Selfpublishing – ein persönlicher Erfahrungsbericht (Moira aka Jana Jeworreck)

Die Veröffentlichung meines** Debütromans im Selfpublishing ist bereits einige Jahre her. Zunächst bewarb ich mich damit bei Verlagen und Agenturen. Ich erhielt nur vereinzelt Antworten ohne Ergebnis und da ich mein Buch nicht in der Schublade liegen lassen wollte, entschloss ich mich, es einfach selbst herauszubringen. Die überraschend positiven Reaktionen ermutigten mich, auch meine nächsten Bücher selbst zu veröffentlichen.

Jana Jeworrecks Roman Dreiland

Trotz der erfreulichen Erfahrungen will ich aber zunächst mit der Beschreibung der Schwierigkeiten beginnen, da es beachtenswerte Punkte des Selbstverlegens sind:

Alles in einer Person?!

Ich bin Autorin, Produzentin, Schriftsetzerin, Grafikerin, Marketing -und Presseagentin in Personalunion und finanziere mein Lektorat selber. Am Anfang ist es unglaublich stressig, anstrengend und nicht immer perfekt, alles selber zu machen und vor allem finanzieren zu müssen. Jeder der Tätigkeiten wird in der Regel von Profis ausgeführt. Für eine Einzelperson ist das auf dem Niveau nicht zu leisten oder, wenn man es gar nicht selber macht, nur schlecht zu finanzieren.

Man reibt sich an den Hürden der Professionalität auf und der Frage, was von all den Informationen eigentlich Priorität hat.

Wähle deine Zielgruppe genau! Mach das Cover gefälligst gefällig. Schreib einfach, aber nicht zu einfach. Sei preiswert und sag es jedem, aber verkaufe dich nicht unter Wert. Lass dir von Lesern sagen, was ihnen gefällt und was nicht und dann halte dich dran, aber zugleich sei du selbst und mach, wie du es meinst.

Ja was denn nun?

Wenn man also endlich diesen Eiertanz hinter sich hat, bekommt man für die Vielfachleistung, die man für den Preis eines Cocktails mit Schirmchen erbringt, noch große Skepsis entgegengebracht, weil man ja „nur“ selbst verlegt hat. Damit muss man umgehen lernen, wenn man sich als Selfpublisher versucht.

Die meisten der genannten Argumente sind auf der anderen Seite aber auch absolut positiv. Es ist wahnsinnig toll, alles selber machen zu können. Das „was“ und „wann“ sind deine Entscheidungen und es ist eine wundervolle Freiheit. Die meisten der weiter oben gelisteten Jobs bereiten mir Spaß. Neben dem Schreiben arbeite ich gern am Cover, verbinde Bilder mit Texthäppchen, bereite Posts für Facebook und Instagram vor und plane Aktionen. Alle Ideen, sofern nicht zu abstrus, kann ich im Selfpublishing zum Ausdruck bringen und das schnell.

Viele Nornen veröffentlichen (auch) als Selfpublisher

Erfolgserlebnis, hausgemacht

Besonders der letzte Punkt ist hervorzuheben. Man wartet nach Fertigstellung eines Projektes bei Verlagsbewerbungen häufig bis zu sechs Monaten oder sogar länger auf Antwort. Meistens erhält man noch nicht einmal mehr eine Absage. Solange liegt der Roman auf der Festplatte rum und – zumindest bei mir war es so – der eigene Antrieb, weiterzumachen, wird gehemmt

Im Weiteren liegt der Vorteil des Selbstveröffentlichens darin, dass Fehler, die ich selber mache, ich auch mit mir selber ausmache. Außerdem habe ich nach Kritik durchaus den Ehrgeiz, immer besser zu werden.

Selfpublishing ist der Preis der Freiheit. Man braucht hohe Motivation und auch Geschäftsverständnis. Man ist selbständig und muss sich dementsprechend fragen: Kann (und will) ich jeden Tag schreiben und mich verbessern und voranbringen und pushen und ein Projekt beenden? Oder werde ich aufgeben, wenn es nicht so läuft? Diese Entscheidung muss jeder für sich selber fällen.

Informieren!

Durch viele Angebote im Internet kann man die eigene Fehlerquote langsam senken. Die Möglichkeiten sollte man jedoch immer auf Herz und Nieren prüfen, denn jede Fehlentscheidung kostet Zeit oder Nerven oder Geld, gerne auch mal alle drei Dinge gleichzeitig,

Nur Verlage können es sich leisten, eine große Menge hochwertiger Druck-Erzeugnisse und Werbematerialien zu produzieren und zu streuen. Auch die ausgearbeiteten Vertriebswege werden sicherlich noch eine ganze Weile in den Händen der Verlage bleiben, obwohl sich auch in diesem Bereich etwas tut. Zum Beispiel ist der Zugang zu guten Druckbüchern mit ISBN bereits erheblich leichter geworden.

Solange die Buchhändler allerdings für Selfpublisher nicht zugänglicher werden, wird Amazon seine Krakenarme weiter ausbreiten und Eigenverleger ansaugen, denn dort bekommt man für die ganze Arbeit und Eigenleistung wenigsten einen einigermaßen anständigen Geldanteil zurück.

**Autorin des Beitrags ist Moira aka Jana Jeworreck

Novizinnen fragen nach: Neun Fragen an die Nornen (Grumpy Moon)

Jeder kennt heutzutage die römische Mythologie, nach deren Göttern die Planeten und Asteroiden unseres Sonnensystems benannt sind – da wären unter anderem der größte Planet und Göttervater Jupiter, der am weitesten entfernte Planet und Gott der Unterwelt Pluto, und die Nachbarin der Erde sowie Liebesgöttin Venus. Selbiges gilt für das griechische Gegenstück mit ebenfalls bekannten Namen wie Zeus, Hades und Aphrodite. Aber wie viele Menschen kennen im Vergleich dazu eigentlich Urd, Verdandi und Skuld?

Die Nornen

Die Rede ist von den Nornen, Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie, die mich** persönlich mehr fasziniert als ihre römischen und griechischen Pendants, und jene Faszination spiegelt sich unter anderem in meinen eigenen Romanen wider. Auch die Nornen kommen in abgewandelter Form darin vor, und umso mehr hat es mich begeistert, auf meiner Suche nach einem geeigneten Autorenclub von der Existenz des Nornennetzes zu erfahren, einer Vereinigung von mittlerweile über 70 Fantasy-Autorinnen, die sich unter anderem für die Gleichberechtigung weiblicher Schriftsteller auf dem Arbeitsmarkt einsetzen und mit Ständen auf verschiedenen Buchmessen vertreten sind.

Auf dem Weg, selbst eine Norne zu werden – hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde! –, durfte ich letztens die Gelegenheit wahrnehmen, drei Autorinnen, die die sinnbildliche Aufnahmeprüfung bereits bestanden haben, nach ihren persönlichen Ansichten und Erfahrungen zu befragen. Da es für mich das erste Mal ist, dass ich in Bezug auf mein liebstes Hobby von so vielen Gleichgesinnten umgeben bin, hat mich in erster Linie deren Autoren-Werdegang interessiert. Es folgen neun Fragen an die Nornen, in guter alter Nornen-Tradition sowohl über ihre Vergangenheit als auch ihre Gegenwart und die Zukunft!

Die Geschichte des Namens

Wie es häufig bei Sängern, Schauspielern und anderen Künstlern der Fall ist, zieht auch der eine oder andere Autor es vor, seine Werke nicht unter dem Namen zu veröffentlichen, der in seiner Geburtsurkunde steht. Nicht wenige – mich eingeschlossen – tendieren dazu, ein Pseudonym zu wählen, und die Gründe dafür sind so vielfältig wie diese Pseudonyme an sich. Ich habe Evanesca, Stella Delaney und Luna Grace dazu befragt. Erstere erzählte mir eine interessante Geschichte über die Protagonistin eines ihrer früheren Werke, ein Mädchen namens Eva, das in einen Vampir verwandelt und in ein fremdes Land verschleppt wird, wo sie den neuen Namen Evanesca annimmt (»Die Verschwundene« auf Latein). Unzufrieden mit der Qualität ihrer Idee, hat die Autorin jene Geschichte nie ausgebaut, benutzt allerdings seither den Namen der Protagonistin als Pseudonym – wenn auch nur auf bestimmten Internet-Plattformen. Ihre Bücher veröffentlicht sie unter ihrem echten Namen, da ihr ein Pseudonym zu viel Aufwand und im Gegenzug keine nennenswerten Vorteile bringen würde.

Ganz anders sieht das Luna Grace (Sienna Morean), auch bekannt als Luna Skye, Grace Mortis, oder, wie ich persönlich sie nenne, »der andere Mond«. Der Grund für diese vielen verschiedenen Decknamen sind die verschiedenen Genres, in denen sie schreibt, aber auch sie hat beschlossen, sich in absehbarer Zukunft auf ein einziges Pseudonym festzulegen. Unter ihrem richtigen Namen möchte sie keine Geschichten veröffentlichen – etwas, das ich persönlich sehr gut nachvollziehen kann, da ich nicht gerade darauf brenne, als Autorin von allen wiedererkannt zu werden, die schon meine (etwas peinlichen) früheren Werke ertragen mussten… äh, genießen durften!

Stella Delaney geht den Mittelweg, indem sie sich einen Namen ausgesucht hat, der zwar nicht in ihrer Geburtsurkunde steht, jenem Namen aber doch sehr ähnelt und ihn im Alltag quasi ersetzt hat. Als Stella stellt sie sich vor, sowohl im wirklichen Leben als auch im Internet, ihre Freunde nennen sie so, und auch ihre Bücher verkaufen sich unter diesem Namen. Obwohl ihr ehemaliger bester Freund der Meinung war, dass der Name aufgrund seiner Bedeutung (»Stern«) gut zu ihr passt, war das nicht der Grund für ihre Wahl; in erster Linie wollte sie etwas, das natürlich klingt, noch nicht vergeben ist und auf mehreren Sprachen funktioniert, und diese Kriterien erfüllt ihr Autorenname auf jeden Fall.

Die Geschichte des Schreibens

Nachdem die Frage nach dem Künstlernamen geklärt war, wollte ich natürlich auch erfahren, wie, wann und warum man denn zum Verfassen originaler Geschichten kommt, denn bisher kenne ich nur meine eigene Geschichte, und die ist wirklich nicht sehr spannend; ich schreibe, seit ich schreiben kann, und davor habe ich meine Ideen aufgemalt. So gesehen gab es bei mir nie wirklich einen Punkt, an dem alles angefangen hat, es gehört einfach schon seit Anbeginn meines Lebens zu mir, und lange dachte ich, dass das bei den meisten Autoren so wäre. Weit gefehlt – während meiner Interviews bekam ich in dieser Hinsicht tatsächlich kein einziges Mal einen Spiegel vorgesetzt.

Während manch eine sich schon als Kleinkind Geschichten für Geschwister und Klassenkameraden ausgedacht, diese aber erst sehr viel später niedergeschrieben hat, versuchte sich eine andere zunächst an Fanfiktion und »zusammenplagiierten Bestandteilen der von [ihr] konsumierten Serien in Romanform«, bevor sie auf der Schwelle der Pubertät erstmals zu wirklich eigenen Projekten überging, und wieder andere entdeckten dieses Hobby erst in ihren Zwanzigern für sich. Daran zeigt sich, so unterschiedlich wie ihre Geschichten sind auch die Autorinnen, sei es nun das Gefallen am Erzählen selbst oder das Kennenlernen und Austesten eigener Fähigkeiten, das sie zum Schreiben motiviert, oder auch die eigene introvertierte Natur und das damit verbundene Streben, sich mit sich selbst zu beschäftigen, statt »draußen zu spielen«.

Eines haben sie allerdings alle gemeinsam: Der Umgang mit eigenen Geschichten, ob nun in geschriebener oder erzählter Form, ist mittlerweile ein fester Bestandteil ihres Lebens, und damit verbunden auch der Wunsch, die eigenen Werke zu veröffentlichen, denn »mehr als schiefgehen kann es ja nicht«. Aber hat man dafür neben seinen alltäglichen Pflichten überhaupt noch Zeit?

Der alte Hut von Hobby versus Pflichten, und wie man alles unter ihm vereint

»Wie findest du neben Beruf, Familie, etc. eigentlich noch Zeit zu schreiben?« Eine Frage, die ich nur sehr selten gestellt bekomme, denn die meisten meiner Bekannten wissen, dass ich gerne zuhause bleibe (statt auf Partys zu gehen), noch keine Familie gegründet habe (und auch nicht plane, das nachzuholen), und meine Tätigkeit als Autorin als meinen Hauptberuf betrachte (auch wenn sie mir momentan wesentlich weniger Geld einbringt als den halben Tag so zu tun, als wäre ich jemand anderes).

Aber nicht allen, die gerne schreiben, bleibt am Ende des Tages noch so viel Zeit dafür übrig wie mir, denn besonders Stella hat in dieser Hinsicht in erster Linie mit ihrem sehr anspruchsvollen Brotjob zu kämpfen, während Luna nebenher noch ein kleines Kind versorgen muss. Evanesca hat das Glück, sich als Selbstständige ihre Zeit frei einteilen zu können, daher sagt sie: »Schreiben geht immer!« Letzten Endes muss jeder selbst zusehen, wie er all seine Pflichten unter einen Hut bekommt, und daran ändert sich auch nichts, wenn man als Norne das Schicksal selbst in der Hand hält. Wie schön es da manchmal wäre, einfach für ein paar Stunden in eine Phantasie-Welt abzutauchen!

Fantasy-Literatur…

… ist so etwas wie ein Aufnahmekriterium des Nornennetzes, aber nicht unbedingt. Auf meine Frage, welche anderen Genres sie noch bedient, beichtete mir Stella, dass Fantasy für sie im Grunde nur Nebensache ist, weswegen sie anfangs nicht sicher war, ob die Nornen sie akzeptieren würden. Ihre primären Genres sind nämlich »Mystery, Suspense, Dystopie und Krimi, kombiniert mit Queer-Romance-Elementen«, und damit ist sie nicht alleine. Auch Evanesca schreibt gerne dystopische Romane, dazu Science-Fiction und, wie sie es nennt, »exotische Untergenres« wie Garbagepunk und Arcanepunk. (»Exotisch« passt auf jeden Fall, denn ich musste diese Begriffe erst einmal nachschlagen, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.) Luna hingegen ist, wenn sie sich nicht gerade in ihren Phantasie-Welten herumtreibt, gerne in Liebesstimmung und schreibt in verschiedenen Bereichen der Romantik, allerdings auch Thriller. Und wie kommt man nun auf die Idee, sich mit solchen Kombinationen ausgerechnet bei den Nornen zu bewerben?

Wie wird man Norne?

Hauptsächlich, indem man durch Freunde oder Social-Media-Plattformen darauf aufmerksam wird und sich dann bewirbt. Eines davon oder sogar beides trifft jedenfalls auf jede meiner drei Interview-Partnerinnen zu, und auch auf mich selbst. Evanesca war sogar (fast) von Anfang an dabei, kam bereits kurz nach der Gründung hinzu, und hat mit dafür gestimmt, dem Autorinnenverband eben jenen Namen zu geben, den er heute noch verwendet.

Und was ist eine Norne denn nun?

Auch das wollte ich genauer wissen, oder besser gesagt: Wussten sie bereits, was die Nornen in der nordischen Mythologie sind, bevor sie selbst welche wurden? Auch hierzu gab es unterschiedliche und dennoch ähnliche Antworten: Evanesca kannte die griechischen Schicksalsgöttinnen, die Moiren, Stella deren römisches Gegenstück, die Parzen, und beide hatten von Nornen zumindest schon einmal etwas gehört. Nur Luna musste sich erst einmal im Internet informieren, da sie sich davor nicht besonders viel mit Mythologie beschäftigt hatte, aber auch sie findet die Bezeichnung sehr passend. Und wie könnte es auch anders sein? Autorinnen sind schließlich selbst nichts anderes als »Schicksalsgöttinnen der erschaffenen Welt, die die Geschicke der Figuren lenken«, wie Stella es wunderbar anschaulich auf den Punkt bringt. So weit, so gut.

Ja, aber hat man als Norne wirklich mehr Chancen, ein Buch rauszubringen?

Wahrscheinlich nicht. Wie bei anderen Autoren auch, ist das Schicksal, über das sie bestimmen, schließlich nur das ihrer Charaktere, nicht zwangsläufig ihr eigenes. Nornen mögen in anderen Mythologien anders heißen, sind aber dennoch stets weiblich, und das ist für manche Verlage oder Agenturen selbst heute noch ein Problem – eines, dessen die Nornen sich bewusst annehmen. »Solange im Vordergrund keine Liebesgeschichte steht, werden Frauen in der Fantastik oft nicht ernst genommen«, heißt es auf der Website, und obwohl – oder gerade weil – ich selbst mit derartiger Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt der Autoren noch keine Erfahrungen gemacht habe (was auch kaum möglich ist, wenn nur die wenigsten Verleger einem verraten, warum sie das Manuskript ablehnen), wollte ich wissen, wie es diesbezüglich bei den anderen aussieht.

Evanesca kann das, was auf der Website geschrieben steht, leider nur bestätigen: Als sie einem Bekannten von ihrem Hobby erzählte, ging dieser doch tatsächlich wie selbstverständlich davon aus, dass sie »etwas mit Liebe« schreiben müsse – dabei war mitunter das Erste, was ich über Evanesca erfahren habe, dass Romantik gerade nicht ihr Ding ist, auch wenn es in untergeordneter Form natürlich dennoch in ihren Werken vorkommen kann. Aber wie es scheint, herrscht im Großen und Ganzen die Meinung vor, dass »Männer das richtige Zeug [schreiben], Frauen schreiben Schmonzetten«.

Unter »richtiges Zeug« scheint auch alles zu fallen, was irgendwie mit Männern an sich zu tun hat, denn laut Stella, die unter anderem Gay Romance schreibt, wird weiblichen Autoren nicht zugetraut, dieses Genre glaubhaft darzustellen, oder männliche Figuren im Allgemeinen. Im Gegenzug seien Männer als Autoren »typisch weiblicher« Literatur nicht gerne gesehen und dazu angehalten, sich ein Pseudonym des anderen Geschlechts zuzulegen, wie auch Frauen, die Thriller schreiben. Der Sexismus macht also auch vor den Herren der Schöpfung nicht Halt. Als hätte man(/frau) als Autor(in) nicht ohnehin schon genügend Probleme…

Das Frustrierendste am Autoren-Dasein

Es beginnt mit Schreibblockaden oder einem akuten Mangel an Ideen und geht über das schwierige Zeitmanagement bis hin zu der unumstößlichen Tatsache, dass Schriftsteller (wenn sie nicht gerade Rowling heißen) nicht die allerbesten Chancen haben, mit ihrer Leidenschaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oftmals ist das geregelte Einkommen vom Brotjob abhängig, den man nicht selten weder so gerne noch so gut macht, und der wiederum die Zeit einschränkt, die man mit seiner wahren Berufung verbringen darf… zumal man sich auch nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt einfach hinsetzen und auf Kommando produktiv sein kann.

Das Schreiben ist ein Job wie jeder andere, auch wenn er von außen oft nicht als solcher wahrgenommen wird, da die meisten von uns ihn in ihrer Freizeit ausüben. Dann gibt es natürlich noch den inneren Kritiker, eine böse Zunge, »die nichts gut findet und immer meint, dass es sowieso nur Zeitverschwendung ist« (Stella). Wer kennt sie nicht? Und sollte sie einmal nichts mehr zu melden haben, weicht sie schnell der Unzufriedenheit von Agenturen und Verlagen, die leider auch noch ein Wörtchen mitzureden haben, und auf deren Absagen man noch dazu viel zu lange warten muss.

Das Autorenleben ist also definitiv nichts für die Ungeduldigen. Seien es brauchbare Ideen, Rückmeldungen von außen oder der Erfolg, auch nachdem man bereits etwas veröffentlicht hat – auf alles muss man warten, und das kann sehr frustrierend sein. Wir haben hier also ein Hobby, das sehr anstrengend ist, Geduld erfordert und sich am Ende womöglich nicht einmal auszahlt. Lohnt es sich demnach überhaupt, Autor zu werden?

Der richtige Garn, um sein Schicksal zu weben

Es lohnt sich – aber nur, wenn man weiß, worauf man sich einlässt, und sich dennoch bewusst dafür entscheidet. Autor zu sein »ist wie ein laufender Prozess, der niemals endet«, sagt Luna, denn ständig lernt man dazu, bildet sich weiter. Deswegen rät sie zukünftigen Autoren, klein anzufangen und seine Ziele anfangs nicht zu hoch zu stecken, um zu verhindern, dass man letztendlich »doch kein Autor mehr sein möchte, weil mehr zu tun ist als angenommen«. Da ist sie also wieder – die Geduld.

»Never give up!«, lautet Stellas Devise, denn auch wenn es manchmal noch so unmöglich scheint, den inneren Schweinehund und all die anderen Hindernisse zu überwinden, fühlt es sich doch umso besser an, wenn dabei eines Tages etwas Vorzeigbares herauskommt, worauf man stolz zurückblicken kann. Denn das Durchhaltevermögen, so Evanesca, »unterscheidet am Ende die, die gern ein Buch schreiben würden, und die, die es geschafft haben«.

**Autorin des Beitrags ist Grumpy Moon

Buntes Nornengestöber am Sonntag

Diesen Monat befassen wir im Nornennetz uns besonders mit Selfpublishing. Diesen Sonntag haben wir zwei interessante Artikel zum Thema für euch. Aber das ist nicht alles – freut euch auf Schreibtipps (die besonders für die CampNaNo-Teilnehmer wichtig sein könnten), den Umgang mit Vorurteilen und mehr in der Stöberrunde!

Welche Dinge man bei Selfpublishen unbedingt vermeiden sollte fasst euch die Leselupe in diesem Beitrag zusammen. Aufgepasst, es geht unter anderem um Lektorate bei Selfpublishern. Das war bei uns diese Woche schon Thema beim Fragefreitag!

Für diese Woche haben wir außerdem einen Artikel aus der Zeit zum Thema. Was sind Selfpublisher, warum gehen sie trotz großer Verkäufe oft unter und wie werden sie im Buchmarkt eingeordnet? Die Antworten auf diese Fragen findet ihr hier.

Nicht zwingend nur Selfpublishern sondern allen KünstlerInnen sind die Vorurteile von Brotlosigkeit in künstlerischen Berufen bekannt. Der verhungernde Autor, der nur so Meisterwerke schreiben kann, die Künstlerin die aufgrund ihres Liebeskummers emotionale Bilder erschaffen kann. Warum das nicht nur Blödsinn ist, sondern schlichtweg gefährlich sein kann, könnt ihr im Büchnerwald nachlesen.

Ihr macht beim CampNaNo mit und kommt einfach nicht weiter? Oder steckt ihr einfach generell in eurem Manuskript fest? Dann hat Nina Hasse 5 Schreibtipps, die euch vielleicht weiterhelfen werden. Und wer direkt auf der Seite bleiben möchte, kann sich ihren Artikel zum Thema Die Macht der Worte anschauen. Dort erklärt sie, wie man sich oft unterbewusst durch die eigene Sprache selbst schadet.

 

Was ist für euch die größte Sünde beim Selfpublishing? Wie steht ihr zu Stereotypen gegenüber dem Autorentum und macht ihr beim CampNaNo mit?

Fragefreitag: Wie wichtig findest du ein Lektorat?

Immer mal wieder geistert durch die Welt der Selfpublisher die Meinung, ein Lektorat wäre überflüssig. Wir fragen heute unsere Nornen und euch. Macht mit unter #NornenFrageFreitag und verratet uns: Wie wichtig findest du ein Lektorat?

Katharina Ushachov aka Evanesca: Sehr wichtig. Und das nicht nur, weil ich Lektorin bin. Klar, es wird Fehler geben, die Schnellleser*innen ohne Autorenhintergrund ohnehin überlesen. (Aus eigener Erfahrung: Es wird auch schon mal nicht bemerkt, dass ein halbes Kapitel fehlt, weil die Technik versagt hat). Aber ich als Leserin, die gleichzeitig auch Autorin und Lektorin ist, möchte ein sauber gearbeitetes Buch. Ein schlampiges oder nicht vorhandenes Lektorat sorgt dann schon mal dafür, dass ich Bücher von der Person nie mehr auch nur mit der Kneifzange anfasse.

Tiphaine Somer Elin: Lektorat ist wichtig, ganz klar – aber und das ist ein GROßES aber: er oder sie muss passen. Zur Autorin, zur Geschichte, zum Schreibstil. Sich mit einem Lektor über einen Schreibstil (nicht Einzelfehler, sondern Stil!) rumschlagen müssen, weil er/sie ein völlig anderes Verständnis von einer guten Geschichte hat, kann einem die Lust am Werk nehmen. Also genau suchen und auch AUSsuchen, damit es wirklich passt.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ohne Lektorat geht es nicht. Auch Autoren werden betriebsblind und übersehen kleine (und große) Logikfehler oder haben das Gefühl, manches wäre offensichtlich, was tatsächlich eher Fragen aufwirft. Ein gutes Lektorat findet diese Schwachstellen und hilft, sie auszubügeln, ohne den eigenen Stil oder die Intention zu verraten.

Janna Ruth: Natürlich ist ein Lektorat wichtig, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass gute (!) Testleser ein Lektorat am Anfang auch ersetzen können. Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Kolleginnen nicht den Lohn für ihre Arbeit zugestehe, aber gerade am Anfang ist ein Lektorat für einen ganzen Roman oft weit außerhalb des Budgets eines Selfpublishers. Daher lässt sich mit einer kleinen kritischen Armada von Testlesern trotzdem ein gutes, wenn auch arbeitsintensiveres Lektorat ersetzen.

Michelle Janßen: Das kommt drauf an. Wenn man wirklich als AutorIn leben möchte, kommt man um ein professionelles Lektorat nicht herum. Ich kann allerdings verstehen, wenn Selbstpublisher die noch nicht das Kapital haben, diesen Schritt übergehen.

Laura Kier: Ich finde sehr wichtig, dass Lektoren oder andere Autoren den Text eingehend prüfen. Es muss in meinen Augen nicht zwingend Geld fließen, um ein Buch qualitativ aufzuwerten. Ich hatte bereits extrem gute Betaleser unter Autoren, die besser waren als ein bezahltes Lektorat. Von daher: es muss eine prüfende Instanz drüber, die noch nicht Textblind ist und den Text kritisch betrachtet.

Diandra Linnemann: Ein Lektorat ist nicht zwingend notwendig, macht aber garantiert jeden Text besser, wenn die Lektorin etwas von ihrem Handwerk versteht. Als SP leiste ich mir keines und arbeite den Text stattdessen mehrfach mit exzellenten Testlesern durch, aber mein erstes richtiges Verlagslektorat war doch noch einmal eine andere Hausnummer. Ich war quasi sehr genervt und sehr verliebt gleichzeitig, wie in einer guten Beziehung.

Alexandra Bauer: Es ist wichtig, denn eigenen Fehler findet man im Text nicht! Ich ärgere mich IMMER über Fehler im Buch – vor allem über die im eigenen. Leider passiert sowas auch trotz Lektorat, was nicht passieren sollte. Letztlich trifft es immer den Autor/die Autorin.

Sarah König: Prinzipiell finde ich es wichtig, aber ich sehe es wie einige andere Nornen auch: Es muss für den Anfang kein bezahltes Lektorat sein, es müssen aber immer gut ausgewählte Leser sein, die mit dir das Buch testen, dich kritisieren, etc. Da ich mir selbst das SP noch nicht zugetraut habe, habe ich mich zur Entscheidungsfindung natürlich auch damit beschäftigt. Und die Kohle, die man für Lektorat und mehr ausgeben soll sind einfach unverhältnismäßig hoch, für das enorme Risiko, nichts davon wieder einspielen zu können.

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Unverzichtbar! Alleine Testleser können schon so viele Ecken und Kanten eines Textes herausarbeiten, ein professionelles Lektorat scannt das Dokument und hilft dabei, das beste aus dem Text herauszuholen.

Jasmin Engel: Wichtig bis sehr wichtig. Ich habe für meinen zweiten Roman ein Lektorat in Anspruch genommen und die Lektorin hat noch Fehler und Schwächen gefunden, die meine beiden Testleser und ich wohl nie bemerkt hätten.

June Is: Ich wollte früher ohne Lektorat nichts veröffentlichen, mittlerweile tue ichs doch – allerdings ausschließlich auf der HP. Ich glaube aber nicht, dass es sonderlich gut ist.

Nornengestöber im SP-Dschungel

Im April dreht sich bei uns alles um das Thema Selfpublishing. Immerhin haben wir einige erfolgreiche SP-Autorinnen im Netzwerk und finden die Thematik immer wieder interessant und wichtig. Damit ihr euch auch einlesen könnt, haben wir zur #Nornenstöberrunde ein paar wertvolle Links gesammelt. Viel Spaß beim Durchklicken.

Ein Verlagsvertrag ist der Traum vieler Autoren, aber manchmal versteckt sich dahinter ein unfaires Spiel. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, in einem Verlag unterzukommen, denkt daran, auch auf die Bedingungen zu achten. Bei der Autorenwelt findet ihr eine Charta der gerechten Vertragsbedingungen, da solltet ihr unbedingt reinschauen.

Aber auch Selfpublishing ist heute ein durchaus annehmbarer Weg, der Erfolg versprechen kann. Auf der Leipziger Buchmesse hat Marianne Kaindl über die Professionalität im SP-Bereich gesprochen – nachzulesen bei Spubbles.

Nike Leonhard ist Selfpublisherin und kennt die Tücken, aber auch Vorteile. Auf ihrem Blog könnt ihr regelmäßig zum Thema interessante Beiträge finden. Wie wichtig Rückgrat und Selbstbewusstsein für Autoren und speziell SP-Autoren ist, lest ihr hier.

Auch eine nützliche Anlaufstelle ist die Selfpublisherbibel, wo es allerlei Nützliches zum Thema  und immer wieder interessante Infos gibt.

Alle, die sich lieber analog vernetzten, können beim Self-Publisher-Day im Mai in Düsseldorf fündig werden. Workshops, Stände und ein buntes Programm bieten hier direkte Zugänge.

Obwohl das Nornennetz seinem ersten Geburtstag entgegen geht (und eifrig plant), werden wir immer noch regelmäßig gefragt, warum wir denn keine Männer aufnehmen. Liebe Männer, wir haben nichts gegen euch, ihr seid tolle Autoren und spielt oben mit. Lest einfach mal hier rein, dann versteht ihr vielleicht besser, warum wir speziell scheibende Frauen in den fantastischen Genres unterstützen.

 

Nornengestöber im Osternest

Bei uns müsst ihr nicht lange suchen, wir haben euch ein paar tolle Artikel und Blogposts bereits rausgesucht. Einfach zurücklehnen, durchstöbern und genießen. Frohe Ostern oder einfach nur einen schönen Sonntag mit der #Nornenstöberrunde.

Nicht das richtige Buch im Nest gefunden? Vielleicht lohnt sich ja ein Blick in öffentliche Bücherschränke. Wenn ihr gar nicht so genau wisst, wo einer in eurer Nähe ist oder ihr noch die Familie besucht, schaut doch mal auf diese Karte.

Wer Geschichten schreibt kommt irgendwann an den Punkt, wo es ernst wird. Wie sollen die Figuren eigentlich heißen? Name ist nicht gleich Name weiß auch Babsi aka BlueSiren und schreibt auf ihrem Blog über Nomen est omen.

Schwierig ist es auch, verschiedene Kulturen im eigenen Roman zu platzieren, vor allem, wenn sich der/die Autor*in bisher kaum damit auseinandergesetzt hat. Schnell rutscht man ab in Stereotype und Mechanismen, die am Ende ganz anders ankommen, als eigentlich gedacht. Darum ist dieser Artikel der Bücherkrähe noch immer aktuell.

In der fantastischen Literatur sind Geister ein Klassiker, der immer wieder begeistert. Einen kleinen Einblick auf die Geschichte von Geistern in Büchern hat Eva aka Variemaa mit einer Gruppe Literaturbegeisterter im Buchlabor geschaffen. Hier geht’s zum Startbeitrag.

Falls ihr lieber noch einmal in Messeerinnerungen schwelgt, legen wir euch den Messebericht von Camilla de Winter ans Herz. Wir sind auch noch ganz wehmütig – und bereits in der Planung für allerlei Neues 😉

Einen ganz anderen Bericht findet ihr bei Anne Zandt aka Poisonpainter, die fleißig am Nornenstand die Leipziger Buchmesse verbracht hat.

Immer wieder flammen große Diskussionen auf, zwischen Autoren, Bloggern, Literaturmenschen. Oft geht eines schnell verloren: der gegenseitige Respekt. Wie wichtig der in der Literaturbranche ist, zeigt Michelle auf Buechnerwald.

Eine tolle und teilenswerte Aktion hat Vera von Chaoskingdom gestartet. Mit Body Positivity statt Body Shaming berichtet sie nicht nur von einem sehr interessanten Buch, sondern ruft dazu auf über das Thema zu schreiben, Erfahrungsberichte oder andere Beiträge zu erstellen. Wir freuen uns auf allerlei Artikel.

Zum Abschluss heute legen wir euch das Literaturcamp Hamburg ans Herz. Am Freitag gab es dort die ersten Tickets, weitere werden folgen. Eine ideale Möglichkeit zum Austausch für Literaturmenschen.

Fragefreitag: Hat dein Lieblingstier dich bereits literarisch Inspiriert?

Es hat uns ja in den Fingern gejuckt, am Karfreitag nach dem Lieblingstanz zu fragen. Passend zu Ostern und dem Hasen ist es aber auch, mal in die aufblühende Natur zu blicken. Nächste Woche soll es ja tatsächlich endlich mal warm werden. Wir fragen beim #Nornenfragefreitag heute nach dem Lieblingstier und ob es schon einmal der literarischen Inspiration gedient hat. Macht mit auf den sozialen Kanälen, wir sind gespannt ob die Tendenz sich durchsetzt.

Diandra Linnemann: Ich hole mir viel Inspiration aus der Natur. Meine Lieblingstiere sind große Hunde, allerdings haben die es noch nie in meine Geschichten geschafft. Katzen hingegen, diese kleinen verwöhnten Biester …

June Is: Ich mag eigentlich alle felligen Tiere und manchmal auch andere (Leguane, etc). Daher gibt es einige Geschichten, wo sich diese Sympathie bemerkbar macht.

Sarah König: Ich liebe Schweine und habe bereits einmal eines als Inspiration in einen Roman eingebaut – ist aber im Lektorat rausgeflogen.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Katzen. Ich liebe Katzen und habe schon einige Gedichte über sie geschrieben. In meinen Romanen tauchen sie bisher noch nicht auf, aber das kann sich ja noch ändern 😉

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Katzen. Sie inspirieren mich durch ihre geheimnisvolle Art und ihre einzigartigen Wesenszüge.

Jasmin Engel: Meine beiden Lieblingstiere sind vielleicht eine seltsame Kombination: Tiger und Schweine. Beide sind schon in Kurzgeschichten und ein klein wenig in meinem Romanen vorgekommen.

Jana Jeworreck aka Moira: Löwen – sie sind wild, roh und unzähmbar und doch elegant und kraftvoll. Die Weibchen sind Jägerinnen und jagen im Rudel. Alles daran finde ich großartig. Ich würde mir einen Löwen halten, wenn ich könnte.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Ich liebe Kaninchen, ich liebe Schlangen. Und Fledermäuse. Die sind so süß! Aber geschrieben habe ich bisher nur über knuffige Eichhörnchen.

Tiphaine Somer Elin: Ich liebe Orang Utans – so schlau und besonders – schreiben kann ich nicht über sie – ihr Schicksal bricht mir das Herz.

Sienna Morean: Mein Lieblingstier – der Löwe – inspiriert mich sehr häufig, wenn ich Fantasy Geschichten verfasse. Einfach, weil er für mich ein Symbol der Stärke ist.

Jule Reichert: Ich liebe alle Tiere, egal ob Fledermaus, Falke, Ozelot oder Nacktmull. Am meisten angetan haben es mir allerdings sicherlich Hunde und Wölfe. Und ja, Tiere aller Art kommen in meinen Geschichten vor, Hunde sind allerdings bevorzugte Mitstreiter.

Grumpy Moon: Katzen! Die Heldin meiner ersten Romanreihe war gewissermaßen Lara Croft in Katzenformat.

Transkript unserer Talkrunde auf der LBM – Starke Frauen in der Phantastik / Teil 2

Auf der Leipziger Buchmesse konnten wir mit unserer Talkrunde zum Thema „Starke Frauen in der Phantastik“ ordentlich punkten [hier geht’s zur Tonaufnahme]. Wir freuen uns, dass nicht nur der Stand, sondern auch unsere Aussagen so toll bei euch ankamen. Zum Nachlesen und für alle, die nicht dabei waren, gibt es jetzt auch das Transkript. Gestern erschien der erste Teil bei Nora Bendzko, die sich die Arbeit gemacht hat, die Talkrunde zu verschriftlichen, hier folgt nun der zweite Teil:

Unsere Talkrunde auf der LBM

Stella Delaney

Ich würde dann gerne noch die andere Seite beleuchten. Wir haben jetzt die Autorinnen-Seite angeschaut, genauso unter Rollenklischees leiden aber auch die Figuren in den Geschichten, die wir schreiben in der Phantastik. Da kommt immer wieder der Ruf nach den starken weiblichen Figuren. Sei es im Film oder sei es in Serien … In Jugendbuchserien werden Frauen dann auch sehr gelobt, wenn sie dem starken weiblichen Bild entsprechen. Überraschenderweise für manche kommt dann Kritik von der Gegenseite, die sagt: »Dieses Bild der starken Frau … Ist das überhaupt gut für Frauen? Muss sich eine Frau wie ein Mann verhalten, gewalttätig sein, muss sie Kraft zeigen, Muskeln haben, damit sie als starke Frau gilt? Geht das nicht auch anders?« Man kann hier genauso über die Figuren debattieren und unsere Vorstellungen, wie die Frauen in den Geschichten sind und die Männer in den Geschichten sind. Wäre schön, wenn wir dazu noch etwas sagen könnten?

Nora Bendzko

Ich sag da gerne etwas dazu, denn ich bin eine große Kritikerin von diesem starken Frauenbild. Beziehungsweise: Ich bin Kritikerin, weil ich das Gefühl habe, es wird oft, gerade in der Fantasy, schlecht gemacht. Es ist genau das, was du gesagt hast, dass man versucht, Frauen eine Rolle besetzen zu lassen, die der typische männliche Held einnimmt. Ich finde, das ist letztendlich sehr traurig, denn es gibt schon eigene Seiten, eigene Facetten Frauenseins, die dabei komplett übergangen werden. Ich sehe kaum Protagonistinnen, die mit tatsächlichen Frauenproblematiken zu kämpfen haben, oder die sie prägen, wie zum Beispiel Schwangerschaft. Oder nehmen wir ganz normale weibliche Körperlichkeit. Was total banal ist, aber in vielen Geschichten ausgeschaltet wird, ist das Wachstum des weiblichen Körpers. Was da passiert pubertär ist eben anders als bei Männern, allein durch Menstruation.

Es ist interessant, dass so etwas so gut wie immer übergangen wird. Ich kenne da nur ganz wenige Titel von Männern, »Carrie« von Stephen King würde mir einfallen. Tendenziell ist das etwas, das immer stark ausgeblendet wird. Leute sagen sich: »Na, aber ich möchte jetzt schon für die Quote …« – oder vielleicht will ich tatsächlich fortschrittlicher sein – »Ich möchte eine Frau reinnehmen!« Letztendlich wird sich aber erstaunlich wenig damit beschäftigt. Das schreibe ich jetzt gar nicht nur männlichen Autoren zu, ich sehe das bei Autorinnen genauso, gerade im Romance. Dass viele Frauen geschrieben werden, die typische Mäuse sind, die sehr männerabhängig sind, die den Bechdel-Test nicht schaffen.

Wer den Bechdel-Test nicht kennt – ist ein typisches Filmbeispiel, kommt auch aus der Filmtheorie, glaube ich. Eine Geschichte ist dann vielleicht nicht rückständig, sagt der Bechdel-Test, wenn man mindestens zwei Frauenfiguren in der Story hat, wenn die mindestens miteinander reden und wenn sie nicht über einen Mann reden. Wendet diesen Test mal auf die Bücher an, die ihr in euren Bücherregalen stehen habt, und ihr werdet feststellen, da tut sich noch gar nicht so viel. Ich sage, das können wir besser. Wenn Leute sagen, sie wollen starke Frauenfiguren schreiben: Macht das! Wir wollen das alle haben. Also ich will es haben vor allen Dingen. Ich will Bücher davon lesen und kaufen!

Stella Delaney

Das können wir vom Netzwerk absolut unterschreiben, wie die meisten Autorinnen hier. Ich würde jetzt gerne noch mal an die Katherina weitergeben, die hat ja schon etwas gesagt, gerade im Bereich Märchen. Ich fand es sehr interessant, dass du gesagt hast, du wolltest das Märchen so schreiben, dass die Frau nicht einfach nur den Mann und das Kind bekommt, sondern dass es darüber hinausgeht.

Katherina Ushachov

Genau. Mir war wichtig, der Frau, der im Märchen systematisch die Stimme genommen wurde, die Stimme wieder zu geben. Dazu muss ich sagen, das Märchen vom Zaren Saltan ist ein Kunstmärchen. Bei den meisten Volksmärchen gilt noch die Ausrede, dass Männer und Frauenfiguren eigentlich nicht Männer und Frauen symbolisieren, sondern verschiedene Aspekte ein und derselben Persönlichkeit, die sich dann unterschiedlich auswirken. Und da muss man sagen: Nein, wenn man die feminisieren möchte, kommt Unsinn raus. Aber das Märchen, um das ich mich gekümmert habe, hat diese Ausrede nicht.

Es ist ein Kunstmärchen, verfasst von einem Mann, und so sieht man sein Bild von den Frauen. Die Frau sagt, was sie für den Mann tun will, danach nichts mehr – das ganze Märchen über. Ich wollte die Frau sprechen lassen, aus der Sicht der Frau erzählen, wie sie das Ganze erlebt, sowohl die Verliebtheit als auch die großen Tragödien, die im Rahmen von Zarin Saltan stattfinden, und auch den Mann rehabilitieren. Denn das ist ja das Nächste: Frauenfiguren sind immer Mäuschen, Männerfiguren sind immer Machos. Auch im vorliegenden Kunstmärchen. Da geht der Mann hin und sagt: »Mach mal!« Und ich wollte einen Mann, der sympathisch ist, dem man es gönnt, dass er die Frau bekommt, mit dem man mitfiebern kann und der auch Schwäche zeigen kann.

Denn sowohl das Bild des Mäuschens, das von Männern abhängig ist, als auch das Bild des Mannes, der einen auf Conan macht und alles bekommt, ist schädlich für Menschen beider und anderer Geschlechter, weil sie denken: »Aber ich bin so nicht? Muss ich denn so sein? Stimmt etwas nicht mit mir, wenn ich nicht so bin?« Und das fand ich in beide Richtungen furchtbar.

Nora Bendzko

Du hast Recht. Toll, dass du es geschrieben hast.

Stella Delaney

Es ist wirklich so, dass viele automatisch umschalten, wenn sie hören, ah, die setzen sich für Autorinnen ein, denen geht es um Frauen, und denken: »Die sind gegen Männer, Männer werden ausgeschlossen!« Solche Diskriminierungen laufen immer in beide Richtungen. Auch die Männer haben etwas von dem, was wir machen. Nebenbei: Wir haben sehr viele Männer, die mit uns sympathisieren und die bei uns auch gerne gesehen sind. Also männerfeindlich sind wir überhaupt nicht. So, dann will ich der Nike das Wort geben.

Nike Leonhard

Ich möchte noch mal kurz etwas zu den Figuren sagen, und zwar: Irgendwie reden wir immer über zwei gegensätzliche Typen. Einmal das Mäuschen und die sogenannte starke Frau, die dann ein bisschen vermännlicht wird. Typisch in historischen Romanen, aber auch in der Low Fantasy: Sie soll verheiratet werden, rennt von zuhause weg, schmeißt sich in Männerklamotten, schnallt sich ein Schwert um, erschlägt den Drachen und heiratet den Traumprinzen.

Das ist die typische Karriere der starken Frau in der Fantasy, beziehungsweise im historischen Genre. Dort erschlägt sie keine Drachen, sondern macht etwas anderes Heldenhaftes, rettet mindestens eine Stadt oder den Königssohn und heiratet ihn dann. Also rollenverkehrt, aber mir fehlen da die Zwischentöne. Für mich ist eine Frau nicht deswegen stark, weil sie jetzt, wie gesagt, Männerklamotten anzieht und irgendetwas heldenhaft Männliches tut, sondern für mich ist eine Figur dann stark, wenn sie ein Ziel hat und dieses Ziel verfolgt. Das kann auch sein, das perfekte Gemälde zu schaffen, oder meinetwegen etwas weiblich Merkwürdiges, wie einen wunderschönen Stoff zu weben.

Mir fällt nichts Besseres gerade ein, das hört sich total langweilig an, aber wenn sie ihn jetzt unbedingt weben will und alles dafür besorgen will und sich ihr große Hindernisse in den Weg stellen, dann ist das eine Heldentat, diese Hindernisse zu überwinden. Ob das jetzt besondere Stärke beinhaltet, weiß ich nicht, aber es wäre auf jeden Fall eine interessante Heldin und über solche Heldinnen würde ich gerne mehr lesen. Dazu fällt mir gerade – deswegen hatte ich noch mal um das Mikrofon gebeten – ein Artikel aus dem Guardian ein, den ich letztens gelesen habe. Da ging es um the Male Gaze, also den männlichen Blick auf Geschichten, und dass wir Autorinnen auch immer unter diesem männlichen Blickwinkel erzählen und unsere Figuren danach strukturieren.

Dort wurde das Beispiel gebracht: Eine Frau, die aus dem Fenster auf eine regennasse Landschaft sieht, ist nicht interessant. Interessant sind tausend Menschen, die einem Fußballspiel zujubeln. Das ist der männliche Blick. Das wird nicht als zwei Beschreibungen von Gesellschaft gesehen, sondern die tausend Menschen beim Fußballspiel sind Gesellschaft, das ist toll. Die Frau, die aus dem Fenster guckt – na ja, das ist ein Klischee, das ist langweilig. Da müssen wir mal ein bisschen von weg. Und dafür will ich arbeiten.

Nora Bendzko

Wenn ich das kurz noch zusammenfassen darf, nur dass ich es richtig verstanden habe, und auch für das Publikum: Du sagst, du wünschst dir so etwas wie eine innere Motivation für Frauenfiguren? (Nike nickt) Okay, ja, würde ich auch so sagen.

Stella Delaney

Das finde ich auch, das ist ein sehr, sehr guter Gedanke. Wir sind jetzt leider schon am Ende von unserem Talk angekommen. Ich glaube, fünf Minuten haben wir noch, und die Zeit werden wir auch nutzen. Ich wollte nur schon mal darauf hinweisen, weil wir jetzt sehr viel für euch geredet haben: Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass ihr nachher auch mit uns reden könnt. Wir sind noch etwa eine halbe Stunde in der Signier-Area für euch zur Verfügung. Ansonsten am Stand vom Nornennetz, J303, hier in der Halle 2, auch morgen noch. Wenn ihr euch mehr informieren wollt über das Nornennetz, oder vielleicht sogar bei uns mitmachen wollt – das wäre natürlich auch schön! –, dann findet ihr uns im Internet.

Wir haben eine Website, und wir sind auf allen [wichtigen] Social Media: Instagram, Twitter, Facebook, unter Nornennetz. Man findet uns eigentlich überall und ungeniert für alle Fragen, für alle Wünsche, Beitrittsangelegenheiten … Ihr könnt euch an uns wenden. So, jetzt würde ich das Ganze gerne beschließen, dass wir von allen Teilnehmerinnen noch mal ein Closing Statement, eine Zusammenfassung hören, das, was ihnen noch am Herzen liegt, was sie gerne ändern möchten, warum sie im Nornennetz sind und was sie sich wünschen, bewegen zu können. Ich würde sagen, ich fange an mit der Katherina.

Katherina Ushachov

Das Nornennetz kann nicht die ganze Welt retten, aber wir können zumindest in unserer Nische, bei Frauen in der Phantastik und dem Ende der strukturellen Benachteiligung, anfangen. Und jeder kleine Schritt, alles, was wir erreichen können, ist bereits ein Fortschritt, ist bereits Gewinn. Darum bin ich beim Nornennetz. Darum bin ich aktiv.

Stella Delaney

Nike?

Nike Leonhard

Ja, Katherina hat mir die Worte eigentlich aus dem Mund genommen. Ich bin natürlich egoistisch, ich mach das auch für mich selber, weil ich eine Frau bin und meine Sachen besser an den Mann, die Frau bringen möchte. Aber es ist mir schon seit Jahren ein Anliegen. Ich komme aus der Frauenbewegung und ich finde Feminismus nichts, was alt, unattraktiv oder hässlich macht, sondern einfach notwendig. Die Hälfte des Himmels, die Hälfte der Erde und die gesamte Zukunft!

Nora Bendzko

Ja, ich möchte auch noch kurz sagen: Warum mache ich hier überhaupt mit? Wieso? Ich hätte das vor langer Zeit nicht gedacht. Ich bin hier eine der Jüngsten, glaube ich, mit 23, und hätte vor einiger Zeit nicht gedacht, dass ich hier mal bin. Bis es die Episode in meinem Leben gab, wo ich mich erstmals mit Geschichten ins Netz gewagt habe. Ich hatte damals ein Pseudonym, war anonym im Netz und durfte feststellen, dass ich als eine Horror-Autorin und Dark-Fantasy-Autorin immer für einen Mann gehalten wurde, immer für wesentlich älter, obwohl ich 17 war und eben ein Mädchen. Als dann mein »Outing« kam, wo ich gesagt habe, ich bin tatsächlich eine Frau – so zwei Jahre später –, durfte ich die Veränderung bemerken.

Ich durfte bemerken, obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon Moderatorin war in einem Forum, dass Leute mich auf einmal nicht mehr ernst nehmen wollten, dass auf einmal Kollegen, mit denen ich einen super Austausch hatte, anfingen, mir Kosenamen zu schreiben. Wo man sich vorher normal ausgetauscht hatte in einer Mail über Bücher, begann jetzt eine Mail mit: »Hallo Hasi«, und ich habe danach natürlich abgeschaltet. Ich habe gemerkt: Woah, hier stimmt etwas nicht! Das möchte ich gerne abbauen, dafür bin ich im Nornennetz. Ich möchte euch alle, die hier sitzen und zuhören, dazu einladen, dass ihr das auch macht.

Es fängt schon damit an, einen Blick ins Bücherregal zu werfen, sich selbst zu vergegenwärtigen: Habe ich vielleicht Vorurteile und habe es nie gemerkt? Habe ich nur Autorinnen in meinem Schrank stehen? Habe ich nur Autoren in meinem Schrank stehen? Was kann ich dagegen machen? Und diese Diskussion mit anderen zu suchen, Bewusstsein zu schaffen, und sich selbst zu hinterfragen, wenn man sich schon erwischt hat bei dem Gedanken: Aber Männer können doch gar nicht, und Frauen können doch gar nicht … Dass man vielleicht ein bisschen tiefer in die Szene guckt und merkt: Aber es gibt einen Nicholas Sparks, der super Romance schreiben kann, es gibt Autorinnen wie Catherine Shepherd, bei denen jeder kotzen muss [vor Angst], egal, ob Mann oder Frau, und dass wir das stark machen.

Denn davon lebt die Phantastik. Sie lebt davon, neue Welten zu erschließen, in neue Horizonte zu entführen, in Welten, die wir so nicht kennen. Und das können wir nur schaffen, wenn wir diese Grenze im Kopf überwinden, zusammen.

Stella Delaney

Absolut perfekt! Ich warte auch schon auf den Applaus und möchte gar nicht lange hinausschieben. Wirklich, ich bin ganz stolz, dass ich hier sitzen darf mit den tollen Kolleginnen, die mir eigentlich alle Worte abgenommen haben. Ich möchte ganz kurz sagen: Ich habe auch eine ähnliche Erfahrung gemacht, weil ich oft männliche Hauptfiguren schreibe. Das ist keine bewusste Entscheidung, das war schon bei meinem ersten Roman, den ich mit 12 in der Auflage von einem Exemplar geschrieben hatte, der Fall. Immer wieder, wenn ich erwähne oder nur erzähle, worum es in meiner Geschichte geht, und es kommt heraus, das sind männliche Protagonisten, dann kommt sofort die Frage: »Oh, warum schreibst du Männer?«

So ein bisschen mit der Unterstellung: Möchtest du ein Mann sein? Stört dich irgendwas? Natürlich, das hatte ich noch gar nicht bedacht: Also marketing-mäßig ist das anscheinend eine gute Bewegung! Das hat mir zum ersten Mal wirklich gezeigt, schon sehr früh, dass da wohl Diskussionen sind, dass da wohl Rollenbilder sind, dass Erwartungen da sind, was man schreiben darf als Frau oder als Mann. Viel später bin ich dann aufs Nornennetz gestoßen, und fand: Endlich finde ich mal etwas, was sich genau gegen solche Klischees einsetzt!

So, ich möchte mich abschließend bei allen bedanken, dass ihr uns zugehört habt. Ich hoffe, ihr habt ein paar interessante Inputs bekommen – ich auf jeden Fall. Wie gesagt, wir stehen euch zur Verfügung, jetzt noch eine halbe Stunde, am Nornennetz morgen oder online, wann immer ihr Zeit und Lust habt. Und jetzt der große Applaus für die tollen Talkerinnen!

Fragefreitag: Wer ist dein literarisches Vorbild?

Wenn ihr schreibt, habt ihr bestimmt das ein oder andere Vorbild in der Literatur. Vielleicht habt ihr das auch, wenn ich selbst nicht schreibt, aber eine Vorgehensweise, eine Geschichte hinter dem Geschriebenen oder schlicht den Stil bewundert. Darum fragen wir heute im #NornenFrageFreitag „Was ist dein literarisches Vorbild?“. Macht mit, hier oder auf den social media Kanälen.

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Michael Ende was die Verträumtheit angeht, Stephen King was die gruseligen Szenen angeht, Eva-Maria Obermann was die romantischen Szenen angeht.

Nike Leonhard: Rafik Schami, wegen der Leichtigkeit seiner Erzählweise. Carlos Ruiz Zafon, wenn es um den Umgang mit Drama und Klischee geht. Jane Austen für die Genauigkeit in den Details und Margareth Atwoot, wenn es darum geht, gesellschaftliche Fragen literarisch umzusetzen.

Jana Jeworreck aka Moira: Wegen ihrer historischen Beschreibungen, Gesellschaftsportraits, aber auch düsteren Romantik: Austen, die Bronte Schwestern, Mary Shelley. Wegen der Vieldeutigkeit und den Interpretationsebenen: Kafka und E.T.A. Hoffmann. Wegen des Weltenbaus: Tolkien, Martin, Rawling, Sprachlich: Charlotte Link, plottbezogen, erzählstark, bildlich und ohne schnörklige Eitelkeit.

Janna Ruth: Für Charaktertiefe und Vielseitigkeit George R.R. Martin und Robin Hobb. Joanne K. Rowling, weil es ihr gelingt, ihre Plots bis ins kleinste Detail auszubauen. Oscar Wilde und Günther Grass, weil sie das Telefonbuch erzählen könnten und ich würde begierig jedes Wort aufsaugen und Anne Bishop wegen der wahnsinnig tollen Ideen, auch wenn sie oft nicht immer bis zu Ende durchgeführt werden.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Im Grunde jedes Buch, das ich lese ein bisschen. Denn auch, wenn es mir nicht gefällt, lerne ich doch etwas dabei. Tief geprägt haben mich Terry Pratchett, Herman Hesse, Luise Cooper, Isabel Allende, Walter Moers und Juli Zeh – mit ganz unterschiedlichen Richtungen und Elementen.

Diandra Linnemann: Neil Gaiman – man soll seine Latte ja nicht zu niedrig hängen. Ich bewundere, dass er sich in verschiedenen Medien und für die unterschiedlichsten Leserschaften bewegt, als sei das alles ganz normal, und dabei mit jedem Buch etwas Neues schafft. „American Gods“ ist mein Für-immer-Lieblingsbuch, das habe ich in fünf Ausführungen zu Hause.

Jasmin Engel: Hermann Hesse für seine atmosphärischen Settings und vor allem für die Tiefgründigkeit und Poesie, Thomas Hardy für seine Landschaftbeschreibungen und seinen speziellen Humor, Marion Zimmer-Bradley für ihre tollen weiblichen Charaktere jenseits von Schubladen und Ursula K. Le Guin für ihre ungewöhnliche Science-Fiction.

June Is: Ray Bradbury.

Tiphaine Somer Elin: Wilhelm Busch wegen seiner innovativen, kreativen Sprache, Karl May für seine Fantasie und den Mut sie ohne Einschränkung zu Papier zu bringen, Mark Twain für seine Professionalität und viele andere für ihre tollen Geschichten.

Esther: Ich halte Neil Gaiman und Eiichiro Oda für die besten Geschichtenerzähler unserer Zeit; Terry Pratchett und Walter Moers bringen mich auf sehr unterschiedliche Weise zum Lachen, und derzeit prägen mich Kevin Hearne und Linsey Hall enorm. Wenn ich es eines Tages schaffe, ähnlich faszinierend/witzig/ungezwungen wie einer dieser sechs zu schreiben, dann geht ein Traum in Erfüllung.

Anne Colwey: Derzeit steht die Schriftstellerin Nina George bei mir sehr hoch im Kurs, weil sie verdammt gut schreibt und sich für Autorenrechte einsetzt.

Sarah König: Niemand. Ich würde aber gern mal ein Buch schreiben, dass auf andere so einen Einfluss hat, wie Nöstlingers „Gretchen Sackmeier“-Reihe auf mich hatte.

Paula Roose: Ich habe viele Vorbilder. Tolkien, Rebecca Gablé, Lewis, … Lesen ist für mich die beste Inspiration fürs eigene Schreiben.

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Marion Zimmer-Bradley, weil sie die erste war (die mir begegnet ist),die Frauen als Heldinnen auftreten läßt, Neil Gaiman für seine großartige Art, Geschichten zu erzählen – und nie ein Wort zuviel!, derzeit lese ich wieder Patricia McKillip und erkenne, dass es in den 70er Jahren einiges an frauenlastiger toller Fantasy gab, die nur nicht zu uns über den großen Teich gewandert ist.

Fragefreitag: Was war die erste Geschichte, die du je geschrieben hast?

Nach krankheitsbedingter Pause ist endlich unser Fragefreitag wieder da. Ja, auch Nornen werden manchmal krank, aber den Spaß lassen wir uns deswegen noch lange nicht nehmen. Erst recht nicht den Spaß am Schreiben. Darum wird es heute nostalgisch, faszinierend und literarisch. Macht mit  unter dem Hashtag #NornenFragefreitag . Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Anne Zandt aka Poisonpainter: Die Geschichte, von der ich behaupte, dass sie meine erste ist, heißt „Wie Pferd und Kängeruh Freunde [wurden]“ und stammt aus einem Schreib-Projekt aus der 2. Klasse. Ich hab die Geschichte nie abgeschlossen, sie ist voller Rechtschreibfehler und hat einen unglaublichen Plottwist[/Sarkasmus]: In Australien spricht man rückwärts! 😀 Ein bisschen mehr dazu habe ich im Rahmen der #LoveWritingChallenge auf meinem Blog.

June Is: 4. Klasse, Genre: Horror-Gruselmärchen, Titel: Sterbenacht.

Diandra Linnemann: Es ging um Ponys, soviel weiß ich noch. Früher ging es immer um Ponys.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Die müsste ich noch irgendwo haben. Das waren die Abenteuer eines Pummeluffs. Ein wenig inspiriert von Magic-Girl-Animes und ein paar Superheldenserien.

Sarah König: Oh, klassische Liebesgeschichte. Habe sicher fünf Seiten in dem eigens (in Frankreich) gekauften Heft geschrieben. Großes Kino!

Elea Brandt: Erste oder zweite Klasse: Die Geschichte über einen alten Computer, der zugunsten eines neueren Modells verschrottet werden soll.

Paula Roose: Tatsächlich erst 2011 „Der verlorene Sternenstaub“ Wird für immer in der Schublade bleiben, aber sie ist schuld daran, dass ich Schriftstellerin wurde, denn sie hat ihre Leser zum Weinen gebracht.

Janna Ruth: Ich habe im Kindergarten eine Geschichte gemalt über einen Hasen und einen Raben und daraus ein kleines Buch gebastelt. Leider habe ich sie schon lange nicht mehr, genausowenig, wie die kleinen Geschichten, die ich in der Grundschule nur so nebenher geschrieben habe. Meine allererste „richtige“ Geschichte war Reneka, ein Sci-Fi-Abenteuer mit Sklaverei als großes Thema.

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Ich habe in der Grundschule viele Kurzgeschichten geschrieben, oft gemeinsam mit Freundinnen. Ich erinnere mich an eine Geschichte, in der es um seltsame Geräusche auf dem Dachboden ging. Die Protagonisten fanden jedoch heraus, das es ein entflohener Papagei und kein Gespenst war. Nunja.

Jasmin Engel: Bei mir war es auch in der ersten oder zweiten Klasse. In meiner kleinen Geschichte ging es um einen Eisvogel und sein Leben in der Natur draußen.

Jana Jeworreck alias Moira: „Der Bäcker und der kalte Hund“ Dafür erhielt ich in der Grundschule meine erste Eins, trotz des Backteichs. Ich glaube, das war wohl wegweisend.

Grace Mortis: „S.T.A.R.S“ war 2012 meine erste Geschichte, die ich schrieb. Zeitgleich war es auch meine längste und schönste. Zumindest m.E. nach. Sie liegt unbearbeitet im Desktop Ordner.

Jule Reichert: Das dürfte dann auch die einzige FanFiction-Geschichte gewesen sein, die ich jemals schreib: eine Fortsetzung des Computerspiels „Secret of Mana“. Ich fand die Figuren so toll und habe die Geschichte weitergesponnen.

Cazze: Meine erste Geschichte war eine Fanfiction zu „Wickie und die starken Männer“. Irgendwie habe ich dann aber noch Dinosaurier dazugemischt ^^

Michelle Janßen: Eine Fabel in der 5. Klasse, die sogar veröffentlicht wurde. Irgendwas mit einem Raben und einer Maus…