Lilienblom und die Golems #Fabelwesen

Philippe Semeria

Der Golem (/ ɡoʊləm / GOH-ləm; Hebräisch: גולם) ist eine Gestalt, die ihren Ursprung in der jüdischen Folklore hat. Ein menschenähnliches Wesen, das auf magische Weise aus Lehm oder Schlamm geformt wird. Die berühmteste Golem-Erzählung entstand im späten 16. Jahrhundert in Prag. Über die Art und Weise, wie man einen Golem zum Leben erweckt und anschließend unter Kontrolle behält, gibt es viele Geschichten. Sogar in der Bibel – wie könnte es anders sein – taucht das Wort „Golem“ einmal auf und zwar im Psalm 139: 16 als das Wort גלמי (galmi; mein Golem), wo es „meine Lichtform“, „rohes Material“ bedeutet. Im Jiddischen wurde aus Golem „Goylem“, was noch heute einen ungeschickten, langsamen Menschen beschreibt.

Im weitesten Sinne wurde sogar Urvater Adam als Golem geschaffen, denn bekanntlich formte Gott ihn aus Lehm.

Im Mittelalter glaubte man, man könne einen Golem als Nebeneffekt einer ekstatischen Erfahrung erschaffen. Zum Leben erweckt würde er dann, indem man verschiedene Buchstaben des hebräischen Alphabets auf einen Zettel schreiben sollte, die für einen der vielen Namen Gottes stehen. Diese Zettel sollte man dem Golem in den Mund stecken oder an die Stirn heften.

Die früheste bekannte schriftliche Darstellung, wie man einen Golem erschafft, verfasste Eleazar ben Judah von Worms (1165-1230).

Als Verwandten des Golems könnte man den „Lehmjungen“ bezeichnen, der in jiddischen und slawischen Märchen auftaucht und auch eine Verbindung zum „Lebkuchenmann“ hat.

1915 drehten Paul Wagner und Carl Boese den Stummfilm-Horrorstreifen „Der Golem“. 1917 folgte Der Golem und die Tänzerin. 1920 erschien „Der Golem, wie er in die Welt kam“. Wegeners dritte Bearbeitung des Golem-Motivs gilt mittlerweile als expressionistischer Klassiker des deutschen Stummfilms.

Heutzutage findet man den Golem eigentlich nur noch selten als Motiv in Literatur und Film. Bestenfalls taucht er noch mal als „Boss“ in Computerspielen wie „Terraria“ auf oder als steinbepacktes Schildkrötenmonster in „Pokémon“.

Es scheint, als sei der Golem aus der Zeit gefallen. Schade, denn eigentlich ist er eine interessante Gestalt, die symbolisch auch heute – vielleicht sogar besonders heute – viel zu sagen hätte. Wer weiß, vielleicht entdeckt ihn ja irgendwann irgendjemand wieder.

 Lilienblom: https://www.lilienblom.de


Bildnachweis https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Golem_by_Philippe_Semeria.jpg

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M. Stadelmann, A. Mirowna, B. Unghulescu, Mikaela Sandberg mit SCHWEIG STILL und IM RAUSCH bei Ullstein. Freie Autorin, Lektorin, Ex-Verlegerin, Hat das #nornennetz mitgegründet

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