Sind wir schreibende Götter (EmmaN)

Klar.

Wir erschaffen ganze Universen, mit allem drum und dran.
Wir erschaffen wunderbare Protagonisten, die unsere Welten bewohnen, und denken uns für sie Handlungen aus, voller Widersprüche und Gefahren, voller Liebe und Hass, voller Alltäglichkeiten und voller Abenteuer.
Und wie auch für Götter, so gilt auch für uns: das Ganze muss Hand und Fuß haben, nicht nur im wörtlichen, auch im übertragenen Sinn.

Wie das so ist wenn man Gott/Göttin spielt: es hat nicht nur lustige Aspekte. Schließlich kann es ganz schön ermüdend sein, sich jedes Detail einer neuen Welt vorab zu überlegen, sogar inklusive des “was davor geschah”, um logische und in sich schlüssige Settings für die Helden der Geschichte zu erarbeiten.

Je fantastischer und fremder die Welt ist, in der die Handlung spielt desto mehr muss geplant und nachgedacht werden.

Nicht alles wird immer im Buch dargestellt oder erklärt werden können, aber der Autor hat es sich im Vorfeld sicher trotzdem überlegt. Hat er es nämlich unterlassen, das zu tun, so spürt man das in der Geschichte. Sie wirkt dann an manchen Stellen flach und nicht gut durchdacht

Außerdem gibt es vieles, dass sich erst im Laufe des Schreibens entwickelt.

Charaktere tun das sehr oft, sie wehren sich gegen den göttlichen Plan, entwickeln ein Eigenleben. Sie handeln dem Plot zuwider oder weigern sich, zum Beispiel, einen bestimmten Namen zu tragen oder sich brav in eine bestimmte andere Person zu verknallen.

Manchmal muss man sich da durchsetzen als Gott/Göttin, und dem Master-Plan zum Durchbruch verhelfen. Manchmal ist es aber klüger, seinen Figuren ein Stück des Weges zu folgen, um zu sehen, was sich daraus ergibt. Auch Götter/Göttinnen kommen nicht immer auf alle Möglichkeiten.

Auf jeden Fall aber ist dieser schreibende Gottheit für alles, was passiert, verantwortlich. Diese Last spürt er/sie oft auf seinen/ihren Schultern lasten. Schließlich liebt Gott seine Geschöpfe, die Guten wie die weniger Guten, und hat manchmal auch so etwas wie ein schlechtes Gewissen weil er seinen Helden soviel zumuten muss. Aber Gott hat eben einen Plan, und weiß – meistens wenigstens – wozu es gut ist.
(Den Plot voranzutreiben – woran dachtet ihr jetzt?)

Und manchmal, ja manchmal tut ein Gott/eine Göttin einfach etwas, ohne Plan. Nur so.
Weil er/sie es kann.

Haben Autoren also einen Gottkomplex? Oder sollte ich** sagen, einen Göttinnenkomplex?

Klar! Was sonst?

**Autorin des Artikels ist EmmaN alias Karin (E.) Novotny

 

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