Nornengestöber und Diversität

Wir lieben Vielfalt. Deswegen gibt  es uns – weil wir die Vielfalt auf dem Buchmarkt stärken wollen und fantastische Autorinnen unterstützen, die immer noch seltener verlegt, schlechter platziert und so auch weniger gelesen werden. Doch das Feld der Diversität ist ein weites. Heute werfen wir einen Blick darauf in der #Nornenstöberrunde.

Die MaLisa Stiftung hat die Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ initiiert und dabei mit den vier größten deutschen TV-Gruppen zusammengearbeitet. Die Geschlechterdarstellung berücksichtigt unter anderem auch Alter und Migrationshintergrund. Wir hätten uns dazu auch gleich eine Untersuchung zu Sexualität, Aussehen und sozialem Hintergrund gewünscht, denn hier wird nur zwischen Mann und Frau unterschieden, weite Ebenen der Diversität werden überhaupt nicht angesprochen.

Dass die Aufgabe, die sich das Nornennetz gestellt hat, eine wichtige ist, erfahren wir immer wieder. Laura Kier hat jüngst erklärt, welche Aussagen sie über Fantastik-Autorinnen so hört und was dabei das Problem ist.

Vielfalt heißt auch, in verschiedene Bereiche zu blicken. So haben wir einen sehr interessanten Text über Rezensionen zu antiken Texten gefunden, die traditionell in Männerhand liegen. Warum das so ist und was sich hier zum Glück ändert, erklärt die Philosophin Andrea Günter auf Mythomania.

Ebenfalls auf Mythomania schaut Dr. jur, Barbara Degen, Feministische Juristin und Frauengeschichtsforscherin, auf Coming out – und dann?, ein Buch über die Erfahrungen von LSBTI-Jugendlichen, mit einem wissenschaftlichen Zugang.

Dass Autoren immer bemüht sind, authentische Charaktere zu schaffen, ist längst kein Geheimtipp mehr. Gerade im Bereich von Diskriminierungen und Diversität finden sich aber immer wieder Menschen, die von sich sagen, Experte darin zu sein. Gwen C. Katz hat sich den Roman eines Autors, der von sich selbst behauptet, authentische Frauenfiguren zu erschaffen, angeschaut und es ist regelrecht zum Fürchten. Auf Fried Phoenix steht, warum.

Diversität und der korrekten Darstellung steht oft eines gegenüber: Ignoranz. Wie das zusammenhängt und wo die Gefahr liegt, erklärt Jule Reichert auf ihrem Blog.

Dabei fängt die Wahrnehmung bereits früh an. Julieliest schrieb im März auf ihrem Blog über Diversität in Kinderbüchern und hat ein paar tolle Buchtipps – und auch das Gegenteil davon.

Auch die Bücherfrauen haben sich dieses Jahr schon das Thema Diversität vorgenommen und eine interessante Liste mit Buchempfehlungen zusammengestellt.

Elif bietet auf ihrem Blog immer wieder tolle Beiträge, die sich explizit auf das Thema Diversität beziehen. Sie hat eine Liste an Büchern von Autor*innen of Color erstellt, die Rassismus thematisieren.

Vielleicht kennt ihr Linus, der offen über seine Erfahrungen zum Thema trans schreibt. Er hat auch dazu eine Liste an empfehlenswerter Literatur zusammengestellt.

Fragefreitag: Was ist für dich das schlimmste Liebesklischee in Romanen?

Romantik. Da summen die Bienen, die Schmetterlinge Flattern, der laue Frühlingswind streichelt den Figuren ums Gesicht, ehe der erlösende Kuss kommt. Schmacht, schmelz, schnulz. Nichts driftet so schnell ins Kitschige ab, wie Liebesbeschreibungen. Darum fragen wir beim heutigen #NornenFrageFreitag: Was ist für dich das schlimmste Liebesklischee in Romanen? Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Ist das noch Romantik oder ist schon Kitsch? Ein schmaler Grat in der Literatur. (Grafik: Elenor Avelle)

Grumpy Moon: Liebe auf den ersten F…Blick!

Katharina Ushachov aka Evanesca: Wie schnell die immer in Betten landen. Und natürlich, wie unfassbar gut und überragend immer der erste Sex ist. Das Schrägste war in einem Fantasybuch mit einem „Wächter für alles“, der vierhundert Jahre alt ist, nie eine Frau auch nur nackt gesehen hat und dann ein perfekter Liebhaber war.

Tiphaine Somer Elin: Diese ganze „Rape Fiktion“ Sache. Ich kann mir gerade noch vorstellen, dass sich zwei Menschen begegnen, die sich auf den ersten Blick so attraktiv finden, dass sie schnurstracks zwischen den Laken landen und weil sie so verrückt aufeinander sind, sogar richtig guten Sex haben. Was ich wirklich nur als Klischee sehen kann sind diese „Ich kann nicht anders, ich muss dich jetzt haben“- Szenen, bei der SIE erst gegen ihren Willen GENOMMEN wird und während des Gebens zur Nehmerin wird, die das alles genießt. Meines Erachtens ist das die Verherrlichung von Vergewaltigung und sonst gar nichts. Ein ganz anderer Schnack ist das, wenn SIE zuvor ihre Einwilligung gegeben hat, weil sie auf diese Form von Sex steht.

Michelle Janßen: Dieses „Hallo ich bin die Protagonistin und ich bin voll stark und komme alleine klar und OMG DIESER TYP IST SO SCHÖN ICH WERFE MEIN LEBEN WEG FÜR IHN“ – ugh.

Diandra Linnemann: Liebe auf den ersten Blick, einen Partner „retten“ oder „bessern“ können, perfekter Sex beim ersten Anlauf – wenn schon Liebe, dann bitte realistisch.

Sarah König: Die Liebe auf den ersten Blick kann ich hier nur verteidigen, selbst erlebt. Aber: Sich selbst dem anderen gegenüber verlieren (er/sie hat mehr (Geld, Macht, Beziehungen), kann mehr, will mehr).

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Dass zwei die einander lieben immer ein erfülltes Sexleben miteinander haben. Als müsste das zwingend so sein. Und das die Heldin immer treu ist und auf ihren Lover wartet (der nimmt es mit der Treue dann meist nicht immer so genau). Aber SIE spart sich auf für den EINEN! *gähn*

Jasmin Engel: Ein Paar ist zusammen und bald treffen beide oder einer von beiden ständig neue potentielle Partner oder mögliche Seitensprünge, die zu unwiderstehlichen Versuchungen werden.

Jana Jeworreck aka Moira: Alles was mit „Frau trifft auf Millionär“ zu tun hat! Die haben offensichtlich den Arzt im Groschenheftchen ersetzt. Aber bald sind Millionen auch nicht mehr genug. Der Billionär muß her …

June Is: Was EmmaN sagt.

Elenor Avelle: Wenn Charaktere ihrem Wesen untreu werden, um in die Liebesgeschichte zu passen, bin ich von ihr enttäuscht. Ich kann auch keine Geschichten mehr lesen, sehen oder hören, in denen die Frau den BadBoy dem netten Mann vorzieht, weil sie ihn als einzige auf den Pfad der Tugend führen kann.

Janna RuthDie Liebe auf den ersten Blick, obwohl der Gegenüber unausstehlich ist und man sich in einer Scheißsitutation befindet. „Ich finde ihn ja so zum Kotzen, aber bei der Vorstellung seine Haut zu berühren, werden meine Knie ganz weich.“

Novizinnen fragen nach: Wie und wo schreibst du? (Anna Weydt)

Nachwuchs-Nornen können bei uns nicht nur reinschnuppern, sondern auch aktiv werden. Beispielsweise mit allerlei Fragen und einem Blogbeitrag. Heute hat Anna Weydt drei Nornen zu ihren Schreibgewohnheiten ausgequetscht. Wie ist das eigentlich so bei euch?

1. Du schreibst gerne, davon gehe ich aus. Aber was denn genau (Genre, Thema, Romane/Kurzgeschichten, …)?

Michelle Janßen
Ich schreibe am liebsten Urban Fantasy, Dystopien und Historienromane. Ich mag es sehr, mein Geschichtsstudium in meine Bücher einzubauen, was bei Historien und Dystopien sehr gut geht.

Eva-Maria Obermann
Da hast du mich schon. Ich probiere vieles aus. Wenn ein Thema mich begeistert, greife ich es auf. Ich fühle mich in der Fantastik sehr wohl, schreibe aber auch an ganz anderen Geschichten, die eher in den Bereich Gegenwartsliteratur passen, und ab und an auch eine Romanze, wobei ich da gerne gegen Klischees vorgehe. Kurzgeschichten und Romane haben ganz unterschiedliche Reize, aber ich arbeite gerne an beiden.

June Is 
Ich schreibe alles. Zumindest bisher. Am liebsten Urban Fantasy und Zwischenmenschliches in Kurzgeschichten (sofern das „kurz“ 20 Normseiten nicht überschreitet). Buchversuche bzw. das Beenden eines Romans scheiterten bisher an meiner Freude für Literaturwettbewerbe, die immer noch ein bisschen Vorrang haben.

2. Kam das Schreiben vor dem Lesen oder hast du dich erst in Geschichten fremder Autoren verloren, bevor du selber welche erfunden hast?

Michelle Janßen
Ich glaube das ging Hand in Hand. Geschichten schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht, aber es war meine extreme Leseliebe, die mich auf die Idee gebracht hat, das als mehr als nur ein Hobby zu betrachten.

Eva-Maria Obermann
Beides kam miteinander. Ich habe mir schon immer Geschichten ausgedacht und erzählt. Mit 12 fing ich dann an, Gedichte zu schreiben und Kurzgeschichten, die ersten Romanmanuskripte hab ich später geschrieben. Geschichten von anderen Autoren finde ich immer wieder wichtig. Gute Romane können mich inspirieren, bei anderen denke ich einfach „das kannst du aber besser“ – und auch das ist Antrieb.

June Is
Ich würde sagen: beides gleichzeitig. Ich hatte der Welt seit dem Kindergartenalter viele Geschichten zu erzählen. Ob die das immer alle so interessiert hat, ist eine andere Geschichte.

3. Wie gehst du mit Schreibblockaden um? Hast du ein Patentrezept?

Michelle Janßen
Wenn ich merke, dass es nicht geht, lasse ich das Schreiben fürs erste sein. Wenn ich mich zu sehr pushe, verlängere ich die Blockade nur. Manchmal braucht das Gehirn einfach eine Pause.

Eva-Maria Obermann
Lesen, Ruhen, Haushalt. Beim Lesen komme ich oft auf neue, ganz andere Ideen. Auch das Lesen von Fachliteratur aus der Germanistik hilft mir da. Wenn ich mich ausruhe – und auch der Kopf Pause hat – können unbewusste Denkmuster sich entfalten. Der AHA-Effekt. So ähnlich funktioniert es auch mit dem Haushalt. Eigentlich bin ich in einer stupiden Arbeit gefangen und genau das bringt mir den Moment, wenn mein Hirn auf eine Lösung kommt. Allerdings brauche ich das zum Glück nicht so oft, was man an den Staubmäusen hier zählen kann.

June Is
Noch keine gehabt … kein Witz. Wenn der Flow kurzfristig stoppt, gehe ich chatten oder mache meine Nornenaufgaben. Ich habe auch kein Problem damit, drei Wochen gar nicht zu schreiben.

4. Wo ist dein absoluter Lieblingsplatz zum Schreiben, wenn du gerade nicht Zuhause oder in einem Café bist?

Michelle Janßen
Ich setzte mich gerne im Sommer an den Fluss, der direkt vor meiner Haustür fließt oder in den Wald. Dann schreibe ich natürlich per Hand.

Eva-Maria Obermann
Schwierig, ich schreibe meist zu Hause. Ansonsten bin ich nicht wählerisch. Sobald ich Stift und Papier hab, kann ich loslegen. Ob in der Uni oder im Zug, am Strand oder auf dem Berg, wenn ich die Möglichkeit habe, nutze ich sie.

June Is
An der Spree. Da kann man Berlins Facetten einatmen. Sowohl menschliche als auch Abgase. Hihi.

5. „Ein professioneller Schriftsteller ist ein Autor, der einfach nicht aufgegeben hat“ (Richard Bach) – stimmst du zu?

Michelle Janßen
Definitiv. Man scheitert dauernd, zweifelt an sich selbst, findet alles, was man geschrieben hat scheiße – das ist normal und da muss man durch. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das beim „Professionellen“ endet. Auch Leute, die mehrere Bestseller geschrieben haben, haben noch diese Zweifel. Ein professioneller Schriftsteller ist ein Autor, der an sich glaubt, nicht aufgibt und immer weitermacht, egal was passiert.

Eva-Maria Obermann
Absolut. Es gibt so viele Steine und Hürden. Schreiben muss sich entwickeln, vieles gehört in die Tonne und allein das Überarbeiten des eigenen Textes zeigt, wie wichtig es ist, nicht aufzugeben, nur weil der erste Satz noch nicht perfekt ist.

June
Hm. Teils. Ich denke, es spielen mehrere Faktoren eine Rolle, besonders das Feilen am eigenen Stil. Und die Beobachtung des Marktes. Stil und aktuelle (Lese-)Trends = Professionalität. Ich hoffe, ich habe jetzt kein Geheimnis verraten.

Nornengestöber zum Muttertag

Auch Mütter schreiben Bücher, nicht jede Frau will Mutter werden, oder kann es. Im Grunde ist Muttertag doch schon lange kein Ehrentag mehr, sondern eine Ausrede, 354 weitere Tage auf Müttern herum zu trampeln und gleichzeitig Mutterschaft als das Ultimo im Leben eine Frau zu mystifizieren. Darum gibt es heute bei uns die etwas andere #Nornenstöberrunde zum Muttertag.

Schreiben mit Leidenschaft – wer braucht da Freizeit?

Starke Frauen sind toll – aber manchmal gar nicht so leicht zu finden. Weder in der Literatur, noch in der Realität. Janine von Frau Hemingway hat eine interessante Buch-Liste erstellt, die einen Einstieg erleichtert und auch manch starke Frau noch überraschen kann.

Auch, wenn Schreiben nicht literarisch gemeint ist, ist die Organisation zwischen Kindern und Text nicht immer leicht. Einen guten Einblick zum Promovieren mit Kind findet ihr bei Janine. Der ganz normale Wahnsinn zwischen Schreiben und Erziehung, den auch Autor*innen mit Kindern gut kennen.

Auch als Thema in der Literatur eignet sich Mutterschaft. So zum Beispiel bei Antonia Baum. In der Berliner Morgenpost haben wir dazu einen lesenswerten Beitrag gefunden.

Auch unter den Nornen sind Mütter immer mal wieder ein Thema. Ganz vorne mit dabei ist da Tina Skupin, deren Roman Die Supermamas Mutterschaft und Superkraft auf amüsante wie interessante Weise verknüpft.

Erst gestern fand in Berlin die Demo #gegenKinderarmut in Berlin statt. Eine der Engagierten, die sich als Rednerin für Mütter und Alleinerziehende bereits einen Namen gemacht hat, ist Dr. Christine Fink. Mit ihrem Blog Mama arbeitet und in diversen anderen Medien macht sie regelmäßig darauf aufmerksam, dass „Familie“ in Deutschland eine eigenartige Definition erfährt und wie viele dabei benachteiligt werden. Und ja, sie ist auch Autorin.

Dass Mütter noch immer vom Arbeitsmarkt verdrängt werden und statt eines fraglichen Tages im Mai lieber mehr auf Gleichberechtigung, Betreuungsangeboten und der Entmystifizierung der Mutterrolle gearbeitet werden sollte, könnt ihr bei Face2Face nachlesen.

Auch ein Tabu-Thema ist dabei das Thema Risikoschwangerschaften. Diesem nähert sich Eva von Schreibtrieb – der Buchblog über das unstillbare Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum) an. In ihrem Mai-Monatsspecial berichtet sie nicht nur von ihrer eigenen Erfahrung mit der Erkrankung, sondern spricht mit Fachleuten und erklärt, was Hyperemesis überhaupt ist und warum es dem Stereotyp der glücklichen Schwangeren so im Wege steht.

Einen historischen Blick auf die Mutterrolle bietet Planet Wissen mit mehreren Stationen rund um den Muttermythos. Angefangen bei Luise von Preußen bis hin zur heutigen Ambivalenz der Mutterfiguren.

Ein ganz anderes Tabu wird mit Andrea Roedigers Artikel über Mütter, die ihre Kinder verlassen haben, gebrochen. Auch Jahre nach #regrettingmotherhood wird die Frau noch immer verteufelt, sobald sie ihrer Familie den Rücken gekehrt hat.

Wie schreibende Mütter den Alltag meistern könnt ihr unter #Mamaschreibt nachlesen. Beispielsweise bei Nike Leonhard, die nach einem normalen Tag Bilanz zieht.

Fragefreitag: Kommen in deinen Büchern Eltern zentral vor?

Gestern war Christi Himmelfahrt – vielen besser bekannt als Vatertag oder Herrentag – und übermorgen bereits wird Muttertag sein. Der ideale Zeitpunkt, um zu reflektieren, ob auch in unseren Büchern Mamas und Papas vorkommen, oder ob wir sie wenn, dann lediglich als Nebenfiguren zeigen. Macht mit und verratet uns unter #NornenFrageFreitag: Kommen in deinen Büchern Eltern zentral vor oder schreibst du eher kinderlose Figuren?

Schreiben mit Leidenschaft – wer braucht da Freizeit?

Cazze: Bei meinem aktuellen Projekt kommen die Eltern vor und sind so etwas wie Mini-Anthagonisten (Pubertät ist ja schließlich das, wo die Eltern schwierig werden ^^). In einem anderen Projekt sind eher die Großeltern wichtig und in meinen restlichen Projekten sind sie eher unwichtig bis nicht vorhanden.

Tiphaine Somer Elin: In meiner Serie kommt das Thema Eltern/Familie vor, allerdings zeigt sich das noch nicht oder eher unterschwellig.

Katharina Ushachov aka EvanescaIch habe es mit ambivalenten Elternfiguren. In meinen kommenden Verlagsdebüt muss die Mutter ihre Kinder weggeben, weil der Vater ein … (Spoiler). In „Zarin Saltan“ wächst Anna bei der Mutter auf, da der Vater sich direkt nach dem Einwandern in Deutschland aus ihrem Leben verzieht. In „Unparallel“ habe ich einen fragwürdig handelnden Stiefvater, eine am Rad drehende Prota-Mutter und etliche Mütter, die nicht klischeehaften Mutterbild entsprechen, das man oft in der Literatur hat: Entweder ist die Mutter mütterlich oder tot. Keine Ahnung, warum eigentlich. Meine eigenen Eltern sind wundervolle Menschen und ich hatte eine super Kindheit.

Michelle Janßen: Ich habe das Gefühl, dass fast alle Bücher mit Waisen arbeiten – mich eingeschlossen. Keiner meiner Protas hat Eltern, außer in meinen Kinderbüchern. Whoops.

Jana Jeworreck aka Moira: Ein Familienfluch, die Last des Erbes, und Blut sind zentrale Elemente meiner derzeitigen Trilogie. Auch, welche langfristigen Folgen die Fehlentscheidungen der Eltern und Großeltern für die Nachkommen haben können und wie die Figuren damit umgehen. Gewürzt mit Glaubensfragen und Magie ergibt das eine schöne explosive Mischung.

Laura Kier: Meine Protagonistin Adara aus „Perfektion – Die Veränderten“ ist schwanger – zählt das? 😉 Bislang sind die meisten Protagonisten zu jung für Kinder. Aber das ist eher Zufall. Eltern sind für meine Charaktere (und mich) dennoch wichtige, oft zentrale Figuren.

Diandra Linnemann: Das wechselt – in „Magie hinter den sieben Bergen“ spielt die schwierige Beziehung zwischen Helena und ihrer Mutter eine große Rolle. Vor allem unterschiedliche Lebensgeschichten und Erwartungen machen alles kompliziert. Meine nächste Protagonistin wird auf jeden Fall selbst Mutter sein, das ist zentraler Bestandteil der Geschichte.

Alexandra Bauer: Eltern sind immer dabei. Die gehören doch zum Leben auch dazu! Das wäre ja genauso, als würden die Kinder fehlen, dann habe ich auch keinen Prota 😉

Sarah König: Bisher habe ich zwar schon einmal von einem Vater (ein König) und einer Mutter (einer Königin) geschrieben, aber das war mehr, weil die Erben im Mittelpunkt standen. Ich denke bei meinen Büchern oft an „Sidekicks“, die ich im ersten Atemzug dann nutze und toll finde, aber leider im Laufe des Romans verliere, bis sie dann in der Überarbeitung rausfliegen. In meinen bisherigen Projekten wären das Kinder gewesen. Und fliegende Schweinedamen.

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Ich gebe zu ich schreibe über kinderlose Figuren. Die Nebenfiguren sind dafür mit Kindern gesegnet. Eltern kommen auch als Randfiguren vor. Mich interessiert mehr das Jetzt der Figuren, als ihre Familienkonstellation.

Anne Zandt aka Poisonpainter: Meine längeren Geschichten arten irgendwie immer recht schnell zu „Familien“geschichten aus, da will dann jeder noch so popelige Nebencharakter plötzlich ne Hintergrundgeschichte, die bitte auch noch erzählt werden soll und sowieso und überhaupt! Kurios ist auch, dass ich recht häufig tote Mütter habe … da bin ich entweder Märchen-geschädigt oder hab mich schon unterbewusst lange im Vorfeld darauf vorbereitet, meine eigene Mutter verhältnismäßig früh zu verlieren.

Jasmin Engel: Mir fällt bei der Frage gerade auf, dass Eltern in meinen bisherigen Romanen eher nebenbei vorkommen, nicht zentral.

June IsEltern haben bei mir immer sehr coole Rollen, wenn sie mal vorkommen. Tröster, Unterstützer, Seelenheiler.

Jule ReichertDas kommt ganz auf die Geschichte an. Der Protagonist meines All Age-Projektes hat beide Eltern – und ja, für einen Zwölfjährigen bedeutet das großes Konflikprotetial. Die Protagonistin meines Blogromans hingegen ist in einem Waisenhaus aufgewachsen, was auch einen roten Faden in der Geschichte bildert.

Nornengestöber mit Superkräften

Natürlich sind Nornen auch Superheldinnen, was habt ihr denn gedacht. Darum geht es heute im Nornengestöber um allerlei (angedichtete) Superkräfte. Wie geht Literatur damit um? Welche Kräfte sind super, obwohl wir es im Alltag nicht bemerken? Und natürlich schauen wir auch nach, wo die Superhelden unserer Zeit geblieben sind.

Anne Zandt aka Poisonpainter widmet sich in ihrer Nerdwoche dem Thema Superheldinnen mit allerlei Beiträgen, nicht nur auf ihrem Blog.

Der Deutschlandfunk widmet einen interessanten Beitrag der Frage, ob Superheldinnen in Comics und ihren Verfilmungen nun Sexismus oder Feminismus stark machen. Eine faszinierende Debatte. Was meint ihr dazu?

Einen ersten Überblick für alle, die mit weiblichen Superhelden nicht so vertraut sind, findet sich auf SciFiScene.

Dass Superhelden und Superheldinnen auch immer auf aktuelle Konflikte verweisen, könnt ihr in einem Video-Mitschnitt von Jens Balzer bei der Heinrich-Böll-Stiftung nachsehen. Ein schöner Blick mit Tiefe auf die Helden, die wir so lieben.

Auf jeden Fall super ist die Aktion #redmylips, zu der Anna von Ink of Books einen ernsthaften und gleichzeitig mitreißenden Beitrag geschrieben hat. Warum roter Lippenstift voll Stolz getragen werden sollte, lest ihr hier.

Passend dazu gibt es eine Aktion der FrauenBeratung „Superheldin gegen Gewalt“. Ein toller Kurzfilm, der zeigt, was in der Frauenberatung alles geleistet wird. Danke, dass ihr da seid!

Mit einigen Darstellungen von Superheldinnen sind viele ja wenig zufrieden. Aktuell geht es beispielsweise auch um die Frage, wo die queeren Superheldinnen bleiben. Braucht eine Superheldin immer einen männlichen Love Interest?

Ein Problem, das sich nicht nur auf Superheldinnen beschränkt. Während Gay-Romance Romane regelrecht aus dem Boden schießen – noch dazu oft von nicht betroffenen Autorinnen geschrieben – fragt Teesalon zurecht, wo die queeren Mädchen bleiben.

Eine Superheldin, die gerade einige begeistert, ist Ms. Marvel. Juliane von I am Jane war so begeistert, dass sie gleich alle Folgebände bestellt hat. Warum könnt ihr in ihrer Rezension zum Comic lesen.

Viele waren auch von der Verfilmung zu Black Panther begeistert. Auf Mosaik wird sensibilisiert und kritisch über Positives wie Negatives vom ersten Film mit dem PoC Superhelden berichtet.

Fragefreitag: Liebe und Fantasy – Yay oder Ney?

Der Wonnemonat Mai ist für uns eine Zeit, in der wir uns mit allerlei Romantik beschäftigen. Bevor wir uns da aber in die Materie stürzen, wollten wir erst mal wissen, wie unsere Nornen die Kombination Liebe und Fantasy so sehen. Und was meint ihr? Passen Liebe und Fantasy zusammen oder wird es dann nur ein großer Haufen Kitsch? Macht mit beim ersten #NornenFrageFreitag im Mai.

Braucht Fantasy von und über Frauen wirklich Liebe? (Grafik: Elenor Avelle)

Cazze: Liebe ist eine tolle Grundmotivation. Wenn sie dosiert eingesetzt wird (wie zum Beispiel in Harry Potter) dann ein Yay. Wenn sich die Hauptfigur über mehrere Bände nicht für ein Love-Interest entscheiden will, oder Storys á la „Er ist ein Arschloch, aber er ist sooooooo heiß“ dann ein riesengroßes Ney mit Weihwasser, Salz und Kreuz.

June Is: Eine Prise (!) Romantik schadet nie. Leider schütten die meisten ganze Säcke in die Stories, das finde ich etwas daneben.

Paula Roose: Was ist ein Buch ohne Liebe? Ich bin hoffnungslos romantisch.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Ich bin unromantisch und froh über jedes Fantasybuch, das mal OHNE das lästige Liebesgedöns auskommt. Vor allem, weil ich sehr oft merke, dass die Liebesgeschichte nachträglich von der Marketingabteilung eines Verlags reingebracht wurde und sich nicht stringent und natürlich in die Handlung einfügt. Sowas hasse ich. Nichts gegen eine zarte, unterschwellig unter dem Plot pulsierende Liebesgeschichte wie in Der Stern von Erui von Sylvia Rieß, sowas liebe ich sehr. Es gibt so viele andere Dinge … Freundschaft, Loyalität, Verbundenheit … Warum muss es immer die romantische (oft erotische und oft heterosexuelle) Liebe sein? Und auch noch fast immer die auf den ersten Blick? Es gäbe so viele Möglichkeiten, deren Potenzial verschenkt wird.

Jule Reichert: So lange es plotrelevant ist und/oder Konflikt und Dynamik in die Geschickte bringt, gibt es von mir ein „Yay!“. Als Beiwerk zur Fantasy eignet sich Liebe genauso gut, wie andere zwischenmenschliche Aspekte (z.B. Freundschaft, Ängste, etc.). Das Liebesgedöns sollte allerdings nicht den Plot bestimmen, dann gibt es von mir ein klares „Ney!“.

Tiphaine Somer Elin: Liebe kann der Fantasy Flügel verleihen, aber sie sollte nicht den Horizont verdunkeln.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ich finde, Liebe gehört zum Leben einfach oft dazu und darf darum auch in jeder Art von Literatur vorkommen. Zum Thema gemacht werden oder gar zentral behandelt muss sie aber nicht permanent. Lieber ist es mir, sie ist sinnvoll eingesponnen.

Janna Ruth: „Every good story has a love story. It doesn’t matter what genre you are writing in. If it doesn’t have some form of love in it, it often falls flat. We would have trouble relating to it. Love is what touches us. It doesn’t have to be a passionate romance. It can come in the form of an old friendship or deep respect. But love and compassion for one another is what makes us human and any story without it, is missing something. That’s why all my plots, no matter how fantastic or adventurous they are, have a love story at its core. Nothing overbearing that smothers the other aspects, but something quiet that shows real strength, will hold it all together and leave you with a good feeling, even if the love is a tragic one. At least, you have felt the most powerful and fulfilling emotion of all.“ (Aus „Far Beyond Reality“ von Janna Ruth)“

Michelle Janßen: Ney. Ich habe langsam genug davon, dass jedes Buch im Regal eine Liebesgeschichte beinhaltet. Fantasy ohne Romantik scheint nicht zu existieren, weswegen ich stark dafür plädiere, dass man mehr unromantische Fantasy schreiben sollte.

Jana Jeworreck aka Moira: Nur, wenn es nicht ausschließlich darum geht! Der Plot und die Fantasywelt sollten auch ohne Lovestory reizvoll sein und funktionieren.

Laura Kier: Romantasy? Bitte nicht! Ich mag keine Liebesromane, da brauch ich dann auch keine versteckten Liebesromane in der Fantasy. Ich habe nichts dagegen, wenn eine Lovestory mit drin ist, komme aber sehr gut ohne klar. Ich gehöre definitiv nicht zur Fraktion „in jedem Buch muss Liebe vorkommen“.

Diandra Linnemann: Solange die Liebe realistisch beschrieben ist, habe ich nichts dagegen, auch wenn mich Geschichten, in denen die Liebe das zentrale Element ist, selten ansprechen.

Alexandra Bauer: Öhm … 😀 Yay oder Ney?

Sarah König: Ein wenig Liebe hat noch niemandem geschadet.

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Liebe ist schon ok, aber bitte keine schwülstige endlose Romanze. Daher ein Yay.

Jasmin Engel: Vielleicht bin ich eine Romantikerin, aber eine Liebesgeschichte gehört für mich in jeden guten Roman, ob am Rande oder als Hauptsache, glücklich oder unglücklich. Für mich sollte es nur nicht das einzige Thema sein und nicht oberflächlich behandelt werden.

Ist es schwieriger, überzeugende queere Figuren zu schreiben als sich in Aliens und Drachen einzufühlen? Zum PAN Branchentreffen. (Deborah B. Stone)

Ist Fantasy politisch?
Soll sie es sein?
Und will sie es sein?

Dieser und anderer Fragen widmeten wir uns auf dem Branchentreffen der Phantastik-Autor*innen. Zum dritten Mal hatte der PAN (Phantastik-Autoren-Netzwerk E.V.) zu einer mehrtägigen Veranstaltung nach Köln geladen. Vom 19.-21.4. gab es vielfältige Vorträge und Panels mit Titeln wie „Macht und Märchen“,
„Rassismus-Sexismus-Homophobie – welche Verantwortung hat die Phantastik?“ und „Thor war kein Nazi“.

Ich** habe zusätzlich die Workshops  „LSTBIQ-Figuren schreiben“, „Kämpfe in der Phantastik“ und „Crowdfunding“ gewählt.

Im fantastisch Verfremdeten zeitgenössische Machtverhältnisse und Moral zu hinterfragen – das tat vielfach schon das (Kunst-)Märchen und die mythologisierende Malerei und Plastik. Bitterarme Eltern setzen ihre Kinder aus, Zwerg Nase wird lieber Kauffmann als eine (dumme) Gans zu heiraten und Herakles verlässt sich besser auf List als den Segen der Götter. Es gibt also eine lange Tradition der politischen Botschaften in Bezug auf Gesellschaft und Individuum im scheinbar gegenwartsentrückten, harmlosen, ja, kindlich verspielten Gewand.

Informationen, Austausch und Diskussionsrunden gab es für die Teilnehmer des PAN-Branchentreffens (Foto: Deborah B. Stone)

Ist das noch Kunst?

Auch heute bietet die Kunstfreiheit, die im deutschen Grundrecht sogar noch uneingeschränkter Schutz genießt als die Freiheit der Meinungsäußerung, ein großes Potential. Potential zur Kritik bestehender Verhältnisse und zum Entwurf einer Gesellschaft und diverser Identitäten jenseits der etablierten Norm. Doch ein Potential muss genutzt werden, um Wirkung zu entfalten.
Fantasy (und auch gerade Science Fiction) bietet per se einen großen Freiraum für Gesellschaftsentwürfe. Wir Autor*innen müssen uns hier nicht an historische oder zeitgenössische Realitäten halten.
Wir können eine ideale Welt erschaffen, in der Gesellschaft und Individuen frei sind von bestimmten Normen und Zwängen. Utopien erwecken Sehnsucht bei der Leser*in und vielleicht auch Hoffnung. Den Mut, Ideen zu entwickeln und diese auch individuell umzusetzen. Hoffnung ist das Gegenmittel zu Mutlosigkeit und Zynismus, die uns im Alltagstrott mit all seinen kleinen und großen Unrechtsstrukturen verharren lassen.

Die großen Utopien des Sozialismus sind gescheitert, doch die lebbaren Ideen eines Miteinander sind gefragter als je zu vor: Wie wollen wir in unserer Gesellschaft mit anders denkenden, anders glaubenden, anders lebenden, anders aussehenden, anders fühlenden (to be continued…) umgehen? Und: Wer sind eigentlich wir?
Ticken alle Vampire gleich? Sind alle Werwölfe böse und alle Feen gut? Und sprechende Tiere – sind die auch nur Futter?

Oder wir können genau diese Normen, Stereotype und Zwänge überspitzen und dystopische Romane, düstere Visionen der Zukunft entwerfen, die die Leser*in schaudern lassen: Steuern wir auf solch eine Gesellschaft zu? Wollen wir so leben und unseren Kindern/Töchtern so eine Welt hinterlassen? Von der Geburt im Reagenzglas an determiniert und bar jeglicher individueller Freiheit. Totale Überwachung und Optimierungswahn.

Weg vom Stereotyp

Wir Autor*innen können diese Gesellschaftsentwürfe mit Figuren, ja Heldinnen und Helden zu beleben, die mindestens ebenso divers sind wie unsere bestehende Gesellschaft. Weshalb sollten wir, wie gerade auch im phantastischen Film so oft geschehen, Stereotype und Klischees noch überhöhen? Müssen die edlen Elben hellhäutig, die bösen Orkbarbaren dunkelhäutig sein? Was zwingt uns zu dazu, eine hierarchisierte Zweigeschlechtlichkeit auch bei Androiden als selbstverständlich weiterzuschreiben? Hier, im Feld der phantastischen Literatur, bietet sich die einmalige Gelegenheit, vielschichtige Identifikationsfiguren zu schaffen, spannende Identitäten und nicht weniger spannende Beziehungsmodelle.

Neue Welten schaffen und die Stereotype der alten vergessen (Foto: Deborah B. Stone)

Das kann geistreich geschehen wie bei Ursula K. Le Guin, humorvoll wie bei Terry Pratchett oder frech wie bei Astrid Lindgren. Ich selbst hatte meine ersten Berührungen mit Fantasy durch die nordischen und griechischen Mythen aus Frauensicht (Avalon, Troja), nicht zu vergessen die Vielfalt auf dem Planeten Darkover, alle geschrieben von Marion Zimmer-Bradley. Das hat meinen Blick auf androzentrische Geschichte ganz unpädagogisch und phantasievoll geprägt.

Wunderbar auch, wenn die Phantastik ihren Leser*innen Identifikationsfiguren bietet, die sie in den anderen Genres nur wenig finden. Wir haben es in der Feder, sie alle zu erschaffen:

  • Vielfältige Identifikationsfiguren (zum Beispiel in Bezug auf sex, race, class, gender, handicap…)
  • Differenzierte Identitäten
  • Diverse Beziehungsmodelle
  • Sexuelle Bandbreite
  • Variationen innerhalb von Gruppierungen
  • Spannende Welten und Gesellschaften
Wir können natürlich auch reine Abenteuergeschichten mit einer Prise Magie schreiben. Zur Unterhaltung. Zur Weltflucht. Prinz gefunden. Happy End?

Dann jedoch sollte uns bewusst sein, dass wir als Autor*innen und unsere Leser*innen Teil sind eines diskriminierenden Systems.
Wenn wir uns nicht aktiv dagegen entscheiden und dagegen anschreiben, dann sind wir genau die Medien und unsere Leser*innen die Konsument*innen, die weiter Rassismus, Sexismus und Othering betreiben. Unter dem glänzenden Gewand der Historisierung, mit spitzen Ohren, hellhäutigen Feen und düsteren Bösewichten.

Und das, obwohl wir in unserem gewählten Genre alle Möglichkeiten zur Verfügung haben. Und diese Geschichten nicht wie angestaubte historische Abwandlungen oder belehrende zeitgenössische Jugendromane daher kommen. Nein, Fantasy richtet sich in seiner Emotionalität, in seiner Beschäftigung mit Definitionen von Gut und Böse, in seinen archetypischen Figuren direkt an die Seele der Leser*innen. Und hier kann sie Großes zum Keimen bringen.

Traurig deshalb, wenn sich Autor*innen eher zutrauen, sich in Elben, Orks, Drachen oder Cyborgs einzufühlen, als beispielsweise queere Identitäten zu schreiben.
Ist es die Angst, allein durch die Darstellung solcher Figuren Stereotype noch zu verfestigen? Ist es Bequemlichkeit, weil Feen keine empörten Leserinnen-Briefe schreiben oder ihre Buchkäufe einstellen? Sind Fantasy-Autor*innen fauler als andere, weil sie die Recherche oder den Austausch mit realen Menschen scheuen?

Reicht es, einfach die Hautfarbe, das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung auszutauschen? Eine Figur mit einem körperlichen oder geistigen Handicap auszustatten?

Es kann ein erster Schritt sein, neue Les- oder Sehgewohnheiten schaffen. Es schöpft das Potential jedoch bei weitem nicht aus und birgt die Gefahr, einfach ein Häkchen unter die Checkliste „Political correctness“ zu machen, ohne an die Substanz, die Inhalte, das Potential der Geschichte zu gehen. Figuren und Verhaltensweisen abseits der Norm als etwas Selbstverständliches darzustellen ist eine schöne Utopie. Schön und etwas flach. Wenn aber das Umfeld und der Weltenbau korrespondieren, wenn es stimmige Reaktionen auf den Austausch gibt, dann wird die Gesellschaft plastisch und differenziert und nur dann findet eine Auseinandersetzung statt – dort, wo es zählt: Bei der Leser*in selbst. Sie leidet und freut sich dann mit der Figur, ist empört, verstört oder stolz.
Und wird dann auch in ihrem Alltag vielleicht ein kleines Bisschen achtsamer und mutiger, entsprechend ihren ganz persönlichen Möglichkeiten.
Das ist nicht die große Politik. Das ist die Macht der Fantasie.

Unsere Norne Deborah B. Stone hat viel mitgenommen beim Branchentreffen des PAN (Foto: Deborah B. Stone)

Fazit

Nutzen wir unser phantastisches Potential!

Mein persönlicher Tiefpunkt bei der Veranstaltung: Die Abwehrhaltung auf die schlichte Frage: „Brauchen wir mehr starke weibliche Figuren?“

Meine persönlichen Highlights: All die diskutierfreudigen Autor*innen, Blogger*innen, Wissenschaftler*innen … – und als ich im Workshop zu „Kampfszenen in der Fantasy“ selbst ein echtes Schwert schwingen durfte.

Und: Als wir zu dem nüchternen Workshop-Thema „Crowdfunding“ in die Piratenlounge traten und auf Rumfässchen platz nehmen durften. Prost!

**Autorin des Beitrags ist Deborah B. Stone

Nornengestöber für den Mai

Der Mai steht vor der Tür! Nächsten Monat werden wir uns mit Romantikelementen in Fantasywerken auseinandersetzen. Zur Einstimmung haben wir tolle Artikel über starke Protagonistinnen, den Umgang mit „Frauenliteratur“ und mehr für euch!

Die Buchbloggerin Anna von Ink of Books hat diesen Monat einen fantastischen Beitrag über weibliche Figuren in Büchern verfasst. Warum sind die Protagonistinnen in Jugendromanen fast immer unscheinbar? Nicht sonderlich hübsch aber auch nicht hässlich, eigentlich echt langweilig ohne große Talente – trotzdem mag sie jeder und der unfassbar heiße männliche Lead findet sie trotzdem unwiderstehlich. Wenn euch das bekannt vorkommt und ihr mehr über das Thema lesen wollte bitte einmal hier klicken.

Noch mehr dazu kann man beim Schreibwahnsinn nachlesen. Dort wird die Frage gestellt, ob es ein richtig und ein falsch gibt, wenn es um weibliche Leads in Büchern geht.

Was ist Frauenliteratur und wieso sehen wir gewisse (meistens romantische) Werke automatisch als weniger Wertvoll, weil sie von und für Frauen geschrieben sind? Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel aus dem Büchnerwald.

Und zur Einstimmung in das Thema nächsten Monat haben wir hier eine Liste mit typischen Elementen der Romantasy der Seite I love Fantasy für euch. Dann könnt ihr nochmal nachlesen, was genau in den nächsten Wochen auf ein zukommt. Ergänzend dazu empfehlen wir die Genrebestimmung ‚Romantasy‚ vom Schreibmeer.

 

Worauf freut ihr euch besonders im Mai und was hat euch an Romantasy schon immer aufgeregt – wenn ihr dieses Genre denn lest?

 

Fragefreitag: Welche*r ist dein*e liebste*r SP-Autor*in?

Im Mai wartet ein neues Monatsthema auf uns, aber nachdem wir uns den April über mit Selfpublishing beschäftigt haben, ist es nur legitim, einmal nachzufragen, wo alles richtig gemacht wird. Wir sind auf eure Empfehlungen gespannt und wollen wissen: Welche*r ist dein*e liebste*r SP-Autor*in (meine Güte, heute gibt es aber viele Sternchen). Macht mit unter #NornenFrageFreitag und verratet uns, wer im Bücherregal nicht fehlen darf.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Klara Bellis. Sie ist leider viel zu unbekannt, dabei ist sie großartig. Ich liebe ihre „Trywwidt“-Reihe und ihren Humor!

Paula Roose: Liane Mars. Ihr „Band der Magie“ hat mich schlicht verzaubert. Inzwischen hat es ein Verlag übernommen.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Sylvia Rieß‘ Stern von Erui-Reihe ist einfach ein grandioses Werk, das mich immer wieder erstaunt und fasziniert.

Janna Ruth: Debra Dunbar mit ihrer „Imp Saga“. Die mit viel Humor und Biss eine grandiose Geschichte über Engel, Dämonen und viele Zwischenformen erzählt.

Diandra Linnemann: Sabine Osman – und das sage ich nicht nur, weil wir auch privat befreundet sind. Ihre Fantasyromane sind abwechslungsreich und bearbeiten vertrautes Gelände auf neue Art. Außerdem sind ihre Frauengestalten aktiv und stark, ohne sich dabei in „Männer mit Brüsten“ zu verwandeln.

Alexandra Bauer: Da gibt s zu viele, um jetzt einzelne Personen hervorzuheben. Ich habe über das SP sehr viele tolle Kollegen und Kolleginnen kennengelernt!

Sarah König: Tanja Rast – ein hammer Output, man weiß immer (im jeweiligen Genre), was man bekommt, wenn man sich einen Rast vornimmt.

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Benjamin Spang – Für mich ein rundum Multitalent mit Humor und der richtigen Balance zwischen Werbung und Inhalten. Dazu Dark Fantasy mit starken Frauenfiguren und tollen Twists.

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Katrin Ils – Die „Unstern“ – Reihe. Gute Story, flott erzählt.

Irina Christmann: Für mich git es nicht DEN/DIE LieblingsautorIn, es gibt Bücher, die ich mag und AutorInnen die ich mag. Manchmal nicht beides gleichzeitig.