Taschenkalender (Diandra Linnemann)

Der lange Atem – Was haben Sport, Schreiben und Neujahrsvorsätze gemeinsam?

Ich habe es schon wieder getan. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht hilft und mich nur frustriert. Obwohl ich mir sicher war, aus den Katastrophen der letzten Jahre gelernt zu haben – ich habe mir Neujahrsvorsätze gebastelt.

Bei den meisten Deutschen stehen angeblich Abnehmen, Sport und das Ablegen einer unschönen Angewohnheit wie Rauchen ganz oben auf der Liste der Neujahrsvorsätze. Für Autoren – das ist jetzt nicht direkt wissenschaftlich belegt, aber ich würde drauf wetten – gehören Pläne wie „mehr schreiben“ oder „regelmäßig schreiben“ ebenfalls zu den üblichen Vorsätzen. Und sobald das Leben uns in die Quere kommt, stehen wir da und winken unseren hehren Zielen hinterher, wenn sie in den chaotischen Abgrund schlittern.

Die größte Stolperfalle ist, beim Sport und beim Schreiben (das sind jetzt meine Beispiele, denn damit kenne ich mich aus), der Versuch, eine Wendung um hundertachtzig Grad zu machen. Bis gestern war die Couch dein bester Freund? Gut, dieses Jahr gehst du fünf Mal pro Woche joggen. Mindestens. Im letzten Jahr hast du nur geschrieben, wenn die Muse dich küsst? Ab sofort sind zehn Seiten pro Tag Pflicht! Du bist motiviert und enthusiastisch, und außerdem völlig sicher: Das ist doch ein Klacks!

Dann klopft der Alltag. Die Wäsche häuft sich unter dem Waschbecken. Deine Freunde wollen in diesen Megablockbuster, den man unbedingt gesehen haben muss, denn darüber redet ab nächster Woche die Welt. Im Wald hast du dir den Knöchel verstaucht, das Pflichtupdate legt deinen Rechner lahm und überhaupt wird es höchste Zeit für die Steuererklärung oder einen ehrlich verdienten Serienmarathon.

Wir sind alle schon einmal dagewesen. Darum kommt dieser Artikel auch erst heute, nachdem du schon die eine oder andere Gelegenheit hattest, bei deinen aktuellen guten Vorsätzen auf die Schlummertaste zu drücken. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag, nicht wahr?

Ich kenne übrigens noch ein paar Tage: Übermorgen. Den Tag nach Übermorgen. Den zweiten April. Und natürlich den Sanktnimmerleinstag. Das sind alles gute Tage, an denen wir unsere Pläne in die Tat umsetzen können.

Pläne statt Vorsätze

Falls es dir dieses Jahr nicht so gehen soll, habe ich einige Tricks und Tipps für dich. Den ersten habe ich dir gerade schon untergejubelt: Wir machen keine Vorsätze, sondern Pläne. Aus „Ich will“ oder „ich sollte“ wird „ich werde“, und schon ist die Umsetzung ein paar Milimeter näher gerutscht. Und wenn wir gerade dabei sind, zu planen, werden wir auch direkt konkret. Am besten mit einem Terminplaner in der Hand: Was sind die Tage(szeiten), an denen du die geplante Aktivität am ehesten in die Tat umsetzen wirst? Beim Beispiel Sport hilft es, sich wirklich feste Termine in den Kalender einzutragen, vielleicht Muckibude mit einer Freundin oder ein Probetermin in der Kletterhalle. Kurse an festen Tagen sind auch nicht zu verachten. Und wenn du schreibst – zu welcher Tageszeit hast du am ehesten ungestört Zeit, dich für mehr als drei Minuten an den Schreibtisch zu setzen? Bei mir ist das merkwürdigerweise der Abend, obwohl ich ein ausgesprochener Morgenmensch bin. Morgens küsst mich die Muse viel lieber (da schmecke ich noch frisch), aber am Abend habe ich alle Erledigungen und Pflichten für den Tag abgehakt und kann mich endlich ungestört daran setzen, meine Charaktere in noch größere Schwierigkeiten zu bringen.

Der zweite Trick: Finde einen Schuh, der dir passt. Und ausnahmsweise meine ich nicht den wortwörtlichen Laufschuh (wobei gutes Hand- und Fußwerkzeug wichtig ist, aber das wissen wir alle schon längst), sondern die passende Sportart, oder die richtige Textform. Probiere dich aus. Bist du ein Gedichtetyp? Liegt dir Tanzsport? Magst du lieber die knackige Überraschung der Kurzgeschichte oder verbeißt du dich am liebsten in komplizierte Plots? Vielleicht liegen dir verschiedene Textformen/Sportarten, dann ist es sinnvoll, auf mehreren Hochzeiten zu tanzen (wieder nur im übertragenen Sinne – es sei denn, du tanzt gerne). Aber du solltest dich unter keinen Umständen zu etwas zwingen, weil jemand anders es dir als Königsdisziplin unterjubeln will. Ich bin begeisterte Läuferin, meine Kollegin findet Laufen öde und geht regelmäßig zum Standardtänze-Kurs. Solange du dich bewegst – und vor allem: So lange du SCHREIBST – ist alles in Ordnung.

Und drittens: Sei geduldig mit dir. Es braucht einige Zeit und Disziplin, ehe sich neue Gewohnheiten etabliert haben, und sowohl physische als auch Kreativmuskeln müssen liebevoll trainiert werden, ehe man beim (Schreib-)Marathon startet. Dafür brauchst du einen langen Atem. Fange klein an. Wichtig ist, dass du zum verabredeten Termin auftauchst, wann immer es sich einrichten lässt. Vielleicht bringst du in den ersten Wochen zur vereinbarten Schreibzeit zwischen Konferenzen und klebrigen Kindermündern nur eine halbe Seite zustande. Das ist nicht schlimm. Es ist auch nicht wild, wenn du dich beim Schwimmen nach einer Minute in eine Bleiente verwandelst. Sei gut zu dir, und mache weiter. Wenn du das einige Monate durchhältst, wirst du ganz hibbelig, sobald du mal einen Termin auslassen musst. Deine Muse tobt heulend und zähneklappernd durch dein Unterbewusstsein, wenn du nicht um Punkt acht am Schreibtisch sitzt. Der Stapel aus „eine Seite pro Tag schaffe ich garantiert“ wächst schneller als erwartet in schwindelerregende Höhe. Deine Zehen tippeln unterm Tisch und treiben die Kollegen in den Wahnsinn. Spätestens dann weißt du: Herzlichen Glückwunsch, der Plan hat funktioniert. Es hat dich erwischt. Jetzt gilt es nur noch, den Schwung auszunutzen.

Übrigens: Mein Plan für dieses Jahr ist es, mich nicht immer bis über die Ohren zu verplanen. Bin gespannt, wie lange das hält. Und bei euch so?

Ein Beitrag von Diandra Linnemann.

Justitia had a really bad day (by Esther Wagner)

Action & Cut – Wie man Actionszenen fürs Kopfkino schreibt

Tosende Schlachten, atemberaubende Verfolgungsszenen und dramatische Duelle.
Wie schreibt man eigentlich richtig gute Actionszenen, bei denen man auf der Stuhlkante sitzend Popcorn mampft? Im übertragenen Sinne natürlich, wobei ihr ruhig beim Lesen Popcorn essen könnt.

Beim PAN-Branchentreffen 2017 war die Antwort ganz einfach. Man lässt sich einfach in Bern(h)ard umbenennen. Auf die Frage nämlich, wer richtig gute Actionszenen schreibt, waren die Antworten eindeutig: Bernhard Hennen und Bernard Cornwell. Wer aber auf den ganzen Papierkram beim Bürgeramt wegen der Umbenennung keine Lust hat, dem helfen vielleicht die folgenden Tipps. Vieles daraus stammt aus meinen Erinnerungen an den Vortrag von Susanne Pavlovic beim PAN-Branchentreffen, die mir in vieler Hinsicht die Augen geöffnet hat.

Echtzeit statt elend lange Beschreibungen

Wir Autoren lieben es, Dinge zu beschreiben. Wie sieht etwas aus? Wo befindet sich etwas? Wie funktioniert dies und das? Und ganz besonders »schlimm« wie fühlt sich eigentlich unserer Charakter dabei? Für all das hat man in Actionszenen keine Zeit. Sie sind unnötiger Ballast, der die Geschichte an der falschen Stelle entschleunigt. Das soll nicht heißen, dass es nicht spannend wäre, zu erfahren, welche Rüstungsornamente der Gegner besitzt, aber im Kampf ist die falsche Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Eine Actionszene wird um ein Vielfaches rasanter, wenn man in diesem Moment ganz in den Kopf des Charakters schlüpft. Stellt euch vor, ihr wärt auf der Flucht, hinter euch das personifizierte Grauen. Bemerkt ihr da wirklich, die Details auf der Häuserfassade oder macht euch Gedanken darüber, was ihr mit eurem Leben noch alles anstellen wolltet? Wohl eher nicht, viel mehr, rennt ihr was das Zeug hält und hofft inständig, dass das Grauen euch nicht bekommt.

Genauso ist es im Kampf. Das ist nicht der Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, dass euer Vater jetzt stolz auf euch wäre, oder ihr eurem Herzblatt noch nicht eure Liebe gestanden habt. In diesem Moment liegt euer gesamter Fokus darauf, diesen Kampf zu gewinnen oder zumindest ihn zu überleben.

Ein echter Kampf ist oft nur wenige Minuten lang, bevor einer von beiden die Oberhand gewinnt. Also verzichtet auf lange Beschreibungen, innere Monologe und alles, was von dem Moment ablenkt und konzentriert euch stattdessen auf die verschiedenen Sinneseindrücke, die die Szene lebendig gestalten, ohne sie aufzublähen.

Fokus statt Überblick

Die meisten Bücher werden heutzutage aus einer persönlichen Perspektive geschrieben. Damit Actionszenen spannender werden, muss man gerade an dieser Stelle ganz eng werden. Stellt euch vor, ihr seid mit euren Freunden in einer großen Schlacht und kämpft nun um euer Überleben. In diesem Moment bekommt ihr nicht mit, welche Strategie der General verfolgt. Ihr könnt auch nicht mal eben einen Blick nach drüben werfen, wo zehn Reihen weiter, eure Freundin den Kampf verliert oder mitbekommen, dass der Prinz heimlich entführt wird.

An dieser Stelle ein kleiner Disclaimer: natürlich gibt es Möglichkeiten, all das mitzubekommen, ABER ihr verliert dabei einen Teil der Spannung, denn euer Charakter hat offensichtlich Zeit, zu atmen und sich umzuschauen, ohne, dass ihm im nächsten Moment der Kopf abgeschlagen wird. Falls genau das im Anschluss passiert, alle Achtung!

Der Trick, spannende Actionszenen zu schreiben, besteht darin, sich vollkommen auf eine Sicht zu konzentrieren. Und die ist ziemlich beschränkt. Man denke nur an Ritterhelme.

Benutzt eure Umgebung

Klar, eure Charaktere haben ihre tolle Waffen und schlagen sich damit die Köpfe ein. Das ist schon ziemlich spannend, aber es wird noch viel spannender, wenn ihr ihre Umgebung mit einbezieht. Zum Beispiel könnte es regnen und euer Protagonist plötzlich mit einem Fuß in einem Schlammloch feststecken oder im Matsch ausrutschen. Er könnte statt zum Schwert schnell zum Bierkrug greifen und seinem Gegner eins überziehen oder sich am Kronleuchter durch den halben Raum schwingen. Andere Leute stehen im Weg, Mobiliar und enge Räume behindern euch – denkt daran, bei Schwertern muss man ganz schön ausholen und ihr wollt ja nicht die hübsche Schankmaid aufspießen – und Wäscheleinen hängen grundsätzlich auf Augenhöhe. All das macht eure Szene lebendig und somit spannender, als wenn sich zwei Leute immer parieren, bis irgendwer durch die Deckung dringt und gewinnt.

Fiction vs Fact

Jetzt wird es ein wenig kontrovers. Jeder weiß, wie wichtig Recherche für einen Autor ist und Geschichten sollen möglichst realistisch sein. Meistens trägt zu viel Realismus aber nicht unbedingt zur Förderung der Spannung bei. Man muss also immer auch ein wenig schauen, dass man den Plot und die eigentliche Geschichte bei aller Realitätsnähe nicht vergisst.

Dann gibt es aber noch die sogenannten fiktiven Fakten. Nein, ich spreche nicht von Trumps alternativen Fakten, sondern davon, dass manche Sachen schon so lange in Buch und Film falsch dargestellt werden, dass sie dem Leser wahrer als die Realität erscheinen. Jeder Pferdebesitzer könnte wahrscheinlich ein Lied davon singen, wenn die Pferde wieder mal stundenlang galoppieren und dann ohne Abreiben stehen gelassen werden. Die Sache ist jedoch, dass die meisten Leser nicht darauf achten und es ihnen zugunsten des Plots vollkommen egal ist. Plot/Action trumpft Fakt. Für die meisten Leser zumindest.

Einem Reenacter würde sich wahrscheinlich der Magen umdrehen, wenn er liest, wie der Held bevorzugt mit seinem Zweihänder rumläuft und Duelle damit ausficht. Der Leser findet es jedoch cool. Und so darf man als Autor ruhig auch mal ein Auge zudrücken, die Realität des Zimmers verweisen und sich darauf konzentrieren, einfach eine coole Actionsszene zu schreiben. Es ist immerhin Action und keine Kriegsdokumentation.

Risiko, Risiko, Risiko

Nichts ist langweiliger, als wenn man weiß, dass der Held eh alles überlebt. Schließlich ist er der beste, stärkste und klügste Held im ganzen Heldenland und außerdem besitzt er Plot-Rüstung. Eine Geschichte wird umso spannender, je höher die Fallhöhe ist. Und das gilt ebenso für Actionszenen. Ob durch ungünstige Wetterbedingungen, unzureichende Ausbildung oder eine Übermacht, geht sicher, dass für euren Charakter wirklich etwas auf dem Spiel steht und es nicht nur ein weiterer Plotpunkt ist, durch den er eben durch muss.

In anderen Worten lasst euren inneren Martin raus und erschafft eine Umgebung, in der niemand sicher ist, auch nicht euer Hauptcharakter für maximale Action. Ungewissheit ist euer Freund.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig in die Geheimnisse guter Actionszenen einführen. Habt ihr gute Beispiele oder andere Tricks, die ihr euch bei guten Actionszenen abgeschaut habt?

Ein Beitrag von Janna Ruth.

Grafik: Esther Wagner alias Kirana

Nornenadvent: Die Drabble der Woche (2)

Wie versprochen kommt ihr heute wieder in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Sie kriegen dich (alle Jahre wieder) (Christina Diart)

Leise schleichen sie durch deine Wohnung, während du friedlich schläfst, eingepackt in deine Decke, denn die Welt wird kalt.
Sie verunstalten dein Wohnzimmer, versprühen überall ihren widerlichen, zimtigen Geruch und hinterlassen in jeder noch so winzigen Ecke ihren unverkennbaren Glanz.
Wenn du morgens erwachst, geweckt von den ach so lieblichen Klängen der Glöckchen, und das Ausmaß ihres nächtlichen Treibens bemerkst, ist es bereits zu spät.
Du bist infiziert und weißt, dass du dich erst Wochen später erholen wirst. Sie haben dich erwischt – wie jedes Jahr – und bringen dich dazu, summend durch die Einkaufszentren zu schlendern. Widerliche, kleine Biester, diese Weihnachtswichtel.

Katzengesang im Sternenlicht (Laura Kier)

Zwei Katzen sitzen gelangweilt auf einer Wiese und warten auf den Mond. Doch der erscheint in dieser Nacht nicht am Horizont.
»Es ist, wie es ist. Der Mond ist fort«, seufzend lässt die Kleinere der beiden Katzen den Kopf sinken.
»Ach wie herrlich«, meint die Andere. »Dann hat er endlich seine geliebte Sonne eingeholt.«
Zusammen beginnen die Katzen in unterschiedlichen Tonlagen zu Maunzen und lassen ihr Freudenlied in der sternenklaren Nacht erklingen.
Kurz darauf taucht der Mond auf.
»Was ist das?«, fragt die Kleinere.
»Er ist zu uns zurückgekehrt – und nicht allein.«
Silbern und golden färbt die Morgendämmerung die Welt.

Die Tänzerinnen (June Is)

Joliel starrte auf die Bühne. Gleich müsste auch seine Freundin Maylea auftauchen. Ballettshows waren ihre Leidenschaft, er selbst konnte es nur als künstlerische Elfenhüpferei bezeichnen. Trotz seines Banausentums begleitete Joliel sie oft. Ihre Worte von vor vielen Jahren klangen in seinem Ohr nach. „Ich finde es sehr erregend, wenn du dabei bist.“
Das Licht ging langsam aus und viele graue Balletttänzer kamen von allen Seiten auf die Bühne geströmt. Einer stach in Gelb heraus. Als die Musik einsetzte, stellten sich alle auf ihre Zehenspitzen und begannen zu tanzen.
Joliel musste grinsen, als ein Fan von weiter hinten laut „Maylea!“ rief.

 

Arachne (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Sie ist die beste, keine Frage. Im Weben und Spinnen schafft sie Kunstwerke, die glitzern als wären sie aus Sternenstaub. Warum sonst sollte man sie beneiden?
Tausende schon haben ihre Werke bewundert, ja sogar versucht ihr nach zu eifern. Umsonst. An ihr Können kommt kein Mensch ran.
Mit einem Seufzer setzt Arachne den nächsten Faden an. Mit ihren Beinen balanciert sie geschickt, so dass auch dieser Faden seinen Platz findet. Doch manchmal waren sie ihr auch im Weg. Noch einmal seufzt Arachne und sieht an sich hinunter.
Ja, ein Mensch kam noch nie an ihre Kunstfertigkeit heran. Eine Göttin schon.

Alle Jahre wieder (Tiphaine Somer Elin)

Es war ein Funkeln und Glitzern, auf den heruntergeklappten Holzläden lag allerlei Tand. Er sah genau hin. Sah Händler, sah Geld, das in Kassen verschwand. Weihnachtsmarkt hieß es, Christkindls Markt.
Er war sich nicht sicher, dass es ein guter Markt war.
Dann sah er Kinder mit großen Augen, roch den Duft von frisch geschlagenen Tannen und von schwerem, gewürztem Wein. Süße Musik verwehte den Trubel. Erwachsene standen und lachten, sie fanden zusammen auf dieser kleinen, fröhlichen Insel inmitten einer hektischen Welt.
Diesmal würde er die Tische der Händler nicht umwerfen – der Markt, der seinen Namen trug, war ein guter Markt.

Eine andere Saite (Jana Jeworreck alias Moira)

Ich laufe eine Straße entlang. Sie ist düster und eng. Ich sehe, dass auf dem Asphalt etwas aufblitzt, gehe vorsichtig darauf zu. Es ist eine Saite, gerissen und achtlos zu Boden geworfen. Die Sonne trifft sie aus einem eigenartigen Winkel. Sie scheint zu glühen. Links und rechts ragen Hauswände in den Himmel empor, wie Felsen einer Schlucht. Nur ein Spalt bringt Licht. Und da leuchtet diese zarte Saite, vielleicht von einer Gitarre. Ich beuge mich hinab, hebe sie hoch und siehe da, es öffnete sich eine Tür in der Mauer. Es ist der Eingang zu einer Bar der besonderen Art.

Die Qual der Wahl (Anne Zandt aka Poisonpainter)

Wieder konnte er sich nicht entscheiden. Nahm er die Braungebrannte? Den Klassiker? Sie hatte ihn schon beim Vorbeigehen verführerisch angelächelt und war der Grund, warum er schließlich stehen geblieben war.
Doch neben ihr lag die Schwarze, die auch nicht zu verachten war oder auch die in Schneeweiß gehüllte. Allerdings, die mit den roten Punkten wollte er auf keinen Fall. Oder doch lieber etwas Größeres und Kräftigeres? Etwas ganz anderes? Hin und hergerissen blickte er sie an, wägte seine Entscheidung ab.
„Haben Sie sich entschieden, welche Mandeln Sie haben wollen?“, fragte der Händler nach einer Weile mit einem leicht genervten Unterton.

Noch eine Woche bis Weihnachten? Da füllen wir doch vor lauter Vorfreude das Türchen doppelt!

Das Höllenfeuer (Myna Kaltschnee)

Sie tanzen beschwingt ums Feuer. Ihre Körper werfen lange Schatten auf den Untergrund. Bizarre Figuren zeichnen sich im dämmerigen Licht ab.
Sie sind alle gekommen: Junge und Alte, Große und Kleine. Nur um sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen. Sie haben sich den ganzen Tag darauf gefreut und nun ist es endlich Wirklichkeit. Wieder einmal ist ihnen eine ins Netz gegangen. Wieder einmal lodert das Höllenfeuer in den pechschwarzen Nachthimmel. Das muss kräftig gefeiert werden!
Sie stimmen einen fröhlichen Gesang an: „Die Hex‘ ist tot. Die Hex‘ ist tot.“ Vom Scheiterhaufen erklingen schauerliche Schreie, bis die Flammen sie ersticken.

Professionelle Schreibprogramme im Vergleich (Elea Brandt)

Ihr Lieben, Weihnachten steht vor der Tür – die Hälfte der Adventszeit ist schon um. Wisst ihr schon, was unter eurem Weihnachtsbaum liegen wird? Nein? Als Autor*in und Buchnerd wünscht man sich ja oft einen ganzen Berg Bücher, aber vielleicht denkt ihr ja auch über ein professionelles Schreibprogramm nach.

Um euch die Entscheidung zu erleichtern, möchte ich** euch heute drei Programme vorstellen und die eine oder andere Empfehlung dazu abgeben. Vielleicht hilft euch das ja ein wenig.

Zu allererst sei gesagt: Die Professionalität eines Autors misst sich nicht an dem Programm, das er nutzt. Ein hervorragender Roman kann auch mit Bleistift auf einen Bierdeckel geschrieben oder auf Omas alter Schreibmaschine getippt werden. Aber, und das ist unbestritten, ein gutes Programm spart Zeit, Nerven und Ärger.

Im Vorfeld dieses Artikels haben auf Twitter 179 Autorinnen und Autoren abgestimmt und ihr vorrangig verwendetes Schreibprogramm angegeben. Etwa die Hälfte der Teilnehmer verwendete ein spezielles Programm wie Papyrus, Scrivener, Patchwork oder yWriter, die andere Hälfte arbeitete vorrangig mit klassischer Textverarbeitung wie Word, Open oder Libre Office. In den Kommentaren wurde auch sichtbar, dass viele Autor*innen verschiedene Programme in unterschiedlichen Stadien ihrer Arbeit nutzen.

Ein Blick auf das Angebot an verschiedenen Schreibprogrammen lohnt sich also in jedem Fall.

Scrivener

Mein persönlicher Favorit zum Verfassen von Manuskripten ist Scrivener . Das Programm bietet eine sehr übersichtliche Oberfläche mit einer angenehm zu bedienenden Datenbank-Struktur, in die man Recherchematerial, Fotos, Charakterbögen oder andere Dokumente einbinden und auf einen Klick abrufen kann. Ferner verfügt Scrivener über eine Pinnwand zum Festhalten von Plotnotizen, einen Wordcounter und einen ablenkungsfreien Vollbildmodus, den man mit individuellen Motivationsbildern selbst gestalten kann. Wer gerne mit Farben oder Labels arbeitet, kann einzelne Szenen farblich kennzeichnen (z.B. nach Perspektivträger oder Handlungsstrang) oder deren Fortschritt festhalten. Hilfreich ist auch die Möglichkeit, Texte mit anderen Geräten zu synchronisieren und automatische Backups einzurichten. Nachteil an Scrivener ist die mangelhafte Rechtschreibprüfung. Die ist so unzuverlässig, dass ich sie in der Regel ausschalte. Auch auf aufregende Features wie Stilanalyse, Zeitstrahlfunktionen oder komplexe Mindmaps muss man leider verzichten, es gibt aber die Möglichkeit, Scrivener mit anderen Programmen wie Scapple oder Aeon Timeline zu verbinden.

Gerade ist die dritte Version von Scrivener in der Beta-Version erschienen. Wichtig zu wissen: Scrivener ist primär ein Mac-Programm, auch wenn eine vollwertige Windows-Version existiert, sind einige Funktionen nur am Mac verfügbar. Eine Lizenz kostet 45 $, für Nanowrimo-Gewinner gibt es allerdings in der Regel einen 50 % Nachlass. Einmal erworben, kann Scrivener auf beliebig vielen Geräten installiert werden.

Screenshot aus Scrivener

Vorteil: günstig in der Anschaffung, leicht zu bedienen, nützliche Datenbankstruktur, Vollbildmodus, automatische Backups

Nachteil:  schlechte Rechtschreibprüfung, keine Zusatzfeatures wie Zeitstrahlen, Stilanalyse oder Mindmaps, teilweise Bugs

Papyrus Autor

Papyrus  ist vermutlich eines der bekanntesten kommerziellen Autorenprogramme. Es liegt mittlerweile in der 8. Version für alle Betriebssysteme vor und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die Benutzeroberfläche von Papyrus erinnert an die klassischer Textverarbeitungsprogramme und lässt sich daher recht intuitiv bedienen. In tieferen Ebenen des Programms verstecken sich aber auch viele Zusatzfeatures, die Papyrus zu einer Rundum-Lösung für alle möglichen Bedürfnisse machen, es aber auch sehr komplex gestalten. Das Programm bietet eine Recherche- und Figurendatenbank, eine Zeitstrahlfunktion, eine frei gestaltbare Pinnwand, die auch als Mindmap genutzt werden kann, einen Wordcounter, ein Synonymlexikon und viele Funktionen mehr. Besonders zeichnet sich Papyrus aber durch seinen hervorragenden Duden-Korrektor und eine umfassende Stilanalyse aus, die dabei hilft, Wortwiederholungen, Bandwurmsätze, Füllwörter und andere Stilbrüche zu finden. Außerdem bietet Papyrus die Möglichkeit, Manuskripte unkompliziert in verschiedene Ebook-Formate zu konvertieren und dafür Inhaltsverzeichnisse oder Fußnoten anzulegen. Genau wie Scrivener verfügt Papyrus zudem über automatische Backups.

Mit 179 € (Studentenversion 149 €) ist Papyrus nicht unbedingt günstig. Es empfiehlt sich daher, die Demoversion zuerst für ein paar Wochen zu testen, bevor man sich zum Kauf entscheidet. Mit der Standard-Lizenz kann das Programm auf vier Geräten installiert werden, die Nutzung ist aber auf eine Person begrenzt.

Ich persönlich nutze Papyrus vor allem zum Überarbeiten, Lektorieren und Korrigieren. Zum Schreiben fehlt mir eine übersichtliche, leicht zu handhabende Datenbank-Struktur wie bei Scrivener.

Screenshot aus Papyrus

Vorteile: umfassende Stilanalyse, Dudenkorrektor, vielfältige Funktionen zum Plotten und Organisieren, automatische Backups

Nachteile: relativ teuer, braucht viel Arbeitsspeicher, Funktionsumfang zu Beginn überfordernd

Patchwork

Ich muss gestehen, ich konnte Patchwork  bisher noch nicht ausführlich verwenden, da schon die Testversion auf meinem relativ alten Laptop regelmäßig abstürzte. Ich kenne aber einige Autorinnen, die das Programm regelmäßig nutzen und sehr gut damit zurechtkommen, deswegen will ich es euch nicht vorenthalten. Patchwork ist vermutlich die eierlegende Wollmilchsau unter den Autorenprogrammen. Es bietet alle Funktionen, die man sich vorstellen kann, und ist dabei noch umfassender als Papyrus. Patchwork beinhaltet eine Zeitstrahlfunktion, Mindmaps, Figuren- und Recherchedatenbank, Rechtschreibprüfung, Stilanalyse, Vorlagen nach verschiedenen bekannten Plotmethoden (z.B. 7 Punkte, Heldenreise, Schneeflocke), Planung von Deadlines und Schreibfortschritten, Konvertierung in Ebookformate und noch vieles mehr. Von so vielen Funktionen wird einem fast schwindelig.

Mit 98 € (+35 € für den Duden-Korrektor) ist Patchwork günstiger als Papyrus Autor, allerdings sind folgende Updates oder neuere Versionen des Programms nach dem ersten Jahr nicht mehr inbegriffen. Diese können in einem Abo-Modell ab 5 € im Monat hinzugebucht werden. Hier empfiehlt es sich, auf das Timing zu achten, denn das Abo wird immer zum Quartalsende fällig (also März, Juni, September, Dezember), unabhängig davon, wie lange man es tatsächlich genutzt hat.

Screenshot aus Patchwork

Vorteile: extrem hoher Funktionsumfang für alle Bedürfnisse, Organisation von Deadlines, zeitnaher Support auch an Feiertagen, viele Backup-Routinen

Nachteile: veraltete FAQs, Updates nach dem ersten Jahr nicht im Preis inbegriffen, braucht viel Arbeitsspeicher, anfällig für Programmabstürze

Klassisches Textverarbeitungsprogramm

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, klassische Textverarbeitungsprogramme zu nutzen, z.B. Libre Office, Open Office oder Microsoft Word. Diese sind auf vielen Geräten bereits vorinstalliert, bieten eine solide Rechtschreibprüfung und einen Thesaurus, die Bedienung ist intuitiv, es gibt einen Überarbeitungsmodus und Speicherintervalle oder Sicherungskopien können selbst gesetzt werden, um Datenverlust zu vermeiden. Aufregende Zusatzfeatures gibt es zwar keine, aber dafür können Libre Office oder Open Office als Freeware heruntergeladen werden und kosten damit keinen Cent. Wer kommerziell mit den Programmen arbeitet, sollte aber berücksichtigen, dass die meisten Standardversionen, z.B. von Word, nur eine private Nutzung erlauben. Für kommerzielle Zwecke muss eigentlich eine eigene Lizenz erworben werden.

Vorteile: zum Teil kostenlos, einfache Bedienbarkeit, solide Rechtschreibprüfung, Thesaurus, Überarbeitungsmodus und Möglichkeit, Dokumente zu vergleichen

Nachteile: kommerzielle Nutzung unter Umständen nicht inbegriffen, keine Zusatzfeatures oder Datenbankstruktur, teils Kompatibilitätsprobleme mit anderen Programmen

Die Ergebnisse einer Twitter-Umfrage zur Verwendung von Schreibprogrammen bei Autoren, durchgeführt von Elea Brandt

Nicht vorgestellt habe ich euch hier das Programm yWriter, weil ich es selbst nie genutzt habe und daher wenig darüber weiß. Ich möchte es hier trotzdem erwähnen, da es sich um Freeware handelt und einen guten Einblick in das szene-basierte Schreiben bietet, das auch Scrivener und andere Programme nutzen. yWriter bietet eine kleine, aber übersichtliche Datenbank für Figuren und Orte und die Option, Szenen in der Handlung einzuordnen und ihnen Funktionen zuzuweisen. Es ist damit eine gute Möglichkeit für Einsteiger, sich mit Autorenprogrammen vertraut zu machen, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen. Wer mehr darüber lesen möchte, findet einen ausführlichen Beitrag im Schreibmeer.

Eine eindeutige Empfehlung für das eine oder andere Programm möchte ich an dieser Stelle nicht aussprechen, denn jedes Programm ist für andere Bedürfnisse geeignet. Welche Features euch wichtig sind und euch das Leben und Schreiben erleichtern können, müsst ihr selbst herausfinden.

Die nachfolgende Tabelle hilft euch vielleicht beim Entscheidungsprozess:

Übersicht der Schreibprogramme

1 Sicherungskopien können z.T. manuell angelegt werden

2 nur Möglichkeit, Kommentare zu setzen

3 nur im ersten Jahr, danach im Abo ab 5 € pro Monat

Habt ihr euren Favoriten schon gefunden? Kennt oder nutzt ihr vielleicht noch andere Programme?

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß beim Ausprobieren und Testen.

**Autorin des Beitrags ist Elea Brandt

 

Knecht Ruprecht – nur ein Assistent? (Diandra Linnemann)

„Von drauß‘ vom Walde komm‘ ich her …“ – auch wenn man sich nichts aus der Vorweihnachtszeit macht, dieses Gedicht kennt jeder. Ursprünglich von Theodor Storm verfasst, trägt es den Titel Knecht Ruprecht. Und auch den kennt beinahe jeder, wenigstens dem Namen nach.

Nikolaus und seine Helfer – ein Thema mit Tiefgang (Foto: Eva-Maria Obermann)

Auf den Spuren Ruprechts

Die Vorweihnachtszeit ist voller alter Bräuche, von denen einige heutzutage recht merkwürdig oder gar barbarisch anmuten. Knecht Ruprecht gehört zu diesen Bräuchen. Er ist in weiten Teilen des deutschsprachigen Europas der Begleiter des Heiligen Nikolaus und gilt als eine Art untergeordneter Gegenspieler, sozusagen ein Weihnachtsdämon. Wenn Nikolaus kommt und die Kinder belohnt, die das vergangene Jahr über artig waren, verteilt Knecht Ruprecht – in einigen Gegenden auch Krampus oder „Rauer Percht“ genannt – an die unartigen Kinder Ruten, mit denen sie gezüchtigt werden sollen.

Über die Ursprünge von Knecht Ruprecht ist nicht viel bekannt. Jacob Grimm zufolge (genau, einer von DEN Grimms) geht der Name auf germanische Wurzeln zurück und stellt einen Bezug zum Gott Wotan her, andere Quellen stellen ihn in die Nähe der Göttin Perchta, welche auch als „Frau Holle“ bekannt ist. Sowohl für Wotan, der die Wilde Jagd anführt (mehr dazu später im Dezember), als auch für Frau Holle mit ihren Kissen besteht eine starke Verbindung zur Weihnachtszeit, so dass diese Verbindung zumindest nicht ganz abwegig ist. Wenn die Tradition Knecht Ruprecht also zu einem Diener des Heiligen Nikolaus macht, sieht man sehr schön, wie vorchristliche und christliche Traditionen miteinander verbunden wurden.

Andere Quellen führen Knecht Ruprecht beispielsweise auf einen Priester namens Ruprecht zurück, der die Christmette gegen betrunkene Bauern verteidigte, oder auch auf einen historischen Burgherren der Ruprechtsburg in Thüringen, von dem es heißt, er habe Kinder gefressen. Und bei den Niederländern ist als Äquivalent der „Zwarte Piet“ ein Mohr, der mit einem Schiff aus der ehemals niederländischen Kolonie Spanien kommt und lustige Possen treibt. Diesen Angaben zufolge wäre Knecht Ruprecht nicht älter als etwa fünfhundert Jahre. Genaues lässt sich aufgrund der mageren Quellenlage heutzutage nicht mehr sagen. Der Fantasie tut das jedenfalls keinen Abbruch.

Wo wir ihn heute finden

Je nach Gegend, in der man aufgewachsen ist, gilt Knecht Ruprecht entweder als freundlicher Helfer des Nikolaus – oder als gruselige, möglicherweise gehörnte Figur, die die unartigen Kinder bestraft. Vor allem dieses Bild wurde in den letzten Jahren verstärkt in Horrorfilmen umgesetzt („Krampus“, „A Horror Christmas“, „Mother Krampus“). In der Fantasyliteratur taucht Knecht Ruprecht oder Krampus hingegen seltener auf*, obwohl eine derart ambivalente Figur reichlich Spielraum für übernatürliche und fantastische Interpretationen bietet.

Am ehesten begegnet man ihm noch als zweidimensionalem Helfer von Nikolaus oder Weihnachtsmann in Märchen und Kindergeschichten. Vielleicht liegt das auch daran, dass man inzwischen glücklicherweise weitgehend davon abgekommen ist, Kinder körperlich zu züchtigen, und in diesem Zusammenhang auch nicht mehr mit einem „schwarzen Mann“ droht. Dabei gäbe es so viele schöne Einsatzbereiche für Knecht Ruprecht – vielleicht ist er ein Waldgeist? Ein Dämon, der den Menschen Gutes tun möchte? Ein tollpatschiger Engel? Oder vielleicht ist er doch ein finsterer Geselle, vor dem man sich in den langen, finsteren Winternächten schützen muss?

Eines kann man mit Sicherheit sagen – Knecht Ruprecht ist als Figur auf jeden Fall viel interessanter als die niedlichen Weihnachtselfen, die mit den US-amerikanisierten modernen, bunt blinkenden Bräuchen zu uns herübergeschwappt sind.

*ein kleiner Hinweis, im Adventskalender unserer Norne Anne Zandt ist der Krampus sogar zentral 😉 – Anm. d. Red.

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann

Wahnsinn in 50k oder warum die Pomodoro-Methode auch im Haushalt hilft (Irina Christmann)

Der NaNoWriMo neigt sich dem Ende zu. Viele haben schon die 50k erreicht, wieder andere haben aus verschiedenen Gründen aufgegeben.

Manche Geschichten sind beendet, andere fangen gerade erst an …

Ein großes Ereignis kommt nicht ohne Zahlen aus, auch wenn ich** kein Freund dieser ständigen Wordcountdurchsagen bin, fand ich die tägliche Info erstellt durch Eluin nur für unsere Servergruppe doch sehr interessant. Überrascht habe ich zur Kenntnis genommen, dass das gesamte Team bereits am 15.11.2017 rund 1 Million Wörter geschrieben hatte. Zum Vergleich: Das ist mehr als doppelt so viel wie bei Herr der Ringe und ein bisschen weniger als alle Harry Potter Bände zusammen.

Ich sage, wir sind alle Gewinner, egal ob wir eine Story beendet oder einfach nur ein Stück vorangebracht haben, egal ob der Button sich grün gefärbt hat oder eben nicht. Wichtig ist, dass man es versucht hat. Und genauso wichtig ist das Erkennen der eigenen Grenzen. Was bringt es, zwei Wochen Schreiburlaub zu machen, wenn man den größten Teil des Tages nur vor dem PC sitzt und den blinkenden Cursor auf dem halbleeren Dokument anstarrt – wie ich letztes Jahr – statt konzentriert eine Stunde zu schreiben, bevor man ins Bett geht, oder vor der Arbeit, auf dem Weg dahin, oder wo und wann auch immer man sich am besten fühlt?!

Für mich lebenswichtig war das #team5am

Spätesten 5.30 Uhr starteten wir in einen Wordsprint und mindestens die Hälfte des Tagespensums war geschafft. Ein bisschen chatten während des ersten Kaffees, Tees, Kakaos des Tages und mein Tag konnte so richtig losgehen. Mit dem Wissen schon so viel geschafft zu haben waren auch Rechercheaufgaben für das Schulprojekt des Kindes oder der Einbau von Rauchmeldern zu verkraften und mehr oder weniger eine Randerscheinung, die mich kaum aus der Fassung bringen konnte. Der Abendspaziergang mit dem Hund diente der Planung der Szenen für den nächsten Schreibtag und nach erfolgreichen Tagen gönnte ich mir statt weiterer Schreibzeit einen Film oder ein gutes Buch. Auch wenn ich wusste, dass ich eigentlich noch schreiben könnte. Allerdings ist es viel einfacher morgens mit den schon fertigen Ideen anzufangen, als erst neue ausbrüten zu müssen.

Dieses Gehemmtsein hält sich bei mir, nämlich im Zweifel den ganzen Tag. Ich persönlich bin total froh, wie der NaNo bei mir gelaufen ist. Von Anfang an hatte ich eine tolle Truppe zusammen, mit der ich mich täglich mehrmals über unseren Chatserver austauschen konnte. Immer war jemand da, mit dem man sich freuen konnte sich virtuell ausheulen. Wir haben uns mit WordWars zum nächsten Ziel getrieben und zwischendurch mal eben schnell den Plot geändert, weil es sich eben so ergeben hat. Wir haben neue Wörter erfunden, uns mehrmals gewünscht einen Zeitregulierer wie Hermine Granger zu haben, oder mit Dr. Who in die Tardis steigen zu können. Wir haben Charaktere getauscht, Namen erfunden und uns über das Lieblingsprogramm unserer Kinder unterhalten, denn ja, die meisten von uns sind schreibende Mütter oder Väter, Studierende, volltags arbeitende Menschen die um jede Minute Schreibzeit kämpfen.

Zu wissen, dass man nicht alleine ist, hilft ungemein

Irgendwann zwischendrin hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich wollte die 50k nur mit Sprints erreichen, von diesem Ziel bin ich derzeit noch ziemlich weit entfernt, aber noch kann ich es schaffen. Aber es tut gut ein Wortpolster zu haben, wenn es doch noch eng wird. Denn tatsächlich geht bei mir eben immer das echte Leben vor … Auch wenn es sich um Bügelwäsche oder die Reinigung des Treppenhauses handelt.

Wie sich herausgestellt hat, ist eine Abwandlung der Pomodoro-Methode durchaus praktisch für mich: Nach einem Schreibintervall weg vom Rechner, und z. B. die Wäsche aus der Maschine aufhängen, oder in den Trockner packen. Dabei die Gedanken ein bisschen wandern lassen und mit einer neuen Idee nach erledigter Aufgabe zurück an den Rechner. Nach einem weiteren Schreibintervall dem Berg Bügelwäsche zu Leibe rücken. Und wie sich herausgestellt hat sind – genau wie im NaNo – die kleinen Schritte am Ende auch effektiv. So effektiv sogar, dass dafür am Wochenende plötzlich mehr Schreibzeit vorhanden war, weil die Wäsche eben schon gemacht und das Treppenhaus schon am Donnerstag gewischt war.

Es sind Erfahrungen wie diese, die ich aus dem NaNo 2017 mitnehme. Danke, dass ihr in „meinem Team“ wart und wir diese Zeit zusammen erlebt haben.

**Autorin des Beitrags ist Irina Christmann

Fantasy und Trauma (Paula Roose)

Traumata in Märchen haben eine lange Tradition. Schon von Alters her haben Menschen fantastische Geschichten genutzt, um schwierige Seelenlagen zu beschreiben.

Ein Trauma ist eine Verletzung durch Gewalteinwirkung, im Körper genauso wie in der Seele. Mit dem Unterschied, dass man ein körperliches Trauma von außen sehen kann. Wer in einem Unfall einen Arm verliert, muss nicht um Hilfe kämpfen. Er wird versorgt, bekommt Mitgefühl und auch eine Würdigung seines Leides. Er muss nicht erklären, warum er nicht mehr klatschen kann.

Das Leid eines seelischen Traumas ist nicht sofort sichtbar. Der Betroffene zieht sich zurück und seine Mitmenschen denken, er braucht Ruhe. Er vermeidet gewisse Dinge, vielleicht öffentliche Plätze oder Autofahrten und auch hier denkt sich niemand etwas dabei. Er schläft schlecht, zittert, hat Albträume … ja, und da wissen Angehörige und Freunde auch oft nicht, was sie tun sollen. Die Hilflosigkeit dem Erlebten gegenüber ist bei Opfern und ihrem Umfeld oft gleichermaßen vorhanden. Wer Opfer von seelischer Gewalt wurde, landet häufig auf Klinik- oder Therapiewartelisten und wird mit seinem Schmerz alleingelassen.

Beide haben vielleicht gemeinsam, dass sie nicht über das Erlebte sprechen können. Der eine muss es auch nicht, weil man es ihm ansieht. Dem anderen bleiben Hilfe und Würdigung seines Leides dadurch versagt.

Fantasy eignet sich oft gut als Chiffre für Traumata (Grafik: Elenor Avelle)

Trauma im Märchen

Sprache finden für das Unaussprechliche. Darum geht es in Märchen. Was die Seele nicht in Worte fassen kann, gelingt in Bildern. Und diese Bilder schenken Verstehen und wurden schon immer dazu gebraucht, Ungeheuerlichkeiten auszusprechen.

So erzählt das Märchen »Allerleirau« von sexuellem Missbrauch, »Der Mann im Eisenofen« beschreibt einen Narzissten, »Der Teufel mit den drei goldenen Haaren« innerpsychische Konflikte. Sehr deutlich wird es bei »Rumpelstilzchen«, in dem Unmenschliches von der Müllerstochter verlangt wird, sie es nur mit übernatürlicher Hilfe bewältigen kann und das Problem erst behoben wird, nachdem es beim Namen genannt wurde. Aber auch jüngere Literatur greift das Thema auf, »Harry Potter« z.B. beschreibt Merkmale der posttraumatischen Belastungsstörung sowie deren Bewältigung, und auch Frodo leidet zum Ende »Der Herr der Ringe« unter einer PTBS.

Ich* selbst habe in einem Roman häusliche Gewalt zum Thema gemacht. Entstanden ist er, als ich einen Betroffenen fragte, ob ich mir das so vorstellen müsse: Der Vater ein Drache, die Mutter ein Bär, und immer der Geruch von verbranntem Bärenfell in der Luft? Das Bild traf es in seinen Augen genau und wurde zur Geburtsstunde von Drachentau. Die Umwege über Bilder leisten das, was Betroffene nicht zu tun vermögen: Sie sprechen das Unaussprechliche aus und machen es für Außenstehende fühlbar. Wie furchtbar, denkt jemand, der eine bildhafte Szene liest, eher, als wenn er es real erzählt bekommt, vielleicht noch mit tonloser Stimme, weil der Betroffene nicht anders kann.

Paula Rooses Fantasyroman Drachentau

Verarbeitung durch Perspektivwechsel

Aber Märchen und Bildsprache leisten noch mehr. Sie ermöglichen Lesern, Distanz zur Geschichte zu bewahren, selbst zu bestimmen, wie nah sie das Geschehen an sich herankommen lassen möchten. Real erzählt wären Traumageschichten für Betroffene kaum lesbar. Es würde das Erlebte zu sehr wieder wachrufen, sie triggern. Im Fantasygewand ist es im Zweifelsfall eben nur eine erfundene Geschichte, die ich wieder ins Regal stellen kann.

Traumata sind Teil unseres Lebens, ob wir wollen oder nicht. Fast jeder hat schon mal etwas Schlimmes erlebt oder kennt jemandem, dem etwas passiert ist. Mich beeindruckt, dass Bilder, die das Geschehene beschreiben, oft von ganz alleine kommen. Ich denke, das ist auch der Grund, warum sie so universell funktionieren. Es gibt eine Sprache, die jeder versteht, die in besonderer Weise Mitfühlen möglich macht. Die Bildsprache. Ein kinästhetisches Prinzip sagt, wenn die Last zu schwer ist, musst du den Weg verlängern. Märchenbilder verschaffen uns diese Umwege, lassen uns die Last in kleineren Portionen auf die andere Seite bringen, im besten Fall ins Verstehen.

Und noch etwas leistet Fantasy. Wenn das Leid am größten ist, die Lage aussichtslos, der Tod unausweichlich, lässt sich Hilfe durch Magie herbeirufen. Sie beflügelt die Fantasie, nimmt der Schärfe die Spitze, schafft Auswege in Sackgassen. Das tut der Seele gut und kann ein heilsames Potential entfalten. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum ich das Fantasygenre für meine Traumageschichten gewählt habe. Der Drache ist zu Staub zerfallen, die Eishexe im ewigen Feuer verbrannt. Und ein kleines bisschen Magie trägt jeder in sich. Das behaupte ich jetzt einfach mal.

 *Autorin des Beitrags ist Paula Roose

(Quellen: Hans-Peter Röhr »Narzissmus, das innere Gefängnis«, »Vom Glück, sich selbst zu lieben«, »Ich traue meiner Wahrnehmung«; Verena Kast »Abschied von der Opferrolle«)

Der nornige Adventskalender steht vor der Tür

Hohoho, nein, halt, Moment. So weit waren wir noch nicht. Also nochmal auf Anfang.

Am ersten Dezember startet unser Adventskalender. Jeden Tag könnt ihr auf unserer Facebookseite einen Drabble (eine Kurzgeschichte mit genau 100 Worten) lesen, den eine unserer Nornen geschrieben hat. Mal wird es dabei fantastisch, mal gruselig oder auch weihnachtlich. Nein, nicht jede unserer Geschichte wird vor Magie sprühen, aber alle werden euch überraschen, Blickwinkel erweitern, Perspektiven eröffnen, die vorher nicht da waren. Absichtlich wollen wir damit nicht „nur“ Weihnachtsstimmung verbreiten, denn auch unsere Leser*innen sind vielfältig und vielleicht gar nicht an Christkind oder Weihnachtsmann interessiert.

Kurz ein Universum schaffen

Dass ein Text nicht lang sein muss, um Botschaft und Emotion zu vermitteln, ist nichts Neues. Ernes Hemingway, so eine bekannte Anekdote, wettete einst, dass er in nur sechs Worten eine vollständige Geschichte erzählen könnte. „For Sale: Baby shoes, never worn“ erzählt ein tragisches Schicksal, sechs Worte, die rühren und ein Universum mit sich bringen. Auch in Romanen ist es wichtig, auf den Punk zu kommen, Spannung aufzubauen und dann den Leser doch immer zu überraschen. Drabbles sind dafür nicht nur eine gute Schreibübung, sondern Kürztgeschichten, die Leser mit wenigen Worten in den Bann ziehen, Erwartungen wecken, zum Nachdenken anregen und darum Autorin wie Lesern Spaß machen.

An den Adventssonntagen könnt ihr die bisherigen Drabbles hier auf dem Nornenblog nachlesen. Wir wissen, nicht alle Leser*innen sind auf Facebook zu finden und so habt ihr ein extra Schmankerl, wenn ihr euch Sonntags ausruht und bei uns reinschaut. Schon jetzt möchte ich** mich aber bei allen Nornen bedanken, die mitgemacht haben. Der Kniff des Drabbles ist die Pointe im letzten Satz, die alles ändert. Tausend Dank an meine lieben Kolleginnen, den Eifer, die Worte und die Begeisterung. Unser Netzwerk ist ein junges, aber das Engagement ist groß.

Ich freue mich sehr auf eure großartigen Texte, wir werden 24 Mal Leser damit bewegen, ich weiß es. Freut euch mit mir auf den Dezember und den nornigen Adventskalender.

**Autorin des Textes ist Eva-Maria Obermann

Fragefreitag: Spielt der Herbst in deinen Büchern eine Rolle? Wenn ja, welche?

Willkommen beim Fragefreitag im Nornennetz. Hier beantworten unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Spielt Herbst in deinen Büchern eine Rolle? Wenn ja, welche?

Jana Jeworreck alias Moira: Ja, auch wenn die Jahreszeit nicht direkt benannt wird. Es ist die Zeit des Vergehens. Man könnte auch von der Schönheit des Sterbens sprechen. Es wird dunkler und kälter. Zugleich rücken aber auch Menschen näher zusammen.

Elenor Avelle: Wetter spielt in meinen Geschichten eine große Rolle. Ich finde die emotionale Wirkung auf die Stimmung sagenhaft. Das raschelnde Laub – die mystische Vorstellung des Todes, der stürmische Wind – Fernweh und das Unbekannte, die kahlen Bäume – Trostlosigkeit mit der Hoffnung auf den Neuanfang.

Babsi alias Bluesiren: Ja, meine Geschichte spielt im Herbst!

EmmaN alias Karin (e.) Novotny: Ja, mehr Regen und mehr Kälte heißt, dass meine Protas öfter mal vor dem Kamin sitzen und reden, oder früh zu Bett gehen und reden – und das haben die dringend nötig!

Susann Julieva: Ja! Meine Lieblingsjahreszeit spielt ziemlich oft eine Rolle. Sie hat einfach eine wunderbare Atmosphäre, mal traumhaft schön, mal nebelig-gruselig.

Elea Brandt Meine letzten Projekte spielten vor allem in Regionen, in denen es keinen typischen Herbst gibt – dabei LIEBE ich diese Jahreszeit. Meine nächste VÖ, „Unter einem Banner“ spielt deswegen nur im Herbst. Rot-goldene Wälder, Pfützen auf der Straße, Nebel über den Wiesen … wunderschön!

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ja, oft. In „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ erlebt Dora den Übergang von Herbst zu Winter, auch in anderen Büchern kommt Herbst immer wieder bei mir vor. In einem Projekt habe ich ihn sogar personifiziert und natürlich kommt er in meinen Gedichten vor. Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit, weil er bunt und stark ist.

Diandra Linnemann: Die „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe findet im Verlauf eines Jahres statt und beginnt UND endet zu Samhain, was im Oktober oder November liegt. Von daher – definitiv. Außerdem ist der Herbst meine liebste Jahreszeit – der Nebel, der Wald, das Laub, Drachensteigen, heiße Schokolade, Regen, Tee, Lichterfeste, …

Jasmin Engel: Es ist meine Lieblings-Jahreszeit und ich lasse viele Szenen darin spielen, aber nie einen ganzer Roman oder Novelle ausschließlich im Herbst.

#NornenNaNo (Irina Christmann)

Viele von Euch wissen, was sich hinter dem schon seit Oktober vermehrt auftretenden Hashtag #NaNoWriMo verbirgt. Bei allen, die ihn kennen, kribbelt es bereits in den Fingern, bis es endlich los geht. Für alle anderen versuche ich** mich an einer – eher persönlichen – Erklärung:

Das Ziel des NaNoWriMo ist 50.000 Wörter, verteilt über den Monat November zu schreiben und eine tägliche Schreibroutine zu entwickeln. Im Idealfall hat man damit ein Projekt abgeschlossen. Frei nach dem Motto: „Einfach schreiben, nicht denken!“ Weil zu viel nachdenken über einzelne Szenen den Schreibfluss hemmt.

Als ich 2014 zum ersten Mal beim NaNo mitmachte, hatte ich keine großen Erwartungen. Jahrelang hatte ich mir gesagt, dass ich dazu keine Zeit habe und die hatte ich 2014 auch nicht, aber das war mir egal. Dann gewinne ich den NaNo eben nicht. Einen Monat vorher habe ich mich mit dem Buch „Ready. Set. Novel!“ von Chris Baty (NaNo Gründer) auseinandergesetzt und gelernt, dass man den inneren Kritiker ausschalten muss. Kein Überarbeiten, kein Steckenbleiben, einfach immer weiterschreiben. Der NaNo kam, ich schrieb und plötzlich saß ich am 29. November mit einem fertigen Roman und 90000 Wörtern da. Jahrelang hatte ich Dutzende angefangene Romane, plötzlich konnte ich Romane schreiben. Für mich ist der NaNo ein Befreiungsschlag gewesen und hat mir den Weg zum Autorentum geebnet. Seitdem habe ich das Wortziel noch mehrere Male übertroffen und jedes Jahr einen fertigen Roman produziert. Dieser Monat ist für mich etwas ganz Besonderes, ein wilder Schreibreigen, Weihnachten für Autoren und eine Herausforderung – jedes Mal aufs Neue. (Janna Ruth)

Spätestens zum 1. November sind die Projekte auf NaNoWriMo.org angelegt, die Plots fertig, die Charakterbögen geschrieben. Auf dem liebsten Streamingdienst ist die Playlist gespeichert und die Liste der Schreibbuddys aktualisiert und ausgemistet. Die Knabbervorräte wurden aufgefüllt und das „Bitte nicht stören“ Schild hängt an der Bürotür bereit. Erfahrene Familienmitglieder wissen, dass ab sofort Ausnahmezustand herrscht. NaNo-Neulingen sei empfohlen: Immer genug Schokolade, Chips oder was auch immer ihre Liebsten besänftigt bereit zu halten, falls man doch mal gestört hat.

Warum also tut man sich das (zum ersten Mal) an? Ich habe die Autorinnen des Nornennetzes gefragt:
Zwei NaNo-Erstlinge haben das geantwortet:

Ich will beim NaNoWriMo mitmachen, weil ich es als Herausforderung sehe, die 50k Wörter im November zu knacken. Und ich mache mit, weil es schön ist, gemeinsam mit den Nornen zu schreiben, als eine Gemeinschaft. Deswegen wird dieser Nano (mein erster übrigens) etwas ganz besonderes. (Grace Mortis)

 

Ich schreibe im NaNo mit weil ich etwas Neues ausprobieren mag und dabei noch gar nicht genau weiß, worauf ich mich einlasse. Ich vertraue auf Unterstützung meines Schreibbuddies und meiner Kolleginnen und Kollegen und bin schon sehr neugierig, was geschehen wird. (EmmaN aka Karin Novotny)

Man merkt, auch wenn man die beiden nicht kennt, wie aufgeregt sie jetzt schon sind (die Antworten habe ich mir Mitte Oktober geben lassen) und wie sehr sie sich freuen, endlich loslegen zu können.

Wir haben uns auf einen gemeinsamen Hashtag geeinigt und werden Euch unter #NornenNaNo täglich auf dem Laufenden halten, wie es uns geht. Außerdem gibt es die #NornenCrawls von Janna Ruth auf die ich schon sehr gespannt bin.

Ich bin am ehesten bei dieser Antwort:

Ich mache beim Nano mit, weil es motiviert mit anderen zu schreiben. Der wichtigste Grund für mich ist aber der, mir selbst zu beweisen, dass ich es kann. (Michelle Janßen)

Auch der extra eingerichtete Chatserver (Gäste sind gerne willkommen, wendet Euch einfach an Irina)  gleicht einem Bienenstock. Ständig wird geredet, geplant, Erfahrungen ausgetauscht. Meine persönliche Lieblingskategorie wird der der #SatzdesTages sein.

Obwohl ich bereits einen erfolgreichen NaNoWriMo hinter mir habe, bin ich froh, dass auch „ wirklich alte Hasen“ dabei sind, die immer wieder versichern, dass die Welt nicht untergehen wird, wenn man es nicht schafft. Auch wenn diese Antwort sich ein bisschen anders anhört:

Ich schreibe den NaNoWriMo mit, weil ich es mir nicht vorstellen kann, es nicht zu tun. Nachdem ich 2013 das erste Mal mitgemacht habe, habe ich Blut geleckt – und als ich 2014 wegen meiner Bachelorarbeit einmal aussetzen musste, habe ich gelitten wie ein Hund. Alle um mich herum machen mit und nur ich nicht … Freiwillig tue ich mir das Nicht-Teilnehmen sicher nie wieder an, das fühlt sich an, als würde man mir das Herz bei lebendigem Leibe rausreißen. Alle um mich herum feiern ihren Wordcount, haben Spaß … und ich?
Das ist aber auch das, was mich stört: Wenn man mal NICHT mitmacht, hat man das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Es tut fast schon körperlich weh.
Was, wenn ich mal wieder aussetzen muss? Wie soll ich das eigentlich aushalten? (Evanesca Feuerblut aka Katherina Ushachov)

Ich kenne sogar Autor/innen, die im November keinerlei gesellschaftliche Verpflichtungen wahrnehmen, zum Zahnarzt oder zum Friseur gehen. Einige nehmen sogar Urlaub, um schreiben zu können. Die andere Fraktion hingegen belohnt sich am Ende jeder Woche mit einer Kleinigkeit oder hat sich vielleicht für das Erreichen der 50k eine größere Anschaffung in Aussicht gestellt.

Ich persönlich habe einen Mittelweg gewählt, es gibt die NaNo-Box von Writer´s Soul vorab und ich gehe auch zum Friseur, weil dann endlich meine Wunschfrisur dran ist, auf die wir seit einem halben Jahr hinarbeiten. Was ich schreiben kann, schreibe ich. Aber ich weiß auch, dass etwas in deinem Leben passieren kann, und du bist auf einmal einfach leer und hast das Gefühl, die Tastatur durch den Schredder jagen zu müssen.

Fazit bei allen Beiträgen, die ich dazu gelesen habe und allen Teilnehmer/innen die ich gefragt habe ist:

Jeder NaNo ist anders, aber für die meisten ist dabei sein alles. Weil es Spaß macht, sich mit anderen „Verrückten“ auszutauschen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmern einen tollen NaNoWriMo2017! Ich persönlich freue mich auf viele Schreibstunden mit dem #team5am und alle Hashtags zum ersten #NornenNaNo.

** Autorin des Beitrags ist Irina Christmann