Professionelle Schreibprogramme im Vergleich (Elea Brandt)

Ihr Lieben, Weihnachten steht vor der Tür – die Hälfte der Adventszeit ist schon um. Wisst ihr schon, was unter eurem Weihnachtsbaum liegen wird? Nein? Als Autor*in und Buchnerd wünscht man sich ja oft einen ganzen Berg Bücher, aber vielleicht denkt ihr ja auch über ein professionelles Schreibprogramm nach.

Um euch die Entscheidung zu erleichtern, möchte ich** euch heute drei Programme vorstellen und die eine oder andere Empfehlung dazu abgeben. Vielleicht hilft euch das ja ein wenig.

Zu allererst sei gesagt: Die Professionalität eines Autors misst sich nicht an dem Programm, das er nutzt. Ein hervorragender Roman kann auch mit Bleistift auf einen Bierdeckel geschrieben oder auf Omas alter Schreibmaschine getippt werden. Aber, und das ist unbestritten, ein gutes Programm spart Zeit, Nerven und Ärger.

Im Vorfeld dieses Artikels haben auf Twitter 179 Autorinnen und Autoren abgestimmt und ihr vorrangig verwendetes Schreibprogramm angegeben. Etwa die Hälfte der Teilnehmer verwendete ein spezielles Programm wie Papyrus, Scrivener, Patchwork oder yWriter, die andere Hälfte arbeitete vorrangig mit klassischer Textverarbeitung wie Word, Open oder Libre Office. In den Kommentaren wurde auch sichtbar, dass viele Autor*innen verschiedene Programme in unterschiedlichen Stadien ihrer Arbeit nutzen.

Ein Blick auf das Angebot an verschiedenen Schreibprogrammen lohnt sich also in jedem Fall.

Scrivener

Mein persönlicher Favorit zum Verfassen von Manuskripten ist Scrivener . Das Programm bietet eine sehr übersichtliche Oberfläche mit einer angenehm zu bedienenden Datenbank-Struktur, in die man Recherchematerial, Fotos, Charakterbögen oder andere Dokumente einbinden und auf einen Klick abrufen kann. Ferner verfügt Scrivener über eine Pinnwand zum Festhalten von Plotnotizen, einen Wordcounter und einen ablenkungsfreien Vollbildmodus, den man mit individuellen Motivationsbildern selbst gestalten kann. Wer gerne mit Farben oder Labels arbeitet, kann einzelne Szenen farblich kennzeichnen (z.B. nach Perspektivträger oder Handlungsstrang) oder deren Fortschritt festhalten. Hilfreich ist auch die Möglichkeit, Texte mit anderen Geräten zu synchronisieren und automatische Backups einzurichten. Nachteil an Scrivener ist die mangelhafte Rechtschreibprüfung. Die ist so unzuverlässig, dass ich sie in der Regel ausschalte. Auch auf aufregende Features wie Stilanalyse, Zeitstrahlfunktionen oder komplexe Mindmaps muss man leider verzichten, es gibt aber die Möglichkeit, Scrivener mit anderen Programmen wie Scapple oder Aeon Timeline zu verbinden.

Gerade ist die dritte Version von Scrivener in der Beta-Version erschienen. Wichtig zu wissen: Scrivener ist primär ein Mac-Programm, auch wenn eine vollwertige Windows-Version existiert, sind einige Funktionen nur am Mac verfügbar. Eine Lizenz kostet 45 $, für Nanowrimo-Gewinner gibt es allerdings in der Regel einen 50 % Nachlass. Einmal erworben, kann Scrivener auf beliebig vielen Geräten installiert werden.

Screenshot aus Scrivener

Vorteil: günstig in der Anschaffung, leicht zu bedienen, nützliche Datenbankstruktur, Vollbildmodus, automatische Backups

Nachteil:  schlechte Rechtschreibprüfung, keine Zusatzfeatures wie Zeitstrahlen, Stilanalyse oder Mindmaps, teilweise Bugs

Papyrus Autor

Papyrus  ist vermutlich eines der bekanntesten kommerziellen Autorenprogramme. Es liegt mittlerweile in der 8. Version für alle Betriebssysteme vor und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die Benutzeroberfläche von Papyrus erinnert an die klassischer Textverarbeitungsprogramme und lässt sich daher recht intuitiv bedienen. In tieferen Ebenen des Programms verstecken sich aber auch viele Zusatzfeatures, die Papyrus zu einer Rundum-Lösung für alle möglichen Bedürfnisse machen, es aber auch sehr komplex gestalten. Das Programm bietet eine Recherche- und Figurendatenbank, eine Zeitstrahlfunktion, eine frei gestaltbare Pinnwand, die auch als Mindmap genutzt werden kann, einen Wordcounter, ein Synonymlexikon und viele Funktionen mehr. Besonders zeichnet sich Papyrus aber durch seinen hervorragenden Duden-Korrektor und eine umfassende Stilanalyse aus, die dabei hilft, Wortwiederholungen, Bandwurmsätze, Füllwörter und andere Stilbrüche zu finden. Außerdem bietet Papyrus die Möglichkeit, Manuskripte unkompliziert in verschiedene Ebook-Formate zu konvertieren und dafür Inhaltsverzeichnisse oder Fußnoten anzulegen. Genau wie Scrivener verfügt Papyrus zudem über automatische Backups.

Mit 179 € (Studentenversion 149 €) ist Papyrus nicht unbedingt günstig. Es empfiehlt sich daher, die Demoversion zuerst für ein paar Wochen zu testen, bevor man sich zum Kauf entscheidet. Mit der Standard-Lizenz kann das Programm auf vier Geräten installiert werden, die Nutzung ist aber auf eine Person begrenzt.

Ich persönlich nutze Papyrus vor allem zum Überarbeiten, Lektorieren und Korrigieren. Zum Schreiben fehlt mir eine übersichtliche, leicht zu handhabende Datenbank-Struktur wie bei Scrivener.

Screenshot aus Papyrus

Vorteile: umfassende Stilanalyse, Dudenkorrektor, vielfältige Funktionen zum Plotten und Organisieren, automatische Backups

Nachteile: relativ teuer, braucht viel Arbeitsspeicher, Funktionsumfang zu Beginn überfordernd

Patchwork

Ich muss gestehen, ich konnte Patchwork  bisher noch nicht ausführlich verwenden, da schon die Testversion auf meinem relativ alten Laptop regelmäßig abstürzte. Ich kenne aber einige Autorinnen, die das Programm regelmäßig nutzen und sehr gut damit zurechtkommen, deswegen will ich es euch nicht vorenthalten. Patchwork ist vermutlich die eierlegende Wollmilchsau unter den Autorenprogrammen. Es bietet alle Funktionen, die man sich vorstellen kann, und ist dabei noch umfassender als Papyrus. Patchwork beinhaltet eine Zeitstrahlfunktion, Mindmaps, Figuren- und Recherchedatenbank, Rechtschreibprüfung, Stilanalyse, Vorlagen nach verschiedenen bekannten Plotmethoden (z.B. 7 Punkte, Heldenreise, Schneeflocke), Planung von Deadlines und Schreibfortschritten, Konvertierung in Ebookformate und noch vieles mehr. Von so vielen Funktionen wird einem fast schwindelig.

Mit 98 € (+35 € für den Duden-Korrektor) ist Patchwork günstiger als Papyrus Autor, allerdings sind folgende Updates oder neuere Versionen des Programms nach dem ersten Jahr nicht mehr inbegriffen. Diese können in einem Abo-Modell ab 5 € im Monat hinzugebucht werden. Hier empfiehlt es sich, auf das Timing zu achten, denn das Abo wird immer zum Quartalsende fällig (also März, Juni, September, Dezember), unabhängig davon, wie lange man es tatsächlich genutzt hat.

Screenshot aus Patchwork

Vorteile: extrem hoher Funktionsumfang für alle Bedürfnisse, Organisation von Deadlines, zeitnaher Support auch an Feiertagen, viele Backup-Routinen

Nachteile: veraltete FAQs, Updates nach dem ersten Jahr nicht im Preis inbegriffen, braucht viel Arbeitsspeicher, anfällig für Programmabstürze

Klassisches Textverarbeitungsprogramm

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, klassische Textverarbeitungsprogramme zu nutzen, z.B. Libre Office, Open Office oder Microsoft Word. Diese sind auf vielen Geräten bereits vorinstalliert, bieten eine solide Rechtschreibprüfung und einen Thesaurus, die Bedienung ist intuitiv, es gibt einen Überarbeitungsmodus und Speicherintervalle oder Sicherungskopien können selbst gesetzt werden, um Datenverlust zu vermeiden. Aufregende Zusatzfeatures gibt es zwar keine, aber dafür können Libre Office oder Open Office als Freeware heruntergeladen werden und kosten damit keinen Cent. Wer kommerziell mit den Programmen arbeitet, sollte aber berücksichtigen, dass die meisten Standardversionen, z.B. von Word, nur eine private Nutzung erlauben. Für kommerzielle Zwecke muss eigentlich eine eigene Lizenz erworben werden.

Vorteile: zum Teil kostenlos, einfache Bedienbarkeit, solide Rechtschreibprüfung, Thesaurus, Überarbeitungsmodus und Möglichkeit, Dokumente zu vergleichen

Nachteile: kommerzielle Nutzung unter Umständen nicht inbegriffen, keine Zusatzfeatures oder Datenbankstruktur, teils Kompatibilitätsprobleme mit anderen Programmen

Die Ergebnisse einer Twitter-Umfrage zur Verwendung von Schreibprogrammen bei Autoren, durchgeführt von Elea Brandt

Nicht vorgestellt habe ich euch hier das Programm yWriter, weil ich es selbst nie genutzt habe und daher wenig darüber weiß. Ich möchte es hier trotzdem erwähnen, da es sich um Freeware handelt und einen guten Einblick in das szene-basierte Schreiben bietet, das auch Scrivener und andere Programme nutzen. yWriter bietet eine kleine, aber übersichtliche Datenbank für Figuren und Orte und die Option, Szenen in der Handlung einzuordnen und ihnen Funktionen zuzuweisen. Es ist damit eine gute Möglichkeit für Einsteiger, sich mit Autorenprogrammen vertraut zu machen, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen. Wer mehr darüber lesen möchte, findet einen ausführlichen Beitrag im Schreibmeer.

Eine eindeutige Empfehlung für das eine oder andere Programm möchte ich an dieser Stelle nicht aussprechen, denn jedes Programm ist für andere Bedürfnisse geeignet. Welche Features euch wichtig sind und euch das Leben und Schreiben erleichtern können, müsst ihr selbst herausfinden.

Die nachfolgende Tabelle hilft euch vielleicht beim Entscheidungsprozess:

Übersicht der Schreibprogramme

1 Sicherungskopien können z.T. manuell angelegt werden

2 nur Möglichkeit, Kommentare zu setzen

3 nur im ersten Jahr, danach im Abo ab 5 € pro Monat

Habt ihr euren Favoriten schon gefunden? Kennt oder nutzt ihr vielleicht noch andere Programme?

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß beim Ausprobieren und Testen.

**Autorin des Beitrags ist Elea Brandt

 

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Danke schön, für diese Übersicht. Ich bin noch ganz neu dabei und arbeite mit Word 2016. Und handgeschriebenen Blattstapeln.

Sehr gerne. <3 Den Prozess handschriftlichen Schreibens kann kein Programm so richtig ersetzen, finde ich. Allerdings gibt es ja mittlerweile schon Möglichkeiten, handschriftliche Notizen direkt zu digitalisieren. Wenn man das denn will.

Danke für den Vergleich – ich bin sehr verliebt in Scrivener, überlege aber immer mal wieder, ob ich Papyrus nicht doch noch versuchen soll. Vielleicht lege ich mir für eine Kurzgeschichte mal die Testversion zu, zum A-Z-Testen.

Ja, testen finde ich total wichtig. Papyrus ist großartig zum Überarbeiten, schon allein wegen der Rechtschreibprüfung und der Stilanalyse. Allerdings muss man sich bei dem Preis natürlich überlegen, ob es einem das wert ist. 😉

Hallo Elea,
danke für diese schöne Zusammenfassung. Ich bin auch nach langer Testphase bei Scrivener gelandet, hatte aber auch den ywriter im Einsatz. Papyrus punktet mit Stilanalyse und Rechtschreibeprüfung, hat aber nicht wirklich überzeugt.
Viele Grüße
Peter

Mich würde ja interessieren, wie du da noch den yWriter mit einordnest, der ja kostenlos ist, aber einen größeren Funktionsumfang hat als normale Textverarbeitung.

Leider bringen mir persönlich für das erste Schreiben keine der herkömmlichen Programme etwas. Ich bräuchte irgendetwas, was gleichzeitig Cloudfunktion hat, und vom Handy aus das gleiche Dokument nutzt wie vom PC. Daher bin ich an Google Docs gebunden und kann nicht zu Programmen mit mehr Funktionen wechseln, auch wenn yWriter mir persönlich im Umfang gut gefällt. Aber … ich schreib eben vor allem am Handy.

[…] schönen Überblick über verschiedene Schreibprogramme hat die liebe Elea Brandt fürs Nornennetz geschrieben ‒ auch Scrivener wird dort […]