Nornenadvent: Die Drabbles der Woche (3)

Heute kommt ihr zum letzten Mal in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Lautloser Angriff (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Sie kamen in der Nacht, zu Tausenden. Stillschweigend setzten sie zur Landung an, sprangen ab, segelten geräuschlos über den Dächern der Ahnungslosen. Lange genug hatten sie oben verharrt, gewartet auf das Zeichen, bereit zum Angriff.
Der Befehl kam von ganz oben, niemand bezweifelte ihn. Das war ihr Auftrag. Nichts konnte sie aufhalten. Ihr Vorteil lag in der Überraschung. Niemand erwartete sie, niemand war bereit. Sie landeten, wo sie gerade hinkamen: auf Dächern, in Vorgärten, mitten auf der Straße, auf Spielplätzen, neben Bahngleisen. Dies war ihr Bestimmungsort.
Erst am Morgen erkannten es die Überfallenen. Die ganze Welt lag unter einer Schneedecke.

Die Blätter des Lebens (Laura Kier)

Viele Blätter an einem Baum – jedes steht für sich doch keines ist allein. Tiere huschen den Stamm empor, suchen ein zu Hause zwischen dem hellen Grün. Raupen krabbeln umher und hoch oben im Geäst ziehen Drosseln ihre Jungen auf.
Es wird gezwitschert, geknabbert und gewachsen, bis sich Schmetterlinge und Vögel aus ihrer Kinderstube erheben und in unbekannte Weiten aufbrechen. Doch die Blätter bleiben zurück mit Erinnerungen an einen Sommer, in dem sie Schatten und Futter geboten haben.
Sie waren ein Teil des Lebens und leuchten zum Abschied in farbenfroher Pracht bis der Winter sie auffordert am Boden Schutz zu bieten.

Driving home for Chrismas (Nike Leonhard)

Das Radio dudelt Weihnachtslieder. In der Wirklichkeit ist nichts mit „Dashing“. Trotz 220 PS unter der Haube.
Kupplung, Gas, Bremse – Stillstand. Regen malt Schlieren in die Lichterkette der Bremsleuchten. Die Wischerblätter zerhacken den Takt von White Chrismas. Kupplung, Gas, Bremse – Hupe, weil so ein Idiot …
Nur nicht die Nerven verlieren. Lieber mit Barry White träumen. Kupplung, Gas, Bremse. Wusch-wusch machen die Wischerblätter. Nicht einschlafen. Es geht weiter; tatsächlich es rollt! Ihm wird warm vor Sehnsucht.
Die Wohnung ist dunkel und leer. Aber auf dem AB wartet Steffs Stimme: „Schatz, es wird leider später. Ich steh noch im Stau.“

Alle für eine, oder? (June Is)

Die erste Schildkröte in Knecht Ruprechts Fabrik kramte nach einem Taschentuch. „Hatschi!“
„Gesundheit“, sagte die zweite Schildkröte am Fließband. „Meinst du, du schaffst es, deine Geschenke zu verpacken?“
„He, schon wieder ein Geschenk von Kröte 1, so schaffe ich meine eigenen nicht!“, rief Kröte fünf von hinten.
„Entschuldigung, aber … Hatschi!“
Die zweite Schildkröte seufzte und sagte zur ersten. „Ich sortiere deine vom Band und wir verpacken sie später gemeinsam.“
„Danke.“
Als ein beträchtlicher Berg Geschenke angewachsen war, kamen auch Kröte drei und vier, um der ersten zu helfen.
Nur die fünfte fehlte, sie hatte sich übernommen und war umgekippt.

Wahre Liebe (Jana Jeworreck aka Moira)

Er trägt sie ehrenvoll schwebend hoch über seinem Kopf. Sie ist die Schönste, die er jemals trug und doch wird sie vergehen, wie alle anderen vor ihr.
Ihre Tränen laufen wie Schauer über seinen Körper, bevor ihr Geist erlischt. Er kann es nicht aufhalten. Er muss es ertragen und erleiden, obwohl sein Herz mit ihr zerfließt.
Und dann, jedes Jahr, wenn die Blätter fallen und auch vergehen, kommt eine Neue. Eine Zauberhafte, die leuchtet und glüht, wie die davor und ihr doch nicht gleicht, denn jedes Jahr ist es die Schönste, die Einzige, die wahre Liebe, die der Kerzenständer trägt.

In der Nacht (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Die tiefschwarze Nacht war die perfekte Tarnung.
Während die Menschen in ihren Betten nichtsahnend vor sich hin träumten, schlich eine kleine Gestalt durch die Straßen und Gassen, einen Sack auf dem Rücken, und huschte unbemerkt in jedes Haus.
Lautlos öffnete sie jede Tür und kein Wachhund wagte es den Eindringling zu melden. Zielsicher fand er in jedem Heim das, was er suchte, kam ohne Umschweife zum Ziel und machte sich an seine geheime Arbeit.
Plötzlich ein Tippeln, eine Tür wurde jäh geöffnet und Flurlicht fiel herein, auf jenes Wesen. Ein paar kleine Augen weiteten sich in großem Erstaunen.
„Das Christkind!“

Deutschland, ein Wintermärchen … (Tiphaine Somer Elin)

Gestern die Nacht vor dem großen Tag. Heute der Tag vor dem Abend aller Abende. Draußen frohlocken die Glocken, innen brummt es vor Aufregung. Es wurde gebacken, geschmückt und gebraten. Schüsseln türmen sich, von den Öfen her dampft es, Tische biegen sich unter köstlicher Last.
In den Schaufenstern prangen die Sterne und leuchten den Weg, von überall wispert und raunt es. Schnee knirscht unter den dicken Sohlen der heimlich Tuenden. Dann folgen Zerlumpte ängstlich dem unglaublichen Ruf. Unzählige sind es, so traurig und einsam. Plötzlich öffnen sich Türen, Fenster, Grenzen und Herzen. Frohe Weihnachten wünscht Deutschland und teilt sein Glück.

Natürlich darf am Heiligen Abend ein besonderes Extra-Schmankerl nicht fehlen;-)

Santa Space (Elenor Avelle)

„Bringen sie uns unter Lichtgeschwindigkeit Nummer Eins. Bereiten sie alles zum Andockmanöver vor“, sagte Santa und kontrollierte, ob sein roter Anzug auch richtig saß.
„Ist die Tarnvorrichtung aktiviert?“ Der kleine schrumpelige Kerl neben ihm nickte. „Sehr gut. Das Raumschiff wird von der einheimischen Spezies als Rentierschlitten wahrgenommen. Die perfekte Tarnung für den 24.“
„Wollen sie sich jetzt abseilen?“, fragte Nummer Eins.
„So genau wollen wir es mit der Tarnung nicht nehmen. Beamen sie mich runter.“ Santa verließ das Fahrzeug. Nummer Eins seufzte sprang aus dem Schlitten und tätschelte Rudolph.
„Ich wünschte wirklich, er würde nicht so viel Star Trek gucken.“

Nornenadvent: Die Drabble der Woche (2)

Wie versprochen kommt ihr heute wieder in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Sie kriegen dich (alle Jahre wieder) (Christina Diart)

Leise schleichen sie durch deine Wohnung, während du friedlich schläfst, eingepackt in deine Decke, denn die Welt wird kalt.
Sie verunstalten dein Wohnzimmer, versprühen überall ihren widerlichen, zimtigen Geruch und hinterlassen in jeder noch so winzigen Ecke ihren unverkennbaren Glanz.
Wenn du morgens erwachst, geweckt von den ach so lieblichen Klängen der Glöckchen, und das Ausmaß ihres nächtlichen Treibens bemerkst, ist es bereits zu spät.
Du bist infiziert und weißt, dass du dich erst Wochen später erholen wirst. Sie haben dich erwischt – wie jedes Jahr – und bringen dich dazu, summend durch die Einkaufszentren zu schlendern. Widerliche, kleine Biester, diese Weihnachtswichtel.

Katzengesang im Sternenlicht (Laura Kier)

Zwei Katzen sitzen gelangweilt auf einer Wiese und warten auf den Mond. Doch der erscheint in dieser Nacht nicht am Horizont.
»Es ist, wie es ist. Der Mond ist fort«, seufzend lässt die Kleinere der beiden Katzen den Kopf sinken.
»Ach wie herrlich«, meint die Andere. »Dann hat er endlich seine geliebte Sonne eingeholt.«
Zusammen beginnen die Katzen in unterschiedlichen Tonlagen zu Maunzen und lassen ihr Freudenlied in der sternenklaren Nacht erklingen.
Kurz darauf taucht der Mond auf.
»Was ist das?«, fragt die Kleinere.
»Er ist zu uns zurückgekehrt – und nicht allein.«
Silbern und golden färbt die Morgendämmerung die Welt.

Die Tänzerinnen (June Is)

Joliel starrte auf die Bühne. Gleich müsste auch seine Freundin Maylea auftauchen. Ballettshows waren ihre Leidenschaft, er selbst konnte es nur als künstlerische Elfenhüpferei bezeichnen. Trotz seines Banausentums begleitete Joliel sie oft. Ihre Worte von vor vielen Jahren klangen in seinem Ohr nach. „Ich finde es sehr erregend, wenn du dabei bist.“
Das Licht ging langsam aus und viele graue Balletttänzer kamen von allen Seiten auf die Bühne geströmt. Einer stach in Gelb heraus. Als die Musik einsetzte, stellten sich alle auf ihre Zehenspitzen und begannen zu tanzen.
Joliel musste grinsen, als ein Fan von weiter hinten laut „Maylea!“ rief.

 

Arachne (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Sie ist die beste, keine Frage. Im Weben und Spinnen schafft sie Kunstwerke, die glitzern als wären sie aus Sternenstaub. Warum sonst sollte man sie beneiden?
Tausende schon haben ihre Werke bewundert, ja sogar versucht ihr nach zu eifern. Umsonst. An ihr Können kommt kein Mensch ran.
Mit einem Seufzer setzt Arachne den nächsten Faden an. Mit ihren Beinen balanciert sie geschickt, so dass auch dieser Faden seinen Platz findet. Doch manchmal waren sie ihr auch im Weg. Noch einmal seufzt Arachne und sieht an sich hinunter.
Ja, ein Mensch kam noch nie an ihre Kunstfertigkeit heran. Eine Göttin schon.

Alle Jahre wieder (Tiphaine Somer Elin)

Es war ein Funkeln und Glitzern, auf den heruntergeklappten Holzläden lag allerlei Tand. Er sah genau hin. Sah Händler, sah Geld, das in Kassen verschwand. Weihnachtsmarkt hieß es, Christkindls Markt.
Er war sich nicht sicher, dass es ein guter Markt war.
Dann sah er Kinder mit großen Augen, roch den Duft von frisch geschlagenen Tannen und von schwerem, gewürztem Wein. Süße Musik verwehte den Trubel. Erwachsene standen und lachten, sie fanden zusammen auf dieser kleinen, fröhlichen Insel inmitten einer hektischen Welt.
Diesmal würde er die Tische der Händler nicht umwerfen – der Markt, der seinen Namen trug, war ein guter Markt.

Eine andere Saite (Jana Jeworreck alias Moira)

Ich laufe eine Straße entlang. Sie ist düster und eng. Ich sehe, dass auf dem Asphalt etwas aufblitzt, gehe vorsichtig darauf zu. Es ist eine Saite, gerissen und achtlos zu Boden geworfen. Die Sonne trifft sie aus einem eigenartigen Winkel. Sie scheint zu glühen. Links und rechts ragen Hauswände in den Himmel empor, wie Felsen einer Schlucht. Nur ein Spalt bringt Licht. Und da leuchtet diese zarte Saite, vielleicht von einer Gitarre. Ich beuge mich hinab, hebe sie hoch und siehe da, es öffnete sich eine Tür in der Mauer. Es ist der Eingang zu einer Bar der besonderen Art.

Die Qual der Wahl (Anne Zandt aka Poisonpainter)

Wieder konnte er sich nicht entscheiden. Nahm er die Braungebrannte? Den Klassiker? Sie hatte ihn schon beim Vorbeigehen verführerisch angelächelt und war der Grund, warum er schließlich stehen geblieben war.
Doch neben ihr lag die Schwarze, die auch nicht zu verachten war oder auch die in Schneeweiß gehüllte. Allerdings, die mit den roten Punkten wollte er auf keinen Fall. Oder doch lieber etwas Größeres und Kräftigeres? Etwas ganz anderes? Hin und hergerissen blickte er sie an, wägte seine Entscheidung ab.
„Haben Sie sich entschieden, welche Mandeln Sie haben wollen?“, fragte der Händler nach einer Weile mit einem leicht genervten Unterton.

Noch eine Woche bis Weihnachten? Da füllen wir doch vor lauter Vorfreude das Türchen doppelt!

Das Höllenfeuer (Myna Kaltschnee)

Sie tanzen beschwingt ums Feuer. Ihre Körper werfen lange Schatten auf den Untergrund. Bizarre Figuren zeichnen sich im dämmerigen Licht ab.
Sie sind alle gekommen: Junge und Alte, Große und Kleine. Nur um sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen. Sie haben sich den ganzen Tag darauf gefreut und nun ist es endlich Wirklichkeit. Wieder einmal ist ihnen eine ins Netz gegangen. Wieder einmal lodert das Höllenfeuer in den pechschwarzen Nachthimmel. Das muss kräftig gefeiert werden!
Sie stimmen einen fröhlichen Gesang an: „Die Hex‘ ist tot. Die Hex‘ ist tot.“ Vom Scheiterhaufen erklingen schauerliche Schreie, bis die Flammen sie ersticken.

Nornenadvent: die Drabble der Woche

Wie versprochen kommt ihr jetzt in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Die Bestie (Myna Kaltschnee)

Eilig hastet er durch die nächtlichen Straßen, als würde er von einer Bestie verfolgt. Er hat nur eines im Sinn: Er muss raus aus der Stadt. Weg hier, bevor ein Unglück geschieht.
Endlich lässt er all die kleinen Lichter hinter sich und dringt vor in den Wald. Im Schutz der Bäume verlangsamt er seinen Schritt. Er atmet laut und stoßweise. Seine Haut juckt, als hätte er sich seit Wochen nicht mehr gewaschen.
Er strauchelt, geht zu Boden. Das Jucken wird stärker. Mit Tränen in den Augen wirft er den Kopf in den Nacken. Wolfsgeheul ertönt.
Die Bestie ist in ihm.

Durch das Land (Laura Kier)

Bergauf, bergab, durch den Wald, vorbei an Weizen und Mohn. Der Wind trägt die Haare aus dem Gesicht; die Sonne wärmt die Muskeln auf.
Ein Bachlauf lädt zum Planschen ein, doch weiter geht‘s den Weg entlang. Immer schneller bis die Sterne leuchtend am Himmel stehen. Schatten huschen durch die Nacht, doch das Licht erhellt den Weg, vertreibt die Dunkelheit und weiter, weiter geht es durch das Land. Geradeaus und in Kurven, durch Tunnel, über Brücken; mal Steil, dann flach – von den Bergen bis ans Meer.
Die Augen sind müde, das Herz ist froh: denn Besenfliegen, dass geht immer wo.

Kündigung (Jasmin Engel)

Er hasste seinen Job. Es war immer das Gleiche. Alle forderten stets nur und erwarteten von ihm auch noch, dass er ihre Wünsche mit einem breiten Lächeln erfüllte. Am Besten gab er ihnen zudem ein überraschendes Extra obendrauf.
Als Saisonarbeiter hatte man es noch besonders schwer. Mit all dem könnte er sich wahrscheinlich abfinden – wenn nur dieses seltsame Gefühl nicht wäre! Gelegentlich war ihm, als würden große Augen ihn beobachten. Als greife eine Hand in sein Leben ein.
Als Jan am Morgen des 6. Dezember vor das weihnachtliche Diorama auf der Kommode trat, war die Figur des Nikolaus verschwunden.

Beute (Eva-Maria Obermann)

Leise schlich er sich heran. Ein geübter Blick nach links, ein geübter Blick nach rechts und schon war er sicher, unbeobachtet zu sein.
Gut.
Nun galt es auch keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vorsichtig hob er die Nase in die Luft und schnupperte. Schon hatte er sein Ziel errochen.
Bald konnten auch seine Augen es fixieren.
Jetzt nur keinen Fehler machen.
Blitzschnell zuckte er nach vorne, ergriff seine Beute und lief damit zurück, dorthin, wo er hergekommen war, um sich zu nähren.
Das Wasser lief ihm im Mund zusammen und endlich konnte er gierig das Zellophan vom Schokoladennikolaus ziehen.

Kathy (Michelle Janßen)

„Mama“ sagte Kathy.
Doch Mama sage nichts.
„Mama!“ Das Auto brummte leise vor sich hin und Kathy musste gähnen. Mama schien sie nicht zu hören.
Sie blickte träge aus dem Fenster und beobachtete die Welt draußen. Die Bäume wehten leicht im Wind. Ihre Augen wurden schwerer und schwerer. Sie fielen immer wieder zu. Im Auto war es warm und Kathy war so müde. Doch etwas lies sie nicht einschlafen. Etwas hielt sie wach. Der Gurt schnitt in ihre Schulter, doch das war es nicht.
Kathy sah den Polizist überkopf auf sie zurennen, bevor sie ihre Augen schloss und endlich einschlief.

Lichtbringer (Tiphaine Somer Elin)

Er stand auf seinem Platz und wartete still im kalten Nieselregen. Er hatte keine Eile. Sie würden kommen, sie kamen immer. Sie würden Blumen bringen. Und Lichter.
So viele Lichter, von überall würde es leuchten. Er liebte das. Meist trugen die Kerzen ein rotes Gewand, nicht selten ein weißes, aber ihre flackernden Flammen spendeten goldenes Licht. Goldenes! So festlich, so tröstlich.
Wer kam, hatte eine Liebe zurückgelassen, doch das Leuchten half. Es verwischte die Grenzen zwischen dem Hier und der anderen Seite.
Regentropfen rannen ihm über die glatten Wangen. Er schmeckte Salz. Tränen?
Der steinerne Engel über dem Grab blinzelte.

Der Engel (Nike Leonhard)

Der Duft nach Zimt, Kardamom, Nelken und Ingwer hing in der Luft. Irene buk. Weihnachtsplätzchen. Das gehörte zum Advent dazu. Egal, was die Kinder sagten.
Sie blinzelte dem Porzellanengel auf der Fensterbank zu. „Du verstehst das, oder?“
Holla! Ihr war, als habe der Engel zurückgeblinzelt. Sie musste wirklich zum Augenarzt. Aber jetzt die Plätzchen. Schnell, denn um drei kam Karin, ihre Älteste, zum Kaffee.
Als Irene den Teig ausrollte, wurde ihr schwindelig.
„Ich halte dich“, sagte der Engel sanft. „Gib mir deine Hand.“
Karin fand sie auf dem Küchenboden. Still, kalt, lächelnd. Um sie herum glitzten die Scherben des Porzellanengels.

Nornengestöber und Adventskalender

Willkommen bei der letzten Stöberrunde für ein paar Wochen. Keine Angst, wir kommen wieder und pausieren nur. Denn ab sofort könnt ihr Sonntags alle geöffneten Türchen unseres Adventskalenders, der täglich auf Facebook eine Überraschung für euch bereit hat, kennenlernen. Darum dreht sich heute auch alles um Adventskalender und wo sie zu finden sind.

Anne Zandt aka Poisonpainter hat sich mit einigen Autoren zusammengeschlossen und einen Blogroman geschrieben, den ihr nun in praktischen Häppchen bis Weihnachten genießen könnt. Weihnachtsmänner, Rentiere, Norwegen und eine Geschichte um Liebe, Angst, Depression und Zusammenhalt. Ho ho ho.

Auch bei Sophie Fawn könnt ihr täglich auf der Facebookseite vorbeischauen und jeden Tag einen tollen Preis gewinnen. Viele Autoren haben mitgemacht und verstecken sich mit ihren Büchern hinter den Türchen. Da ist auf jeden Fall für jede und jeden etwas dabei.

Der Bücherstadtkurier hat einen literarischen Adventskalender auf die Beine gestellt und versorgt euch täglich mit einem Leseschmankerl. Oh du süße Weihnachtszeit.

Beim Tintenhain von Mona könnt ihr ebenfalls jeden Tag vorbeischauen und einen buchigen Preis gewinnen. Ob klein, ob groß, ob jung, ob alt. Jeder kann sich hier freuen.

Ähnlich ist es bei Eva-Maria Obermann aka Variemaa, die auf ihrem Buchblog mit spannenden Themen, Rezensionen und weihnachtlichen Interviews aufwartet und jeden Tag einen tollen Gewinn bereit hält.
Bei so viel weihnachtlicher Vorfreude fühlen wir uns jedenfalls schon ganz inspiriert. Und damit ihr davon etwas abbekommt könnt ihr auf unserer Facebookseite jeden Tag einen tollen Drabble von einer unserer Nornen lesen. Für alle, die der Plattform lieber fern bleiben kommen hier die ersten drei 100-Wortgeschichten. Viel Spaß damit 🙂
Beste Freunde (June Is)

 

„Sag mir, was los ist“, drängte Wirnabo seinen gleichaltrigen Spielkameraden seit einer Stunde zum Sprechen.
„Du weißt genau, was los ist“, gab Benji leise zurück.
Wirnabo nahm eine Trotzpose ein. „Nein, weiß ich nicht. Außer, dass du nicht mehr mit mir sprichst. Was habe ich falsch gemacht?“
Nun schniefte Benji. „Nichts, aber …“
„Aber? Irgendetwas hast du doch.“
Langsam drehte Benji seinen Kopf in Richtung Zimmerausgang.
Wirnabos Blick folgte.
Obwohl sie für ihren Sohn hinter der Tür nicht sichtbar waren, konnte Benji die Anwesenheit seiner Eltern spüren.
Er hörte seinen Vater seufzen. „Er spricht doch wieder mit dem Unsichtbaren, Margret.“

Geschwister (Jana Jeworreck alias Moira)

Es war dunkel, kalt. Wütender Wind. Sie liefen zu Tausenden über die weite Fläche. Er sah sich nach seinen Geschwistern um.
Viele von ihnen rannten ebenfalls, doch andere verharrten auch in Schockstarre, darauf wartend, mitgenommen zu werden. Wenn der Wind kam, brachte er mehr von ihnen, schleuderte sie gegen den Widerstand, zerschlug sie, ließ keinen, wie er war. Der Große fragte sich, wann wohl sein Ende kommen würde.
Er griff sich einige seiner verängstigten Geschwister, umschlang sie schützend mit seiner dünnen Hülle, rannte, wie vom Teufel verfolgt, die Scheibe hinab. Er war der Schnellste und Größte der Tropfen – Aufschlag!

Kleider machen Leute (Elenor Avelle, von der auch die zauberhaften Grafiken zu unserem Kalender stammen)

Die Burgbewohner warfen neugierige Blicke herüber, besahen sich den Rock und machten sich ihre Gedanken. Dem Schmied erschien er zu kurz. Man konnte die Knie sehen, beim Bücken beinahe den Hintern.
Die Magd fragte sich, was wohl darunter steckte. Vielleicht nichts, denn so hieß es doch, dass solche wie diese nichts drunter trugen.
Der Ritter fand den Aufzug ganz und gar unangemessen. Solche Kleidung hatte er hier noch nicht gesehen. Die Frauen trugen Röcke bis zum Knöchel, die Männer Beinkleider.
„Ist euch nicht kalt?“, fragt ein kleiner Junge.
„Ein bisschen frisch bei euch“, sagte der Schotte. „Aber das geht schon.“

Und weil es der erste Advent ist, decken wir euch dazu doppelt ein;-)

Lebkuchen City (Diandra Linnemann)

Aus dem winterlichen Wald heraus beobachtet sie heimlich das Treiben. Eine glitzernde, dampfende Stadt steht jetzt dort, wo sie ihre Hütte gebaut hatte. Von überall kommen sie. Sie werden erwartet, umhegt, vorbereitet. Der Duft verzaubert sie, bis es zu spät ist.
„Think big“, hatten sie ihr gesagt, als sie den Vertrag unterschrieb. Nicht mehr nur für das eigene leibliche Wohl sollte sie sorgen. Man müsse nur anbauen. Umdisponieren. Und jetzt fahren LKW von der Fabrik auf der anderen Seite der Stadt ins ganze Land. Hier riecht es nicht nach Zimt und Nelken.
Plakate werben: Frisch auf den Tisch.
Saftige Weihnachtsbraten.

Der nornige Adventskalender steht vor der Tür

Hohoho, nein, halt, Moment. So weit waren wir noch nicht. Also nochmal auf Anfang.

Am ersten Dezember startet unser Adventskalender. Jeden Tag könnt ihr auf unserer Facebookseite einen Drabble (eine Kurzgeschichte mit genau 100 Worten) lesen, den eine unserer Nornen geschrieben hat. Mal wird es dabei fantastisch, mal gruselig oder auch weihnachtlich. Nein, nicht jede unserer Geschichte wird vor Magie sprühen, aber alle werden euch überraschen, Blickwinkel erweitern, Perspektiven eröffnen, die vorher nicht da waren. Absichtlich wollen wir damit nicht „nur“ Weihnachtsstimmung verbreiten, denn auch unsere Leser*innen sind vielfältig und vielleicht gar nicht an Christkind oder Weihnachtsmann interessiert.

Kurz ein Universum schaffen

Dass ein Text nicht lang sein muss, um Botschaft und Emotion zu vermitteln, ist nichts Neues. Ernes Hemingway, so eine bekannte Anekdote, wettete einst, dass er in nur sechs Worten eine vollständige Geschichte erzählen könnte. „For Sale: Baby shoes, never worn“ erzählt ein tragisches Schicksal, sechs Worte, die rühren und ein Universum mit sich bringen. Auch in Romanen ist es wichtig, auf den Punk zu kommen, Spannung aufzubauen und dann den Leser doch immer zu überraschen. Drabbles sind dafür nicht nur eine gute Schreibübung, sondern Kürztgeschichten, die Leser mit wenigen Worten in den Bann ziehen, Erwartungen wecken, zum Nachdenken anregen und darum Autorin wie Lesern Spaß machen.

An den Adventssonntagen könnt ihr die bisherigen Drabbles hier auf dem Nornenblog nachlesen. Wir wissen, nicht alle Leser*innen sind auf Facebook zu finden und so habt ihr ein extra Schmankerl, wenn ihr euch Sonntags ausruht und bei uns reinschaut. Schon jetzt möchte ich** mich aber bei allen Nornen bedanken, die mitgemacht haben. Der Kniff des Drabbles ist die Pointe im letzten Satz, die alles ändert. Tausend Dank an meine lieben Kolleginnen, den Eifer, die Worte und die Begeisterung. Unser Netzwerk ist ein junges, aber das Engagement ist groß.

Ich freue mich sehr auf eure großartigen Texte, wir werden 24 Mal Leser damit bewegen, ich weiß es. Freut euch mit mir auf den Dezember und den nornigen Adventskalender.

**Autorin des Textes ist Eva-Maria Obermann

Nornengestöber – 05.11.2017

Es wird wieder gemeinsam gestöbert. Heute geht es um Sexismus und Zombies. Außerdem könnt ihr bei einem literarischen Adventskalender mitmachen und Frederike Unger kennen lernen.

Auch wir Nornen sind noch immer schockiert über alles, was bei #metoo ans Licht kam. Wir arbeiten bereits an einem Projekt dazu. Sexuelle Übergriffe beginnen bereits bei Vorurteilen, Vorstellungen und dem Alltagssexismus, der keinesfalls heute von der Bildfläche verschwunden wäre. Die FAZ macht klar, dass in Bewerbungen Frauen gegen Vorurteile einfach nicht ankommen können. Andreas Sator war erschrocken, als er feststellte, dass er in seinem Podcast nur männliche Gäste hatte, weil ihm das Problem vorher nicht aufgefallen war. Und Nina George, Bücherfrau des Jahres, macht klar: Auch in den Medien haben wir ein Sexismus Problem.

Umso schöner, dass 54books eine Autorin vorgestellt hat, Frederike Unger, eine Autorin aus Aufklärung und Romantik – die den Herren ihrer Zeit ganz schön Kritik entgegen gebracht hat. Respekt und danke für das Vorstellen dieser Autorin.

Im Rahmen einer Blogtour für Elenor Avelles neuen Roman Infiziert hat sich BlueSiren Gedanken über Zombies gemacht, die schauerlich wie faszinierend sind.

Schreibmeer hat einen interessanten Beitrag zum Thema Fanfiction in die Weiten den Internets entlassen. Was das eigentlich ist und ob nicht eigentlich alles Geschrieben heute im Grunde Fanfiction ist, macht Spaß zu lesen und gibt Einiges zu denken.

Bereits auf dem Literaturcamp wurde die Idee des Buchlabors geboren. Nun hat eine Gruppe von Bloggern den Gedanken in die Tat umgesetzt. Was das eigentlich ist und wie die Blogger das erste Thema „Geister“ angehen, könnt ihr auf Schreibtrieb und den dort verlinkten Blogs sehen.

Als besonderer Hinweis für alle Autoren haben wir heute den Aufruf des Bücherstadtkuriers für ihren literarischen Adventskalender. Wir sind dann mal schreiben 🙂