie es leider bei den meisten anderen Dingen im Leben der Fall ist.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Man sieht die Auswirkung oder Nichtauswirkung von Maßnahmen sofort, kann Verkäufe auf die Stunde genau tracken und sieht, was klappt und was nicht, auch in Hinblick auf Marketing. Bei Verlagen hat man ja nie den zeitnahen Blick auf die Verkaufszahlen, weil alles stärker verteilt ist. SP bedeutet, sofort alles zu erfassen und sofort reagieren zu können.

June Is: Freiheit bei Cover und Titel.

Paula Roose: Die Freiheit, meine Geschichten ohne Termindruck schreiben zu können, und ihnen so viel Zeit zu geben, wie sie nach meinem Gefühl brauchen. Außerdem liebe ich die Zusammenarbeit mit meiner Lektorin und der Coverdesignerin. Der gesamte Herstellungsprozess eines Buches, vom ersten Plotten bis zum Upload der fertigen Dateien, macht mir viel Spaß. Ich liebe Selfpublishing.

Tiphaine Somer Elin: Die Möglichkeit meinen eigenen Schreibstil schreiben zu dürfen.