Arbeiten mit Testlesern

Testleser … ein Begriff, der verschiedenste Reaktionen bei Autor/innen hervorruft. Die einen lieben diese Phase des Projektes, für die anderen ist es der reinste Horror – und gerade „Neuautor/innen“ stellen sich die Frage woher nehme ich Testleser, was machen die, und wie funktioniert das eigentlich.

Ich selbst habe das Glück, einen ganzen „Pool“ von Testleserinnen zu haben, die ich bitte, mein Manuskript zu lesen. Tatsächlich hätte ich auch gerne endlich einen, noch besser zwei männliche Testleser – wenn sich also jemand angesprochen fühlt … 🙂
Die Zusammensetzung dieser Truppe ist so bunt wie das Leben, und genau das macht sie für mich zu den besten der Welt. Einige schreiben selbst, andere sind „nur“ Leserinnen. Zwei sind wesentlich jünger als ich, jede von uns lebt in einem anderen (Bundes)Land. Für mich heißt das, ich habe ziemlich viele Aspekte abgedeckt, auf die ich selbst aufgrund meiner Lebenssituation gar nicht achte. Sie nehmen meine Dialektausdrücke raus, weisen mich darauf hin, dass heutzutage kein Mensch mehr SMS schreibt und dass es Smartphone heißt, nicht mehr Handy.

Im besten Fall schimpfen sie an den gleichen Stellen mit mir und sind an den Stellen glücklich, wo ich es wollte. Um das zu sehen ist es unheimlich wichtig, dass sie mir jeden Gedanken an den Text schreiben. Oft ergeben sich daraus Dialoge, die ich am liebsten im Anhang veröffentlichen würde.

Zwischenzeitlich gibt es unzählige Gruppen auf verschiedenen Plattformen, an die man sich wenden kann. Vertrauen gehört natürlich dazu, einer vollkommen fremden Person den eigenen Text anzuvertrauen. Bis jetzt hatte ich immer Glück und das schlimmste, was mir je passiert ist ,war, dass ich nur am Ende des Textes ein „tolle Geschichte“ stehen hatte und sonst nichts. Und darauf hatte ich auch noch zwei Monate gewartet. Aber man hat ja auch schon ganz andere Dinge gehört …

Mein System ist eigentlich recht einfach: Ich schicke das Word-Dokument raus und lasse darin rumschreiben. Stellen, von denen ich weiß, dass die nachgearbeitet werden müssen, markiere ich. Manchmal stelle ich auch Fragen, ob ein von mir beabsichtigter Aspekt genug rauskommt.

Wenn ich die Korrekturen zurück bekomme, lege ich Texte zusammen und die dann über mein Original. Klingt jetzt wahnsinnig kompliziert, ist es aber gar nicht. Somit habe ich alle Kommentare und Korrekturen in einem Dokument. Auch das handhabt wohl jede(r) anders und man muss für sich selbst rausfinden, was am besten funktioniert.

Ganz wichtig ist: Ein/e gute/r Testleser/in meckert. Sie/Er sagt dir, wo ein Übergang fehlt, wo sich der Zusammenhang nicht aus dem Text ergibt, wo du schlicht und ergreifend Mist gebaut hast. Sie merken, ob dein Prota gerade halbnackt durch den Schnee rennt, weil du vergessen hast, ihn nach der Dusche was anziehen zu lassen, oder dass in deinem Haus plötzlich ein Zimmer aufgetaucht ist, das es vorher noch gar nicht gab.

Ich gebe es ehrlich zu, manchmal rolle ich mit den Augen oder stehe vom PC auf und fluche erst mal. Weil mir die Anmerkung pingelig vorkommt, weil ich mich über den „Ton“ ärgere, … Wenn ich merke, dass es mich zu sehr trifft, schließe ich das Dokument, oder überspringe einfach, was mich gerade nervt. Oder ich erinnere mich daran, dass ich selbst auch nicht besser bin, wenn ich für jemanden Korrektur lese. Am nächsten Tag/eine Woche/einen Monat später sieht das alles anders aus und ich denke: Danke, dass du mich darauf hingewiesen hast.

Für mich ist diese Phase die wichtigste im ganzen Projekt, die aufregendste und anstrengendste. Danach – vorausgesetzt die Story ist als tauglich eingestuft – kann ich es immer kaum erwarten, endlich fertig zu sein und veröffentlichen zu können. Aber auch nach den Testlesern gibt es ja noch ein paar Hürden. Die bleiben jedoch einem weiteren Blogbeitrag vorbehalten. *zwinker*

Ein Beitrag von Irina Christmann.

Problem Schreibblockade

Egal in welchem Genre man schreibt, egal wie lange man schon dabei uns ganz egal, wie viele seiner Geschichten man schon veröffentlicht hat … es gibt Dinge, die jede/r Autor/in kennt. Eines davon ist die “Schreibblockade”.

So unterschiedlich wie wir Autor/innen sind auch die Blockaden sowie die Strategien, sie zu bekämpfen. Während die haushaltsführenden Autor/innen dazu tendieren, praktische Dinge wie aufräumen, bügeln usw.  zu erledigen, gibt es noch die Analysten, die versuchen das Problem sofort und auf der Stelle an der Wurzel zu packen, um es los zu werden.

Es gibt unzählige Schreibratgeber, Blogbeiträge und Artikel in Schreibzeitschriften, die sich damit befassen und Lösungsvorschläge anbieten. Genau wie dieser Artikel haben sie eines gemeinsam: Es gibt nicht DIE Lösung … jede/r Autor/in ist anders. Auch der Grund für das “Weiße Blatt Syndrom” ist nicht immer gleich.

Für mich haben sie was von einer Depression. Prinzipiell weiß ich ganz genau, was ich tun sollte oder eben auch nicht. Trotzdem bin ich nicht in der Lage den Laptop einfach zu zuklappen, das Manuskript darin für ein paar Tage liegen zu lassen oder mich um ein anderes Projekt zu kümmern. Immer und immer wieder landen eine Gedanken bei genau dem Problem, das mich gerade am weiterschreiben hindert. Sei es ein – im nachhinein erkenne ich das klar und deutlich – kleines Plotproblem, oder der Prota, der eben gerade nicht vernünftig sein möchte.

Und dann gibt es da noch das “echte Leben”, kranke Familienangehörige, Überstunden, Geburtstage die vorbereitet werden wollen, zusätzliche Trainingseinheiten der Kinder vor Turnieren usw. sind Herausforderungen, die angenommen werden wollen. Und manchmal bleibt dann keine Zeit mehr fürs Schreiben. Nehmt sie Euch trotzdem! Jeder kennt das Sprichwort “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.” Stimmt tatsächlich. Jeder, der schon mal den NaNo durchgehalten hat, auch ohne erreichte Wortzahl, weiß wie toll es sich anfühlt jeden Tag wenigstens ein bisschen zu schreiben. “Kleinvieh macht auch Mist”, kennt auch jeder …

Bei mir hat sich gezeigt, dass es mir gut tut, mit meinem – immer in der Tasche befindlichen – Notizzeug raus zu gehen. Cafés, die Bibliothek, warten beim Zahnarzt … ich kann überall besser schreiben, als daheim am Schreibtisch, besonders wenn mich eine Szene total stresst. Was dabei raus kommt ist nicht immer gut, aber das Gefühl erst mal über den Punkt weg zu sein hilft.

Vielleicht ist es auch für Euch eine Idee, einfach mal woanders, mit anderem Schreibgerät zu schreiben. Ein tolles Notizbuch (passend zum Thema der Geschichte), ein neuer Stift (ich liebe Gelschreiber, die flitzen nur so übers Papier) das sind alles Kleinigkeiten, die mich aufbauen, wenn ich kurz vor dem Ausflippen/Hinschmeißen/Verzweifeln bin.

Hier https://twitter.com/Ridani76/status/955363503031902208 haben ein paar liebe Kolleginnen und Kollegen die Frage: “Was tut ihr gegen die (drohende) Schreibblockade?“ netterweise für mich beantwortet.

Ein Beitrag von Irina Christmann.

Vom Leben als Buchfee (Irina Christmann)

Jeder Lesebegeisterte kennt das Problem. Man hat da ein Buch, das man einfach nicht so gut fand, dass es ins Bücherregal soll. Aber ein Buch wegwerfen? Undenkbar! Was also kann man machen, wenn man niemanden im Bekanntenkreis hat, dem man das Werk vermachen kann?

In jedem Regal finden wir Bücher, die wir teilen wollen. Aber wie?

Oder dieses eine Buch, das man immer und immer wieder lesen will. So sehr, dass man anderen Menschen eine Freude damit machen möchte!

Booksontherun

In den letzten Jahren vermehren sich die öffentlichen Bücherregale und werden auch gerne genutzt. Doch es gibt auch noch andere Möglichkeiten, seine Bücher auf Reisen zu schicken. Diesem Ziel hat sich die Plattform booksontherun verschrieben. Im Gegensatz zu anderen Büchertauschorganisationen wählen die Gründerinnen Samantha und Davina aus einer Vielzahl von Bewerbungen Bücherfeen und Buchninjas aus, die dann für den festgelegten Zeitraum Bücher „auf Reisen“ schicken. In Bus, Zug und S- oder U-Bahnen oder den dazugehörigen Bahnhöfen.

Einfach zurücklassen?

Klingt alles super einfach und komplikationslos, aber das ist es nicht. Habt ihr schon mal ein Buch verloren? Ihr greift in Eure Tasche und es ist weg. Ein schreckliches Gefühl. Klar, man kann es sich einfach nochmal kaufen, weiterlesen, aber da draußen ist irgendwo DEIN Buch. Ganz alleine und hoffentlich in Sicherheit.

Mit #booksontherun werden Bücher in den öffentlichen Verkehrsmitteln ausgesetzt, gefunden und wieder gelesen

Als Buchfee oder Buchninja führt man diesen Zustand des Verlustes zwar absichtlich herbei, das macht es aber nicht einfacher, das Buch einfach zurück zu lassen. Es liegt da, neben dir auf dem leeren Sitz, du machst dein Foto und dann musst du dich trennen. Von einem Schatz. Einer Geschichte, die dich etwas gelehrt hat, oder dir Freude gemacht hat. Tatsächlich fiel es mir** bei Büchern, die ich nicht selbst gelesen hatte, wesentlich leichter. Aber immer war da dieses komische Gefühl … Was wenn jemand mein Buch einfach wegwirft, anstatt es liegen zu lassen, weil es ihn nicht interessiert. Allerdings werde ich auch nie erfahren, was aus meine Bücher geworden ist. Insgesamt sind es bisher 13. Und bei keinem ist es mir wirklich leicht gefallen. Fünf weitere liegen noch vor mir, die ich extra für diesen Zweck gekauft habe. Alles in allem war ich gerne Buchfee, besonders da meine Dienstzeit mit der von Eva-Maria Obermann zusammenfiel.

Besondere Erlebnisse, die bleiben

Was ich nie vergessen werde, war der nette Mann, der eigentlich hätte weiterfahren müssen, aber mir samt meinem soeben frisch ausgesetzten Buch nachgelaufen ist, um es mir wiederzubringen. Leider sprach er kein Wort deutsch oder englisch, so dass er bis heute eine Ahnung hat, was ich versucht habe, ihm zu erklären.

Immer wenn ich den Hashtag #wirlassenBuecherwandern sehe, denke ich an meine Bücher und hoffe, nach wie vor, dass es ihnen gut geht, da wo sie jetzt sind. Aber ich würde es nochmal machen, wenn sich die Gelegenheit ergibt!

**Autorin dieses Beitrags ist Irina Christmann