Lyrik von Iris Welker-Sturm zu Sprache und Geschlecht (Barbara Fischer Reitzer)

Es war einmal das Jahr 2018, das höchste deutsche Zivilgericht und eine Klägerin… Marlies Krämer wollte auch auf Sparkassenformularen als die Person wahrgenommen werden, die sie ist: eine Frau. Im Bankensprech wären wir da bei der Formulierung „Kundin“, der feministischen Sprachkritik sei Dank. Es gibt offizielle Richtlinien für solch eine geschlechtergerechte Sprache. Die leider auf vielen Formularen und Vordrucken nie angekommen ist. Ein Zustand, der nun höchstrichterlich abgesegnet wurde.

Zum Vergleich: als der erste Mann im Jahr 2010 den Beruf einer Hebamme in Deutschland ergriff, war ihm nicht zuzumuten unter eben dieser Berufsbezeichnung zu firmieren. Nein, für einen einzigen Mann wurde gleich ein ganzer Berufsstand neu erfunden: Entbindungspfleger. Einen Hebammer, wenn wir einmal andersherum ableiten, gab es nie und wird es auch nie geben. Im Gegensatz zu Millionen Kunden, die keine sind. Ach, könnten wir die Sprache selber fragen…

Iris Welker-Sturm hat sich dran gemacht und ist mit der Sprache und den unglaublichen Urteilsbegründungen zum Thema „Das andere Geschlecht“ in Dialog getreten.

Ob die männliche Leserin
jetzt wohl befriedigt ist?
Geschützt vor Texten
die zu kompliziert für ihn?
In der Chefinnenetage
darf er weiter stöckeln
sprach- und geschlechtsblind
durch der Gänge
her und hin. 

Der furchtbare Bürokratie
zieht den so in der Länge.
Der arme Kämpferin
kann sich da nur
die Augen reiben.
Was 2000 Jahr lang
Unrecht war
soll endlich –
auch so bleiben.

Autorin des Beitrags ist Barbara Fischer Reitzer  / Autorin des Gedichtes ist Iris Welker-Sturm

Arbeiten mit Testlesern

Testleser … ein Begriff, der verschiedenste Reaktionen bei Autor/innen hervorruft. Die einen lieben diese Phase des Projektes, für die anderen ist es der reinste Horror – und gerade „Neuautor/innen“ stellen sich die Frage woher nehme ich Testleser, was machen die, und wie funktioniert das eigentlich.

Ich selbst habe das Glück, einen ganzen „Pool“ von Testleserinnen zu haben, die ich bitte, mein Manuskript zu lesen. Tatsächlich hätte ich auch gerne endlich einen, noch besser zwei männliche Testleser – wenn sich also jemand angesprochen fühlt … 🙂
Die Zusammensetzung dieser Truppe ist so bunt wie das Leben, und genau das macht sie für mich zu den besten der Welt. Einige schreiben selbst, andere sind „nur“ Leserinnen. Zwei sind wesentlich jünger als ich, jede von uns lebt in einem anderen (Bundes)Land. Für mich heißt das, ich habe ziemlich viele Aspekte abgedeckt, auf die ich selbst aufgrund meiner Lebenssituation gar nicht achte. Sie nehmen meine Dialektausdrücke raus, weisen mich darauf hin, dass heutzutage kein Mensch mehr SMS schreibt und dass es Smartphone heißt, nicht mehr Handy.

Im besten Fall schimpfen sie an den gleichen Stellen mit mir und sind an den Stellen glücklich, wo ich es wollte. Um das zu sehen ist es unheimlich wichtig, dass sie mir jeden Gedanken an den Text schreiben. Oft ergeben sich daraus Dialoge, die ich am liebsten im Anhang veröffentlichen würde.

Zwischenzeitlich gibt es unzählige Gruppen auf verschiedenen Plattformen, an die man sich wenden kann. Vertrauen gehört natürlich dazu, einer vollkommen fremden Person den eigenen Text anzuvertrauen. Bis jetzt hatte ich immer Glück und das schlimmste, was mir je passiert ist ,war, dass ich nur am Ende des Textes ein „tolle Geschichte“ stehen hatte und sonst nichts. Und darauf hatte ich auch noch zwei Monate gewartet. Aber man hat ja auch schon ganz andere Dinge gehört …

Mein System ist eigentlich recht einfach: Ich schicke das Word-Dokument raus und lasse darin rumschreiben. Stellen, von denen ich weiß, dass die nachgearbeitet werden müssen, markiere ich. Manchmal stelle ich auch Fragen, ob ein von mir beabsichtigter Aspekt genug rauskommt.

Wenn ich die Korrekturen zurück bekomme, lege ich Texte zusammen und die dann über mein Original. Klingt jetzt wahnsinnig kompliziert, ist es aber gar nicht. Somit habe ich alle Kommentare und Korrekturen in einem Dokument. Auch das handhabt wohl jede(r) anders und man muss für sich selbst rausfinden, was am besten funktioniert.

Ganz wichtig ist: Ein/e gute/r Testleser/in meckert. Sie/Er sagt dir, wo ein Übergang fehlt, wo sich der Zusammenhang nicht aus dem Text ergibt, wo du schlicht und ergreifend Mist gebaut hast. Sie merken, ob dein Prota gerade halbnackt durch den Schnee rennt, weil du vergessen hast, ihn nach der Dusche was anziehen zu lassen, oder dass in deinem Haus plötzlich ein Zimmer aufgetaucht ist, das es vorher noch gar nicht gab.

Ich gebe es ehrlich zu, manchmal rolle ich mit den Augen oder stehe vom PC auf und fluche erst mal. Weil mir die Anmerkung pingelig vorkommt, weil ich mich über den „Ton“ ärgere, … Wenn ich merke, dass es mich zu sehr trifft, schließe ich das Dokument, oder überspringe einfach, was mich gerade nervt. Oder ich erinnere mich daran, dass ich selbst auch nicht besser bin, wenn ich für jemanden Korrektur lese. Am nächsten Tag/eine Woche/einen Monat später sieht das alles anders aus und ich denke: Danke, dass du mich darauf hingewiesen hast.

Für mich ist diese Phase die wichtigste im ganzen Projekt, die aufregendste und anstrengendste. Danach – vorausgesetzt die Story ist als tauglich eingestuft – kann ich es immer kaum erwarten, endlich fertig zu sein und veröffentlichen zu können. Aber auch nach den Testlesern gibt es ja noch ein paar Hürden. Die bleiben jedoch einem weiteren Blogbeitrag vorbehalten. *zwinker*

Ein Beitrag von Irina Christmann.

Problem Schreibblockade

Egal in welchem Genre man schreibt, egal wie lange man schon dabei uns ganz egal, wie viele seiner Geschichten man schon veröffentlicht hat … es gibt Dinge, die jede/r Autor/in kennt. Eines davon ist die “Schreibblockade”.

So unterschiedlich wie wir Autor/innen sind auch die Blockaden sowie die Strategien, sie zu bekämpfen. Während die haushaltsführenden Autor/innen dazu tendieren, praktische Dinge wie aufräumen, bügeln usw.  zu erledigen, gibt es noch die Analysten, die versuchen das Problem sofort und auf der Stelle an der Wurzel zu packen, um es los zu werden.

Es gibt unzählige Schreibratgeber, Blogbeiträge und Artikel in Schreibzeitschriften, die sich damit befassen und Lösungsvorschläge anbieten. Genau wie dieser Artikel haben sie eines gemeinsam: Es gibt nicht DIE Lösung … jede/r Autor/in ist anders. Auch der Grund für das “Weiße Blatt Syndrom” ist nicht immer gleich.

Für mich haben sie was von einer Depression. Prinzipiell weiß ich ganz genau, was ich tun sollte oder eben auch nicht. Trotzdem bin ich nicht in der Lage den Laptop einfach zu zuklappen, das Manuskript darin für ein paar Tage liegen zu lassen oder mich um ein anderes Projekt zu kümmern. Immer und immer wieder landen eine Gedanken bei genau dem Problem, das mich gerade am weiterschreiben hindert. Sei es ein – im nachhinein erkenne ich das klar und deutlich – kleines Plotproblem, oder der Prota, der eben gerade nicht vernünftig sein möchte.

Und dann gibt es da noch das “echte Leben”, kranke Familienangehörige, Überstunden, Geburtstage die vorbereitet werden wollen, zusätzliche Trainingseinheiten der Kinder vor Turnieren usw. sind Herausforderungen, die angenommen werden wollen. Und manchmal bleibt dann keine Zeit mehr fürs Schreiben. Nehmt sie Euch trotzdem! Jeder kennt das Sprichwort “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.” Stimmt tatsächlich. Jeder, der schon mal den NaNo durchgehalten hat, auch ohne erreichte Wortzahl, weiß wie toll es sich anfühlt jeden Tag wenigstens ein bisschen zu schreiben. “Kleinvieh macht auch Mist”, kennt auch jeder …

Bei mir hat sich gezeigt, dass es mir gut tut, mit meinem – immer in der Tasche befindlichen – Notizzeug raus zu gehen. Cafés, die Bibliothek, warten beim Zahnarzt … ich kann überall besser schreiben, als daheim am Schreibtisch, besonders wenn mich eine Szene total stresst. Was dabei raus kommt ist nicht immer gut, aber das Gefühl erst mal über den Punkt weg zu sein hilft.

Vielleicht ist es auch für Euch eine Idee, einfach mal woanders, mit anderem Schreibgerät zu schreiben. Ein tolles Notizbuch (passend zum Thema der Geschichte), ein neuer Stift (ich liebe Gelschreiber, die flitzen nur so übers Papier) das sind alles Kleinigkeiten, die mich aufbauen, wenn ich kurz vor dem Ausflippen/Hinschmeißen/Verzweifeln bin.

Hier https://twitter.com/Ridani76/status/955363503031902208 haben ein paar liebe Kolleginnen und Kollegen die Frage: “Was tut ihr gegen die (drohende) Schreibblockade?“ netterweise für mich beantwortet.

Ein Beitrag von Irina Christmann.

Taschenkalender (Diandra Linnemann)

Der lange Atem – Was haben Sport, Schreiben und Neujahrsvorsätze gemeinsam?

Ich habe es schon wieder getan. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht hilft und mich nur frustriert. Obwohl ich mir sicher war, aus den Katastrophen der letzten Jahre gelernt zu haben – ich habe mir Neujahrsvorsätze gebastelt.

Bei den meisten Deutschen stehen angeblich Abnehmen, Sport und das Ablegen einer unschönen Angewohnheit wie Rauchen ganz oben auf der Liste der Neujahrsvorsätze. Für Autoren – das ist jetzt nicht direkt wissenschaftlich belegt, aber ich würde drauf wetten – gehören Pläne wie „mehr schreiben“ oder „regelmäßig schreiben“ ebenfalls zu den üblichen Vorsätzen. Und sobald das Leben uns in die Quere kommt, stehen wir da und winken unseren hehren Zielen hinterher, wenn sie in den chaotischen Abgrund schlittern.

Die größte Stolperfalle ist, beim Sport und beim Schreiben (das sind jetzt meine Beispiele, denn damit kenne ich mich aus), der Versuch, eine Wendung um hundertachtzig Grad zu machen. Bis gestern war die Couch dein bester Freund? Gut, dieses Jahr gehst du fünf Mal pro Woche joggen. Mindestens. Im letzten Jahr hast du nur geschrieben, wenn die Muse dich küsst? Ab sofort sind zehn Seiten pro Tag Pflicht! Du bist motiviert und enthusiastisch, und außerdem völlig sicher: Das ist doch ein Klacks!

Dann klopft der Alltag. Die Wäsche häuft sich unter dem Waschbecken. Deine Freunde wollen in diesen Megablockbuster, den man unbedingt gesehen haben muss, denn darüber redet ab nächster Woche die Welt. Im Wald hast du dir den Knöchel verstaucht, das Pflichtupdate legt deinen Rechner lahm und überhaupt wird es höchste Zeit für die Steuererklärung oder einen ehrlich verdienten Serienmarathon.

Wir sind alle schon einmal dagewesen. Darum kommt dieser Artikel auch erst heute, nachdem du schon die eine oder andere Gelegenheit hattest, bei deinen aktuellen guten Vorsätzen auf die Schlummertaste zu drücken. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag, nicht wahr?

Ich kenne übrigens noch ein paar Tage: Übermorgen. Den Tag nach Übermorgen. Den zweiten April. Und natürlich den Sanktnimmerleinstag. Das sind alles gute Tage, an denen wir unsere Pläne in die Tat umsetzen können.

Pläne statt Vorsätze

Falls es dir dieses Jahr nicht so gehen soll, habe ich einige Tricks und Tipps für dich. Den ersten habe ich dir gerade schon untergejubelt: Wir machen keine Vorsätze, sondern Pläne. Aus „Ich will“ oder „ich sollte“ wird „ich werde“, und schon ist die Umsetzung ein paar Milimeter näher gerutscht. Und wenn wir gerade dabei sind, zu planen, werden wir auch direkt konkret. Am besten mit einem Terminplaner in der Hand: Was sind die Tage(szeiten), an denen du die geplante Aktivität am ehesten in die Tat umsetzen wirst? Beim Beispiel Sport hilft es, sich wirklich feste Termine in den Kalender einzutragen, vielleicht Muckibude mit einer Freundin oder ein Probetermin in der Kletterhalle. Kurse an festen Tagen sind auch nicht zu verachten. Und wenn du schreibst – zu welcher Tageszeit hast du am ehesten ungestört Zeit, dich für mehr als drei Minuten an den Schreibtisch zu setzen? Bei mir ist das merkwürdigerweise der Abend, obwohl ich ein ausgesprochener Morgenmensch bin. Morgens küsst mich die Muse viel lieber (da schmecke ich noch frisch), aber am Abend habe ich alle Erledigungen und Pflichten für den Tag abgehakt und kann mich endlich ungestört daran setzen, meine Charaktere in noch größere Schwierigkeiten zu bringen.

Der zweite Trick: Finde einen Schuh, der dir passt. Und ausnahmsweise meine ich nicht den wortwörtlichen Laufschuh (wobei gutes Hand- und Fußwerkzeug wichtig ist, aber das wissen wir alle schon längst), sondern die passende Sportart, oder die richtige Textform. Probiere dich aus. Bist du ein Gedichtetyp? Liegt dir Tanzsport? Magst du lieber die knackige Überraschung der Kurzgeschichte oder verbeißt du dich am liebsten in komplizierte Plots? Vielleicht liegen dir verschiedene Textformen/Sportarten, dann ist es sinnvoll, auf mehreren Hochzeiten zu tanzen (wieder nur im übertragenen Sinne – es sei denn, du tanzt gerne). Aber du solltest dich unter keinen Umständen zu etwas zwingen, weil jemand anders es dir als Königsdisziplin unterjubeln will. Ich bin begeisterte Läuferin, meine Kollegin findet Laufen öde und geht regelmäßig zum Standardtänze-Kurs. Solange du dich bewegst – und vor allem: So lange du SCHREIBST – ist alles in Ordnung.

Und drittens: Sei geduldig mit dir. Es braucht einige Zeit und Disziplin, ehe sich neue Gewohnheiten etabliert haben, und sowohl physische als auch Kreativmuskeln müssen liebevoll trainiert werden, ehe man beim (Schreib-)Marathon startet. Dafür brauchst du einen langen Atem. Fange klein an. Wichtig ist, dass du zum verabredeten Termin auftauchst, wann immer es sich einrichten lässt. Vielleicht bringst du in den ersten Wochen zur vereinbarten Schreibzeit zwischen Konferenzen und klebrigen Kindermündern nur eine halbe Seite zustande. Das ist nicht schlimm. Es ist auch nicht wild, wenn du dich beim Schwimmen nach einer Minute in eine Bleiente verwandelst. Sei gut zu dir, und mache weiter. Wenn du das einige Monate durchhältst, wirst du ganz hibbelig, sobald du mal einen Termin auslassen musst. Deine Muse tobt heulend und zähneklappernd durch dein Unterbewusstsein, wenn du nicht um Punkt acht am Schreibtisch sitzt. Der Stapel aus „eine Seite pro Tag schaffe ich garantiert“ wächst schneller als erwartet in schwindelerregende Höhe. Deine Zehen tippeln unterm Tisch und treiben die Kollegen in den Wahnsinn. Spätestens dann weißt du: Herzlichen Glückwunsch, der Plan hat funktioniert. Es hat dich erwischt. Jetzt gilt es nur noch, den Schwung auszunutzen.

Übrigens: Mein Plan für dieses Jahr ist es, mich nicht immer bis über die Ohren zu verplanen. Bin gespannt, wie lange das hält. Und bei euch so?

Ein Beitrag von Diandra Linnemann.

Justitia had a really bad day (by Esther Wagner)

Action & Cut – Wie man Actionszenen fürs Kopfkino schreibt

Tosende Schlachten, atemberaubende Verfolgungsszenen und dramatische Duelle.
Wie schreibt man eigentlich richtig gute Actionszenen, bei denen man auf der Stuhlkante sitzend Popcorn mampft? Im übertragenen Sinne natürlich, wobei ihr ruhig beim Lesen Popcorn essen könnt.

Beim PAN-Branchentreffen 2017 war die Antwort ganz einfach. Man lässt sich einfach in Bern(h)ard umbenennen. Auf die Frage nämlich, wer richtig gute Actionszenen schreibt, waren die Antworten eindeutig: Bernhard Hennen und Bernard Cornwell. Wer aber auf den ganzen Papierkram beim Bürgeramt wegen der Umbenennung keine Lust hat, dem helfen vielleicht die folgenden Tipps. Vieles daraus stammt aus meinen Erinnerungen an den Vortrag von Susanne Pavlovic beim PAN-Branchentreffen, die mir in vieler Hinsicht die Augen geöffnet hat.

Echtzeit statt elend lange Beschreibungen

Wir Autoren lieben es, Dinge zu beschreiben. Wie sieht etwas aus? Wo befindet sich etwas? Wie funktioniert dies und das? Und ganz besonders »schlimm« wie fühlt sich eigentlich unserer Charakter dabei? Für all das hat man in Actionszenen keine Zeit. Sie sind unnötiger Ballast, der die Geschichte an der falschen Stelle entschleunigt. Das soll nicht heißen, dass es nicht spannend wäre, zu erfahren, welche Rüstungsornamente der Gegner besitzt, aber im Kampf ist die falsche Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Eine Actionszene wird um ein Vielfaches rasanter, wenn man in diesem Moment ganz in den Kopf des Charakters schlüpft. Stellt euch vor, ihr wärt auf der Flucht, hinter euch das personifizierte Grauen. Bemerkt ihr da wirklich, die Details auf der Häuserfassade oder macht euch Gedanken darüber, was ihr mit eurem Leben noch alles anstellen wolltet? Wohl eher nicht, viel mehr, rennt ihr was das Zeug hält und hofft inständig, dass das Grauen euch nicht bekommt.

Genauso ist es im Kampf. Das ist nicht der Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, dass euer Vater jetzt stolz auf euch wäre, oder ihr eurem Herzblatt noch nicht eure Liebe gestanden habt. In diesem Moment liegt euer gesamter Fokus darauf, diesen Kampf zu gewinnen oder zumindest ihn zu überleben.

Ein echter Kampf ist oft nur wenige Minuten lang, bevor einer von beiden die Oberhand gewinnt. Also verzichtet auf lange Beschreibungen, innere Monologe und alles, was von dem Moment ablenkt und konzentriert euch stattdessen auf die verschiedenen Sinneseindrücke, die die Szene lebendig gestalten, ohne sie aufzublähen.

Fokus statt Überblick

Die meisten Bücher werden heutzutage aus einer persönlichen Perspektive geschrieben. Damit Actionszenen spannender werden, muss man gerade an dieser Stelle ganz eng werden. Stellt euch vor, ihr seid mit euren Freunden in einer großen Schlacht und kämpft nun um euer Überleben. In diesem Moment bekommt ihr nicht mit, welche Strategie der General verfolgt. Ihr könnt auch nicht mal eben einen Blick nach drüben werfen, wo zehn Reihen weiter, eure Freundin den Kampf verliert oder mitbekommen, dass der Prinz heimlich entführt wird.

An dieser Stelle ein kleiner Disclaimer: natürlich gibt es Möglichkeiten, all das mitzubekommen, ABER ihr verliert dabei einen Teil der Spannung, denn euer Charakter hat offensichtlich Zeit, zu atmen und sich umzuschauen, ohne, dass ihm im nächsten Moment der Kopf abgeschlagen wird. Falls genau das im Anschluss passiert, alle Achtung!

Der Trick, spannende Actionszenen zu schreiben, besteht darin, sich vollkommen auf eine Sicht zu konzentrieren. Und die ist ziemlich beschränkt. Man denke nur an Ritterhelme.

Benutzt eure Umgebung

Klar, eure Charaktere haben ihre tolle Waffen und schlagen sich damit die Köpfe ein. Das ist schon ziemlich spannend, aber es wird noch viel spannender, wenn ihr ihre Umgebung mit einbezieht. Zum Beispiel könnte es regnen und euer Protagonist plötzlich mit einem Fuß in einem Schlammloch feststecken oder im Matsch ausrutschen. Er könnte statt zum Schwert schnell zum Bierkrug greifen und seinem Gegner eins überziehen oder sich am Kronleuchter durch den halben Raum schwingen. Andere Leute stehen im Weg, Mobiliar und enge Räume behindern euch – denkt daran, bei Schwertern muss man ganz schön ausholen und ihr wollt ja nicht die hübsche Schankmaid aufspießen – und Wäscheleinen hängen grundsätzlich auf Augenhöhe. All das macht eure Szene lebendig und somit spannender, als wenn sich zwei Leute immer parieren, bis irgendwer durch die Deckung dringt und gewinnt.

Fiction vs Fact

Jetzt wird es ein wenig kontrovers. Jeder weiß, wie wichtig Recherche für einen Autor ist und Geschichten sollen möglichst realistisch sein. Meistens trägt zu viel Realismus aber nicht unbedingt zur Förderung der Spannung bei. Man muss also immer auch ein wenig schauen, dass man den Plot und die eigentliche Geschichte bei aller Realitätsnähe nicht vergisst.

Dann gibt es aber noch die sogenannten fiktiven Fakten. Nein, ich spreche nicht von Trumps alternativen Fakten, sondern davon, dass manche Sachen schon so lange in Buch und Film falsch dargestellt werden, dass sie dem Leser wahrer als die Realität erscheinen. Jeder Pferdebesitzer könnte wahrscheinlich ein Lied davon singen, wenn die Pferde wieder mal stundenlang galoppieren und dann ohne Abreiben stehen gelassen werden. Die Sache ist jedoch, dass die meisten Leser nicht darauf achten und es ihnen zugunsten des Plots vollkommen egal ist. Plot/Action trumpft Fakt. Für die meisten Leser zumindest.

Einem Reenacter würde sich wahrscheinlich der Magen umdrehen, wenn er liest, wie der Held bevorzugt mit seinem Zweihänder rumläuft und Duelle damit ausficht. Der Leser findet es jedoch cool. Und so darf man als Autor ruhig auch mal ein Auge zudrücken, die Realität des Zimmers verweisen und sich darauf konzentrieren, einfach eine coole Actionsszene zu schreiben. Es ist immerhin Action und keine Kriegsdokumentation.

Risiko, Risiko, Risiko

Nichts ist langweiliger, als wenn man weiß, dass der Held eh alles überlebt. Schließlich ist er der beste, stärkste und klügste Held im ganzen Heldenland und außerdem besitzt er Plot-Rüstung. Eine Geschichte wird umso spannender, je höher die Fallhöhe ist. Und das gilt ebenso für Actionszenen. Ob durch ungünstige Wetterbedingungen, unzureichende Ausbildung oder eine Übermacht, geht sicher, dass für euren Charakter wirklich etwas auf dem Spiel steht und es nicht nur ein weiterer Plotpunkt ist, durch den er eben durch muss.

In anderen Worten lasst euren inneren Martin raus und erschafft eine Umgebung, in der niemand sicher ist, auch nicht euer Hauptcharakter für maximale Action. Ungewissheit ist euer Freund.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig in die Geheimnisse guter Actionszenen einführen. Habt ihr gute Beispiele oder andere Tricks, die ihr euch bei guten Actionszenen abgeschaut habt?

Ein Beitrag von Janna Ruth.

Grafik: Esther Wagner alias Kirana

Ein Cover wird in Photoshop gebaut

Ein Bild von einem Buch – Tipps zum Coverdesign

„Luke, unterschätze niemals die Macht eines Buchcovers!“
Ein gutes Cover ist das Aushängeschild einer Geschichte. Es ist das erste, was ein Leser von dem Buch sieht. Es ist zugleich Teaser, Markenzeichen, Schmuckstück und Grundlage für das visuelle Marketing. Und trotzdem sparen viele Selfpublisher an dieser Stelle – weil sie nicht bereit sind, Geld in einen guten Designer zu investieren oder weil es das Budget einfach nicht hergibt.

Verschiedene Wege führen zum Cover:

  1. einen professionellen Designer engagieren, dessen Portfolio euch gefällt
    Pro: Professionelle Arbeit – Kontra: (vergleichsweise) teuer
  2. eine Ausschreibung bei 99designs oder designenlassen.de machen
    Pro: im Idealfall mehrere gute Designs zur Auswahl, Festpreis – Kontra: nicht ganz billig, Zeit in ein gutes Briefing investieren
  3. einen Hobbydesigner engagieren
    Pro: vergleichsweise günstig – Kontra: keine Garantie für Qualität und professionelle Abwicklung (z.B. beim Thema Bildrechte)
  4. ein Premade kaufen
    Pro: vergleichsweise günstig – Kontra: Stangenware
  5. selber machen
    Pro: günstig bis kostenneutral – Kontra: kostet viel Arbeit und Nerven, ihr braucht Designkenntnisse

Gleich vorab: Wenn ihr nicht regelmäßig Grafiken baut oder Illustrationen zeichnet, vergesst Punkt 5. Ehrlich! Tut es euch und eurem Buch nicht an. Ihr steckt sonst verdammt viel Zeit, Nerven und Herzblut in ein Projekt, bei dem am Ende höchstens ein mittelmäßiges Ergebnis herauskommt. Macht euch Gedanken, informiert euch über gutes Coverdesign, aber überlasst die Umsetzung jemand anderem. Ihr seid Autor*innen. Niemand verlangt, dass ihr alles selbst macht. Und wenn ihr es euch irgendwie leisten könnt, engagiert einen Profi. Eine gute Geschichte verdient ein richtig gutes Cover. Und ihr unterstützt einen Künstlerkollegen, der damit seine Brötchen verdient.

Aber egal, ob ihr selbst designt oder ein Cover einkauft: Hier sind ein paar Tipps, die euch beim Design, beim Briefing und bei der Abnahme helfen.

* Das Titelbild dieses Beitrags ist übrigens KEIN Beispiel für gutes Coverdesign, sondern wurde in fünf Minuten hingeklatscht 😉 So bitte nicht!

Marktanalyse

Behaltet eure Zielgruppe im Auge. Was gefällt ihr? Was ist ein No-Go? Welche Genrekonventionen gibt es? Welche Trends erkennt ihr? Schaut euch Bestsellerlisten und Trendreports an. Es ist keine Schande, sich inspirieren zu lassen und sein Buch modisch einzukleiden 🙂 Aber auch, wenn ihr mit Konventionen brechen wollt, müsst ihr sie zuerst kennen. Deshalb ist es wichtig, den Markt zu zu beobachten.

Bildersuche

Investiert genug Zeit in die Suche nach passendem Bildmaterial – es sei denn, ihr zeichnet eigene Illustrationen. Die Bildrecherche ist einer der zeitaufwändigsten Schritte im Coverdesign. Gebt euch nicht mit der erstbesten Ballkleid-Dame zufrieden. Es ist hilfreich, wenn ihr vor der Suche klare Vorstellungen habt, wie euer Covermotiv aussehen soll. Aber bleibt offen für Alternativen, falls ihr nichts Passendes findet – oder während der Recherche dem grafischen Äquivalent eines genialen Plotbunnys über den Weg lauft 😉 Überlegt euch gute Schlagwörter, nach denen ihr sucht. Bleibt nicht zu allgemein, sonst findet ihr auf den ersten Plätzen nur die 0815-Bilder, die schon tausendmal verwendet wurden. Und blättert mehr als drei Seiten Suchergebnisse durch.

Bildauflösung

Nehmt immer die höchste Auflösung, wenn ihr Stockphotos kauft oder herunterladet. Achtet bei kostenlosen Fotos darauf, ob sie tatsächlich hochauflösend vorliegen. Und wenn ihr euer Cover erstellt, legt es in Druckqualität an – 300 dpi, ausreichende Größe. Auch wenn ihr erst mal nur eine Veröffentlichung als EBook plant. Vielleicht wollt ihr doch irgendwann eine Print-Edition veröffentlichen? Oder ihr wollt Plakate und Giveaways mit dem Covermotiv drucken lassen? Wenn ihr das Cover dann nur in Webauflösung vorliegen habt, ärgert ihr euch.

Bildrechte

Ein ganz wichtiges und nicht ganz einfaches Thema sind Bildrechte. Bei Buchcovern ist das noch einmal komplizierter als bei Blogposts. Da die Bücher nicht kostenlos abrufbar sind, fallen viele Bilder unter CC-Lizenz weg. Schaut euch in jedem Fall – auch bei gekauften Bildern – die Lizenz genau an: darf das Bild bearbeitet, verfremdet und in kostenpflichtigen Publikationen verwendet werden? Vorsicht ist bei kostenlosen Stockphotos geboten: Es gibt immer wieder Fälle, dass Anbieter fremde Fotos hochladen und als ihre eigenen ausgeben. Auf den ersten Blick ist das nicht ersichtlich. Speichert das Bild, ladet es in der Google Bildersuche hoch und checkt die Suchergebnisse auf Ungereimtheiten.

Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, investiert ein paar Euro und kauft eure Bilder bei Microstock-Agenturen wie Fotolia, Imago und co.

Komposition

  • Vielleicht findet ihr ein Motiv, das genau zu euren Vorstellungen passt und auch von den Bildrechten her unproblematisch ist. Ihr solltet es trotzdem nicht einfach in seiner Urform verwenden, sondern in eine Bildkomposition einbauen – auch wenn es schon perfekt erscheint. Je näher es am Original bleibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass euer Covermotiv euch an anderer Stelle wieder begegnet – vielleicht sogar in einem Kontext, mit dem ihr lieber nichts zu tun haben wollt.
  • Weniger ist oft mehr. In den meisten Fällen funktioniert es, sich auf ein Hauptmotiv zu konzentrieren, statt in jeder Ecke des Covers liebevoll detaillierte Motivchen unterzubringen.
  • Achtet auf eine stimmige Bildkomposition.
  • Schaut euch an, ob das Cover als winziger Thumbnail genauso gut funktioniert wie im Druckformat.
  • Gestaltet ein Covermotiv, das ihr gut in andere Formate bringen könnt. Damit spart ihr euch Nerven, wenn ihr z.B. Plakate, Postkarten, Blogheader, Lesezeichen, Werbebanner etc. daraus bauen wollt. Oder wenn ihr mal zusätzlich zum Taschenbuch eine Hardcover-Ausgabe drucken lasst.
  • Lasst keine wichtigen Bildelemente bis zu den Rändern laufen. Sie werden gefalzt und beschnitten und selbst wenn ihr euch genau an die Druckvorgaben haltet, gibt es immer Abweichungen.
  • Trotzdem: Achtet bei den Maßen genau auf die Druckvorgaben eures Anbieters.
  • Denkt bei der Bildkomposition daran, dass noch Text auf euer Cover muss. Lasst dafür an den richtigen Stellen Platz. Man baut gerne mal wunderschöne Grafiken, die sich in einem Bilderrahmen gut machen würden, aber als Cover ungeeignet sind 😉

Freistellen und Blending

Investiert Zeit und Nerven in das Freistellen eurer Motive. Nachlässig freigestellte Bildelemente sehen immer unprofessionell aus. Nehmt Bildmaterial, das sich gut freistellen lässt oder schon ausgeschnitten ist. Aber auch ein perfekter Freisteller macht noch kein gutes Motiv. Er muss nahtlos in die Gesamtkomposition eingebunden werden. Spielt mit Ebenen, Blending, Weichzeichner, Farb- und Belichtungskorrektur.

Farben und Kontraste

  • Farben sind wichtig. Vielleicht wichtiger als das Motiv selbst. Sie fallen als erstes ins Auge. SIe schaffen Atmosphäre und können ein Bild genauso gut retten wie zerstören.
  • Achtet darauf, dass die Farben zu eurer Geschichte passen.
  • Kalibriert euren Bildschirm, damit er die Farben so originalgetreu wie möglich wiedergibt.
  • Setzt gute Farb- und Helligkeitskontraste, besonders beim Titel.
  • Vermeidet Kombinationen, die Farbfehlsichtigen oder Menschen mit anderen Sehschwächen Probleme bereiten können.
  • Schaut euch das Cover in Graustufen an, um zu sehen, ob die Kontraste passen. So stellt ihr sicher, dass es auch auf monochromen Readern gut aussieht und von Menschen mit Sehschwäche leserlich ist.

Titel und Text

  • Verwendet gut lesbare Schriftarten.
  • Achtet auf die Rechte, wenn ihr einen kostenlosen Font runterladet. Viele dürfen in der Gratisversion nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.
  • Kombiniert nicht zu viele Schriftarten und Schriftschnitte miteinander.
  • Nur der Vollständigkeit halber: Nie, nie, NIEMALS ist es gerechtfertigt, irgendwo auf einem Cover Comic Sans zu benutzen 😉

„Korrektorat“

Lasst mehrere Leute über euren Entwurf schauen – am besten eine Mischung aus Fachleuten und (potenziellen) Lesern. Man wird beim Coverdesign genauso betriebsblind wie beim Schreiben. Und es gibt unendlich viele Fehlerquellen. Ein paar Beispiele:

  • Tippfehler im Titel
  • Autorenname vergessen
  • Das Cover ist zu dunkel, weil euer Bildschirm falsch kalibriert war
  • Ein Stück Hintergrund wurde beim Freistellen vergessen
  • Ein verworfenes Bildelement schwebt noch irgendwo rum, weil es versehentlich wieder sichtbar geklickt wurde
  • Bei der Farbkorrektur sind komische Sachen passiert
  • Die Titelfigur hat nach der Bildmontage drei Arme
  • Ein magischer Dolch sieht in Thumbnailgröße aus wie ein Penis

Noch ein Tipp: Wenn ihr mit eurem eigenen Entwurf doch nicht zufrieden seid, wendet euch damit an einen Designer eurer Wahl. Die einen mögen solche detaillierten Briefings, die anderen hassen sie abgrundtief. Vielleicht habt ihr Glück und könnt ein paar Kosten sparen, weil ihr keine unterschiedlichen Entwürfe zur Auswahl braucht und schon alle benötigten Stockphotos mitbringt.

Auch wenn ihr viel Arbeit in ein handgemachtes Cover gesteckt habt: Seid ehrlich zu euch selbst. Wenn es nicht gut genug ist, lasst es neu machen! Sonst seid ihr ewig unzufrieden.

 

Ein Beitrag von Esther Wagner alias Kirana