Die Fantastik – unendliche Weiten (Elea Brandt)

Geschichten von Drachen, Magie, epischen Schlachten und dunklen Bedrohungen prägen die Literatur seit vielen Jahrhunderten und haben schon immer Leser*innen und Autor*innen in ihren Bann gezogen. Genau aus dieser Faszination heraus hat sich das Nornennetz als Netzwerk von Fantasy-Autorinnen konstituiert – uns vereint die Liebe zur Fantastik. Aber woher kommt diese Faszination?

Für mich** war diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten, denn im Grunde habe ich nie etwas anders geschrieben. Es war also keine aktive Entscheidung, sondern viel mehr eine stabile Disposition. Schon als Kind habe ich am liebsten mit Ritterburgen gespielt, als Jugendliche eher Harry Potter gelesen als realistische Problembücher. Die Fantastik war also schon immer in meinem Leben präsent.

Deswegen habe ich mich der Frage nach dem „Warum“ nicht allein gestellt, sondern zudem einige Kolleg*innen auf Twitter befragt, was sie am Fantasy-Genre lieben. Ihre Aussagen sollen diesen Blogpost ein wenig illustrieren.

Fantasy – unendliche Weiten

Es gibt nur eines, das fantastische Welten limitiert:  die eigene Fantasie. Natürlich besteht der Anspruch trotzdem darin, eine stimmige Welt zu kreieren und eine schlüssige Geschichte darin zu schaffen, doch die Prämissen der Welt setzt sich jeder Autor selbst. Landschaft, Klima, Kultur, Magie, Gesellschaft, Religion bis hin zu Kleidung, Freizeitgestaltung und individuellen Werthaltungen – alles entsteht aus dem Kopf des Autors, bis hinein in die kleinen, aber feinen Details, die eine fantastische Welt greifbar und anschaulich machen. Ein guter Fantasy-Roman entführt den Leser in eine Welt, die er mit Neugier und Spannung erkundet, bei der an jeder Ecke ungewöhnliche Details lauern können.

Ich liebe Fantasy, weil es Spaß macht, Dinge, Orte und Wesen zu entdecken, die es im realen Leben nicht gibt. – Hazel McNellis

Zwar befreit die Schaffung fantastischer Welten nicht von der Notwendigkeit ordentlicher Recherche (beileibe nicht!), doch im Vergleich zu einer historischen oder zeitgenössischen Geschichte tut sich ein wesentlich größerer Spielraum auf. Die Frage lautet dann, zum Beispiel, nicht mehr: „War Objekt X im Jahr Y bereits erfunden?“, sondern „ist es anhand der technischen Errungenschaften, des allgemeinen Bildungsstandes und der magischen Möglichkeiten wahrscheinlich, dass Objekt X bereits existiert?“. Spannende Gedankenspiele, die sehr viel Freude machen – beim Lesen und beim Schreiben.

Kombinieren und Verschmelzen

Darüber hinaus ist Fantasy das „kleine Schwarze“ der Literatur: Es passt einfach zu allem. Ganz gleich ob Romanze, Erotik, Horror, Krimi oder Politthriller – fantastische Welten lassen sich mit jedem dieser Genres wunderbar kombinieren. Meistens ergeben sich aus diesen Verbindungen auch die ganz großen Erfolge. „Harry Potter“ verschmolz magische Fantasy mit dem klassischen Internatsroman, Twilight verknüpfte Jugendromanze und Vampirgenre und im Lied von Eis und Feuer verbinden sich dreckige Fantasy und Politthriller. Die Liste könnte noch ewig erweitert werden und soll nur einen kleinen Ausschnitt dessen bieten, was möglich ist.

Fantasy eröffnet viele Möglichkeiten, die man bei realistischen Geschichten nicht hat und die ich beim Schreiben gerne habe und nutze. – Irina Vérène

Je ungewöhnlicher und abenteuerlicher diese Verbindungen werden, desto weniger bewegt man sich natürlich innerhalb des gängigen Mainstreams (sagt die Frau, die gerade einen Mantel-und-Degen-Steam-Punk-Mystery-Krimi plant), doch wer Freude am Experimentieren hat, kommt in der Fantasy voll auf seine Kosten.

Freude am Experimentieren, im Schreiben wie im Zeichnen zeigt auch Kirana (2017)

Drama, Baby!

Die Fantasy ist außerdem das Genre der großen Gefühle. Ewige Liebe, grausame Rache, brennender Hass – vor der epischen Kulisse einer rauen oder schillernden Fantasy-Welt wird aus einfachen Emotionen etwas ganz Großes. Liebe überwindet die Grenzen von Leben und Tod, Zorn reißt ganze Imperien ein und Freundschaft eint verfeindete Völker.

Ich liebe Fantasy, weil ich andere gerne mit auf die Reise in all die Welten mitnehmen möchte, die in meinem Kopf entstehen. – Carina Schnell

Das klingt jetzt alles etwas pathetisch – ist es auch! – aber ich gebe zu, ich liebe diese starken Emotionen, das Popcornkino, die Gänsehautmomente, die Wellen der Begeisterung. Ich liebe sie als Leser, wenn ich mich davon fesseln lassen kann, und ich liebe sie ebenso als Autor. Vor allem dann, wenn ich merke, dass die es mir gelingt, mit Worten genau diese Emotionen bei meinen Lesern hervorzurufen, die ich selbst beim Schreiben empfunden habe.

Spiegel der Gesellschaft

Über viele Dekaden haftete der Fantasy der Vorwurf des Eskapismus an. Der Weg in fantastische Welten wurde als Flucht vor der Realität gedeutet, als das Konstruieren von märchenhaft-verklärten Luftschlössern, die es erlauben, die Augen vor realen Problemen zu verschließen. Die Wahrheit ist aber eine ganz andere. Fantasy-Geschichten erlauben eine Auseinandersetzung mit vielseitigen gesellschaftlichen Phänomenen, mit Gewalt, Rassismus, Ausgrenzung und dem vereinten Kampf gegen diese Bedrohungen. Sie halten den Lesern einen Spiegel vor, zeigen das Reale im Fantastischen, die Wahrheit in der Fiktion.

Ich schreibe Fantasy, weil das Land der Fantastik weiter ist als die Realität und gleichzeitig ein ferner Spiegel des eigenen Selbst. – Nike Leonhard

Wer Harry Potter, den Herr der Ringe oder die Tribute von Panem kennt, der weiß, dass auch fantastische Stoffe eine intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus ermöglichen, es sogar ermöglichen, die Botschaft zu intensivieren und zu dramatisieren. Wer der Meinung ist, Fantasy sei nur eine heile Rosa-Wolken-Märchenwelt, muss sich vielleicht noch etwas genauer umsehen.

Antworten auf die Umfrage auf Twitter, warum Autor*innen Fantastik schreiben

Up to you!

So, ihr Lieben, jetzt seid ihr dran. Warum lest oder schreibt ihr Fantasy, was fasziniert euch an dem Genre? Erzählt uns davon in den Kommentaren oder unter dem Hashtag #ilovefantasy

**Autorin des Artikels ist Elea Brandt

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich mag die Möglichkeit, einen aktuellen Sachverhalt fantastisch zu verfremden, um einen Standpunkt klarzumachen. Terry Pratchett ist der Kaiser dieser Disziplin, aber ich krebse mich so an der Thronfolge entlang. ^^

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