Lesungen – DOs and DON’Ts (Anne Danck)

Auf der Buch Berlin war ich** auch einen Tag als Messehelfer dabei und habe mir zehn Stunden lang Lesungen angehört. Dabei konnte ich als Zuhörer eine ganze Liste an Dingen von DOs und DON’Ts

zusammentragen. Im Folgenden habe ich versucht, sie in verschiedene Kategorien zu sortieren: ein paar allgemeine Anmerkungen, der Einleitung, der Wahl der Textausschnitte und der Vortragsweise. (Und ja, all das ist mir im Verlauf des Tages tatsächlich so untergekommen.)

Volles Haus auf der Buch Berlin (Foto: Ela Schnittke)

Allgemein

DO

Vor allem, wenn man sich auf einer Messe befindet (und es daher nicht nur die eigene Lesung gibt), ist es praktisch, ein unverwechselbares Wiedererkennungsmerkmal zu haben. Beispiel: auffällige Bluse, Hut, Kopfschmuck… Tutu 😉 Damit kann man dann auch nach der Lesung auch super noch am Stand wiedergefunden werden.

DO

Wenn man kann, sollte man aus seinem Buch lesen, es sichtbar auf dem Tisch ausstellen oder das Coverbild an die Wand werfen. So hat der Zuhörer es die ganze Zeit vor Augen und wird sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch noch nach der Lesung daran erinnern. (In dem Zusammenhang ist ein großer, einprägsamer Titel oder Autorenname vermutlich zusätzlich hilfreich.)

DO

Bei einer Lesung von 30 min (wie es auf der Buch Berlin der Fall war) sollte man einige Minuten am Schluss für Fragen einplanen. Wenn man die Lesung spannend genug macht, sollten danach nämlich automatisch einige kommen. Falls man jedoch eine gewisse „Anfangsschüchternheit“ der Zuhörer fürchtet, könnte man einen „Vorfrager“ im Publikum installieren. Oder aber man stellt dem Publikum seinerseits eine Frage. Wenn nach dieser Brücke jedoch immer noch keine Fragen kommen… Sagen wir es so: Ich würde die nächste Lesung dann vielleicht anders konzipieren. Schließlich sollte der Hörer doch nach der Lesung vor Fragen zur Geschichte nur so brennen, oder?

DO

Wasser zum Zwischentrinken parat haben. (Nervosität macht automatisch einen trockenen Hals. Man wird es brauchen!)

DON’T

Nur Sprudelwasser zum Zwischentrinken parat haben. Anscheinend bringt einen das auch während der Lesung zum Sprudeln.

DON’T

Aus einer Wasserflasche trinken. Glas wirkt viel besser. Außerdem schraubt man dann nicht ständig die Flasche auf oder zu. Oder kommt auf die Idee mit der Flasche in der Hand gestikulieren zu wollen. Und das macht nicht den passendsten Eindruck, wenn man gerade über epische Fantasy reden will.

Unsere Nornen Ela Schnittke und Janna Ruth auf der Buch Berlin (Foto: Janna Ruth)

Einleitung

DO

Den Titel des Buches nennen und am besten auch den eigenen Namen. Außerdem sollte man eine kurze Einleitung zum Buch geben. Wenn man nicht weiß, wie man sie gestalten soll, dann am besten den Klappentext vorlesen. Auf jeden Fall braucht der Zuhörer irgendeine Vorstellung von Genre, Setting, Plot, denn diese Informationen bekommt er normalerweise über den Einband des Buches, bevor man das Buch aufschlägt.

DO

Sich auf einer Messe von jemandem vorstellen lassen, statt sich selbst vorzustellen. Das wirkt automatisch professioneller. (Da kann man auch die beste Freundin hinstellen – solange diejenige es mit der passenden Miene durchzieht, wird das niemand merken… 😉 )

DON’T

Die Zielgruppe weder direkt noch indirekt durchklingen lassen, bevor man den ersten Textausschnitt vorliest. Sonst erwartet der Zuhörer womöglich High Fantasy für Erwachsene und wundert sich minutenlang über Einfachheit von Sprachstil und Handlung… bis er erfährt, dass es auf eine ganz andere Zielgruppe abzielt, weil der Protagonist erst 15 Jahre alt ist. (Oder andersherum: Wenn Kinder in der Lesung sitzen und es sich erst später herausstellt, dass es doch etwas brutaler zur Sache geht als gedacht.)

Textausschnitte

…sind immer ein kniffliges Thema. Deswegen hier keine ausschließenden DOs, sondern lediglich ein paar verschiedene Varianten, wie man sie handhaben könnte:

DO

Mit Anfang beginnen, denn der sollte den Zuhörer schließlich am besten in die Geschichte einführen können.

DO

Nicht mit dem Anfang beginnen, falls dieser in einer Leseprobe enthalten ist. Womöglich kennt der Zuhörer diese schon und hat so sonst das Gefühl, nichts Neues geboten zu bekommen.

DO

Eine Szene wählen, die den Kernkonflikt durchklingen lässt. Denn der ist schließlich der Grund, warum der Zuhörer später das Buch kaufen will.

DO

Wenn man zwei Hauptpersonen hat, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, jeweils eine Szene aus der einen und der anderen Sicht vorstellen. Vor allem, wenn deren Denkweise und Ansichten sehr unterschiedlich sind, ist das sehr wirkungsvoll.

DON’T

Eine Szene ohne jeglichen Konflikt vortragen. Einzige Ausnahme: Diese Szene erklärt, was das Einzigartige an der Geschichte ist. (Aber eigentlich sollte das ja mit einem Konflikt zusammenhängen.)

DON’T

Zu viel preisgeben. Wenn man schon die ganze Handlung verrät, warum sollte man dann das Buch noch lesen? Das geht natürlich trotzdem, aber dann muss das Wie es dann im Detail passiert fesselnd genug sein.

DON’T

Zu wenig preisgeben und zum Beispiel nur den Prolog vorstellen, weil man noch nicht so viel über den Rest verraten will. Aber… nun ja, dann weiß der Zuhörer zu wenig über den Rest. Und warum sollte er das Buch dann kaufen ohne die Handlung auch nur ansatzweise erahnen zu können? Dann muss man schon einen wirklich beeindruckenden Schreibstil haben.

Auch unsere Norne Stella Delaney war auf der BuchBerlin (Foto: Stella Delaney)

Vortragsweise

DON’T

So hart es klingt: Wenn man zu nervös zum Lesen ist oder undeutlich spricht, dann sollte man vielleicht nicht selbst lesen, sondern jemand anderen darum bitten. Manchmal ist man dann eben nur der Songwriter und nicht der Sänger sozusagen. Aber es ist eben schade um einen Text, der einfach aus akustischen Gründen nicht ankommt.

DO

Lieber natürlich und sympathisch wirken als aufgesetzt professionell. Gerade bei Fantasy sollte man sehr aufpassen, dass man nicht ins Künstliche rutscht. Aber was einen Zuhörer wirklich zum anschließenden Kauf bringt, ist schließlich nicht wie selbstüberzeugt der Autor herüberkam, sondern wie gut er eine Verbindung zum Leser aufbauen konnte. Und Sympathie kann da sehr viel bewirken. (Auch, dass man das Buch kauft, ohne es zu wirklich lesen zu wollen, einfach nur, weil man den Autor so interessant fand.)

DON’T

Den Einleitungstext oder Überleitungstext zwischen den Szenen ablesen (Ausnahme: Klappentext). Das wirkt dann als würde man das eigene Buch nicht kennen. Deswegen hier besser auch nicht etwas Auswendiggelerntes runterspulen, sondern einfach… erzählen. Und falls man sich unsicher ist und das Gefühl hat, andernfalls etwas zu vergessen, dann helfen Stichpunkte – aber eben keine ausformulierten Sätze.

DO

Gut organisiert sein.

DON’T

Diese Organisation während des Sprechens vornehmen. Also nicht schon während des Vortragens die Sachen zusammenpacken, als wäre man schon mit einem Fuß aus der Tür.

DO

Laut und deutlich sprechen. Es ist nicht die Gute-Nacht-Geschichte für das angekuschelte Kind, sondern ein Vortrag und den muss man überall hören können.

DON’T

So laut und deutlich sprechen, dass es schon wieder verstörend wirkt.

DO

Nicht zu schnell sprechen.

DON‘T

So langsam sprechen und dabei einzelne Wörter so betonen, dass es sich wie eine Predigt anhört. Der Zuhörer möchte unterhalten und nicht zum Kauf des Buches bekehrt werden.

DO

Es kann die Atmung und die laute Sprechweise erleichtern, wenn man zum Vorlesen steht.

DON’T

Wenn man steht, sollte man aber nicht herumhampeln – sprich von einen Fuß auf den anderen treten oder sogar vorwärts und rückwärts gehen.

DO

Den Text so sicher beherrschen, dass man ihn auch auswendig kann. (Hey, das ist beeindruckend!)

DON’T

Den Text so sicher beherrschen, dass man während des Auswendigaufsagens mit den Blättern  herumfuchteln kann.

DO

Zwischendurch Blickkontakt mit dem Publikum suchen. Dann sieht man auch, ob noch alle geistig anwesend sind.

DON’T

Den Blickkontakt solange aufrechterhalten, dass sich der Zuhörer niedergestarrt fühlt.

Ich hoffe, ihr fandet die Liste hilfreich. Natürlich kann sie gerne unten in den Kommentaren ergänzt werden. 😉

 

** Autorin des Artikels ist Anne Danck

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank! Das ist eine tolle Hilfe, ich habe schon oft erfolgreich gelesen und freue mich, dass alles gut lief. Aber einige Tipps kannte ich nicht, z. B. das auffällie Anziehen.

    Antworten

    • Schön =) Dann freue ich mich, dass ich etwas Nützliches aus meinem stundenlangen Rumsitzen machen konnte

      Antworten

Kommentar verfassen