Fragefreitag: Liebe und Fantasy – Yay oder Ney?

Der Wonnemonat Mai ist für uns eine Zeit, in der wir uns mit allerlei Romantik beschäftigen. Bevor wir uns da aber in die Materie stürzen, wollten wir erst mal wissen, wie unsere Nornen die Kombination Liebe und Fantasy so sehen. Und was meint ihr? Passen Liebe und Fantasy zusammen oder wird es dann nur ein großer Haufen Kitsch? Macht mit beim ersten #NornenFrageFreitag im Mai.

Braucht Fantasy von und über Frauen wirklich Liebe? (Grafik: Elenor Avelle)

Cazze: Liebe ist eine tolle Grundmotivation. Wenn sie dosiert eingesetzt wird (wie zum Beispiel in Harry Potter) dann ein Yay. Wenn sich die Hauptfigur über mehrere Bände nicht für ein Love-Interest entscheiden will, oder Storys á la „Er ist ein Arschloch, aber er ist sooooooo heiß“ dann ein riesengroßes Ney mit Weihwasser, Salz und Kreuz.

June Is: Eine Prise (!) Romantik schadet nie. Leider schütten die meisten ganze Säcke in die Stories, das finde ich etwas daneben.

Paula Roose: Was ist ein Buch ohne Liebe? Ich bin hoffnungslos romantisch.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Ich bin unromantisch und froh über jedes Fantasybuch, das mal OHNE das lästige Liebesgedöns auskommt. Vor allem, weil ich sehr oft merke, dass die Liebesgeschichte nachträglich von der Marketingabteilung eines Verlags reingebracht wurde und sich nicht stringent und natürlich in die Handlung einfügt. Sowas hasse ich. Nichts gegen eine zarte, unterschwellig unter dem Plot pulsierende Liebesgeschichte wie in Der Stern von Erui von Sylvia Rieß, sowas liebe ich sehr. Es gibt so viele andere Dinge … Freundschaft, Loyalität, Verbundenheit … Warum muss es immer die romantische (oft erotische und oft heterosexuelle) Liebe sein? Und auch noch fast immer die auf den ersten Blick? Es gäbe so viele Möglichkeiten, deren Potenzial verschenkt wird.

Jule Reichert: So lange es plotrelevant ist und/oder Konflikt und Dynamik in die Geschickte bringt, gibt es von mir ein „Yay!“. Als Beiwerk zur Fantasy eignet sich Liebe genauso gut, wie andere zwischenmenschliche Aspekte (z.B. Freundschaft, Ängste, etc.). Das Liebesgedöns sollte allerdings nicht den Plot bestimmen, dann gibt es von mir ein klares „Ney!“.

Tiphaine Somer Elin: Liebe kann der Fantasy Flügel verleihen, aber sie sollte nicht den Horizont verdunkeln.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ich finde, Liebe gehört zum Leben einfach oft dazu und darf darum auch in jeder Art von Literatur vorkommen. Zum Thema gemacht werden oder gar zentral behandelt muss sie aber nicht permanent. Lieber ist es mir, sie ist sinnvoll eingesponnen.

Janna Ruth: „Every good story has a love story. It doesn’t matter what genre you are writing in. If it doesn’t have some form of love in it, it often falls flat. We would have trouble relating to it. Love is what touches us. It doesn’t have to be a passionate romance. It can come in the form of an old friendship or deep respect. But love and compassion for one another is what makes us human and any story without it, is missing something. That’s why all my plots, no matter how fantastic or adventurous they are, have a love story at its core. Nothing overbearing that smothers the other aspects, but something quiet that shows real strength, will hold it all together and leave you with a good feeling, even if the love is a tragic one. At least, you have felt the most powerful and fulfilling emotion of all.“ (Aus „Far Beyond Reality“ von Janna Ruth)“

Michelle Janßen: Ney. Ich habe langsam genug davon, dass jedes Buch im Regal eine Liebesgeschichte beinhaltet. Fantasy ohne Romantik scheint nicht zu existieren, weswegen ich stark dafür plädiere, dass man mehr unromantische Fantasy schreiben sollte.

Jana Jeworreck aka Moira: Nur, wenn es nicht ausschließlich darum geht! Der Plot und die Fantasywelt sollten auch ohne Lovestory reizvoll sein und funktionieren.

Laura Kier: Romantasy? Bitte nicht! Ich mag keine Liebesromane, da brauch ich dann auch keine versteckten Liebesromane in der Fantasy. Ich habe nichts dagegen, wenn eine Lovestory mit drin ist, komme aber sehr gut ohne klar. Ich gehöre definitiv nicht zur Fraktion „in jedem Buch muss Liebe vorkommen“.

Diandra Linnemann: Solange die Liebe realistisch beschrieben ist, habe ich nichts dagegen, auch wenn mich Geschichten, in denen die Liebe das zentrale Element ist, selten ansprechen.

Alexandra Bauer: Öhm … 😀 Yay oder Ney?

Sarah König: Ein wenig Liebe hat noch niemandem geschadet.

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Liebe ist schon ok, aber bitte keine schwülstige endlose Romanze. Daher ein Yay.

Jasmin Engel: Vielleicht bin ich eine Romantikerin, aber eine Liebesgeschichte gehört für mich in jeden guten Roman, ob am Rande oder als Hauptsache, glücklich oder unglücklich. Für mich sollte es nur nicht das einzige Thema sein und nicht oberflächlich behandelt werden.

Ist es schwieriger, überzeugende queere Figuren zu schreiben als sich in Aliens und Drachen einzufühlen? Zum PAN Branchentreffen. (Deborah B. Stone)

Ist Fantasy politisch?
Soll sie es sein?
Und will sie es sein?

Dieser und anderer Fragen widmeten wir uns auf dem Branchentreffen der Phantastik-Autor*innen. Zum dritten Mal hatte der PAN (Phantastik-Autoren-Netzwerk E.V.) zu einer mehrtägigen Veranstaltung nach Köln geladen. Vom 19.-21.4. gab es vielfältige Vorträge und Panels mit Titeln wie „Macht und Märchen“,
„Rassismus-Sexismus-Homophobie – welche Verantwortung hat die Phantastik?“ und „Thor war kein Nazi“.

Ich** habe zusätzlich die Workshops  „LSTBIQ-Figuren schreiben“, „Kämpfe in der Phantastik“ und „Crowdfunding“ gewählt.

Im fantastisch Verfremdeten zeitgenössische Machtverhältnisse und Moral zu hinterfragen – das tat vielfach schon das (Kunst-)Märchen und die mythologisierende Malerei und Plastik. Bitterarme Eltern setzen ihre Kinder aus, Zwerg Nase wird lieber Kauffmann als eine (dumme) Gans zu heiraten und Herakles verlässt sich besser auf List als den Segen der Götter. Es gibt also eine lange Tradition der politischen Botschaften in Bezug auf Gesellschaft und Individuum im scheinbar gegenwartsentrückten, harmlosen, ja, kindlich verspielten Gewand.

Informationen, Austausch und Diskussionsrunden gab es für die Teilnehmer des PAN-Branchentreffens (Foto: Deborah B. Stone)

Ist das noch Kunst?

Auch heute bietet die Kunstfreiheit, die im deutschen Grundrecht sogar noch uneingeschränkter Schutz genießt als die Freiheit der Meinungsäußerung, ein großes Potential. Potential zur Kritik bestehender Verhältnisse und zum Entwurf einer Gesellschaft und diverser Identitäten jenseits der etablierten Norm. Doch ein Potential muss genutzt werden, um Wirkung zu entfalten.
Fantasy (und auch gerade Science Fiction) bietet per se einen großen Freiraum für Gesellschaftsentwürfe. Wir Autor*innen müssen uns hier nicht an historische oder zeitgenössische Realitäten halten.
Wir können eine ideale Welt erschaffen, in der Gesellschaft und Individuen frei sind von bestimmten Normen und Zwängen. Utopien erwecken Sehnsucht bei der Leser*in und vielleicht auch Hoffnung. Den Mut, Ideen zu entwickeln und diese auch individuell umzusetzen. Hoffnung ist das Gegenmittel zu Mutlosigkeit und Zynismus, die uns im Alltagstrott mit all seinen kleinen und großen Unrechtsstrukturen verharren lassen.

Die großen Utopien des Sozialismus sind gescheitert, doch die lebbaren Ideen eines Miteinander sind gefragter als je zu vor: Wie wollen wir in unserer Gesellschaft mit anders denkenden, anders glaubenden, anders lebenden, anders aussehenden, anders fühlenden (to be continued…) umgehen? Und: Wer sind eigentlich wir?
Ticken alle Vampire gleich? Sind alle Werwölfe böse und alle Feen gut? Und sprechende Tiere – sind die auch nur Futter?

Oder wir können genau diese Normen, Stereotype und Zwänge überspitzen und dystopische Romane, düstere Visionen der Zukunft entwerfen, die die Leser*in schaudern lassen: Steuern wir auf solch eine Gesellschaft zu? Wollen wir so leben und unseren Kindern/Töchtern so eine Welt hinterlassen? Von der Geburt im Reagenzglas an determiniert und bar jeglicher individueller Freiheit. Totale Überwachung und Optimierungswahn.

Weg vom Stereotyp

Wir Autor*innen können diese Gesellschaftsentwürfe mit Figuren, ja Heldinnen und Helden zu beleben, die mindestens ebenso divers sind wie unsere bestehende Gesellschaft. Weshalb sollten wir, wie gerade auch im phantastischen Film so oft geschehen, Stereotype und Klischees noch überhöhen? Müssen die edlen Elben hellhäutig, die bösen Orkbarbaren dunkelhäutig sein? Was zwingt uns zu dazu, eine hierarchisierte Zweigeschlechtlichkeit auch bei Androiden als selbstverständlich weiterzuschreiben? Hier, im Feld der phantastischen Literatur, bietet sich die einmalige Gelegenheit, vielschichtige Identifikationsfiguren zu schaffen, spannende Identitäten und nicht weniger spannende Beziehungsmodelle.

Neue Welten schaffen und die Stereotype der alten vergessen (Foto: Deborah B. Stone)

Das kann geistreich geschehen wie bei Ursula K. Le Guin, humorvoll wie bei Terry Pratchett oder frech wie bei Astrid Lindgren. Ich selbst hatte meine ersten Berührungen mit Fantasy durch die nordischen und griechischen Mythen aus Frauensicht (Avalon, Troja), nicht zu vergessen die Vielfalt auf dem Planeten Darkover, alle geschrieben von Marion Zimmer-Bradley. Das hat meinen Blick auf androzentrische Geschichte ganz unpädagogisch und phantasievoll geprägt.

Wunderbar auch, wenn die Phantastik ihren Leser*innen Identifikationsfiguren bietet, die sie in den anderen Genres nur wenig finden. Wir haben es in der Feder, sie alle zu erschaffen:

  • Vielfältige Identifikationsfiguren (zum Beispiel in Bezug auf sex, race, class, gender, handicap…)
  • Differenzierte Identitäten
  • Diverse Beziehungsmodelle
  • Sexuelle Bandbreite
  • Variationen innerhalb von Gruppierungen
  • Spannende Welten und Gesellschaften
Wir können natürlich auch reine Abenteuergeschichten mit einer Prise Magie schreiben. Zur Unterhaltung. Zur Weltflucht. Prinz gefunden. Happy End?

Dann jedoch sollte uns bewusst sein, dass wir als Autor*innen und unsere Leser*innen Teil sind eines diskriminierenden Systems.
Wenn wir uns nicht aktiv dagegen entscheiden und dagegen anschreiben, dann sind wir genau die Medien und unsere Leser*innen die Konsument*innen, die weiter Rassismus, Sexismus und Othering betreiben. Unter dem glänzenden Gewand der Historisierung, mit spitzen Ohren, hellhäutigen Feen und düsteren Bösewichten.

Und das, obwohl wir in unserem gewählten Genre alle Möglichkeiten zur Verfügung haben. Und diese Geschichten nicht wie angestaubte historische Abwandlungen oder belehrende zeitgenössische Jugendromane daher kommen. Nein, Fantasy richtet sich in seiner Emotionalität, in seiner Beschäftigung mit Definitionen von Gut und Böse, in seinen archetypischen Figuren direkt an die Seele der Leser*innen. Und hier kann sie Großes zum Keimen bringen.

Traurig deshalb, wenn sich Autor*innen eher zutrauen, sich in Elben, Orks, Drachen oder Cyborgs einzufühlen, als beispielsweise queere Identitäten zu schreiben.
Ist es die Angst, allein durch die Darstellung solcher Figuren Stereotype noch zu verfestigen? Ist es Bequemlichkeit, weil Feen keine empörten Leserinnen-Briefe schreiben oder ihre Buchkäufe einstellen? Sind Fantasy-Autor*innen fauler als andere, weil sie die Recherche oder den Austausch mit realen Menschen scheuen?

Reicht es, einfach die Hautfarbe, das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung auszutauschen? Eine Figur mit einem körperlichen oder geistigen Handicap auszustatten?

Es kann ein erster Schritt sein, neue Les- oder Sehgewohnheiten schaffen. Es schöpft das Potential jedoch bei weitem nicht aus und birgt die Gefahr, einfach ein Häkchen unter die Checkliste „Political correctness“ zu machen, ohne an die Substanz, die Inhalte, das Potential der Geschichte zu gehen. Figuren und Verhaltensweisen abseits der Norm als etwas Selbstverständliches darzustellen ist eine schöne Utopie. Schön und etwas flach. Wenn aber das Umfeld und der Weltenbau korrespondieren, wenn es stimmige Reaktionen auf den Austausch gibt, dann wird die Gesellschaft plastisch und differenziert und nur dann findet eine Auseinandersetzung statt – dort, wo es zählt: Bei der Leser*in selbst. Sie leidet und freut sich dann mit der Figur, ist empört, verstört oder stolz.
Und wird dann auch in ihrem Alltag vielleicht ein kleines Bisschen achtsamer und mutiger, entsprechend ihren ganz persönlichen Möglichkeiten.
Das ist nicht die große Politik. Das ist die Macht der Fantasie.

Unsere Norne Deborah B. Stone hat viel mitgenommen beim Branchentreffen des PAN (Foto: Deborah B. Stone)

Fazit

Nutzen wir unser phantastisches Potential!

Mein persönlicher Tiefpunkt bei der Veranstaltung: Die Abwehrhaltung auf die schlichte Frage: „Brauchen wir mehr starke weibliche Figuren?“

Meine persönlichen Highlights: All die diskutierfreudigen Autor*innen, Blogger*innen, Wissenschaftler*innen … – und als ich im Workshop zu „Kampfszenen in der Fantasy“ selbst ein echtes Schwert schwingen durfte.

Und: Als wir zu dem nüchternen Workshop-Thema „Crowdfunding“ in die Piratenlounge traten und auf Rumfässchen platz nehmen durften. Prost!

**Autorin des Beitrags ist Deborah B. Stone

Nornengestöber für den Mai

Der Mai steht vor der Tür! Nächsten Monat werden wir uns mit Romantikelementen in Fantasywerken auseinandersetzen. Zur Einstimmung haben wir tolle Artikel über starke Protagonistinnen, den Umgang mit „Frauenliteratur“ und mehr für euch!

Die Buchbloggerin Anna von Ink of Books hat diesen Monat einen fantastischen Beitrag über weibliche Figuren in Büchern verfasst. Warum sind die Protagonistinnen in Jugendromanen fast immer unscheinbar? Nicht sonderlich hübsch aber auch nicht hässlich, eigentlich echt langweilig ohne große Talente – trotzdem mag sie jeder und der unfassbar heiße männliche Lead findet sie trotzdem unwiderstehlich. Wenn euch das bekannt vorkommt und ihr mehr über das Thema lesen wollte bitte einmal hier klicken.

Noch mehr dazu kann man beim Schreibwahnsinn nachlesen. Dort wird die Frage gestellt, ob es ein richtig und ein falsch gibt, wenn es um weibliche Leads in Büchern geht.

Was ist Frauenliteratur und wieso sehen wir gewisse (meistens romantische) Werke automatisch als weniger Wertvoll, weil sie von und für Frauen geschrieben sind? Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel aus dem Büchnerwald.

Und zur Einstimmung in das Thema nächsten Monat haben wir hier eine Liste mit typischen Elementen der Romantasy der Seite I love Fantasy für euch. Dann könnt ihr nochmal nachlesen, was genau in den nächsten Wochen auf ein zukommt. Ergänzend dazu empfehlen wir die Genrebestimmung ‚Romantasy‚ vom Schreibmeer.

 

Worauf freut ihr euch besonders im Mai und was hat euch an Romantasy schon immer aufgeregt – wenn ihr dieses Genre denn lest?

 

Liebe in fantastischen Zeiten (Diandra Linnemann)

Meine Testleserin war ganz heiß: „Wie süß! Kriegen Andrea und Sven sich am Ende?“
Ich**, hingegen, war ganz irritiert. Eine Liebesgeschichte in meinem humorvollen fastapokalyptischen Tentakelroman? So etwas war mir gar nicht in den Sinn gekommen. Obwohl die Protagonistin Andrea den Spitznamen „die Lüsterne“ trägt. Und obwohl an Liebe eigentlich gar nichts schlimm ist.
Weitere Leser stellten ähnliche Fragen. Sie brachten gute Argumente. Wenn ich einen ChicLit-Fantasy-Roman schreiben wolle, müsse ich mich an die Regeln des Genres halten. Außerdem sei Sven doch so sympathisch!

Diandra Linnemanns Roman Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes

Und überhaupt, hätte Andrea denn nicht ein wenig Liebe verdient?

Eigentlich schreibe ich eher magielastige Urban-Fantasy-Romane, und meine Protagonistin befindet sich auch in einer recht glücklichen Beziehung. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass das nicht die Voraussetzung für einen gelungenen Roman ist. Ich finde, eine romantische Beziehung muss zur Geschichte passen – oder besser noch: Alles viel komplizierter machen! – und sollte nicht den Platz eines vernünftigen Lebenszweckes einnehmen. Es kotzt mich, mit Verlaub, an, wenn die eh schon unglaublich perfekte Protagonistin erst durch den passenden Mann an ihrer Seite endlich die notwendige soziale Aufwertung erfährt, oder wenn sich das hässliche Entlein pünktlich zum dritten Akt in den wunderschönen Schwan verwandelt, um dem Prinzen gerecht zu werden. Habt ihr eigentlich nichts Besseres zu tun?

Durch die komplette Literatur hindurch begegnen uns Frauen, die beinahe ausschließlich über ihre romantischen Beziehungen definiert und wahlweise gerettet oder verdorben werden: Fausts Gretchen, Effie Briest bei Fontane, Elizabeth Bennet in Stolz und Vorurteil. Oft scheint es, als seien Frauen ausschließlich dazu da, geliebt, verführt oder gerettet zu werden, sogar wenn sie eine tragende Rolle spielen.

Und im Fantasybereich sieht es nicht besser aus.

Arwen im Herrn der Ringe mag eine fähige Magierin und Kämpferin sein, aber ihre Hauptbeschäftigung ist es nun einmal, in Aragorn verliebt zu sein. Das ist zwar schön und tragisch, aber nicht besonders nahrhaft. Bei Tad Williams‘ Drachenbeinthron-Saga kann ich mich, ehrlich gesagt, an keine relevante Frauengestalt erinnern. Marion Zimmer Bradley hat zwar in erster Linie hervorragende Frauen geschrieben, aber auch hier kreist ein Großteil der Geschichten um die Liebe und darum, ob eine Frau noch begehrenswert ist oder schon alt. Und sogar Mary Shelley, als sie mit Frankenstein das Genre Science Fiction erfand, hatte für die einzige relevante Frau der Geschichte nur die Rolle der Verlobten des Doktors übrig.

Braucht Fantasy von und über Frauen wirklich Liebe? (Grafik: Elenor Avelle)

Zum Glück ändern sich die Zeiten ja, nicht wahr?

Tja, und da komme ich gelegentlich ins Schleudern. Die Zahl starker Frauencharaktere wächst, wie man unter anderem bei Das Lied von Eis und Feuer oder in der Reihe um die Vampirjägerin Anita Blake der US-Autorin Laurell K. Hamilton lesen kann. Aber auch dort findet ein Großteil der Charakteridentifikation über ihre Beziehungen statt. Fast möchte man den Eindruck haben, als Frau MÜSSE man eine romantische Beziehung haben, um überhaupt die Chance darauf zu haben, in einem Roman als relevant wahrgenommen zu werden.

Einige wenige Gegenbeispiele habe ich zum Glück natürlich auch – sogar wenn die Frauen bei Terry Pratchett beispielsweise romantische Beziehungen haben, so finden diese meistens am Rand der Geschichte statt. In den Büchern von Isabel Allende, die dem magischen Realismus zugeordnet werden, findet Romantik zwar statt, ist aber nur selten das entscheidende Element. Und genau so sollte es meiner Meinung nach sein. Liebe gehört zum Leben dazu. Doch wenn man sie zum zentralen, alles beherrschenden Thema macht, legt man die Latte für Erfolg meiner Meinung nach ziemlich niedrig.

In Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes habe ich das Problem schließlich mit einem Kompromiss gelöst – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Doch ich finde, wenn man die Welt gerettet hat, ist es fast schon Nebensache, ob man anschließend gemeinsam in den Sonnenuntergang reitet. Oder etwa nicht?

 

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann. Auf ihrem Blog habt ihr aktuell eine tolle Gewinnmöglichkeit.

Fragefreitag: Welche Musik hörst du beim Schreiben?

Willkommen beim Fragefreitag im Nornennetz. Hier beantworten unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Welche Musik hörst du beim Schreiben?

Natalie Winter: Im Moment exzessiv Don Giovanni mit Ildebrando d´Arcangelo in der Titelrolle.

Poisonpainter: Wenn ich überhaupt höre, dann ist es meist irgendwas metallisches. Seit ich an der Königin arbeite und hin & wieder P&P spiele kann es aber auch eine instrumentale Celtic/Fantasy oder Kampf-Playlist sein.

Janna Ruth: Entweder einen wilden Mix aus Pop und Rock oder Musicals. Ich liebe meine Musicals.

Kirana: Hauptsächlich Metal in allen Formen und Farben. Jeweils passend zur Szene epischen Powermetal, Hymnen, Kitschballaden…

Ella BoulaichViel Alternative, aber auch Latin und Dance.

Elenor Avelle: Das hängt von meiner Stimmung ab. Manchmal auch keine und manchmal lauter als gut wäre. Für meine Geschichten habe ich jeweils passende Playlisten, um mich in die richtige Stimmung bringen zu können.

Jana Jeworreck alias Moira: Stundenlange Elektromixe auf Youtube, meist Deep, Dark and Progressiv, sonst auch mal Jazz (für heitere Szenen), Klassik für Schlachten (Nichts geht über Beethoven) oder Stille.

Michelle JanßenGenerische Popmusik und Classic Rock. Man muss nicht lange nachdenken und kann zwischen drin als Minipause einfach kurz zu Ed Sheeran, Jessie J oder Toto abgehen bevor man weiterschreibt. Wenn ich viel Konzentration brauche weil eine Szene kompliziert ist, dann klassische Musik.

EmmaN alias Karin (e.) NovotnyFilmmusik, derzeit am liebsten den Soundtrack von Interstellar, von Hans Zimmer. Sonst gerne Batman (Hans Zimmer), Harry Potter (Alexandre Desplat) oder Conan (Basil Poleduris).

Babsi alias Bluesiren: Eine meiner bunt gemischten Playlists. Ich habe allgemeine Schreibmusik und spezielle Stimmungsplaylist z.B. gruselige, ruhige oder actionreiche, rockige Musik.

 

Macht mit und sagt uns, was ihr beim Schreiben für Musik hört!

Fragefreitag: Gibt es in deinen Büchern Geister?

Willkommen beim ersten Fragefreitag des Nornennetzes. Hier werden unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen beantworten. Damit ihr uns besser kennen lernt und wir etwas über uns und unsere Nornenwerke verraten können. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Gibt es in deinen Büchern Geister?

Babsi alias Bluesiren: Oh ja, sie spielen eine zentrale Rolle, da meine Protagonistin als Medium mit Geistern kommunizieren kann.

Janna Ruth: Ja, in Tanz der Feuerblüten verkörpern die Geister (und Dämonen) die Kräfte der Natur. Dabei habe ich mich an der reichen Mythologie Japans bedient. Schon spannend, wie sehr sich diese Geister von den unseren unterscheiden. Statt schaurigem Kettengerassel gibt es Türen mit hunderten Augen, Frauen, deren Hälse sich in die Länge ziehen oder die gleich vier Gesichter haben, die ganzen Tiergeister nicht zu vergessen. So haben die Actionszenen besonders Spaß gemacht.

Natalie Winter: Im nächsten Band der Shifter Cops wird ein Geist eine zentrale Rolle spielen – und wer weiß, vielleicht sogar eine mörderische.

Katharina Ushachov: Hehe, ja. Sie sind grundsätzlich böse, da bei mir Geister nur in einem bestimmten Sonderfall entstehen, der dafür sorgt, dass sie sehr zornig sind. Mehr kann ich leider noch nicht verraten, da die Bücher, in denen die Geister auf die Menschheit losgehen, noch lange nicht dran sind mit Geschriebenwerden.

Susann Julieva: Aber klar doch! In meinem Refugium spukt es und in einer kommenden Reihe wird es sogar explizit um Geisterjäger gehen.

EmmaN alias Karin (e.) Novotny: Nein. Nicht wirklich. Nur den immer noch umtriebigen Geist eines längst verstorbenen Heiler-Magiers, aber er ist kein Geist im herkömmlichen Sinn, sucht niemanden heim, ist nicht „unerlöst“. es ist mehr der Intellekt, das Ego und das emotionale Gerüst einer längst vergangenen Person.

Ella Boulaich: Ja, die Geister des Voodoo.

Variemaa alias Eva-Maria Obermann: In der Zeitlose – Reihe wird Dora von einer fremden Erinnerung heimgesucht, die so stark ist, dass sie sogar eine Stimme hat und die Protagonistin berühren kann. Wenn das keine Geistererscheinung ist, weiß ich auch nicht.

Jetzt seid ihr dran: Gibt es in euren Geschichten Geister?

 

 

Die Fantastik – unendliche Weiten (Elea Brandt)

Geschichten von Drachen, Magie, epischen Schlachten und dunklen Bedrohungen prägen die Literatur seit vielen Jahrhunderten und haben schon immer Leser*innen und Autor*innen in ihren Bann gezogen. Genau aus dieser Faszination heraus hat sich das Nornennetz als Netzwerk von Fantasy-Autorinnen konstituiert – uns vereint die Liebe zur Fantastik. Aber woher kommt diese Faszination?

Für mich** war diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten, denn im Grunde habe ich nie etwas anders geschrieben. Es war also keine aktive Entscheidung, sondern viel mehr eine stabile Disposition. Schon als Kind habe ich am liebsten mit Ritterburgen gespielt, als Jugendliche eher Harry Potter gelesen als realistische Problembücher. Die Fantastik war also schon immer in meinem Leben präsent.

Deswegen habe ich mich der Frage nach dem „Warum“ nicht allein gestellt, sondern zudem einige Kolleg*innen auf Twitter befragt, was sie am Fantasy-Genre lieben. Ihre Aussagen sollen diesen Blogpost ein wenig illustrieren.

Fantasy – unendliche Weiten

Es gibt nur eines, das fantastische Welten limitiert:  die eigene Fantasie. Natürlich besteht der Anspruch trotzdem darin, eine stimmige Welt zu kreieren und eine schlüssige Geschichte darin zu schaffen, doch die Prämissen der Welt setzt sich jeder Autor selbst. Landschaft, Klima, Kultur, Magie, Gesellschaft, Religion bis hin zu Kleidung, Freizeitgestaltung und individuellen Werthaltungen – alles entsteht aus dem Kopf des Autors, bis hinein in die kleinen, aber feinen Details, die eine fantastische Welt greifbar und anschaulich machen. Ein guter Fantasy-Roman entführt den Leser in eine Welt, die er mit Neugier und Spannung erkundet, bei der an jeder Ecke ungewöhnliche Details lauern können.

Ich liebe Fantasy, weil es Spaß macht, Dinge, Orte und Wesen zu entdecken, die es im realen Leben nicht gibt. – Hazel McNellis

Zwar befreit die Schaffung fantastischer Welten nicht von der Notwendigkeit ordentlicher Recherche (beileibe nicht!), doch im Vergleich zu einer historischen oder zeitgenössischen Geschichte tut sich ein wesentlich größerer Spielraum auf. Die Frage lautet dann, zum Beispiel, nicht mehr: „War Objekt X im Jahr Y bereits erfunden?“, sondern „ist es anhand der technischen Errungenschaften, des allgemeinen Bildungsstandes und der magischen Möglichkeiten wahrscheinlich, dass Objekt X bereits existiert?“. Spannende Gedankenspiele, die sehr viel Freude machen – beim Lesen und beim Schreiben.

Kombinieren und Verschmelzen

Darüber hinaus ist Fantasy das „kleine Schwarze“ der Literatur: Es passt einfach zu allem. Ganz gleich ob Romanze, Erotik, Horror, Krimi oder Politthriller – fantastische Welten lassen sich mit jedem dieser Genres wunderbar kombinieren. Meistens ergeben sich aus diesen Verbindungen auch die ganz großen Erfolge. „Harry Potter“ verschmolz magische Fantasy mit dem klassischen Internatsroman, Twilight verknüpfte Jugendromanze und Vampirgenre und im Lied von Eis und Feuer verbinden sich dreckige Fantasy und Politthriller. Die Liste könnte noch ewig erweitert werden und soll nur einen kleinen Ausschnitt dessen bieten, was möglich ist.

Fantasy eröffnet viele Möglichkeiten, die man bei realistischen Geschichten nicht hat und die ich beim Schreiben gerne habe und nutze. – Irina Vérène

Je ungewöhnlicher und abenteuerlicher diese Verbindungen werden, desto weniger bewegt man sich natürlich innerhalb des gängigen Mainstreams (sagt die Frau, die gerade einen Mantel-und-Degen-Steam-Punk-Mystery-Krimi plant), doch wer Freude am Experimentieren hat, kommt in der Fantasy voll auf seine Kosten.

Freude am Experimentieren, im Schreiben wie im Zeichnen zeigt auch Kirana (2017)

Drama, Baby!

Die Fantasy ist außerdem das Genre der großen Gefühle. Ewige Liebe, grausame Rache, brennender Hass – vor der epischen Kulisse einer rauen oder schillernden Fantasy-Welt wird aus einfachen Emotionen etwas ganz Großes. Liebe überwindet die Grenzen von Leben und Tod, Zorn reißt ganze Imperien ein und Freundschaft eint verfeindete Völker.

Ich liebe Fantasy, weil ich andere gerne mit auf die Reise in all die Welten mitnehmen möchte, die in meinem Kopf entstehen. – Carina Schnell

Das klingt jetzt alles etwas pathetisch – ist es auch! – aber ich gebe zu, ich liebe diese starken Emotionen, das Popcornkino, die Gänsehautmomente, die Wellen der Begeisterung. Ich liebe sie als Leser, wenn ich mich davon fesseln lassen kann, und ich liebe sie ebenso als Autor. Vor allem dann, wenn ich merke, dass die es mir gelingt, mit Worten genau diese Emotionen bei meinen Lesern hervorzurufen, die ich selbst beim Schreiben empfunden habe.

Spiegel der Gesellschaft

Über viele Dekaden haftete der Fantasy der Vorwurf des Eskapismus an. Der Weg in fantastische Welten wurde als Flucht vor der Realität gedeutet, als das Konstruieren von märchenhaft-verklärten Luftschlössern, die es erlauben, die Augen vor realen Problemen zu verschließen. Die Wahrheit ist aber eine ganz andere. Fantasy-Geschichten erlauben eine Auseinandersetzung mit vielseitigen gesellschaftlichen Phänomenen, mit Gewalt, Rassismus, Ausgrenzung und dem vereinten Kampf gegen diese Bedrohungen. Sie halten den Lesern einen Spiegel vor, zeigen das Reale im Fantastischen, die Wahrheit in der Fiktion.

Ich schreibe Fantasy, weil das Land der Fantastik weiter ist als die Realität und gleichzeitig ein ferner Spiegel des eigenen Selbst. – Nike Leonhard

Wer Harry Potter, den Herr der Ringe oder die Tribute von Panem kennt, der weiß, dass auch fantastische Stoffe eine intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus ermöglichen, es sogar ermöglichen, die Botschaft zu intensivieren und zu dramatisieren. Wer der Meinung ist, Fantasy sei nur eine heile Rosa-Wolken-Märchenwelt, muss sich vielleicht noch etwas genauer umsehen.

Antworten auf die Umfrage auf Twitter, warum Autor*innen Fantastik schreiben

Up to you!

So, ihr Lieben, jetzt seid ihr dran. Warum lest oder schreibt ihr Fantasy, was fasziniert euch an dem Genre? Erzählt uns davon in den Kommentaren oder unter dem Hashtag #ilovefantasy

**Autorin des Artikels ist Elea Brandt

Geek-Content deluxe: Rollenspiel, Schwertkampf und meine allererste Lesung auf der Manticon 2017

Ein Beitrag von Elea Brandt
(www.eleabrandt.com)

Das erste August-Wochenende durfte ich auf der Manticon verbringen, einer kleinen aber feinen Convention mit über 24 Stunden feinstem Geek-Content. Die Location könnte für eine Fantasy- und Rollenspiel-Convention nicht besser gewählt sein: Die Starkenburg in Heppenheim ist eine liebevoll restaurierte Festungsanlage mit vielen kleinen Räumen, einem schattigen Innenhof und einer bezaubernden Aussicht. Die Atmosphäre ist locker und familiär, das Programm besteht aus einigen festen Punkten und sehr viel freien Möglichkeiten für gemeinsame Spielrunden und flexible Lesungen, je nach persönlichem Geschmack.

Elea Brandt bei ihrer ersten Lesung aus „Opfermond“

Apropos Lesungen: Für mich war die Manticon ein ganz besonderes Event, denn ich durfte dort meine allererste öffentliche Lesung halten, noch vor Erscheinen meines Debüts. Eine Pre-Release-Lesung sozusagen.
Für viele Autoren sind Lesungen ja ein Graus. Völlig schutzlos sitzt man da vor einer Meute mehr oder weniger interessierter Zuhörer und hat nur wenige Minuten Zeit, sie in seinen Bann zu ziehen und von der Begeisterungswürdigkeit des eigenen Werks zu überzeugen. Das ist harte Arbeit. Abgesehen davon werden Lesungen auch immer wieder stark kritisiert und ihre Berechtigung in Frage gestellt, das geht natürlich nicht spurlos an einem vorüber.
Während ich mich im Vorfeld auf meine Lesung vorbereitet habe, habe ich mir also ein paar Fragen gestellt. Welche Lesungen haben mir bisher besonders gut gefallen? Was zeichnet sie aus? Wie sorge ich dafür, dass ich mich beim Lesen selbst wohl fühle?
Auch wenn der Beitrag für meine kleine Lesung nicht zu 100 % zutraf, hat mir Annika Bühnemanns Leitfaden „Eine Lesung vorbereiten“ sehr gut dabei geholfen, mein Vorhaben zu strukturieren. Ich wollte das Ganze locker angehen, nicht zu steif, möglichst frei sprechen können. Trotzdem hab ich mir meinen Text in Stichpunkten aufgeschrieben, kurz notiert, was ich über mich und den Roman erzählen wollte. Ehrlich gesagt hab ich mich damit doch wohler gefühlt.
Schwieriger gestaltete sich die Auswahl der richtigen Szenen. Welche Perspektivträger soll ich nehmen? Welche Szenen enthalten zu viele Spoiler? Welche Szenen sind auch mit vagem Hintergrundwissen spannend? Wie kann ich die Stimmung und Atmosphäre des Romans am besten vermitteln? Am Ende habe ich mich lieber für drei kurze als zwei lange Szenen entschieden, sodass dazwischen Zeit für Fragen, Plaudereien und Erklärungen bleibt. Frühere Erfahrungen lehrten mich zwar, dass diese Möglichkeit nur selten wahrgenommen wird, aber mehr Zeit ist immer besser als weniger.
Natürlich war ich nervös, als es losging, aber kaum waren die ersten Sätze geflossen, wurde es einfacher und ich hatte richtig Spaß beim Lesen. Ich schätze, gerade darauf kommt es bei Lesungen an. Nur, wer selbst Freude daran hat, kann diese auch nach außen transportieren. Ein gewisses Lampenfieber ist dabei keine Einschränkung, sondern ganz normal, aber wem die Vorstellung, vor Publikum zu lesen, Schweißbäche über den Rücken jagt, sollte sich nicht dazu genötigt fühlen. Lesungen sind toll, aber nur dann, wenn beide Seiten – Leser und Zuhörer – davon profitieren können.

Starkenburg

Aber zurück zur Manticon. Das Rahmenprogramm, das von allerlei selbstorganisierten Rollenspielrunden umrahmt wurde, bot Unterhaltung für jeden Geschmack. Im heimeligen Turmzimmer lasen u.a. Torsten Low, Jens Schumacher und Mario Steinmetz aus ihren Werken – eine hervorragende Mischung aus humorvollen, spannenden und horrorlastigen Geschichten –, Professor Tom Shippey – international anerkannter Tolkien-Experte – sprach über die Verbindung zwischen Tolkien, Jacksons Filmen und wissenschaftlichen Grundlagen und Marion und Frank, die „German Superfans of Game of Thrones“ gaben exklusive Einblicke in die Konzeption und Umsetzung der „Nachtwache“ in der beliebten Serie.

Ausblick von der Starkenburg

Wer lieber etwas aktiver werden wollte, konnte Samstagnachmittag an einem kleinen, aber feinen Schwertkampfseminar teilnehmen, angeboten von der Gruppe „Funkenflug“ aus Konstanz. Viel mehr als Grundlagen konnten selbstverständlich in 90 min nicht vermittelt werden, trotzdem würde ich jeder/m Fantasy-Autor/in raten, sich wenigstens einmal einem solchen Training zu widmen. Nicht nur, weil es wirklich Spaß macht, sondern weil sich die gröbsten Fehler schon mit ein paar Grundlagen vermeiden lassen.

Schwert- und Messerkampftraining mit der Gruppe Funkenflug

Trotz des tollen Rahmenprogramms blieb rund herum noch genug Zeit, sich zu Rollenspielrunden zu treffen, gemeinsam ein Brett- oder Kartenspiel zu zocken oder bei der großen Rollenspiel-Auktion begehrtes (Sammler-)Material zu ergattern

Nostalgie-Spielrunde zu „Das schwarze Auge 1“ aus den frühen 80ern

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Alles in allem hat sich die Manticon für mich wirklich gelohnt, es war ein tolles Wochenende mit vielen netten Menschen und einer sehr familiären Atmosphäre, ganz anders als auf den großen Buchmessen und Conventions. Wer also gerne mal ein tolles, geekiges Wochenende mit Gleichgesinnten verbringen, Neues ausprobieren oder hautnah mit Autoren bzw. Verlegern plaudern will, der ist auf der Manticon goldrichtig.

Eure Elea Brandt