Selfpublishing – ein persönlicher Erfahrungsbericht (Moira aka Jana Jeworreck)

Die Veröffentlichung meines** Debütromans im Selfpublishing ist bereits einige Jahre her. Zunächst bewarb ich mich damit bei Verlagen und Agenturen. Ich erhielt nur vereinzelt Antworten ohne Ergebnis und da ich mein Buch nicht in der Schublade liegen lassen wollte, entschloss ich mich, es einfach selbst herauszubringen. Die überraschend positiven Reaktionen ermutigten mich, auch meine nächsten Bücher selbst zu veröffentlichen.

Jana Jeworrecks Roman Dreiland

Trotz der erfreulichen Erfahrungen will ich aber zunächst mit der Beschreibung der Schwierigkeiten beginnen, da es beachtenswerte Punkte des Selbstverlegens sind:

Alles in einer Person?!

Ich bin Autorin, Produzentin, Schriftsetzerin, Grafikerin, Marketing -und Presseagentin in Personalunion und finanziere mein Lektorat selber. Am Anfang ist es unglaublich stressig, anstrengend und nicht immer perfekt, alles selber zu machen und vor allem finanzieren zu müssen. Jeder der Tätigkeiten wird in der Regel von Profis ausgeführt. Für eine Einzelperson ist das auf dem Niveau nicht zu leisten oder, wenn man es gar nicht selber macht, nur schlecht zu finanzieren.

Man reibt sich an den Hürden der Professionalität auf und der Frage, was von all den Informationen eigentlich Priorität hat.

Wähle deine Zielgruppe genau! Mach das Cover gefälligst gefällig. Schreib einfach, aber nicht zu einfach. Sei preiswert und sag es jedem, aber verkaufe dich nicht unter Wert. Lass dir von Lesern sagen, was ihnen gefällt und was nicht und dann halte dich dran, aber zugleich sei du selbst und mach, wie du es meinst.

Ja was denn nun?

Wenn man also endlich diesen Eiertanz hinter sich hat, bekommt man für die Vielfachleistung, die man für den Preis eines Cocktails mit Schirmchen erbringt, noch große Skepsis entgegengebracht, weil man ja „nur“ selbst verlegt hat. Damit muss man umgehen lernen, wenn man sich als Selfpublisher versucht.

Die meisten der genannten Argumente sind auf der anderen Seite aber auch absolut positiv. Es ist wahnsinnig toll, alles selber machen zu können. Das „was“ und „wann“ sind deine Entscheidungen und es ist eine wundervolle Freiheit. Die meisten der weiter oben gelisteten Jobs bereiten mir Spaß. Neben dem Schreiben arbeite ich gern am Cover, verbinde Bilder mit Texthäppchen, bereite Posts für Facebook und Instagram vor und plane Aktionen. Alle Ideen, sofern nicht zu abstrus, kann ich im Selfpublishing zum Ausdruck bringen und das schnell.

Viele Nornen veröffentlichen (auch) als Selfpublisher

Erfolgserlebnis, hausgemacht

Besonders der letzte Punkt ist hervorzuheben. Man wartet nach Fertigstellung eines Projektes bei Verlagsbewerbungen häufig bis zu sechs Monaten oder sogar länger auf Antwort. Meistens erhält man noch nicht einmal mehr eine Absage. Solange liegt der Roman auf der Festplatte rum und – zumindest bei mir war es so – der eigene Antrieb, weiterzumachen, wird gehemmt

Im Weiteren liegt der Vorteil des Selbstveröffentlichens darin, dass Fehler, die ich selber mache, ich auch mit mir selber ausmache. Außerdem habe ich nach Kritik durchaus den Ehrgeiz, immer besser zu werden.

Selfpublishing ist der Preis der Freiheit. Man braucht hohe Motivation und auch Geschäftsverständnis. Man ist selbständig und muss sich dementsprechend fragen: Kann (und will) ich jeden Tag schreiben und mich verbessern und voranbringen und pushen und ein Projekt beenden? Oder werde ich aufgeben, wenn es nicht so läuft? Diese Entscheidung muss jeder für sich selber fällen.

Informieren!

Durch viele Angebote im Internet kann man die eigene Fehlerquote langsam senken. Die Möglichkeiten sollte man jedoch immer auf Herz und Nieren prüfen, denn jede Fehlentscheidung kostet Zeit oder Nerven oder Geld, gerne auch mal alle drei Dinge gleichzeitig,

Nur Verlage können es sich leisten, eine große Menge hochwertiger Druck-Erzeugnisse und Werbematerialien zu produzieren und zu streuen. Auch die ausgearbeiteten Vertriebswege werden sicherlich noch eine ganze Weile in den Händen der Verlage bleiben, obwohl sich auch in diesem Bereich etwas tut. Zum Beispiel ist der Zugang zu guten Druckbüchern mit ISBN bereits erheblich leichter geworden.

Solange die Buchhändler allerdings für Selfpublisher nicht zugänglicher werden, wird Amazon seine Krakenarme weiter ausbreiten und Eigenverleger ansaugen, denn dort bekommt man für die ganze Arbeit und Eigenleistung wenigsten einen einigermaßen anständigen Geldanteil zurück.

**Autorin des Beitrags ist Moira aka Jana Jeworreck

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1 Kommentar auf "Selfpublishing – ein persönlicher Erfahrungsbericht (Moira aka Jana Jeworreck)"

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Danke, und – genau so isses. Selfpublisher sind quasi die jonglierenden, eierlegenden Wollmilchpommesnudelkühe der Branche. ^^