Elenor Avelle: Die Zombie-Metamorphose #Fabelwesen

Fabelwesen im Nornennetz 

Der Zombi hat, wie jedes fantastische Wesen, einen Symbolcharakter. Er ist wie der letzte Funke Vernunft, der in der Masse untergeht. Wie unsere Sichtweise auf die Vernunft ist auch der Zombie wandelbar. Schon immer hatten politische Ereignisse Schnittmengen mit der Literatur und das macht den Wandel der Zombifigur im gesellschaftlichen Kontext sehr spannend.

War er zu Beginn noch ein gehorsamer, durch Magie heraufbeschworener Sklave, entwickelte er sich in den 60er Jahren zur verzehrenden, schleichenden Gefahr, die durch Krankheitserreger der menschlichen Kontrolle entzogen ist. Es ist die Zeit von Flower-Power, dem Vietnamkrieg, der Mondlandung, der ersten Großrechner und der Zündung der stärksten jemals gezündeten Wasserstoffbombe.

In wieweit hatte das zunehmende Gefühl des Kontrollverlustes über die technologisch wachsende Macht des Menschen Einfluss auf den Zombie als Symbolfigur? Im 21. Jhdt. wird der Zombie ein schneller und zielgerichteter Vertilger. Er passt sich der Geschwindigkeit der Veränderung in unserem gesellschaftlichen Leben scheinbar an. Er frisst grausamer, tötet effektiver und vernichtet in großem Stil.

Mit dem wachsenden Bewusstsein, was wir tun und wie wir unsere Umwelt gegen uns selbst als Zivilisation richten, bekommt der Zombie plötzlich wieder mehr Verstand in den Geschichten. Die grausame Masse wird wieder zum Individuum, das in die Zivilisation sogar zurückkehren kann.

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M. Stadelmann, A. Mirowna, B. Unghulescu, Mikaela Sandberg mit SCHWEIG STILL und IM RAUSCH bei Ullstein. Freie Autorin, Lektorin, Ex-Verlegerin, Hat das #nornennetz mitgegründet

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