Fantasy und Trauma (Paula Roose)

Traumata in Märchen haben eine lange Tradition. Schon von Alters her haben Menschen fantastische Geschichten genutzt, um schwierige Seelenlagen zu beschreiben.

Ein Trauma ist eine Verletzung durch Gewalteinwirkung, im Körper genauso wie in der Seele. Mit dem Unterschied, dass man ein körperliches Trauma von außen sehen kann. Wer in einem Unfall einen Arm verliert, muss nicht um Hilfe kämpfen. Er wird versorgt, bekommt Mitgefühl und auch eine Würdigung seines Leides. Er muss nicht erklären, warum er nicht mehr klatschen kann.

Das Leid eines seelischen Traumas ist nicht sofort sichtbar. Der Betroffene zieht sich zurück und seine Mitmenschen denken, er braucht Ruhe. Er vermeidet gewisse Dinge, vielleicht öffentliche Plätze oder Autofahrten und auch hier denkt sich niemand etwas dabei. Er schläft schlecht, zittert, hat Albträume … ja, und da wissen Angehörige und Freunde auch oft nicht, was sie tun sollen. Die Hilflosigkeit dem Erlebten gegenüber ist bei Opfern und ihrem Umfeld oft gleichermaßen vorhanden. Wer Opfer von seelischer Gewalt wurde, landet häufig auf Klinik- oder Therapiewartelisten und wird mit seinem Schmerz alleingelassen.

Beide haben vielleicht gemeinsam, dass sie nicht über das Erlebte sprechen können. Der eine muss es auch nicht, weil man es ihm ansieht. Dem anderen bleiben Hilfe und Würdigung seines Leides dadurch versagt.

Fantasy eignet sich oft gut als Chiffre für Traumata (Grafik: Elenor Avelle)

Trauma im Märchen

Sprache finden für das Unaussprechliche. Darum geht es in Märchen. Was die Seele nicht in Worte fassen kann, gelingt in Bildern. Und diese Bilder schenken Verstehen und wurden schon immer dazu gebraucht, Ungeheuerlichkeiten auszusprechen.

So erzählt das Märchen »Allerleirau« von sexuellem Missbrauch, »Der Mann im Eisenofen« beschreibt einen Narzissten, »Der Teufel mit den drei goldenen Haaren« innerpsychische Konflikte. Sehr deutlich wird es bei »Rumpelstilzchen«, in dem Unmenschliches von der Müllerstochter verlangt wird, sie es nur mit übernatürlicher Hilfe bewältigen kann und das Problem erst behoben wird, nachdem es beim Namen genannt wurde. Aber auch jüngere Literatur greift das Thema auf, »Harry Potter« z.B. beschreibt Merkmale der posttraumatischen Belastungsstörung sowie deren Bewältigung, und auch Frodo leidet zum Ende »Der Herr der Ringe« unter einer PTBS.

Ich* selbst habe in einem Roman häusliche Gewalt zum Thema gemacht. Entstanden ist er, als ich einen Betroffenen fragte, ob ich mir das so vorstellen müsse: Der Vater ein Drache, die Mutter ein Bär, und immer der Geruch von verbranntem Bärenfell in der Luft? Das Bild traf es in seinen Augen genau und wurde zur Geburtsstunde von Drachentau. Die Umwege über Bilder leisten das, was Betroffene nicht zu tun vermögen: Sie sprechen das Unaussprechliche aus und machen es für Außenstehende fühlbar. Wie furchtbar, denkt jemand, der eine bildhafte Szene liest, eher, als wenn er es real erzählt bekommt, vielleicht noch mit tonloser Stimme, weil der Betroffene nicht anders kann.

Paula Rooses Fantasyroman Drachentau

Verarbeitung durch Perspektivwechsel

Aber Märchen und Bildsprache leisten noch mehr. Sie ermöglichen Lesern, Distanz zur Geschichte zu bewahren, selbst zu bestimmen, wie nah sie das Geschehen an sich herankommen lassen möchten. Real erzählt wären Traumageschichten für Betroffene kaum lesbar. Es würde das Erlebte zu sehr wieder wachrufen, sie triggern. Im Fantasygewand ist es im Zweifelsfall eben nur eine erfundene Geschichte, die ich wieder ins Regal stellen kann.

Traumata sind Teil unseres Lebens, ob wir wollen oder nicht. Fast jeder hat schon mal etwas Schlimmes erlebt oder kennt jemandem, dem etwas passiert ist. Mich beeindruckt, dass Bilder, die das Geschehene beschreiben, oft von ganz alleine kommen. Ich denke, das ist auch der Grund, warum sie so universell funktionieren. Es gibt eine Sprache, die jeder versteht, die in besonderer Weise Mitfühlen möglich macht. Die Bildsprache. Ein kinästhetisches Prinzip sagt, wenn die Last zu schwer ist, musst du den Weg verlängern. Märchenbilder verschaffen uns diese Umwege, lassen uns die Last in kleineren Portionen auf die andere Seite bringen, im besten Fall ins Verstehen.

Und noch etwas leistet Fantasy. Wenn das Leid am größten ist, die Lage aussichtslos, der Tod unausweichlich, lässt sich Hilfe durch Magie herbeirufen. Sie beflügelt die Fantasie, nimmt der Schärfe die Spitze, schafft Auswege in Sackgassen. Das tut der Seele gut und kann ein heilsames Potential entfalten. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum ich das Fantasygenre für meine Traumageschichten gewählt habe. Der Drache ist zu Staub zerfallen, die Eishexe im ewigen Feuer verbrannt. Und ein kleines bisschen Magie trägt jeder in sich. Das behaupte ich jetzt einfach mal.

 *Autorin des Beitrags ist Paula Roose

(Quellen: Hans-Peter Röhr »Narzissmus, das innere Gefängnis«, »Vom Glück, sich selbst zu lieben«, »Ich traue meiner Wahrnehmung«; Verena Kast »Abschied von der Opferrolle«)

Der nornige Adventskalender steht vor der Tür

Hohoho, nein, halt, Moment. So weit waren wir noch nicht. Also nochmal auf Anfang.

Am ersten Dezember startet unser Adventskalender. Jeden Tag könnt ihr auf unserer Facebookseite einen Drabble (eine Kurzgeschichte mit genau 100 Worten) lesen, den eine unserer Nornen geschrieben hat. Mal wird es dabei fantastisch, mal gruselig oder auch weihnachtlich. Nein, nicht jede unserer Geschichte wird vor Magie sprühen, aber alle werden euch überraschen, Blickwinkel erweitern, Perspektiven eröffnen, die vorher nicht da waren. Absichtlich wollen wir damit nicht „nur“ Weihnachtsstimmung verbreiten, denn auch unsere Leser*innen sind vielfältig und vielleicht gar nicht an Christkind oder Weihnachtsmann interessiert.

Kurz ein Universum schaffen

Dass ein Text nicht lang sein muss, um Botschaft und Emotion zu vermitteln, ist nichts Neues. Ernes Hemingway, so eine bekannte Anekdote, wettete einst, dass er in nur sechs Worten eine vollständige Geschichte erzählen könnte. „For Sale: Baby shoes, never worn“ erzählt ein tragisches Schicksal, sechs Worte, die rühren und ein Universum mit sich bringen. Auch in Romanen ist es wichtig, auf den Punk zu kommen, Spannung aufzubauen und dann den Leser doch immer zu überraschen. Drabbles sind dafür nicht nur eine gute Schreibübung, sondern Kürztgeschichten, die Leser mit wenigen Worten in den Bann ziehen, Erwartungen wecken, zum Nachdenken anregen und darum Autorin wie Lesern Spaß machen.

An den Adventssonntagen könnt ihr die bisherigen Drabbles hier auf dem Nornenblog nachlesen. Wir wissen, nicht alle Leser*innen sind auf Facebook zu finden und so habt ihr ein extra Schmankerl, wenn ihr euch Sonntags ausruht und bei uns reinschaut. Schon jetzt möchte ich** mich aber bei allen Nornen bedanken, die mitgemacht haben. Der Kniff des Drabbles ist die Pointe im letzten Satz, die alles ändert. Tausend Dank an meine lieben Kolleginnen, den Eifer, die Worte und die Begeisterung. Unser Netzwerk ist ein junges, aber das Engagement ist groß.

Ich freue mich sehr auf eure großartigen Texte, wir werden 24 Mal Leser damit bewegen, ich weiß es. Freut euch mit mir auf den Dezember und den nornigen Adventskalender.

**Autorin des Textes ist Eva-Maria Obermann

Fragefreitag: Welche Bilder zeigt dein Kalender?

Willkommen beim Fragefreitag im Nornennetz. Hier beantworten unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Natalie Winter: Frösche.

Esther Wagner alias Kirana: Familienfotos. Mein Papa hat mir den Kalender gebastelt <3

Ella Boulaich: Den male ich jede Woche selbst bunt an. Ist ein Bujo. Manchmal klebe ich einen Spruch oder eine Postkarte hinein.

Jana Jeworreck alias Moira: einen Baum auf einem weiten Lavendelfeld

Michelle Janßen: Ich habe ein BuJo bei dem ich monatlich das Thema wechsele (aktuell ist es Tee und Bücher) und den Kalender dementsprechend gestalte. Ansonsten hängt noch ein Jahreskalender über dem Schreibtisch auf dem meine Freunde und Freundinnen motiviertende Sprüche geschrieben haben. So einen bekomme ich jedes Jahr.

Karin (e.) Novotny alias EmmaN: Doctor Who, und ab übermorgen endlich den 10ten Doctor 🙂

Susann Julieva: Die Avengers. Den hat mir eine Leserin selbst gebastelt, weil ich Marvel so liebe und ich finde ihn Bombe! Der wird auch noch weitere Jahre da hängen.

Babsi alias BluesirenEine Collage von Fotos vom Erstiwochenende mit meinen besten Freundinnen

Eva-Maria Obermann alias Variemaa: Dieses Jahr habe ich einen Harry Potter Kalender über dem Schreibtisch hängen, mein Mann einen Star Wars. Ich sehe beim Schreiben beide und beide wurden uns geschenkt. Normalerweise haben wir nur einen selbstgestalteten Familienkalender, einen gemeinsamen digitalen und ich habe zusätzlich ein Bullet Journal.

Diandra Linnemann: In meinem Büro zuhause hängt ein „Zauber der Wälder“-Kalender mit märchenhaften Baum- und Waldmotiven. Den hatte ich in den letzten Jahren immer, und nächstes Jahr hoffentlich auch wieder.

Jasmin Engel: Schweinchen 🙂

June Is: Schottland

Ankündigung: Die Nornen auf der LBM (J.M.H. Reichert)

Jeder Buchmensch weiß, was hinter dem Kürzel „LBM“ steckt. Die Buchmesse in Leipzig ist in jedem Jahr das erste große Branchentreffen des Buchmarktes. Die nächste findet vom 15. bis 18. März 2018 statt – und sie bekommt Besuch vom Nornennetzwerk.

Wir haben uns viel vorgenommen und das hochgesteckte Ziel angestrebt, unser Netzwerk als Teil der Aussteller zu präsentieren. Die Vorbereitungen laufen und wir haben uns viel für Euch einfallen lassen. Nicht nur einen Stand der Nornen wird es geben, sondern auch einige Überraschungen von unseren Autorinnen. Auf unsere Besucher warten Verlosungen und Lesungen, feinste Goodies und noch mehr nornige Hingucker.

Und wir haben noch mehr: Im Rahmen der „Leipzig liest“ planen wir eine Diskussionsrunde zum Thema „Das Nornennetz – starke Frauen in der Phantastik“. Wir wollen darüber sprechen, in wieweit die Geschlechter-Stereotypen sowohl Frauen als auch Männer auf dem literarischen Markt behindern – sei es wegen unterschiedlicher Bezahlung und Präsenz oder weil gewisse Genre nur einem der beiden Geschlechter „zugetraut“ werden. Dieses Thema betrifft sowohl Autorinnen und Autoren, als auch Leserinnen und Leser. Jeder ist zum Mitreflektieren und -diskutieren eingeladen. Denn das macht das Netzwerk aus: Wir wollen Frauen, die im Bereich der Fantastik schreiben, mehr Gehör und Fairness verschaffen.

Das Nornennetzwerk wurde gegründet, um gezielt deutschsprachige Autorinnen in der Fantastik zu fördern und zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen, gemeinsam Projekte in Gang zu bringen und vielleicht auch die Welt zu verbessern. Doch das Netzwerk steht vor allem auch für Toleranz. In dem Sinne freuen wir uns über Besuch von Jung und Alt, klein und groß, Mensch, Ork oder Gestaltenwandler. Auf dass wir unsere Netze auch auf der Leipziger Buchmesse spinnen können.

 Über die Nornen-Aktivitäten zur Buchmesse informieren wir euch in den Sozialen Medien über den Hashtag #NNLBM. Mit dem Fortschreiten unserer Organisation, präsentieren wir auch weitere Informationen über unseren Blog, über Twitter, Facebook und Instagram.

 

(Autorin des Beitrags ist J.M.H. Reichert)

Inspirierende Frauen – Inspiration in Alltagsheldinnen finden (Michelle Janßen)

Inspiration ist ein wichtiger Part im Leben einer jeden Schriftstellerin*. Doch wo findet man Inspiration in der heutigen Welt? Wo bekommen wir diesen Kick, der uns weiter vorantreibt, wenn wir denken wir haben unser Limit erreicht?

In den letzten Wochen haben wir auf diesem Blog über Inspiration durch Frauen aus der Vergangenheit und aus der Literatur gesprochen. Heute beschäftigen wir uns mit der Gegenwart. Doch obwohl es viele bekannte Autorinnen gibt, die als Inspirationsquelle dienen können und es mehr starke Frauenfiguren denn je in den Medien gibt, soll es heute um etwas kleineres gehen. Etwas alltägliches.

Inspiration in den Frauen um uns herum. Denn auch, wenn wir alle gerne zu unseren Bücherheldinnen und Lieblingsautorinnen aufschauen, uns an ihnen messen und aus ihnen schöpfen, so sind es doch die Alltagsheldinnen die letztendlich am meisten Einfluss üben.

Sei es nun die eigene Mutter oder die Großmutter, deren Leben uns anhält politisch wach zu bleiben und zu schreiben oder das Kind, für das wir Kinderbücher erschaffen, so magisch wie die Kindheit selbst. Sei es die beste Freundin, die Arbeitskollegin oder – wie in unserem Fall – ein ganzes Netzwerk voller wunderbarer, fantastischer Frauen.

Woher, wenn nicht aus dem Umgang mit den Menschen um uns, schöpfen wir Inspiration? Woher, wenn nicht aus den Frauen, die unser Leben täglich bestimmen?

Ich** persönlich erhalte sehr viel meiner Inspiration aus meinem Freundeskreis. Ich habe das Glück, dass ich viele starke Frauen* mit wundervollen Persönlichkeiten kennen darf. Manche sind schon Mutter geworden, als ich noch nicht mal wusste, was ich studieren möchte. Andere sind so selbstbestimmt, dass manche Männer Angst vor ihnen haben und wieder andere schreiben selbst und lassen sich – wenn ich ganz viel Glück habe – auf gemeinsame Schreibstunden ein, in denen ich vor Inspiration nur so strotze.

Diese Frauen zu finden ist die Aufgabe, welche wir vom Nornennetzwerk euch heute geben. Sehr euch in eurem Leben um und wenn ihr sie seht, sagt danke. Denn was wären wir, ohne die Alltagsheldinnen unserer Inspiration.

**Autorin des Beitrags ist Michelle Janßen

Nornengestöber – 12.11.2017

Perfektes Wetter für einen ausgiebigen Stöbertag. Wir zeigen euch heute tolle Rezensionen zu fantastischen Bücher und Autorinnen, einen Adventskalendernotruf und ein paar Fragen, die uns im Nornennetz immer wieder beschäftigt.

Auf Lieblingsleseplatz wurde Murphy – Rache ist süß von Nicole Godzek besprochen und hat auch uns neugierig gemacht. Chaosmagie, ein etwas schräger Stil, eine fesselnde Handlung. Danke an Verena für die Rezension!

Für alle Blogger hat die Bücherkrähe Mareike eine tolle Lösung gefunden, sich zu organisieren, da sie nicht nur ein „normales“ Bullet Journal führt, sondern speziell eines für den Blog, das sie hier zeigt. Danke Mareike!

Gerade gegen Weihnachten merken viele von uns (seien wir mal ehrlich), dass wir eine Auszeit brauchen. Im November sind wir schon wegen des NaNoWriMos weniger aktiv unterwegs, aber Switch off, das Janina von Kapriziös vorstellt, bietet ein zwei Wochen Programm, zum Abschalten und Loslassen der digitalen Welt. Danke für die sehr reflektierte Rezension an Janine!

Aktuell läuft noch die Comiclesechallenge. Endlich mal ein paar Leseaufgaben für Comicbuchleser. Dass es gar nicht so einfach ist, an gute Comics und Graphic Novels zu kommen, wenn man nicht gerade in der Nähe eines Comicbuchladens wohnt, zeigt Eva auf ihrem Buchblog Schreibtrieb.

Wie lange braucht eine Geschichte zum Wachsen? Eine Frage, die wir nicht nur uns selbst oft stellen, sondern eine, die auch in abgewandelter Form in so gut wie jedem Interview auftaucht. Norne Diandra Linnemann hat sich auf ihrem Blog Gedanken dazu gemacht.

Es geht Richtung Weihnachten. Höchste Zeit zwischen den Worten für den NaNo an Weihnachtsgeschenke zu denken. Bei Steffi von Angeltearz liest gibt es aktuell einen tollen Geschenktipp, mit Gewinnspiel!

Unsere Norne Anne Zandt aka Poisonpainter hat dabei ein Problem. Eine fiese Erkrankung lässt sie nicht an ihrem Blog-Adventskalender arbeiten. Darum hat sie einen Hilferuf gestartet. Noch sind Plätze frei, gesucht werden Mitautoren, mehr dazu auf ihrem Blog.

 

Fragefreitag: Spielt der Herbst in deinen Büchern eine Rolle? Wenn ja, welche?

Willkommen beim Fragefreitag im Nornennetz. Hier beantworten unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Spielt Herbst in deinen Büchern eine Rolle? Wenn ja, welche?

Jana Jeworreck alias Moira: Ja, auch wenn die Jahreszeit nicht direkt benannt wird. Es ist die Zeit des Vergehens. Man könnte auch von der Schönheit des Sterbens sprechen. Es wird dunkler und kälter. Zugleich rücken aber auch Menschen näher zusammen.

Elenor Avelle: Wetter spielt in meinen Geschichten eine große Rolle. Ich finde die emotionale Wirkung auf die Stimmung sagenhaft. Das raschelnde Laub – die mystische Vorstellung des Todes, der stürmische Wind – Fernweh und das Unbekannte, die kahlen Bäume – Trostlosigkeit mit der Hoffnung auf den Neuanfang.

Babsi alias Bluesiren: Ja, meine Geschichte spielt im Herbst!

EmmaN alias Karin (e.) Novotny: Ja, mehr Regen und mehr Kälte heißt, dass meine Protas öfter mal vor dem Kamin sitzen und reden, oder früh zu Bett gehen und reden – und das haben die dringend nötig!

Susann Julieva: Ja! Meine Lieblingsjahreszeit spielt ziemlich oft eine Rolle. Sie hat einfach eine wunderbare Atmosphäre, mal traumhaft schön, mal nebelig-gruselig.

Elea Brandt Meine letzten Projekte spielten vor allem in Regionen, in denen es keinen typischen Herbst gibt – dabei LIEBE ich diese Jahreszeit. Meine nächste VÖ, „Unter einem Banner“ spielt deswegen nur im Herbst. Rot-goldene Wälder, Pfützen auf der Straße, Nebel über den Wiesen … wunderschön!

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ja, oft. In „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ erlebt Dora den Übergang von Herbst zu Winter, auch in anderen Büchern kommt Herbst immer wieder bei mir vor. In einem Projekt habe ich ihn sogar personifiziert und natürlich kommt er in meinen Gedichten vor. Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit, weil er bunt und stark ist.

Diandra Linnemann: Die „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe findet im Verlauf eines Jahres statt und beginnt UND endet zu Samhain, was im Oktober oder November liegt. Von daher – definitiv. Außerdem ist der Herbst meine liebste Jahreszeit – der Nebel, der Wald, das Laub, Drachensteigen, heiße Schokolade, Regen, Tee, Lichterfeste, …

Jasmin Engel: Es ist meine Lieblings-Jahreszeit und ich lasse viele Szenen darin spielen, aber nie einen ganzer Roman oder Novelle ausschließlich im Herbst.

Liebe in fantastischen Zeiten (Diandra Linnemann)

Meine Testleserin war ganz heiß: „Wie süß! Kriegen Andrea und Sven sich am Ende?“
Ich**, hingegen, war ganz irritiert. Eine Liebesgeschichte in meinem humorvollen fastapokalyptischen Tentakelroman? So etwas war mir gar nicht in den Sinn gekommen. Obwohl die Protagonistin Andrea den Spitznamen „die Lüsterne“ trägt. Und obwohl an Liebe eigentlich gar nichts schlimm ist.
Weitere Leser stellten ähnliche Fragen. Sie brachten gute Argumente. Wenn ich einen ChicLit-Fantasy-Roman schreiben wolle, müsse ich mich an die Regeln des Genres halten. Außerdem sei Sven doch so sympathisch!

Diandra Linnemanns Roman Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes

Und überhaupt, hätte Andrea denn nicht ein wenig Liebe verdient?

Eigentlich schreibe ich eher magielastige Urban-Fantasy-Romane, und meine Protagonistin befindet sich auch in einer recht glücklichen Beziehung. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass das nicht die Voraussetzung für einen gelungenen Roman ist. Ich finde, eine romantische Beziehung muss zur Geschichte passen – oder besser noch: Alles viel komplizierter machen! – und sollte nicht den Platz eines vernünftigen Lebenszweckes einnehmen. Es kotzt mich, mit Verlaub, an, wenn die eh schon unglaublich perfekte Protagonistin erst durch den passenden Mann an ihrer Seite endlich die notwendige soziale Aufwertung erfährt, oder wenn sich das hässliche Entlein pünktlich zum dritten Akt in den wunderschönen Schwan verwandelt, um dem Prinzen gerecht zu werden. Habt ihr eigentlich nichts Besseres zu tun?

Durch die komplette Literatur hindurch begegnen uns Frauen, die beinahe ausschließlich über ihre romantischen Beziehungen definiert und wahlweise gerettet oder verdorben werden: Fausts Gretchen, Effie Briest bei Fontane, Elizabeth Bennet in Stolz und Vorurteil. Oft scheint es, als seien Frauen ausschließlich dazu da, geliebt, verführt oder gerettet zu werden, sogar wenn sie eine tragende Rolle spielen.

Und im Fantasybereich sieht es nicht besser aus.

Arwen im Herrn der Ringe mag eine fähige Magierin und Kämpferin sein, aber ihre Hauptbeschäftigung ist es nun einmal, in Aragorn verliebt zu sein. Das ist zwar schön und tragisch, aber nicht besonders nahrhaft. Bei Tad Williams‘ Drachenbeinthron-Saga kann ich mich, ehrlich gesagt, an keine relevante Frauengestalt erinnern. Marion Zimmer Bradley hat zwar in erster Linie hervorragende Frauen geschrieben, aber auch hier kreist ein Großteil der Geschichten um die Liebe und darum, ob eine Frau noch begehrenswert ist oder schon alt. Und sogar Mary Shelley, als sie mit Frankenstein das Genre Science Fiction erfand, hatte für die einzige relevante Frau der Geschichte nur die Rolle der Verlobten des Doktors übrig.

Braucht Fantasy von und über Frauen wirklich Liebe? (Grafik: Elenor Avelle)

Zum Glück ändern sich die Zeiten ja, nicht wahr?

Tja, und da komme ich gelegentlich ins Schleudern. Die Zahl starker Frauencharaktere wächst, wie man unter anderem bei Das Lied von Eis und Feuer oder in der Reihe um die Vampirjägerin Anita Blake der US-Autorin Laurell K. Hamilton lesen kann. Aber auch dort findet ein Großteil der Charakteridentifikation über ihre Beziehungen statt. Fast möchte man den Eindruck haben, als Frau MÜSSE man eine romantische Beziehung haben, um überhaupt die Chance darauf zu haben, in einem Roman als relevant wahrgenommen zu werden.

Einige wenige Gegenbeispiele habe ich zum Glück natürlich auch – sogar wenn die Frauen bei Terry Pratchett beispielsweise romantische Beziehungen haben, so finden diese meistens am Rand der Geschichte statt. In den Büchern von Isabel Allende, die dem magischen Realismus zugeordnet werden, findet Romantik zwar statt, ist aber nur selten das entscheidende Element. Und genau so sollte es meiner Meinung nach sein. Liebe gehört zum Leben dazu. Doch wenn man sie zum zentralen, alles beherrschenden Thema macht, legt man die Latte für Erfolg meiner Meinung nach ziemlich niedrig.

In Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes habe ich das Problem schließlich mit einem Kompromiss gelöst – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Doch ich finde, wenn man die Welt gerettet hat, ist es fast schon Nebensache, ob man anschließend gemeinsam in den Sonnenuntergang reitet. Oder etwa nicht?

 

**Autorin des Beitrags ist Diandra Linnemann. Auf ihrem Blog habt ihr aktuell eine tolle Gewinnmöglichkeit.

Nornengestöber – 05.11.2017

Es wird wieder gemeinsam gestöbert. Heute geht es um Sexismus und Zombies. Außerdem könnt ihr bei einem literarischen Adventskalender mitmachen und Frederike Unger kennen lernen.

Auch wir Nornen sind noch immer schockiert über alles, was bei #metoo ans Licht kam. Wir arbeiten bereits an einem Projekt dazu. Sexuelle Übergriffe beginnen bereits bei Vorurteilen, Vorstellungen und dem Alltagssexismus, der keinesfalls heute von der Bildfläche verschwunden wäre. Die FAZ macht klar, dass in Bewerbungen Frauen gegen Vorurteile einfach nicht ankommen können. Andreas Sator war erschrocken, als er feststellte, dass er in seinem Podcast nur männliche Gäste hatte, weil ihm das Problem vorher nicht aufgefallen war. Und Nina George, Bücherfrau des Jahres, macht klar: Auch in den Medien haben wir ein Sexismus Problem.

Umso schöner, dass 54books eine Autorin vorgestellt hat, Frederike Unger, eine Autorin aus Aufklärung und Romantik – die den Herren ihrer Zeit ganz schön Kritik entgegen gebracht hat. Respekt und danke für das Vorstellen dieser Autorin.

Im Rahmen einer Blogtour für Elenor Avelles neuen Roman Infiziert hat sich BlueSiren Gedanken über Zombies gemacht, die schauerlich wie faszinierend sind.

Schreibmeer hat einen interessanten Beitrag zum Thema Fanfiction in die Weiten den Internets entlassen. Was das eigentlich ist und ob nicht eigentlich alles Geschrieben heute im Grunde Fanfiction ist, macht Spaß zu lesen und gibt Einiges zu denken.

Bereits auf dem Literaturcamp wurde die Idee des Buchlabors geboren. Nun hat eine Gruppe von Bloggern den Gedanken in die Tat umgesetzt. Was das eigentlich ist und wie die Blogger das erste Thema „Geister“ angehen, könnt ihr auf Schreibtrieb und den dort verlinkten Blogs sehen.

Als besonderer Hinweis für alle Autoren haben wir heute den Aufruf des Bücherstadtkuriers für ihren literarischen Adventskalender. Wir sind dann mal schreiben 🙂

Fragefreitag: Was ist der kurioseste Gegenstand auf deinem Schreibtisch?

Willkommen beim Fragefreitag im Nornennetz. Hier beantworten unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Anne Zandt aka Poisonpainter: Wenn mein Beistelltisch als Schreibtisch gilt, dann ist es die viersternige Kristallkugel aus Dragonball, die ich eigentlich mal ins Regal stellen wollte.

Esther Wagner aka Kirana: Eine Son-Goku-Actionfigur, die ich in Tokio gekauft habe. Steht beim Malen hinter meinem Grafiktablet und feuert mich an ^^

Ella Boulaich: Ein einzelnes Walkie Talkie.

Elenor Avelle: Ich habe ein paar kuriose Gegenstände auf meinem Schreibtisch. Meine Laguna-Aaaactionfigur ist mir der liebste (die vielen A sind kein Versehen, sie heißt so). Wahrscheinlich wegen der Geschichte, die zu ihr dazugehört.

Babsi aka BlueSiren: Ein kleiner flauschiger Anhänger der Campus-Cat aus Augsburg, die mir die Chefin des dortigen Quidditch Team zugeschickt hat, weil ich so traurig bin, da es in Bamberg keine Uni-Katze gibt.

Karin (E.) Novotny aka EmmaN: Eine Microsoft Maus, und das vor einem iMAC mit (dauernd verwendetem) TouchPad.

Susann Julieva: Eine kleine Figur des Ohnezahn aus „Drachenzähmen leicht gemacht“.

Katrin Ils: Ein kleiner Plastikdrache, den mir meine Lektorin geschenkt hat. Er hilft mir bei der Kampfszenen-Aufstellung.

Elea Brandt: Eine Sigmund-Freud-Tasse (da sind meine Stifte drin :D)

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ein kleiner Groot, der per Solarenergie anfängt zu wackeln – und manchmal gar nicht mehr aufhören will. Ich habe ihn meinem Mann geschenkt und wir nutzen den gleichen Schreibtich 😉