Von düsteren Visionen, Umweltschutz und starken Frauen

Ein Plädoyer für Margaret Atwood und ihre Dystopien

„Alle Schriftsteller sind Optimisten, ganz egal, wie pessimistisch ihre Bücher sind. Warum würde man etwas schreiben, wenn man nicht annimmt, dass jemand es lesen wird.“

(Margaret Atwood)

Margaret Atwood (Foto by Larry D. Moore, CC BY-SA 4.0)

Wäre Margaret Atwood dem Berufseignungstest ihrer Highschool gefolgt, wäre sie Bibliothekarin oder Automechanikerin geworden. Stattdessen studierte sie englische Sprache und Literatur, obwohl sie das Schreiben eigentlich mit dem Alter von sieben Jahren an den Nagel hängen wollte, nachdem ihr Erstlingsroman von einer mit einem Floß gestrandeten Ameise im Mittelteil versandete. „Romanschriftsteller kennen das“, sagte sie in ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. „Der Anfang lässt sich vielversprechend an. Der Mittelteil dann: frustrierend, vielleicht sogar langweilig. Und erst recht, wenn es sich bei der Heldin um ein Insekt handelt.“

Die Begeisterung für Insekten erbte Margaret Atwood zweifellos von ihrem Vater, einem Entomologen, den sie schon als Kind regelmäßig in die kanadischen Wälder begleitete – ohne fließendes Wasser und Elektrizität. Trotzdem hat sich Atwood nie als rückwärtsgewandt, reaktionär oder technikfeindlich verstanden, sehr wohl aber als enthusiastische Umweltschützerin.

Lange trug Atwood sich mit dem Gedanken, Botanikerin zu werden, doch statt fluoreszierende Kartoffeln zu klonen, wandte sie sich der Literatur zu. Über 60 Bücher hat sie in ihrem Leben veröffentlicht, darunter Romane, Gedichte, Kurzgeschichten-Sammlungen, Kinderbücher und sogar eine Comicserie über einen Superhelden namens Angel Catbird. Einige Themen ziehen sich allerdings durch viele ihrer Werke, darunter auch die Umwelt, Klimawandel und Tierschutz. In „Oryx und Crake“ und „Das Jahr der Flut“ zerstört eine menschengemachte Seuche zur Genmanipulation die Zivilisation. In „Der Report der Magd“ ist die Bevölkerung durch Giftgase, verseuchtes Wasser und Atomschläge größtenteils unfruchtbar. Selbst in dem illustrierten Kinderbuch „For the birds“ beschäftigt sich Atwood auf kindgerechte Weise mit Artenschutz und Luftverschmutzung.

„Die Welt ist süchtig nach Öl – wie nach Drogen“, sagt sie kopfschüttelnd in einem Interview mit „Der Zeit“. „Wenn der Ölhahn morgen abgedreht würde, bräche das größte soziale Chaos aus.“ In einem umfassenden Essay beschreibt sie ihre Vision von einer Welt ohne Rohöl. Tröstlich einerseits – eine Rückkehr zu regionalem Anbau, Eisenbahn, Fahrrädern und Biogärten, ganz wie die „Gottesgärtner“ in ihrem Roman „Das Jahr der Flut“. Andererseits aber auch bedrohlich, Gedanken an Aufstände, Plünderungen, Totalitarismus und Zusammenbruch. „Wenn wir nicht bald auf Bild eins hinwirken“, warnt Atwood in ihrem Beitrag, „bleibt uns nur eine Version von Bild zwei. Horten Sie Hundefutter – kann sein, dass Sie es brauchen.“

Margaret Atwoods dystopische Romane sind also keine wirre Fiktion, sondern bergen einen wahren Kern, der in den letzten Jahren unangenehm deutlich hervorgetreten ist. “Make Margaret Atwood fiction again” – dieser Spruch prangte am Tag nach Donalds Trumps Amtsantritt als US-Präsident auf dem Schild einer Aktivistin beim Women’s March in Washington. Er drückte die Sorgen einer ganzen Generation von jungen Frauen aus, die die feministischen Errungenschaften der letzten Dekaden schmelzen sahen.

Nun ist während Trumps erstem Amtsjahr keine Realität eingetreten, die mit dem totalitären, puristischen Gilead-Regime aus „Der Report der Magd“ vergleichbar wäre, doch die Entwicklungen sind dennoch bedenklich. In ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises nennt Atwood eine ganze Reihe von Problemen, die aktuell „Zeiten von Bedrohung und Wut“ verursachen: Klimakatastrophen, Nahrungsmittelknappheit, Kriege, Flucht, wirtschaftliches Ungleichgewicht, Technisierung oder Medien-Manipulation. Alles Themen, die sie auch in ihren Dystopien aufgreift und in ihren Extremen zeigt. „Niemand kennt die Zukunft“, sagt Atwood, „aber von mir wird das oft erwartet. Man kann nur begründete Vermutungen anstellen.“

Wie treffend diese Vermutungen teilweise sein könnten, zeigen einige Aspekte aus „Der Report der Magd“, der 1984 entstand, quasi im Schatten George Orwells. Christlich-fundamentalistische Fanatiker ermorden den Präsidenten und die Regierung, setzen die Verfassung außer Kraft, Zensieren die Medien und beschneiden die Rechte der Frau auf ein Minimum: Wer nicht zur Elite zählt, bekommt nur eine Aufgabe zugewiesen, nämlich Kinder zu gebären. Die Reaktionen der USA auf 9/11, der von Trump verhängte Einreisestopp gegen Muslime, die Debatte um Fake-News und Social Bots, aber auch der brutale Hass islamistischer Fundamentalisten passen erschreckend gut in diese Vision.

Im „Report der Magd“ begleitet der Leser die Ich-Erzählerin Desfred, eine junge Frau, die aus ihrem geregelten Leben gerissen, ihres Ehemannes und ihres Kindes beraubt und zum Eigentum eines militärischen Machthabers ernannt wird. Desfred ist keine strahlende Heldin, keine Kriegerin, keine Rebellenführerin. Sie hadert mit ihrer Rolle, mit dem Konflikt zwischen Ausbruch und Gehorsam, versucht ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und gleichzeitig daran festzuhalten. Sie hofft, obwohl es keine Zukunft gibt, und bleibt impulsiv, wo Vernunft gefragt wäre. Margaret Atwood ernennt ihre Protagonistin nicht zu einer Heilsgestalt, sondern zeigt ihr Schicksal ungeschönt, kühl und mit einem klaren Blick für Details.

Auch „Das Jahr der Flut“ ist ein tolles Beispiel für interessante Frauenfiguren, die gerade wegen ihrer Schwächen, Fehler und Kanten Identifikationspotenzial entwickeln. Toby, eine ehemalige Studentin, entkommt ihrem brutalen Arbeitgeber und findet Schutz bei der Öko-Sekte der „Gottesgärtner“, ebenso wie die junge Ren, die aus einem Luxusleben gerissen und zusammen mit ihrer Mutter von einem skrupellosen Mega-Konzern gejagt wird. Auch hier sind die Protagonistinnen keine Helden, im Gegenteil, gerade Ren verhält sich oft kindisch, naiv und unvorsichtig und Tobys Pragmatismus lässt sie kühl und unnahbar wirken. Trotzdem hinterlassen diese Frauen Eindruck und entwickeln angesichts des völligen Zusammenbruchs der Zivilisation ungeahnte Kräfte.

Margaret Atwoods Dystopien sind also nicht nur reine Fiktion, sondern obendrein ein Spiegel relevanter gesellschaftlicher Themen. Sie beschäftigen sich mit Umweltschutz, politischen Veränderungen, Feminismus, Religiosität und Radikalisierung. Sie senden eine Botschaft, die in den letzten Jahren noch an Bedeutung gewonnen hat.

In ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises findet Margaret Atwood klare und inspirierende Worte für ihre Leserschaft und – vor allem – für junge Autorinnen und Autoren:

„Lassen Sie uns keine Türen schließen und Stimmen zum Schweigen bringen. Eines Tages werde ich einen Strand entlang spazieren oder einen Buchladen betreten, und ich werde eine Flaschenpost finden oder ein Buch, und ich werde es öffnen und werde die Botschaft lesen, von dir an mich – ja, von dir da draußen, einem jungen Schriftsteller, und vielleicht ist es sein erstes Buch. Und ich werde sagen: Ja. Ich kann dich hören. Ich kann deine Geschichte hören. Ich kann deine Stimme hören.“

Margaret Atwoods Homepage: www.margaretatwood.ca
Margaret Atwood auf Twitter: https://twitter.com/MargaretAtwood
Eine vollständige Liste ihrer Bibliographie: http://margaretatwood.ca/full-bibliography-2/

Ein Beitrag von Elea Brandt.

Foto by Larry D. Moore, CC BY-SA 4.0.

 

Vom Leben als Buchfee (Irina Christmann)

Jeder Lesebegeisterte kennt das Problem. Man hat da ein Buch, das man einfach nicht so gut fand, dass es ins Bücherregal soll. Aber ein Buch wegwerfen? Undenkbar! Was also kann man machen, wenn man niemanden im Bekanntenkreis hat, dem man das Werk vermachen kann?

In jedem Regal finden wir Bücher, die wir teilen wollen. Aber wie?

Oder dieses eine Buch, das man immer und immer wieder lesen will. So sehr, dass man anderen Menschen eine Freude damit machen möchte!

Booksontherun

In den letzten Jahren vermehren sich die öffentlichen Bücherregale und werden auch gerne genutzt. Doch es gibt auch noch andere Möglichkeiten, seine Bücher auf Reisen zu schicken. Diesem Ziel hat sich die Plattform booksontherun verschrieben. Im Gegensatz zu anderen Büchertauschorganisationen wählen die Gründerinnen Samantha und Davina aus einer Vielzahl von Bewerbungen Bücherfeen und Buchninjas aus, die dann für den festgelegten Zeitraum Bücher „auf Reisen“ schicken. In Bus, Zug und S- oder U-Bahnen oder den dazugehörigen Bahnhöfen.

Einfach zurücklassen?

Klingt alles super einfach und komplikationslos, aber das ist es nicht. Habt ihr schon mal ein Buch verloren? Ihr greift in Eure Tasche und es ist weg. Ein schreckliches Gefühl. Klar, man kann es sich einfach nochmal kaufen, weiterlesen, aber da draußen ist irgendwo DEIN Buch. Ganz alleine und hoffentlich in Sicherheit.

Mit #booksontherun werden Bücher in den öffentlichen Verkehrsmitteln ausgesetzt, gefunden und wieder gelesen

Als Buchfee oder Buchninja führt man diesen Zustand des Verlustes zwar absichtlich herbei, das macht es aber nicht einfacher, das Buch einfach zurück zu lassen. Es liegt da, neben dir auf dem leeren Sitz, du machst dein Foto und dann musst du dich trennen. Von einem Schatz. Einer Geschichte, die dich etwas gelehrt hat, oder dir Freude gemacht hat. Tatsächlich fiel es mir** bei Büchern, die ich nicht selbst gelesen hatte, wesentlich leichter. Aber immer war da dieses komische Gefühl … Was wenn jemand mein Buch einfach wegwirft, anstatt es liegen zu lassen, weil es ihn nicht interessiert. Allerdings werde ich auch nie erfahren, was aus meine Bücher geworden ist. Insgesamt sind es bisher 13. Und bei keinem ist es mir wirklich leicht gefallen. Fünf weitere liegen noch vor mir, die ich extra für diesen Zweck gekauft habe. Alles in allem war ich gerne Buchfee, besonders da meine Dienstzeit mit der von Eva-Maria Obermann zusammenfiel.

Besondere Erlebnisse, die bleiben

Was ich nie vergessen werde, war der nette Mann, der eigentlich hätte weiterfahren müssen, aber mir samt meinem soeben frisch ausgesetzten Buch nachgelaufen ist, um es mir wiederzubringen. Leider sprach er kein Wort deutsch oder englisch, so dass er bis heute eine Ahnung hat, was ich versucht habe, ihm zu erklären.

Immer wenn ich den Hashtag #wirlassenBuecherwandern sehe, denke ich an meine Bücher und hoffe, nach wie vor, dass es ihnen gut geht, da wo sie jetzt sind. Aber ich würde es nochmal machen, wenn sich die Gelegenheit ergibt!

**Autorin dieses Beitrags ist Irina Christmann

Nornenadvent: Die Drabbles der Woche (3)

Heute kommt ihr zum letzten Mal in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Lautloser Angriff (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Sie kamen in der Nacht, zu Tausenden. Stillschweigend setzten sie zur Landung an, sprangen ab, segelten geräuschlos über den Dächern der Ahnungslosen. Lange genug hatten sie oben verharrt, gewartet auf das Zeichen, bereit zum Angriff.
Der Befehl kam von ganz oben, niemand bezweifelte ihn. Das war ihr Auftrag. Nichts konnte sie aufhalten. Ihr Vorteil lag in der Überraschung. Niemand erwartete sie, niemand war bereit. Sie landeten, wo sie gerade hinkamen: auf Dächern, in Vorgärten, mitten auf der Straße, auf Spielplätzen, neben Bahngleisen. Dies war ihr Bestimmungsort.
Erst am Morgen erkannten es die Überfallenen. Die ganze Welt lag unter einer Schneedecke.

Die Blätter des Lebens (Laura Kier)

Viele Blätter an einem Baum – jedes steht für sich doch keines ist allein. Tiere huschen den Stamm empor, suchen ein zu Hause zwischen dem hellen Grün. Raupen krabbeln umher und hoch oben im Geäst ziehen Drosseln ihre Jungen auf.
Es wird gezwitschert, geknabbert und gewachsen, bis sich Schmetterlinge und Vögel aus ihrer Kinderstube erheben und in unbekannte Weiten aufbrechen. Doch die Blätter bleiben zurück mit Erinnerungen an einen Sommer, in dem sie Schatten und Futter geboten haben.
Sie waren ein Teil des Lebens und leuchten zum Abschied in farbenfroher Pracht bis der Winter sie auffordert am Boden Schutz zu bieten.

Driving home for Chrismas (Nike Leonhard)

Das Radio dudelt Weihnachtslieder. In der Wirklichkeit ist nichts mit „Dashing“. Trotz 220 PS unter der Haube.
Kupplung, Gas, Bremse – Stillstand. Regen malt Schlieren in die Lichterkette der Bremsleuchten. Die Wischerblätter zerhacken den Takt von White Chrismas. Kupplung, Gas, Bremse – Hupe, weil so ein Idiot …
Nur nicht die Nerven verlieren. Lieber mit Barry White träumen. Kupplung, Gas, Bremse. Wusch-wusch machen die Wischerblätter. Nicht einschlafen. Es geht weiter; tatsächlich es rollt! Ihm wird warm vor Sehnsucht.
Die Wohnung ist dunkel und leer. Aber auf dem AB wartet Steffs Stimme: „Schatz, es wird leider später. Ich steh noch im Stau.“

Alle für eine, oder? (June Is)

Die erste Schildkröte in Knecht Ruprechts Fabrik kramte nach einem Taschentuch. „Hatschi!“
„Gesundheit“, sagte die zweite Schildkröte am Fließband. „Meinst du, du schaffst es, deine Geschenke zu verpacken?“
„He, schon wieder ein Geschenk von Kröte 1, so schaffe ich meine eigenen nicht!“, rief Kröte fünf von hinten.
„Entschuldigung, aber … Hatschi!“
Die zweite Schildkröte seufzte und sagte zur ersten. „Ich sortiere deine vom Band und wir verpacken sie später gemeinsam.“
„Danke.“
Als ein beträchtlicher Berg Geschenke angewachsen war, kamen auch Kröte drei und vier, um der ersten zu helfen.
Nur die fünfte fehlte, sie hatte sich übernommen und war umgekippt.

Wahre Liebe (Jana Jeworreck aka Moira)

Er trägt sie ehrenvoll schwebend hoch über seinem Kopf. Sie ist die Schönste, die er jemals trug und doch wird sie vergehen, wie alle anderen vor ihr.
Ihre Tränen laufen wie Schauer über seinen Körper, bevor ihr Geist erlischt. Er kann es nicht aufhalten. Er muss es ertragen und erleiden, obwohl sein Herz mit ihr zerfließt.
Und dann, jedes Jahr, wenn die Blätter fallen und auch vergehen, kommt eine Neue. Eine Zauberhafte, die leuchtet und glüht, wie die davor und ihr doch nicht gleicht, denn jedes Jahr ist es die Schönste, die Einzige, die wahre Liebe, die der Kerzenständer trägt.

In der Nacht (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Die tiefschwarze Nacht war die perfekte Tarnung.
Während die Menschen in ihren Betten nichtsahnend vor sich hin träumten, schlich eine kleine Gestalt durch die Straßen und Gassen, einen Sack auf dem Rücken, und huschte unbemerkt in jedes Haus.
Lautlos öffnete sie jede Tür und kein Wachhund wagte es den Eindringling zu melden. Zielsicher fand er in jedem Heim das, was er suchte, kam ohne Umschweife zum Ziel und machte sich an seine geheime Arbeit.
Plötzlich ein Tippeln, eine Tür wurde jäh geöffnet und Flurlicht fiel herein, auf jenes Wesen. Ein paar kleine Augen weiteten sich in großem Erstaunen.
„Das Christkind!“

Deutschland, ein Wintermärchen … (Tiphaine Somer Elin)

Gestern die Nacht vor dem großen Tag. Heute der Tag vor dem Abend aller Abende. Draußen frohlocken die Glocken, innen brummt es vor Aufregung. Es wurde gebacken, geschmückt und gebraten. Schüsseln türmen sich, von den Öfen her dampft es, Tische biegen sich unter köstlicher Last.
In den Schaufenstern prangen die Sterne und leuchten den Weg, von überall wispert und raunt es. Schnee knirscht unter den dicken Sohlen der heimlich Tuenden. Dann folgen Zerlumpte ängstlich dem unglaublichen Ruf. Unzählige sind es, so traurig und einsam. Plötzlich öffnen sich Türen, Fenster, Grenzen und Herzen. Frohe Weihnachten wünscht Deutschland und teilt sein Glück.

Natürlich darf am Heiligen Abend ein besonderes Extra-Schmankerl nicht fehlen;-)

Santa Space (Elenor Avelle)

„Bringen sie uns unter Lichtgeschwindigkeit Nummer Eins. Bereiten sie alles zum Andockmanöver vor“, sagte Santa und kontrollierte, ob sein roter Anzug auch richtig saß.
„Ist die Tarnvorrichtung aktiviert?“ Der kleine schrumpelige Kerl neben ihm nickte. „Sehr gut. Das Raumschiff wird von der einheimischen Spezies als Rentierschlitten wahrgenommen. Die perfekte Tarnung für den 24.“
„Wollen sie sich jetzt abseilen?“, fragte Nummer Eins.
„So genau wollen wir es mit der Tarnung nicht nehmen. Beamen sie mich runter.“ Santa verließ das Fahrzeug. Nummer Eins seufzte sprang aus dem Schlitten und tätschelte Rudolph.
„Ich wünschte wirklich, er würde nicht so viel Star Trek gucken.“

Last-Minute-Geschenkeidee – Basteltipp (Sarah König)

Hallo zusammen!

Es sind nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die großen Besorgungen habt ihr sicher alle erledigt. Doch jetzt fällt euch ein: Mist, da fehlt mir noch eine Kleinigkeit für meine Nachbarin, die immer meine Pakete annimmt. Die Tagesmutter, den Busfahrer – oder ihr seid eingeladen und wollt nicht mit leeren Händen kommen.

Ihr braucht eine Kleinigkeit auf die Schnelle, die hübsch aussieht und trotz aller Einfachheit etwas hermacht.

Das Nornennetzwerk** hat heute für euch den ultimativen Last-Minute-Geschenktipp – eine kleine, feine Bastelei!

„Pizzabox“ für Mini-Rittersport

Was ihr braucht:
  • Tonkarton/Designkarton/Papier – passend mit Motiven oder neutral trotz Saison/Gelegenheit
  • Klebe oder Kleberoller (zB. Tesa)
  • Stift/Stempel/Schere
  • Deko: Sticker, Stanzmotive (klein oder groß), Klebepunkte (zB Doppelseitig 3 mm), farbig passender Karton für ein kleines Schild
  • Am besten noch ein Falzbrett. Wer das nicht hat, kann sich mit einem Lineal und der stumpfen Seite eines normalen Messers behelfen. Oder eine dünne Häkelnadel am Lineal entlang ziehen. Wichtig beim Falzen ist nur, dass man das Material nicht durchschneidet. Je nach Stärke eures Materials könnt ihr die betreffenden Seiten auch einfach umknicken.
Schritt 1:

Maße

Die Pizzabox solltet ihr euch auf dem Karton aufzeichnen. Wenn ihr ein Schneidebrett benutzt, dann benötigt ihr keine Zeichnung, sondern könnt direkt an die bezifferten Maße anlegen und schneiden.
Die Box hat eine Länge von insgesamt 14,5 cm. Eine Breite von 8 cm.

Schritt 1

Schritt 2:

Falzen oder Falten

Rundherum müssen 1,5 cm Rand gelassen werden, dieser wird gefalzt/geknickt.
Eine weitere Falzlinie ist auf der Längsseite nach einer Gesamtlänge von 6,5 cm und nach einer Gesamtlänge von 8 cm nötig. So erreicht ihr auch in der Mitte einen Streifen von 1,5 cm.
Mit einem Falzbrett oder Lineal die 1,5 cm anlegen, die den gesamten Rand umlaufen.
Per Lineal – Mit einem stumpfen Gegenstand am Lineal entlang ziehen und Druck ausüben.
Die Falz soll nur helfen, den evtl. dicken/sperrigen Karton in die richtige Richtung biegen zu können. Wer mit Papier bastelt kann hier einfach falten.

Zweiter Schritt

Schritt 3:

Schneiden

Im Uhrzeigersinn Einschnitte vornehmen. Siehe Nummer 1 – 4. Merken könnt ihr euch: Es ist immer ein kleines Feld, das geklebt wird, und eine längere Seite.

Einschneiden

Die Schnitte 5 und 6 müssen Keilschnitte sein.

Keilschnitte

In der Lasche des Deckels fehlt noch eine Aussparung, die ihr Schneiden oder ausstanzen könnt.

Der Deckel

Wenn ihr noch nicht wisst, welche Seite oben sein wird, dann entscheidet ihr im nächsten Schritt einfach, wo unten ist und holt die Aussparung dann nach.

Schritt 4:

Kleben

Wenn ihr wisst, was ihr wo hin falten müsst, erschließt sich euch schnell, wo nun geklebt wird. Ich benutze dafür die Kleberoller, aber auch flüssiger Kleber oder Klebestifte können funktionieren – je nach Material. Wer zB eine Steampunk-Box baut, der könnte auch tackern.

Die eingeschnitten Laschen werden nach innen geklebt. Die Laschen der Mitte werden am Rand der unteren Hälfte festgeklebt, um dem Boden mehr Stabilität zu verleihen. Wer bis jetzt noch nicht wusste, welche Seite unten ist, entscheidet dies nun und holt unter Schritt 3 die Aussparung am Deckel nach.

Schritt 5:

Deko

Überlegt euch, wie der Deckel gestaltet werden soll. Ein Schild? Ausgestanzte Motive? Sticker? Es gibt tolle Kleinigkeiten zu kaufen, um solche kleinen Aufmerksamkeiten noch zu schmücken. Ich empfehle hier Bastelläden oder 1-Euro-Geschäfte. Ich habe mich bei diesem Beispiel für ein kleines Schild und ein paar winzige Schmetterlinge entschieden. Passt nicht zu Weihnachten? Ach Quatsch! Macht was ihr wollt- es kommt von Herzen und das ist die Hauptsache.

Einfach gut

Das Schild in gewünschter Größe des Deckels zuschneiden/ausstanzen und bestempeln, beschriften – was ihr wollt. Ich wähle zusätzlich kleine Schmetterlinge, die ich mit einer Ministanze ausgestanzt habe und klebe diese direkt auf das Schildchen, das Schildchen wiederum klebe ich leicht schräg auf.

Jetzt kommen kleine Helfer ins Spiel: Abstandshalter, doppelseitig klebende Puffer.

Kleine Helfer

Natürlich könnt ihr das Schildchen ohne Abstandsklebepunkte auch direkt auf den Deckel kleben. Oder sogar ganz weglassen – diese kleinen Boxen sehen auch wunderbar aus, wenn man einfach ein Schleifenband verwendet.

Kleine Überraschung

 

Schritt 6:

Inhalt

Wie der Titel schon sagt, in diese kleine Box passt perfekt ein Mini-Rittersport. Meine Lieblingssorte zum Beispiel.

Mhm, Marzipan

Aber auch andere kleine Köstlichkeiten. Probiert es einfach aus – was nicht passt, müsst ihr zur Not selbst verputzen.
Und wenn die oder der Glückliche es lieber nicht nur süß mag; Geldscheine lassen sich natürlich auf diesem Wege ebenfalls sehr edel verschenken.

Hier noch ein paar Beispiele:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Nachbasteln! Vielleicht mögt ihr ja zeigen, wenn ihr diese kleinen Boxen für jemanden bastelt? Wir freuen uns, wenn ihr uns dazu Bilder schickt!

Das Nornennetz wünscht euch allen eine tolle Weihnachtszeit, besinnliche Festtage und erholsame Stunden mit euren Liebsten!

**Autorin des Artikels ist Sarah König

Nornenadvent: Die Drabble der Woche (2)

Wie versprochen kommt ihr heute wieder in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Sie kriegen dich (alle Jahre wieder) (Christina Diart)

Leise schleichen sie durch deine Wohnung, während du friedlich schläfst, eingepackt in deine Decke, denn die Welt wird kalt.
Sie verunstalten dein Wohnzimmer, versprühen überall ihren widerlichen, zimtigen Geruch und hinterlassen in jeder noch so winzigen Ecke ihren unverkennbaren Glanz.
Wenn du morgens erwachst, geweckt von den ach so lieblichen Klängen der Glöckchen, und das Ausmaß ihres nächtlichen Treibens bemerkst, ist es bereits zu spät.
Du bist infiziert und weißt, dass du dich erst Wochen später erholen wirst. Sie haben dich erwischt – wie jedes Jahr – und bringen dich dazu, summend durch die Einkaufszentren zu schlendern. Widerliche, kleine Biester, diese Weihnachtswichtel.

Katzengesang im Sternenlicht (Laura Kier)

Zwei Katzen sitzen gelangweilt auf einer Wiese und warten auf den Mond. Doch der erscheint in dieser Nacht nicht am Horizont.
»Es ist, wie es ist. Der Mond ist fort«, seufzend lässt die Kleinere der beiden Katzen den Kopf sinken.
»Ach wie herrlich«, meint die Andere. »Dann hat er endlich seine geliebte Sonne eingeholt.«
Zusammen beginnen die Katzen in unterschiedlichen Tonlagen zu Maunzen und lassen ihr Freudenlied in der sternenklaren Nacht erklingen.
Kurz darauf taucht der Mond auf.
»Was ist das?«, fragt die Kleinere.
»Er ist zu uns zurückgekehrt – und nicht allein.«
Silbern und golden färbt die Morgendämmerung die Welt.

Die Tänzerinnen (June Is)

Joliel starrte auf die Bühne. Gleich müsste auch seine Freundin Maylea auftauchen. Ballettshows waren ihre Leidenschaft, er selbst konnte es nur als künstlerische Elfenhüpferei bezeichnen. Trotz seines Banausentums begleitete Joliel sie oft. Ihre Worte von vor vielen Jahren klangen in seinem Ohr nach. „Ich finde es sehr erregend, wenn du dabei bist.“
Das Licht ging langsam aus und viele graue Balletttänzer kamen von allen Seiten auf die Bühne geströmt. Einer stach in Gelb heraus. Als die Musik einsetzte, stellten sich alle auf ihre Zehenspitzen und begannen zu tanzen.
Joliel musste grinsen, als ein Fan von weiter hinten laut „Maylea!“ rief.

 

Arachne (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Sie ist die beste, keine Frage. Im Weben und Spinnen schafft sie Kunstwerke, die glitzern als wären sie aus Sternenstaub. Warum sonst sollte man sie beneiden?
Tausende schon haben ihre Werke bewundert, ja sogar versucht ihr nach zu eifern. Umsonst. An ihr Können kommt kein Mensch ran.
Mit einem Seufzer setzt Arachne den nächsten Faden an. Mit ihren Beinen balanciert sie geschickt, so dass auch dieser Faden seinen Platz findet. Doch manchmal waren sie ihr auch im Weg. Noch einmal seufzt Arachne und sieht an sich hinunter.
Ja, ein Mensch kam noch nie an ihre Kunstfertigkeit heran. Eine Göttin schon.

Alle Jahre wieder (Tiphaine Somer Elin)

Es war ein Funkeln und Glitzern, auf den heruntergeklappten Holzläden lag allerlei Tand. Er sah genau hin. Sah Händler, sah Geld, das in Kassen verschwand. Weihnachtsmarkt hieß es, Christkindls Markt.
Er war sich nicht sicher, dass es ein guter Markt war.
Dann sah er Kinder mit großen Augen, roch den Duft von frisch geschlagenen Tannen und von schwerem, gewürztem Wein. Süße Musik verwehte den Trubel. Erwachsene standen und lachten, sie fanden zusammen auf dieser kleinen, fröhlichen Insel inmitten einer hektischen Welt.
Diesmal würde er die Tische der Händler nicht umwerfen – der Markt, der seinen Namen trug, war ein guter Markt.

Eine andere Saite (Jana Jeworreck alias Moira)

Ich laufe eine Straße entlang. Sie ist düster und eng. Ich sehe, dass auf dem Asphalt etwas aufblitzt, gehe vorsichtig darauf zu. Es ist eine Saite, gerissen und achtlos zu Boden geworfen. Die Sonne trifft sie aus einem eigenartigen Winkel. Sie scheint zu glühen. Links und rechts ragen Hauswände in den Himmel empor, wie Felsen einer Schlucht. Nur ein Spalt bringt Licht. Und da leuchtet diese zarte Saite, vielleicht von einer Gitarre. Ich beuge mich hinab, hebe sie hoch und siehe da, es öffnete sich eine Tür in der Mauer. Es ist der Eingang zu einer Bar der besonderen Art.

Die Qual der Wahl (Anne Zandt aka Poisonpainter)

Wieder konnte er sich nicht entscheiden. Nahm er die Braungebrannte? Den Klassiker? Sie hatte ihn schon beim Vorbeigehen verführerisch angelächelt und war der Grund, warum er schließlich stehen geblieben war.
Doch neben ihr lag die Schwarze, die auch nicht zu verachten war oder auch die in Schneeweiß gehüllte. Allerdings, die mit den roten Punkten wollte er auf keinen Fall. Oder doch lieber etwas Größeres und Kräftigeres? Etwas ganz anderes? Hin und hergerissen blickte er sie an, wägte seine Entscheidung ab.
„Haben Sie sich entschieden, welche Mandeln Sie haben wollen?“, fragte der Händler nach einer Weile mit einem leicht genervten Unterton.

Noch eine Woche bis Weihnachten? Da füllen wir doch vor lauter Vorfreude das Türchen doppelt!

Das Höllenfeuer (Myna Kaltschnee)

Sie tanzen beschwingt ums Feuer. Ihre Körper werfen lange Schatten auf den Untergrund. Bizarre Figuren zeichnen sich im dämmerigen Licht ab.
Sie sind alle gekommen: Junge und Alte, Große und Kleine. Nur um sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen. Sie haben sich den ganzen Tag darauf gefreut und nun ist es endlich Wirklichkeit. Wieder einmal ist ihnen eine ins Netz gegangen. Wieder einmal lodert das Höllenfeuer in den pechschwarzen Nachthimmel. Das muss kräftig gefeiert werden!
Sie stimmen einen fröhlichen Gesang an: „Die Hex‘ ist tot. Die Hex‘ ist tot.“ Vom Scheiterhaufen erklingen schauerliche Schreie, bis die Flammen sie ersticken.

Professionelle Schreibprogramme im Vergleich (Elea Brandt)

Ihr Lieben, Weihnachten steht vor der Tür – die Hälfte der Adventszeit ist schon um. Wisst ihr schon, was unter eurem Weihnachtsbaum liegen wird? Nein? Als Autor*in und Buchnerd wünscht man sich ja oft einen ganzen Berg Bücher, aber vielleicht denkt ihr ja auch über ein professionelles Schreibprogramm nach.

Um euch die Entscheidung zu erleichtern, möchte ich** euch heute drei Programme vorstellen und die eine oder andere Empfehlung dazu abgeben. Vielleicht hilft euch das ja ein wenig.

Zu allererst sei gesagt: Die Professionalität eines Autors misst sich nicht an dem Programm, das er nutzt. Ein hervorragender Roman kann auch mit Bleistift auf einen Bierdeckel geschrieben oder auf Omas alter Schreibmaschine getippt werden. Aber, und das ist unbestritten, ein gutes Programm spart Zeit, Nerven und Ärger.

Im Vorfeld dieses Artikels haben auf Twitter 179 Autorinnen und Autoren abgestimmt und ihr vorrangig verwendetes Schreibprogramm angegeben. Etwa die Hälfte der Teilnehmer verwendete ein spezielles Programm wie Papyrus, Scrivener, Patchwork oder yWriter, die andere Hälfte arbeitete vorrangig mit klassischer Textverarbeitung wie Word, Open oder Libre Office. In den Kommentaren wurde auch sichtbar, dass viele Autor*innen verschiedene Programme in unterschiedlichen Stadien ihrer Arbeit nutzen.

Ein Blick auf das Angebot an verschiedenen Schreibprogrammen lohnt sich also in jedem Fall.

Scrivener

Mein persönlicher Favorit zum Verfassen von Manuskripten ist Scrivener . Das Programm bietet eine sehr übersichtliche Oberfläche mit einer angenehm zu bedienenden Datenbank-Struktur, in die man Recherchematerial, Fotos, Charakterbögen oder andere Dokumente einbinden und auf einen Klick abrufen kann. Ferner verfügt Scrivener über eine Pinnwand zum Festhalten von Plotnotizen, einen Wordcounter und einen ablenkungsfreien Vollbildmodus, den man mit individuellen Motivationsbildern selbst gestalten kann. Wer gerne mit Farben oder Labels arbeitet, kann einzelne Szenen farblich kennzeichnen (z.B. nach Perspektivträger oder Handlungsstrang) oder deren Fortschritt festhalten. Hilfreich ist auch die Möglichkeit, Texte mit anderen Geräten zu synchronisieren und automatische Backups einzurichten. Nachteil an Scrivener ist die mangelhafte Rechtschreibprüfung. Die ist so unzuverlässig, dass ich sie in der Regel ausschalte. Auch auf aufregende Features wie Stilanalyse, Zeitstrahlfunktionen oder komplexe Mindmaps muss man leider verzichten, es gibt aber die Möglichkeit, Scrivener mit anderen Programmen wie Scapple oder Aeon Timeline zu verbinden.

Gerade ist die dritte Version von Scrivener in der Beta-Version erschienen. Wichtig zu wissen: Scrivener ist primär ein Mac-Programm, auch wenn eine vollwertige Windows-Version existiert, sind einige Funktionen nur am Mac verfügbar. Eine Lizenz kostet 45 $, für Nanowrimo-Gewinner gibt es allerdings in der Regel einen 50 % Nachlass. Einmal erworben, kann Scrivener auf beliebig vielen Geräten installiert werden.

Screenshot aus Scrivener

Vorteil: günstig in der Anschaffung, leicht zu bedienen, nützliche Datenbankstruktur, Vollbildmodus, automatische Backups

Nachteil:  schlechte Rechtschreibprüfung, keine Zusatzfeatures wie Zeitstrahlen, Stilanalyse oder Mindmaps, teilweise Bugs

Papyrus Autor

Papyrus  ist vermutlich eines der bekanntesten kommerziellen Autorenprogramme. Es liegt mittlerweile in der 8. Version für alle Betriebssysteme vor und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die Benutzeroberfläche von Papyrus erinnert an die klassischer Textverarbeitungsprogramme und lässt sich daher recht intuitiv bedienen. In tieferen Ebenen des Programms verstecken sich aber auch viele Zusatzfeatures, die Papyrus zu einer Rundum-Lösung für alle möglichen Bedürfnisse machen, es aber auch sehr komplex gestalten. Das Programm bietet eine Recherche- und Figurendatenbank, eine Zeitstrahlfunktion, eine frei gestaltbare Pinnwand, die auch als Mindmap genutzt werden kann, einen Wordcounter, ein Synonymlexikon und viele Funktionen mehr. Besonders zeichnet sich Papyrus aber durch seinen hervorragenden Duden-Korrektor und eine umfassende Stilanalyse aus, die dabei hilft, Wortwiederholungen, Bandwurmsätze, Füllwörter und andere Stilbrüche zu finden. Außerdem bietet Papyrus die Möglichkeit, Manuskripte unkompliziert in verschiedene Ebook-Formate zu konvertieren und dafür Inhaltsverzeichnisse oder Fußnoten anzulegen. Genau wie Scrivener verfügt Papyrus zudem über automatische Backups.

Mit 179 € (Studentenversion 149 €) ist Papyrus nicht unbedingt günstig. Es empfiehlt sich daher, die Demoversion zuerst für ein paar Wochen zu testen, bevor man sich zum Kauf entscheidet. Mit der Standard-Lizenz kann das Programm auf vier Geräten installiert werden, die Nutzung ist aber auf eine Person begrenzt.

Ich persönlich nutze Papyrus vor allem zum Überarbeiten, Lektorieren und Korrigieren. Zum Schreiben fehlt mir eine übersichtliche, leicht zu handhabende Datenbank-Struktur wie bei Scrivener.

Screenshot aus Papyrus

Vorteile: umfassende Stilanalyse, Dudenkorrektor, vielfältige Funktionen zum Plotten und Organisieren, automatische Backups

Nachteile: relativ teuer, braucht viel Arbeitsspeicher, Funktionsumfang zu Beginn überfordernd

Patchwork

Ich muss gestehen, ich konnte Patchwork  bisher noch nicht ausführlich verwenden, da schon die Testversion auf meinem relativ alten Laptop regelmäßig abstürzte. Ich kenne aber einige Autorinnen, die das Programm regelmäßig nutzen und sehr gut damit zurechtkommen, deswegen will ich es euch nicht vorenthalten. Patchwork ist vermutlich die eierlegende Wollmilchsau unter den Autorenprogrammen. Es bietet alle Funktionen, die man sich vorstellen kann, und ist dabei noch umfassender als Papyrus. Patchwork beinhaltet eine Zeitstrahlfunktion, Mindmaps, Figuren- und Recherchedatenbank, Rechtschreibprüfung, Stilanalyse, Vorlagen nach verschiedenen bekannten Plotmethoden (z.B. 7 Punkte, Heldenreise, Schneeflocke), Planung von Deadlines und Schreibfortschritten, Konvertierung in Ebookformate und noch vieles mehr. Von so vielen Funktionen wird einem fast schwindelig.

Mit 98 € (+35 € für den Duden-Korrektor) ist Patchwork günstiger als Papyrus Autor, allerdings sind folgende Updates oder neuere Versionen des Programms nach dem ersten Jahr nicht mehr inbegriffen. Diese können in einem Abo-Modell ab 5 € im Monat hinzugebucht werden. Hier empfiehlt es sich, auf das Timing zu achten, denn das Abo wird immer zum Quartalsende fällig (also März, Juni, September, Dezember), unabhängig davon, wie lange man es tatsächlich genutzt hat.

Screenshot aus Patchwork

Vorteile: extrem hoher Funktionsumfang für alle Bedürfnisse, Organisation von Deadlines, zeitnaher Support auch an Feiertagen, viele Backup-Routinen

Nachteile: veraltete FAQs, Updates nach dem ersten Jahr nicht im Preis inbegriffen, braucht viel Arbeitsspeicher, anfällig für Programmabstürze

Klassisches Textverarbeitungsprogramm

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, klassische Textverarbeitungsprogramme zu nutzen, z.B. Libre Office, Open Office oder Microsoft Word. Diese sind auf vielen Geräten bereits vorinstalliert, bieten eine solide Rechtschreibprüfung und einen Thesaurus, die Bedienung ist intuitiv, es gibt einen Überarbeitungsmodus und Speicherintervalle oder Sicherungskopien können selbst gesetzt werden, um Datenverlust zu vermeiden. Aufregende Zusatzfeatures gibt es zwar keine, aber dafür können Libre Office oder Open Office als Freeware heruntergeladen werden und kosten damit keinen Cent. Wer kommerziell mit den Programmen arbeitet, sollte aber berücksichtigen, dass die meisten Standardversionen, z.B. von Word, nur eine private Nutzung erlauben. Für kommerzielle Zwecke muss eigentlich eine eigene Lizenz erworben werden.

Vorteile: zum Teil kostenlos, einfache Bedienbarkeit, solide Rechtschreibprüfung, Thesaurus, Überarbeitungsmodus und Möglichkeit, Dokumente zu vergleichen

Nachteile: kommerzielle Nutzung unter Umständen nicht inbegriffen, keine Zusatzfeatures oder Datenbankstruktur, teils Kompatibilitätsprobleme mit anderen Programmen

Die Ergebnisse einer Twitter-Umfrage zur Verwendung von Schreibprogrammen bei Autoren, durchgeführt von Elea Brandt

Nicht vorgestellt habe ich euch hier das Programm yWriter, weil ich es selbst nie genutzt habe und daher wenig darüber weiß. Ich möchte es hier trotzdem erwähnen, da es sich um Freeware handelt und einen guten Einblick in das szene-basierte Schreiben bietet, das auch Scrivener und andere Programme nutzen. yWriter bietet eine kleine, aber übersichtliche Datenbank für Figuren und Orte und die Option, Szenen in der Handlung einzuordnen und ihnen Funktionen zuzuweisen. Es ist damit eine gute Möglichkeit für Einsteiger, sich mit Autorenprogrammen vertraut zu machen, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen. Wer mehr darüber lesen möchte, findet einen ausführlichen Beitrag im Schreibmeer.

Eine eindeutige Empfehlung für das eine oder andere Programm möchte ich an dieser Stelle nicht aussprechen, denn jedes Programm ist für andere Bedürfnisse geeignet. Welche Features euch wichtig sind und euch das Leben und Schreiben erleichtern können, müsst ihr selbst herausfinden.

Die nachfolgende Tabelle hilft euch vielleicht beim Entscheidungsprozess:

Übersicht der Schreibprogramme

1 Sicherungskopien können z.T. manuell angelegt werden

2 nur Möglichkeit, Kommentare zu setzen

3 nur im ersten Jahr, danach im Abo ab 5 € pro Monat

Habt ihr euren Favoriten schon gefunden? Kennt oder nutzt ihr vielleicht noch andere Programme?

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß beim Ausprobieren und Testen.

**Autorin des Beitrags ist Elea Brandt

 

Nornenadvent: die Drabble der Woche

Wie versprochen kommt ihr jetzt in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Die Bestie (Myna Kaltschnee)

Eilig hastet er durch die nächtlichen Straßen, als würde er von einer Bestie verfolgt. Er hat nur eines im Sinn: Er muss raus aus der Stadt. Weg hier, bevor ein Unglück geschieht.
Endlich lässt er all die kleinen Lichter hinter sich und dringt vor in den Wald. Im Schutz der Bäume verlangsamt er seinen Schritt. Er atmet laut und stoßweise. Seine Haut juckt, als hätte er sich seit Wochen nicht mehr gewaschen.
Er strauchelt, geht zu Boden. Das Jucken wird stärker. Mit Tränen in den Augen wirft er den Kopf in den Nacken. Wolfsgeheul ertönt.
Die Bestie ist in ihm.

Durch das Land (Laura Kier)

Bergauf, bergab, durch den Wald, vorbei an Weizen und Mohn. Der Wind trägt die Haare aus dem Gesicht; die Sonne wärmt die Muskeln auf.
Ein Bachlauf lädt zum Planschen ein, doch weiter geht‘s den Weg entlang. Immer schneller bis die Sterne leuchtend am Himmel stehen. Schatten huschen durch die Nacht, doch das Licht erhellt den Weg, vertreibt die Dunkelheit und weiter, weiter geht es durch das Land. Geradeaus und in Kurven, durch Tunnel, über Brücken; mal Steil, dann flach – von den Bergen bis ans Meer.
Die Augen sind müde, das Herz ist froh: denn Besenfliegen, dass geht immer wo.

Kündigung (Jasmin Engel)

Er hasste seinen Job. Es war immer das Gleiche. Alle forderten stets nur und erwarteten von ihm auch noch, dass er ihre Wünsche mit einem breiten Lächeln erfüllte. Am Besten gab er ihnen zudem ein überraschendes Extra obendrauf.
Als Saisonarbeiter hatte man es noch besonders schwer. Mit all dem könnte er sich wahrscheinlich abfinden – wenn nur dieses seltsame Gefühl nicht wäre! Gelegentlich war ihm, als würden große Augen ihn beobachten. Als greife eine Hand in sein Leben ein.
Als Jan am Morgen des 6. Dezember vor das weihnachtliche Diorama auf der Kommode trat, war die Figur des Nikolaus verschwunden.

Beute (Eva-Maria Obermann)

Leise schlich er sich heran. Ein geübter Blick nach links, ein geübter Blick nach rechts und schon war er sicher, unbeobachtet zu sein.
Gut.
Nun galt es auch keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vorsichtig hob er die Nase in die Luft und schnupperte. Schon hatte er sein Ziel errochen.
Bald konnten auch seine Augen es fixieren.
Jetzt nur keinen Fehler machen.
Blitzschnell zuckte er nach vorne, ergriff seine Beute und lief damit zurück, dorthin, wo er hergekommen war, um sich zu nähren.
Das Wasser lief ihm im Mund zusammen und endlich konnte er gierig das Zellophan vom Schokoladennikolaus ziehen.

Kathy (Michelle Janßen)

„Mama“ sagte Kathy.
Doch Mama sage nichts.
„Mama!“ Das Auto brummte leise vor sich hin und Kathy musste gähnen. Mama schien sie nicht zu hören.
Sie blickte träge aus dem Fenster und beobachtete die Welt draußen. Die Bäume wehten leicht im Wind. Ihre Augen wurden schwerer und schwerer. Sie fielen immer wieder zu. Im Auto war es warm und Kathy war so müde. Doch etwas lies sie nicht einschlafen. Etwas hielt sie wach. Der Gurt schnitt in ihre Schulter, doch das war es nicht.
Kathy sah den Polizist überkopf auf sie zurennen, bevor sie ihre Augen schloss und endlich einschlief.

Lichtbringer (Tiphaine Somer Elin)

Er stand auf seinem Platz und wartete still im kalten Nieselregen. Er hatte keine Eile. Sie würden kommen, sie kamen immer. Sie würden Blumen bringen. Und Lichter.
So viele Lichter, von überall würde es leuchten. Er liebte das. Meist trugen die Kerzen ein rotes Gewand, nicht selten ein weißes, aber ihre flackernden Flammen spendeten goldenes Licht. Goldenes! So festlich, so tröstlich.
Wer kam, hatte eine Liebe zurückgelassen, doch das Leuchten half. Es verwischte die Grenzen zwischen dem Hier und der anderen Seite.
Regentropfen rannen ihm über die glatten Wangen. Er schmeckte Salz. Tränen?
Der steinerne Engel über dem Grab blinzelte.

Der Engel (Nike Leonhard)

Der Duft nach Zimt, Kardamom, Nelken und Ingwer hing in der Luft. Irene buk. Weihnachtsplätzchen. Das gehörte zum Advent dazu. Egal, was die Kinder sagten.
Sie blinzelte dem Porzellanengel auf der Fensterbank zu. „Du verstehst das, oder?“
Holla! Ihr war, als habe der Engel zurückgeblinzelt. Sie musste wirklich zum Augenarzt. Aber jetzt die Plätzchen. Schnell, denn um drei kam Karin, ihre Älteste, zum Kaffee.
Als Irene den Teig ausrollte, wurde ihr schwindelig.
„Ich halte dich“, sagte der Engel sanft. „Gib mir deine Hand.“
Karin fand sie auf dem Küchenboden. Still, kalt, lächelnd. Um sie herum glitzten die Scherben des Porzellanengels.

Fragefreitag: Wohin möchtest du unbedingt einmal reisen?

Willkommen beim Fragefreitag im Nornennetz. Hier beantworten unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Anne Zandt aka Poisonpainter: Rumänien. Bisher hab ich aber noch niemanden gefunden, der Lust hätte mitzukommen…

Lisa Brenk: Alaska! Von dieser Reise träume ich immer noch. Diese Wildnis und Ruhe würde ich gerne nochmal erleben.

Janna Ruth: Island. Als Geologin war es für mich schon immer ein Traum in dieses Land der Gegensätze zu reisen.

Diandra Linnemann: Japan steht ganz oben auf meiner Liste (ich habe Japanisch studiert, konnte mir als Studentin das Reisen allerdings nicht leisten; inzwischen habe ich fast alles vergessen, aber hin möchte ich trotzdem noch). Dann Australien, Hawaii, Südafrika, Norwegen, Schottland – ach, am liebsten hätte ich alles mal gesehen. Nur mit großen Städten kann man mich jagen.

Eva-Maria Obermann alias Variemaa: Ich würde gerne nach Griechenland, denn nein, da war ich noch nie, liebe aber griechische Mythologie. Außerdem steht Schottland weit oben auf meiner Wunsch-Reise-Liste. Und obwohl, ich schon mehrmals dort war, will ich unbedingt nochmal nach Rom.

Jasmin Engel: Indien und USA, Kalifornien, aber beides schwierig wegen meinem Problem mit dem Fliegen. 

June Is: Galapagos.

Michelle Janßen: Ich würde so gerne nochmal nach Osteuropa und die Länder da ein bisschen erkunden. Insbesondere Rumänien und Kroatien.

Tiphaine Somer Elin: An den Rand der Stratosphäre – egal wohin man blickt – es muss überwältigend sein

Esther: Nach Island und Griechenland, nach Marokko und Neuseeland, nach Indien und Israel, nach Finnland und Norwegen nördlich des Polarkreises – meine Reiseliste ist so lang wie die Liste der ungeschriebenen Geschichten in meinem Kopf.

Esther Wagner alias Kirana: Nach Japan. Immer wieder. Ich war seit Kindertagen moderater Japanfan. Im Frühjahr 2015 war ich zum ersten Mal dort – und habe mich unsterblich in dieses Land verliebt.

Anne Colwey: Neuseeland könnte ich immer wieder bereisen, ebenso Frankreich und Italien. Neugierig bin ich auf Japan, Australien und Kanada.

Cazze: Nach Orlando in die Universal-Studios (Harry Potter Wizarding World)

Lesungen – DOs and DON’Ts (Anne Danck)

Auf der Buch Berlin war ich** auch einen Tag als Messehelfer dabei und habe mir zehn Stunden lang Lesungen angehört. Dabei konnte ich als Zuhörer eine ganze Liste an Dingen von DOs und DON’Ts

zusammentragen. Im Folgenden habe ich versucht, sie in verschiedene Kategorien zu sortieren: ein paar allgemeine Anmerkungen, der Einleitung, der Wahl der Textausschnitte und der Vortragsweise. (Und ja, all das ist mir im Verlauf des Tages tatsächlich so untergekommen.)

Volles Haus auf der Buch Berlin (Foto: Ela Schnittke)

Allgemein

DO

Vor allem, wenn man sich auf einer Messe befindet (und es daher nicht nur die eigene Lesung gibt), ist es praktisch, ein unverwechselbares Wiedererkennungsmerkmal zu haben. Beispiel: auffällige Bluse, Hut, Kopfschmuck… Tutu 😉 Damit kann man dann auch nach der Lesung auch super noch am Stand wiedergefunden werden.

DO

Wenn man kann, sollte man aus seinem Buch lesen, es sichtbar auf dem Tisch ausstellen oder das Coverbild an die Wand werfen. So hat der Zuhörer es die ganze Zeit vor Augen und wird sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch noch nach der Lesung daran erinnern. (In dem Zusammenhang ist ein großer, einprägsamer Titel oder Autorenname vermutlich zusätzlich hilfreich.)

DO

Bei einer Lesung von 30 min (wie es auf der Buch Berlin der Fall war) sollte man einige Minuten am Schluss für Fragen einplanen. Wenn man die Lesung spannend genug macht, sollten danach nämlich automatisch einige kommen. Falls man jedoch eine gewisse „Anfangsschüchternheit“ der Zuhörer fürchtet, könnte man einen „Vorfrager“ im Publikum installieren. Oder aber man stellt dem Publikum seinerseits eine Frage. Wenn nach dieser Brücke jedoch immer noch keine Fragen kommen… Sagen wir es so: Ich würde die nächste Lesung dann vielleicht anders konzipieren. Schließlich sollte der Hörer doch nach der Lesung vor Fragen zur Geschichte nur so brennen, oder?

DO

Wasser zum Zwischentrinken parat haben. (Nervosität macht automatisch einen trockenen Hals. Man wird es brauchen!)

DON’T

Nur Sprudelwasser zum Zwischentrinken parat haben. Anscheinend bringt einen das auch während der Lesung zum Sprudeln.

DON’T

Aus einer Wasserflasche trinken. Glas wirkt viel besser. Außerdem schraubt man dann nicht ständig die Flasche auf oder zu. Oder kommt auf die Idee mit der Flasche in der Hand gestikulieren zu wollen. Und das macht nicht den passendsten Eindruck, wenn man gerade über epische Fantasy reden will.

Unsere Nornen Ela Schnittke und Janna Ruth auf der Buch Berlin (Foto: Janna Ruth)

Einleitung

DO

Den Titel des Buches nennen und am besten auch den eigenen Namen. Außerdem sollte man eine kurze Einleitung zum Buch geben. Wenn man nicht weiß, wie man sie gestalten soll, dann am besten den Klappentext vorlesen. Auf jeden Fall braucht der Zuhörer irgendeine Vorstellung von Genre, Setting, Plot, denn diese Informationen bekommt er normalerweise über den Einband des Buches, bevor man das Buch aufschlägt.

DO

Sich auf einer Messe von jemandem vorstellen lassen, statt sich selbst vorzustellen. Das wirkt automatisch professioneller. (Da kann man auch die beste Freundin hinstellen – solange diejenige es mit der passenden Miene durchzieht, wird das niemand merken… 😉 )

DON’T

Die Zielgruppe weder direkt noch indirekt durchklingen lassen, bevor man den ersten Textausschnitt vorliest. Sonst erwartet der Zuhörer womöglich High Fantasy für Erwachsene und wundert sich minutenlang über Einfachheit von Sprachstil und Handlung… bis er erfährt, dass es auf eine ganz andere Zielgruppe abzielt, weil der Protagonist erst 15 Jahre alt ist. (Oder andersherum: Wenn Kinder in der Lesung sitzen und es sich erst später herausstellt, dass es doch etwas brutaler zur Sache geht als gedacht.)

Textausschnitte

…sind immer ein kniffliges Thema. Deswegen hier keine ausschließenden DOs, sondern lediglich ein paar verschiedene Varianten, wie man sie handhaben könnte:

DO

Mit Anfang beginnen, denn der sollte den Zuhörer schließlich am besten in die Geschichte einführen können.

DO

Nicht mit dem Anfang beginnen, falls dieser in einer Leseprobe enthalten ist. Womöglich kennt der Zuhörer diese schon und hat so sonst das Gefühl, nichts Neues geboten zu bekommen.

DO

Eine Szene wählen, die den Kernkonflikt durchklingen lässt. Denn der ist schließlich der Grund, warum der Zuhörer später das Buch kaufen will.

DO

Wenn man zwei Hauptpersonen hat, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, jeweils eine Szene aus der einen und der anderen Sicht vorstellen. Vor allem, wenn deren Denkweise und Ansichten sehr unterschiedlich sind, ist das sehr wirkungsvoll.

DON’T

Eine Szene ohne jeglichen Konflikt vortragen. Einzige Ausnahme: Diese Szene erklärt, was das Einzigartige an der Geschichte ist. (Aber eigentlich sollte das ja mit einem Konflikt zusammenhängen.)

DON’T

Zu viel preisgeben. Wenn man schon die ganze Handlung verrät, warum sollte man dann das Buch noch lesen? Das geht natürlich trotzdem, aber dann muss das Wie es dann im Detail passiert fesselnd genug sein.

DON’T

Zu wenig preisgeben und zum Beispiel nur den Prolog vorstellen, weil man noch nicht so viel über den Rest verraten will. Aber… nun ja, dann weiß der Zuhörer zu wenig über den Rest. Und warum sollte er das Buch dann kaufen ohne die Handlung auch nur ansatzweise erahnen zu können? Dann muss man schon einen wirklich beeindruckenden Schreibstil haben.

Auch unsere Norne Stella Delaney war auf der BuchBerlin (Foto: Stella Delaney)

Vortragsweise

DON’T

So hart es klingt: Wenn man zu nervös zum Lesen ist oder undeutlich spricht, dann sollte man vielleicht nicht selbst lesen, sondern jemand anderen darum bitten. Manchmal ist man dann eben nur der Songwriter und nicht der Sänger sozusagen. Aber es ist eben schade um einen Text, der einfach aus akustischen Gründen nicht ankommt.

DO

Lieber natürlich und sympathisch wirken als aufgesetzt professionell. Gerade bei Fantasy sollte man sehr aufpassen, dass man nicht ins Künstliche rutscht. Aber was einen Zuhörer wirklich zum anschließenden Kauf bringt, ist schließlich nicht wie selbstüberzeugt der Autor herüberkam, sondern wie gut er eine Verbindung zum Leser aufbauen konnte. Und Sympathie kann da sehr viel bewirken. (Auch, dass man das Buch kauft, ohne es zu wirklich lesen zu wollen, einfach nur, weil man den Autor so interessant fand.)

DON’T

Den Einleitungstext oder Überleitungstext zwischen den Szenen ablesen (Ausnahme: Klappentext). Das wirkt dann als würde man das eigene Buch nicht kennen. Deswegen hier besser auch nicht etwas Auswendiggelerntes runterspulen, sondern einfach… erzählen. Und falls man sich unsicher ist und das Gefühl hat, andernfalls etwas zu vergessen, dann helfen Stichpunkte – aber eben keine ausformulierten Sätze.

DO

Gut organisiert sein.

DON’T

Diese Organisation während des Sprechens vornehmen. Also nicht schon während des Vortragens die Sachen zusammenpacken, als wäre man schon mit einem Fuß aus der Tür.

DO

Laut und deutlich sprechen. Es ist nicht die Gute-Nacht-Geschichte für das angekuschelte Kind, sondern ein Vortrag und den muss man überall hören können.

DON’T

So laut und deutlich sprechen, dass es schon wieder verstörend wirkt.

DO

Nicht zu schnell sprechen.

DON‘T

So langsam sprechen und dabei einzelne Wörter so betonen, dass es sich wie eine Predigt anhört. Der Zuhörer möchte unterhalten und nicht zum Kauf des Buches bekehrt werden.

DO

Es kann die Atmung und die laute Sprechweise erleichtern, wenn man zum Vorlesen steht.

DON’T

Wenn man steht, sollte man aber nicht herumhampeln – sprich von einen Fuß auf den anderen treten oder sogar vorwärts und rückwärts gehen.

DO

Den Text so sicher beherrschen, dass man ihn auch auswendig kann. (Hey, das ist beeindruckend!)

DON’T

Den Text so sicher beherrschen, dass man während des Auswendigaufsagens mit den Blättern  herumfuchteln kann.

DO

Zwischendurch Blickkontakt mit dem Publikum suchen. Dann sieht man auch, ob noch alle geistig anwesend sind.

DON’T

Den Blickkontakt solange aufrechterhalten, dass sich der Zuhörer niedergestarrt fühlt.

Ich hoffe, ihr fandet die Liste hilfreich. Natürlich kann sie gerne unten in den Kommentaren ergänzt werden. 😉

 

** Autorin des Artikels ist Anne Danck

Nornengestöber und Adventskalender

Willkommen bei der letzten Stöberrunde für ein paar Wochen. Keine Angst, wir kommen wieder und pausieren nur. Denn ab sofort könnt ihr Sonntags alle geöffneten Türchen unseres Adventskalenders, der täglich auf Facebook eine Überraschung für euch bereit hat, kennenlernen. Darum dreht sich heute auch alles um Adventskalender und wo sie zu finden sind.

Anne Zandt aka Poisonpainter hat sich mit einigen Autoren zusammengeschlossen und einen Blogroman geschrieben, den ihr nun in praktischen Häppchen bis Weihnachten genießen könnt. Weihnachtsmänner, Rentiere, Norwegen und eine Geschichte um Liebe, Angst, Depression und Zusammenhalt. Ho ho ho.

Auch bei Sophie Fawn könnt ihr täglich auf der Facebookseite vorbeischauen und jeden Tag einen tollen Preis gewinnen. Viele Autoren haben mitgemacht und verstecken sich mit ihren Büchern hinter den Türchen. Da ist auf jeden Fall für jede und jeden etwas dabei.

Der Bücherstadtkurier hat einen literarischen Adventskalender auf die Beine gestellt und versorgt euch täglich mit einem Leseschmankerl. Oh du süße Weihnachtszeit.

Beim Tintenhain von Mona könnt ihr ebenfalls jeden Tag vorbeischauen und einen buchigen Preis gewinnen. Ob klein, ob groß, ob jung, ob alt. Jeder kann sich hier freuen.

Ähnlich ist es bei Eva-Maria Obermann aka Variemaa, die auf ihrem Buchblog mit spannenden Themen, Rezensionen und weihnachtlichen Interviews aufwartet und jeden Tag einen tollen Gewinn bereit hält.
Bei so viel weihnachtlicher Vorfreude fühlen wir uns jedenfalls schon ganz inspiriert. Und damit ihr davon etwas abbekommt könnt ihr auf unserer Facebookseite jeden Tag einen tollen Drabble von einer unserer Nornen lesen. Für alle, die der Plattform lieber fern bleiben kommen hier die ersten drei 100-Wortgeschichten. Viel Spaß damit 🙂
Beste Freunde (June Is)

 

„Sag mir, was los ist“, drängte Wirnabo seinen gleichaltrigen Spielkameraden seit einer Stunde zum Sprechen.
„Du weißt genau, was los ist“, gab Benji leise zurück.
Wirnabo nahm eine Trotzpose ein. „Nein, weiß ich nicht. Außer, dass du nicht mehr mit mir sprichst. Was habe ich falsch gemacht?“
Nun schniefte Benji. „Nichts, aber …“
„Aber? Irgendetwas hast du doch.“
Langsam drehte Benji seinen Kopf in Richtung Zimmerausgang.
Wirnabos Blick folgte.
Obwohl sie für ihren Sohn hinter der Tür nicht sichtbar waren, konnte Benji die Anwesenheit seiner Eltern spüren.
Er hörte seinen Vater seufzen. „Er spricht doch wieder mit dem Unsichtbaren, Margret.“

Geschwister (Jana Jeworreck alias Moira)

Es war dunkel, kalt. Wütender Wind. Sie liefen zu Tausenden über die weite Fläche. Er sah sich nach seinen Geschwistern um.
Viele von ihnen rannten ebenfalls, doch andere verharrten auch in Schockstarre, darauf wartend, mitgenommen zu werden. Wenn der Wind kam, brachte er mehr von ihnen, schleuderte sie gegen den Widerstand, zerschlug sie, ließ keinen, wie er war. Der Große fragte sich, wann wohl sein Ende kommen würde.
Er griff sich einige seiner verängstigten Geschwister, umschlang sie schützend mit seiner dünnen Hülle, rannte, wie vom Teufel verfolgt, die Scheibe hinab. Er war der Schnellste und Größte der Tropfen – Aufschlag!

Kleider machen Leute (Elenor Avelle, von der auch die zauberhaften Grafiken zu unserem Kalender stammen)

Die Burgbewohner warfen neugierige Blicke herüber, besahen sich den Rock und machten sich ihre Gedanken. Dem Schmied erschien er zu kurz. Man konnte die Knie sehen, beim Bücken beinahe den Hintern.
Die Magd fragte sich, was wohl darunter steckte. Vielleicht nichts, denn so hieß es doch, dass solche wie diese nichts drunter trugen.
Der Ritter fand den Aufzug ganz und gar unangemessen. Solche Kleidung hatte er hier noch nicht gesehen. Die Frauen trugen Röcke bis zum Knöchel, die Männer Beinkleider.
„Ist euch nicht kalt?“, fragt ein kleiner Junge.
„Ein bisschen frisch bei euch“, sagte der Schotte. „Aber das geht schon.“

Und weil es der erste Advent ist, decken wir euch dazu doppelt ein;-)

Lebkuchen City (Diandra Linnemann)

Aus dem winterlichen Wald heraus beobachtet sie heimlich das Treiben. Eine glitzernde, dampfende Stadt steht jetzt dort, wo sie ihre Hütte gebaut hatte. Von überall kommen sie. Sie werden erwartet, umhegt, vorbereitet. Der Duft verzaubert sie, bis es zu spät ist.
„Think big“, hatten sie ihr gesagt, als sie den Vertrag unterschrieb. Nicht mehr nur für das eigene leibliche Wohl sollte sie sorgen. Man müsse nur anbauen. Umdisponieren. Und jetzt fahren LKW von der Fabrik auf der anderen Seite der Stadt ins ganze Land. Hier riecht es nicht nach Zimt und Nelken.
Plakate werben: Frisch auf den Tisch.
Saftige Weihnachtsbraten.