Schwimmen mit Haien: Leipziger Buchmesse (textflash aka Michaela Stadelmann)

Schwimmen mit Haien: Leipziger BuchmesseEs ist jedes Jahr wieder spannend, Aussteller, Autoren und Besucher in den Messehallen aufeinanderprallen zu sehen. Im Grunde wollen alle nur das eine: Aufmerksamkeit! Doch es scheint, als ob manches Individuum diese Aufmerksamkeit um jeden Preis erzwingen will. Und so sorgen diese Krönchen der Schöpfung für Erinnerungen, von denen ich wohl noch meinen Ururururenkeln berichten werde.

Ich könnte nun stapelweise Beispiele von Begegnungen dieser Gruppierungen loslassen. Andererseits fördere ich damit nicht unbedingt das Verständnis füreinander, denn einer zieht bei solchen Vergleichen immer den Kürzeren.

Deshalb habe ich auch nur einen Tipp für alle: Seid nett zueinander!

Überlebensstrategie auf der Messe? Seid nett 😉 (Foto: Ela Schnittke)

So geht’s:

Sei bereits am Einlass nett. Drängel nicht und schrei vor allem nicht herum. Die anderen Besucher werden es dir danken.
Sei nett zum Messepersonal, das seinen Aufgaben mit großer Begeisterung nachkommt.
Sei nett, auch wenn der andere behauptet, der einzige gute Autor weit und breit zu sein und dein Buch für Müll hält. Solche Leute darfst du ignorieren, Hauptsache, du bleibst höflich.
Sei nett, wenn ein Aussteller sich gerade nicht alle Zeit der Welt für dein Exzerpt, deine Leseprobe, dein Exposé nehmen kann und dir stattdessen einen zerknitterten Verlagsflyer in die Hand drückt. Multitasking ist während der Messe eine ziemliche Herausforderung.
Sei vor allen Dingen so nett und mach dich nicht über die ausgestellten Bücher lustig, auch wenn du „schon seit Jahren in der Branche unterwegs“ bist und „mehr Ahnung hast als der Stümper da!“. Die Bücher hat der Herausgeber in stundenlanger Arbeit mit mehr oder weniger Geschick zusammengestellt. Diese Leistung ist grundsätzlich anzuerkennen.
Sei auch nett, wenn du Kritik anbringen möchtest.
Sei nett, wenn du in der Schlange vor dem Kaffeeausschank stehst und Cosplayer die umliegenden 5 Quadratmeter in ein knallbuntes, kicherndes, kreischendes, audiovisuelles Inferno verwandeln. Sie genießen die Messe auf ihre Art.
Sei nett und hör bei Vorträgen aufmerksam zu, statt mit deinem Nachbarn zu quatschen. Vorn auf dem Podium schwitzt sich nämlich jemand für Besucher wie dich die Seele aus dem Leib. Und die Stühle in den Vortragsbereichen wurden nicht als Ablagefläche für deine geschwollenen Füße aufgestellt.
Sei nett, indem du das Buch, das du dir gerade angeschaut hast, wieder ordentlich ins Regal stellst.
Bleib nett, wenn ein Anbieter deinem Wunsch nach einem kostenlosen Goodie nicht nachkommt. Vielleicht hat er keins, weil er sich keine Goodies leisten konnte. Vielleicht wollte er aber von vornherein nicht so viel Müll produzieren.
Sei weiterhin nett und nimm nicht einfach etwas mit, ohne dafür zu bezahlen. Die Bücher, die ausgestellt werden, haben eine Stange Geld gekostet. Diebstahl wird übrigens von der Messe-Leitung geahndet.
Den Nettigkeits-Höhepunkt erreichst du, wenn du davon absiehst, deinen Müll an Ständen zurückzulassen und auf die Sauberkeit deiner Schuhe achtest, bevor du den Stand betrittst. Zur absoluten Superspitze gehörst du, wenn du nicht mit Essen herumkleckerst und ein Auge auf jüngere Messebesucher in deiner Begleitung hast.

Und last but not least: Sei doch so nett und wechsel ein paar Worte mit den Standbetreibern. Sie haben sich mehrere Monate auf die Messe vorbereitet und brennen darauf, dich kennenzulernen!

Die Nornen findest du übrigens während der Leipziger Buchmesse in Halle 2 an Stand J303.
Wir freuen uns auf Euch!

10 Survival-Tipps für die Leipziger Buchmesse (Nike Leonhard)

Vom 15.-18.03.2018 ist es wieder so weit: Leipzig wird zum Treffpunkt der Buchmenschen und Manga-Begeisterten. Auch wir vom Nornennetz werden mit einem eigenen Stand vertreten sein.
Über die Dinge, die wir uns ausgedacht haben, wird es separate Blogartikel geben. Heute geht es darum, wie man sich optimal auf den Messebesuch vorbereitet und was man unbedingt mitnehmen sollte.

  1. Vorbereitung

Der erste Tipp ist schon in der Einleitung gegeben: Bereite dich vor! Dazu gehört auch, zu überlegen, warum du auf die Messe willst. Es ist etwas anderes, ob du nur Bücher gucken oder ob du auch Leute treffen, Veranstaltungen besuchen willst oder eventuell Werbung für deine eigenen Produkte bzw. Dienstleistungen machen willst. Dementsprechend solltest du deinen Besuch planen.
Besorg dir rechtzeitig ein Programm und streich dir die Veranstaltungen und Stände an, die du unbedingt besuchen möchtest. Plane dabei lieber etwas mehr Zeit ein, denn die Wege zwischen den Veranstaltungen sind manchmal lang. Wenn du sie planst, setzt du dich von vornherein nicht unter Druck – denn so kannst du den Besuch genießen.
Das Gleiche gilt für Treffen mit Verlagen, Kolleg*innen und oder Freund*innen. Gerade wenn du  geschäftlich unterwegs bist, solltest du die Termine vorher vereinbaren. Dabei gilt: Je früher du dich meldest, desto größer ist die Chance, dass du deinen Wunschtermin bekommst.

Ein Besuch der Leipziger Buchmesse will gut geplant sein (Foto: Ela Schnittke)

  1. Schuhe und Blasenpflaster

Lange Wege sind nicht nur ein Zeitfaktor, sondern gehen auch auf die Beine. Daher ist unser nächster Ratschlag, unbedingt gut eingetragene Schuhe mitzunehmen. Bequemlichkeit geht hier eindeutig vor Chic. Du wirst von dem Moment an, wo du dein (Hotel-)Zimmer verlässt, fast den ganzen Tag auf den Beinen sein. Rechne mit 10 – 12 Stunden, in denen du viel mehr stehen wirst als sonst. Das klappt nur in bequemen, gut eingetragenen Schuhen.
Sicherheitshalber solltest du trotzdem Blasenpflaster für die Fersen mitnehmen. Wenn du es nicht brauchst, um so besser. Aber glaub uns: Wenn doch, rettet es dir den Tag!

  1. Kleidung

Auch bei der Bekleidung steht der Wohlfühlfaktor an erster Stelle. Das heißt nicht, dass du mit Schlabberjeans und Gamershirt rumlaufen musst, es kann durchaus auch Anzug und Hemd sein, wenn du jemanden beeindrucken willst. Auf der Messe wirst du beides sehen. Für dich ist erst mal wichtig, dass du dich in den Sachen wohlfühlst. Alles, was kneift, drückt oder scheuert, kann zu Hause im Schrank bleiben. Auch knitternde oder fleckanfällige Sachen lass besser daheim.
Zum Wohlfühlen gehört auch, lieber etwas anzuziehen, das für die Jahreszeit etwas zu leicht ist. In den Hallen wird es warm. Manchmal sogar sehr warm. Also nimm dir lieber eine dicke Jacke für draußen mit (die an der Garderobe bleibt) und etwas Leichteres für darunter.

  1. Verpflegung

Etwas zu Essen oder zu Trinken zu bekommen, ist auf der Leipziger Buchmesse erfreulich einfach. Alle Hallen haben mehrere Cateringstände. Die Länge der Schlangen ist moderat und meist bekommt man in den Cafés sogar problemlos einen Sitzplatz. Trotzdem raten wir dazu, eigene Verpflegung einzupacken. Gerade wenn man mehrere Tage auf der Messe unterwegs ist, wird es sonst teuer.
Vor allem solltest du etwas zu trinken einpacken, denn in den warmen Hallen braucht man viel Flüssigkeit. Eine Halbliterflasche stilles Wasser reicht völlig – die schäumt nicht über und lässt sich am Wasserhahn jederzeit wieder auffüllen. Dazu ein oder zwei belegte Brötchen oder Studentenfutter und etwas Obst und der Tag kann nur gut werden.

  1. Technik

Darauf, dass du dein Handy mitnehmen solltest, brauchen wir vermutlich nicht extra hinzuweisen. Vermutlich willst du deinen Messebesuch ohnehin dokumentieren und deine Erlebnisse in den sozialen Medien teilen. Da leistet das Handy nicht nur als Kamera, sondern auch als Notizbuch gute Dienste. Außerdem empfiehlt es sich, sich die Buchmesse-App zu holen, dann hast du die Übersicht über die Hallen und Veranstaltungen immer griffbereit.
Wenn du live berichten willst, ist es wichtig, dass dein Datenvolumen ausreicht. Die LBM bietet zwar freies WLAN, aber mit so geringem Datenvolumen und Übertragungsraten, dass es mehrere Stunden braucht, ein einzelnes Bild zu twittern.
Sicherheitshalber solltest du dir außerdem ein oder zwei Powerbänkchen und eine Mehrfachsteckleiste einpacken. Zwar gibt es auch auf der Messe Möglichkeiten, Akkus aufzuladen, aber das heißt auch, dass du danebenstehen musst und in der Zeit nichts anderes machen kannst.  Die Mehrfachsteckleiste kommt natürlich nicht mit auf die Messe, sondern bleibt im Hotelzimmer. Sie sichert lediglich, dass du genügend Steckplätze hast, um alle Geräte wieder aufzuladen.

Vorbereitung hilft, im Trubel nicht den Überblick zu verlieren (Foto: Ela Schnittke)

  1. Visitenkarten und andere Werbemittel

Wenn du auf der Buchmesse netzwerken und Kontakte knüpfen willst, sind Visitenkarten geradezu unverzichtbar. Daher ist es besser, ein paar mehr einzupacken.
Wenn du andere Werbemittel hast, kannst du die auch mitnehmen. Du solltest sie allerdings sparsam einsetzen. Das Auslegen und Verteilen von Flyern und anderem Werbematerial ist nur an den Ständen erlaubt. Allerdings werden die wenigsten Standbesitzer mit Begeisterung reagieren, wenn du deine Sachen einfach bei ihnen auslegst. Du kannst sie aber Interessierten, mit denen du dich unterhältst, anbieten.

  1. Bücher und Manuskripte

Du bist Autor*in und willst die Buchmesse nutzen, um Werbung für deine Bücher zu machen? Fein. Aber erwarte nicht zu viel. Du kannst sie zwar rumzeigen und verschenken, aber der Verkauf ist nur über die Messebuchhandlung erlaubt.
Manuskripte kannst du dagegen gleich zuhause lassen, wenn du nicht vorher einen Termin mit einem Verlag oder einer Agentur gemacht und ausdrücklich vereinbart hast, ein Exemplar mitzubringen. Sollte sich doch jemand für dein Manuskript interessieren, kannst du fast sicher sein, dass es sich um einen der unseriösen Vanity Verlage handelt.

  1. Kleinkram

Kennst du das? Irgendwas fehlt immer. Damit dir das nicht ausgerechnet auf der Messe passiert, hier ein paar Tipps, was du außer den schon genannten Dingen unbedingt dabeihaben solltest:

    • Namensschild
      Ein Namensschild hilft dir zwar nicht direkt, aber du machst es deinem Gegenüber leichter, deinen Namen zu behalten. Gerade, wenn man viele neue Kontakte knüpft, ist es schwer, Namen zu behalten. Wenn du es den anderen leicht machst, hebst du dich sehr wohltuend aus der Masse und bleibst besser in Erinnerung.
    • Stifte und Notizbuch
      Selbst, wenn du daran gewöhnt bist, Notizen im Handy zu machen, ist es sinnvoll, ein Notizbuch und mindestens zwei Kugelschreiber oder Fineliner einzustecken. So ist es viel leichter, schnell einen Blogartikel zu skizzieren oder die Kontaktdaten der neuen Bekanntschaft aufzuschreiben, die dummerweise keine Visitenkarte dabei hatte.
    • Lippenpflegestift
      Das ist ähnlich, wie mit dem Blasenpflaster. Kann sein, dass du ihn nicht brauchst. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass du zu wenig trinkst und deshalb am Ende des Tages gesprungene Lippen hast, ist groß. So ein Stift dagegen ist klein und kann dir den Abend (und den nächsten Tag) retten. Und ja, der Tipp gilt auch für Männer.
    • Kopfschmerztabletten und andere Medikamente
      Gerade, wenn du auf Medikamente angewiesen bist, gehören die unbedingt ins Gepäck. Kopfschmerztabletten sollten für Notfälle aber auch dabei sein.
    • Lutschpastillen
      Die Retter für den Hals, wenn du bei trockener Luft zu wenig getrunken hast.
    • Bargeld
      Du wirst eine Menge brauchen, für Garderobe, Essen, Mitbringsel, Bücher …
    • Ticket
    • Fahrkarte (wenn nicht im Ticket enthalten)

  1. Tasche

Logischerweise muss der ganze Kram irgendwo untergebracht werden. Gut geeignet ist ein große Umhängetasche oder besser noch ein Rucksack. Eine Umhängetasche sieht besser aus, der Rucksack verteilt das Gewicht gleichmäßig, so dass die Wahrscheinlichkeit von Rückenschmerzen geringer ist. In jedem Fall sollten die Tragriemen breit sein und an den Schultern gut abgepolstert.
Was gar nicht geht, sind Rollkoffer. Glaub uns: Niemand mag Menschen, die mit Rollkoffer auf eine Messe gehen. Sobald es auch nur etwas voller wird, sind die Dinger überall im Weg.

  1. Fang jetzt mit den Vorbereitungen an

Vermutlich hast du das zwar schon, aber falls nicht, solltest du jetzt anfangen, damit dir die Zeit nicht knapp wird. Noch ist es kein Problem, Visitenkarten zu bestellen und Verabredungen zu treffen; ein Hotelzimmer zu buchen, könnte aber schon knapp werden. Also mach dir eine Liste, was du noch erledigen musst und dann los!

Sehen wir uns? Du findest uns am Stand J303 – in Halle 2. Wir freuen uns auf dich!

Autorin des Beitrags ist Nike Leonhard.

Von düsteren Visionen, Umweltschutz und starken Frauen

Ein Plädoyer für Margaret Atwood und ihre Dystopien

„Alle Schriftsteller sind Optimisten, ganz egal, wie pessimistisch ihre Bücher sind. Warum würde man etwas schreiben, wenn man nicht annimmt, dass jemand es lesen wird.“

(Margaret Atwood)

Margaret Atwood (Foto by Larry D. Moore, CC BY-SA 4.0)

Wäre Margaret Atwood dem Berufseignungstest ihrer Highschool gefolgt, wäre sie Bibliothekarin oder Automechanikerin geworden. Stattdessen studierte sie englische Sprache und Literatur, obwohl sie das Schreiben eigentlich mit dem Alter von sieben Jahren an den Nagel hängen wollte, nachdem ihr Erstlingsroman von einer mit einem Floß gestrandeten Ameise im Mittelteil versandete. „Romanschriftsteller kennen das“, sagte sie in ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. „Der Anfang lässt sich vielversprechend an. Der Mittelteil dann: frustrierend, vielleicht sogar langweilig. Und erst recht, wenn es sich bei der Heldin um ein Insekt handelt.“

Die Begeisterung für Insekten erbte Margaret Atwood zweifellos von ihrem Vater, einem Entomologen, den sie schon als Kind regelmäßig in die kanadischen Wälder begleitete – ohne fließendes Wasser und Elektrizität. Trotzdem hat sich Atwood nie als rückwärtsgewandt, reaktionär oder technikfeindlich verstanden, sehr wohl aber als enthusiastische Umweltschützerin.

Lange trug Atwood sich mit dem Gedanken, Botanikerin zu werden, doch statt fluoreszierende Kartoffeln zu klonen, wandte sie sich der Literatur zu. Über 60 Bücher hat sie in ihrem Leben veröffentlicht, darunter Romane, Gedichte, Kurzgeschichten-Sammlungen, Kinderbücher und sogar eine Comicserie über einen Superhelden namens Angel Catbird. Einige Themen ziehen sich allerdings durch viele ihrer Werke, darunter auch die Umwelt, Klimawandel und Tierschutz. In „Oryx und Crake“ und „Das Jahr der Flut“ zerstört eine menschengemachte Seuche zur Genmanipulation die Zivilisation. In „Der Report der Magd“ ist die Bevölkerung durch Giftgase, verseuchtes Wasser und Atomschläge größtenteils unfruchtbar. Selbst in dem illustrierten Kinderbuch „For the birds“ beschäftigt sich Atwood auf kindgerechte Weise mit Artenschutz und Luftverschmutzung.

„Die Welt ist süchtig nach Öl – wie nach Drogen“, sagt sie kopfschüttelnd in einem Interview mit „Der Zeit“. „Wenn der Ölhahn morgen abgedreht würde, bräche das größte soziale Chaos aus.“ In einem umfassenden Essay beschreibt sie ihre Vision von einer Welt ohne Rohöl. Tröstlich einerseits – eine Rückkehr zu regionalem Anbau, Eisenbahn, Fahrrädern und Biogärten, ganz wie die „Gottesgärtner“ in ihrem Roman „Das Jahr der Flut“. Andererseits aber auch bedrohlich, Gedanken an Aufstände, Plünderungen, Totalitarismus und Zusammenbruch. „Wenn wir nicht bald auf Bild eins hinwirken“, warnt Atwood in ihrem Beitrag, „bleibt uns nur eine Version von Bild zwei. Horten Sie Hundefutter – kann sein, dass Sie es brauchen.“

Margaret Atwoods dystopische Romane sind also keine wirre Fiktion, sondern bergen einen wahren Kern, der in den letzten Jahren unangenehm deutlich hervorgetreten ist. “Make Margaret Atwood fiction again” – dieser Spruch prangte am Tag nach Donalds Trumps Amtsantritt als US-Präsident auf dem Schild einer Aktivistin beim Women’s March in Washington. Er drückte die Sorgen einer ganzen Generation von jungen Frauen aus, die die feministischen Errungenschaften der letzten Dekaden schmelzen sahen.

Nun ist während Trumps erstem Amtsjahr keine Realität eingetreten, die mit dem totalitären, puristischen Gilead-Regime aus „Der Report der Magd“ vergleichbar wäre, doch die Entwicklungen sind dennoch bedenklich. In ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises nennt Atwood eine ganze Reihe von Problemen, die aktuell „Zeiten von Bedrohung und Wut“ verursachen: Klimakatastrophen, Nahrungsmittelknappheit, Kriege, Flucht, wirtschaftliches Ungleichgewicht, Technisierung oder Medien-Manipulation. Alles Themen, die sie auch in ihren Dystopien aufgreift und in ihren Extremen zeigt. „Niemand kennt die Zukunft“, sagt Atwood, „aber von mir wird das oft erwartet. Man kann nur begründete Vermutungen anstellen.“

Wie treffend diese Vermutungen teilweise sein könnten, zeigen einige Aspekte aus „Der Report der Magd“, der 1984 entstand, quasi im Schatten George Orwells. Christlich-fundamentalistische Fanatiker ermorden den Präsidenten und die Regierung, setzen die Verfassung außer Kraft, Zensieren die Medien und beschneiden die Rechte der Frau auf ein Minimum: Wer nicht zur Elite zählt, bekommt nur eine Aufgabe zugewiesen, nämlich Kinder zu gebären. Die Reaktionen der USA auf 9/11, der von Trump verhängte Einreisestopp gegen Muslime, die Debatte um Fake-News und Social Bots, aber auch der brutale Hass islamistischer Fundamentalisten passen erschreckend gut in diese Vision.

Im „Report der Magd“ begleitet der Leser die Ich-Erzählerin Desfred, eine junge Frau, die aus ihrem geregelten Leben gerissen, ihres Ehemannes und ihres Kindes beraubt und zum Eigentum eines militärischen Machthabers ernannt wird. Desfred ist keine strahlende Heldin, keine Kriegerin, keine Rebellenführerin. Sie hadert mit ihrer Rolle, mit dem Konflikt zwischen Ausbruch und Gehorsam, versucht ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und gleichzeitig daran festzuhalten. Sie hofft, obwohl es keine Zukunft gibt, und bleibt impulsiv, wo Vernunft gefragt wäre. Margaret Atwood ernennt ihre Protagonistin nicht zu einer Heilsgestalt, sondern zeigt ihr Schicksal ungeschönt, kühl und mit einem klaren Blick für Details.

Auch „Das Jahr der Flut“ ist ein tolles Beispiel für interessante Frauenfiguren, die gerade wegen ihrer Schwächen, Fehler und Kanten Identifikationspotenzial entwickeln. Toby, eine ehemalige Studentin, entkommt ihrem brutalen Arbeitgeber und findet Schutz bei der Öko-Sekte der „Gottesgärtner“, ebenso wie die junge Ren, die aus einem Luxusleben gerissen und zusammen mit ihrer Mutter von einem skrupellosen Mega-Konzern gejagt wird. Auch hier sind die Protagonistinnen keine Helden, im Gegenteil, gerade Ren verhält sich oft kindisch, naiv und unvorsichtig und Tobys Pragmatismus lässt sie kühl und unnahbar wirken. Trotzdem hinterlassen diese Frauen Eindruck und entwickeln angesichts des völligen Zusammenbruchs der Zivilisation ungeahnte Kräfte.

Margaret Atwoods Dystopien sind also nicht nur reine Fiktion, sondern obendrein ein Spiegel relevanter gesellschaftlicher Themen. Sie beschäftigen sich mit Umweltschutz, politischen Veränderungen, Feminismus, Religiosität und Radikalisierung. Sie senden eine Botschaft, die in den letzten Jahren noch an Bedeutung gewonnen hat.

In ihrer Rede bei der Verleihung des Friedenspreises findet Margaret Atwood klare und inspirierende Worte für ihre Leserschaft und – vor allem – für junge Autorinnen und Autoren:

„Lassen Sie uns keine Türen schließen und Stimmen zum Schweigen bringen. Eines Tages werde ich einen Strand entlang spazieren oder einen Buchladen betreten, und ich werde eine Flaschenpost finden oder ein Buch, und ich werde es öffnen und werde die Botschaft lesen, von dir an mich – ja, von dir da draußen, einem jungen Schriftsteller, und vielleicht ist es sein erstes Buch. Und ich werde sagen: Ja. Ich kann dich hören. Ich kann deine Geschichte hören. Ich kann deine Stimme hören.“

Margaret Atwoods Homepage: www.margaretatwood.ca
Margaret Atwood auf Twitter: https://twitter.com/MargaretAtwood
Eine vollständige Liste ihrer Bibliographie: http://margaretatwood.ca/full-bibliography-2/

Ein Beitrag von Elea Brandt.

Foto by Larry D. Moore, CC BY-SA 4.0.

 

Taschenkalender (Diandra Linnemann)

Der lange Atem – Was haben Sport, Schreiben und Neujahrsvorsätze gemeinsam?

Ich habe es schon wieder getan. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht hilft und mich nur frustriert. Obwohl ich mir sicher war, aus den Katastrophen der letzten Jahre gelernt zu haben – ich habe mir Neujahrsvorsätze gebastelt.

Bei den meisten Deutschen stehen angeblich Abnehmen, Sport und das Ablegen einer unschönen Angewohnheit wie Rauchen ganz oben auf der Liste der Neujahrsvorsätze. Für Autoren – das ist jetzt nicht direkt wissenschaftlich belegt, aber ich würde drauf wetten – gehören Pläne wie „mehr schreiben“ oder „regelmäßig schreiben“ ebenfalls zu den üblichen Vorsätzen. Und sobald das Leben uns in die Quere kommt, stehen wir da und winken unseren hehren Zielen hinterher, wenn sie in den chaotischen Abgrund schlittern.

Die größte Stolperfalle ist, beim Sport und beim Schreiben (das sind jetzt meine Beispiele, denn damit kenne ich mich aus), der Versuch, eine Wendung um hundertachtzig Grad zu machen. Bis gestern war die Couch dein bester Freund? Gut, dieses Jahr gehst du fünf Mal pro Woche joggen. Mindestens. Im letzten Jahr hast du nur geschrieben, wenn die Muse dich küsst? Ab sofort sind zehn Seiten pro Tag Pflicht! Du bist motiviert und enthusiastisch, und außerdem völlig sicher: Das ist doch ein Klacks!

Dann klopft der Alltag. Die Wäsche häuft sich unter dem Waschbecken. Deine Freunde wollen in diesen Megablockbuster, den man unbedingt gesehen haben muss, denn darüber redet ab nächster Woche die Welt. Im Wald hast du dir den Knöchel verstaucht, das Pflichtupdate legt deinen Rechner lahm und überhaupt wird es höchste Zeit für die Steuererklärung oder einen ehrlich verdienten Serienmarathon.

Wir sind alle schon einmal dagewesen. Darum kommt dieser Artikel auch erst heute, nachdem du schon die eine oder andere Gelegenheit hattest, bei deinen aktuellen guten Vorsätzen auf die Schlummertaste zu drücken. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag, nicht wahr?

Ich kenne übrigens noch ein paar Tage: Übermorgen. Den Tag nach Übermorgen. Den zweiten April. Und natürlich den Sanktnimmerleinstag. Das sind alles gute Tage, an denen wir unsere Pläne in die Tat umsetzen können.

Pläne statt Vorsätze

Falls es dir dieses Jahr nicht so gehen soll, habe ich einige Tricks und Tipps für dich. Den ersten habe ich dir gerade schon untergejubelt: Wir machen keine Vorsätze, sondern Pläne. Aus „Ich will“ oder „ich sollte“ wird „ich werde“, und schon ist die Umsetzung ein paar Milimeter näher gerutscht. Und wenn wir gerade dabei sind, zu planen, werden wir auch direkt konkret. Am besten mit einem Terminplaner in der Hand: Was sind die Tage(szeiten), an denen du die geplante Aktivität am ehesten in die Tat umsetzen wirst? Beim Beispiel Sport hilft es, sich wirklich feste Termine in den Kalender einzutragen, vielleicht Muckibude mit einer Freundin oder ein Probetermin in der Kletterhalle. Kurse an festen Tagen sind auch nicht zu verachten. Und wenn du schreibst – zu welcher Tageszeit hast du am ehesten ungestört Zeit, dich für mehr als drei Minuten an den Schreibtisch zu setzen? Bei mir ist das merkwürdigerweise der Abend, obwohl ich ein ausgesprochener Morgenmensch bin. Morgens küsst mich die Muse viel lieber (da schmecke ich noch frisch), aber am Abend habe ich alle Erledigungen und Pflichten für den Tag abgehakt und kann mich endlich ungestört daran setzen, meine Charaktere in noch größere Schwierigkeiten zu bringen.

Der zweite Trick: Finde einen Schuh, der dir passt. Und ausnahmsweise meine ich nicht den wortwörtlichen Laufschuh (wobei gutes Hand- und Fußwerkzeug wichtig ist, aber das wissen wir alle schon längst), sondern die passende Sportart, oder die richtige Textform. Probiere dich aus. Bist du ein Gedichtetyp? Liegt dir Tanzsport? Magst du lieber die knackige Überraschung der Kurzgeschichte oder verbeißt du dich am liebsten in komplizierte Plots? Vielleicht liegen dir verschiedene Textformen/Sportarten, dann ist es sinnvoll, auf mehreren Hochzeiten zu tanzen (wieder nur im übertragenen Sinne – es sei denn, du tanzt gerne). Aber du solltest dich unter keinen Umständen zu etwas zwingen, weil jemand anders es dir als Königsdisziplin unterjubeln will. Ich bin begeisterte Läuferin, meine Kollegin findet Laufen öde und geht regelmäßig zum Standardtänze-Kurs. Solange du dich bewegst – und vor allem: So lange du SCHREIBST – ist alles in Ordnung.

Und drittens: Sei geduldig mit dir. Es braucht einige Zeit und Disziplin, ehe sich neue Gewohnheiten etabliert haben, und sowohl physische als auch Kreativmuskeln müssen liebevoll trainiert werden, ehe man beim (Schreib-)Marathon startet. Dafür brauchst du einen langen Atem. Fange klein an. Wichtig ist, dass du zum verabredeten Termin auftauchst, wann immer es sich einrichten lässt. Vielleicht bringst du in den ersten Wochen zur vereinbarten Schreibzeit zwischen Konferenzen und klebrigen Kindermündern nur eine halbe Seite zustande. Das ist nicht schlimm. Es ist auch nicht wild, wenn du dich beim Schwimmen nach einer Minute in eine Bleiente verwandelst. Sei gut zu dir, und mache weiter. Wenn du das einige Monate durchhältst, wirst du ganz hibbelig, sobald du mal einen Termin auslassen musst. Deine Muse tobt heulend und zähneklappernd durch dein Unterbewusstsein, wenn du nicht um Punkt acht am Schreibtisch sitzt. Der Stapel aus „eine Seite pro Tag schaffe ich garantiert“ wächst schneller als erwartet in schwindelerregende Höhe. Deine Zehen tippeln unterm Tisch und treiben die Kollegen in den Wahnsinn. Spätestens dann weißt du: Herzlichen Glückwunsch, der Plan hat funktioniert. Es hat dich erwischt. Jetzt gilt es nur noch, den Schwung auszunutzen.

Übrigens: Mein Plan für dieses Jahr ist es, mich nicht immer bis über die Ohren zu verplanen. Bin gespannt, wie lange das hält. Und bei euch so?

Ein Beitrag von Diandra Linnemann.

Justitia had a really bad day (by Esther Wagner)

Action & Cut – Wie man Actionszenen fürs Kopfkino schreibt

Tosende Schlachten, atemberaubende Verfolgungsszenen und dramatische Duelle.
Wie schreibt man eigentlich richtig gute Actionszenen, bei denen man auf der Stuhlkante sitzend Popcorn mampft? Im übertragenen Sinne natürlich, wobei ihr ruhig beim Lesen Popcorn essen könnt.

Beim PAN-Branchentreffen 2017 war die Antwort ganz einfach. Man lässt sich einfach in Bern(h)ard umbenennen. Auf die Frage nämlich, wer richtig gute Actionszenen schreibt, waren die Antworten eindeutig: Bernhard Hennen und Bernard Cornwell. Wer aber auf den ganzen Papierkram beim Bürgeramt wegen der Umbenennung keine Lust hat, dem helfen vielleicht die folgenden Tipps. Vieles daraus stammt aus meinen Erinnerungen an den Vortrag von Susanne Pavlovic beim PAN-Branchentreffen, die mir in vieler Hinsicht die Augen geöffnet hat.

Echtzeit statt elend lange Beschreibungen

Wir Autoren lieben es, Dinge zu beschreiben. Wie sieht etwas aus? Wo befindet sich etwas? Wie funktioniert dies und das? Und ganz besonders »schlimm« wie fühlt sich eigentlich unserer Charakter dabei? Für all das hat man in Actionszenen keine Zeit. Sie sind unnötiger Ballast, der die Geschichte an der falschen Stelle entschleunigt. Das soll nicht heißen, dass es nicht spannend wäre, zu erfahren, welche Rüstungsornamente der Gegner besitzt, aber im Kampf ist die falsche Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Eine Actionszene wird um ein Vielfaches rasanter, wenn man in diesem Moment ganz in den Kopf des Charakters schlüpft. Stellt euch vor, ihr wärt auf der Flucht, hinter euch das personifizierte Grauen. Bemerkt ihr da wirklich, die Details auf der Häuserfassade oder macht euch Gedanken darüber, was ihr mit eurem Leben noch alles anstellen wolltet? Wohl eher nicht, viel mehr, rennt ihr was das Zeug hält und hofft inständig, dass das Grauen euch nicht bekommt.

Genauso ist es im Kampf. Das ist nicht der Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, dass euer Vater jetzt stolz auf euch wäre, oder ihr eurem Herzblatt noch nicht eure Liebe gestanden habt. In diesem Moment liegt euer gesamter Fokus darauf, diesen Kampf zu gewinnen oder zumindest ihn zu überleben.

Ein echter Kampf ist oft nur wenige Minuten lang, bevor einer von beiden die Oberhand gewinnt. Also verzichtet auf lange Beschreibungen, innere Monologe und alles, was von dem Moment ablenkt und konzentriert euch stattdessen auf die verschiedenen Sinneseindrücke, die die Szene lebendig gestalten, ohne sie aufzublähen.

Fokus statt Überblick

Die meisten Bücher werden heutzutage aus einer persönlichen Perspektive geschrieben. Damit Actionszenen spannender werden, muss man gerade an dieser Stelle ganz eng werden. Stellt euch vor, ihr seid mit euren Freunden in einer großen Schlacht und kämpft nun um euer Überleben. In diesem Moment bekommt ihr nicht mit, welche Strategie der General verfolgt. Ihr könnt auch nicht mal eben einen Blick nach drüben werfen, wo zehn Reihen weiter, eure Freundin den Kampf verliert oder mitbekommen, dass der Prinz heimlich entführt wird.

An dieser Stelle ein kleiner Disclaimer: natürlich gibt es Möglichkeiten, all das mitzubekommen, ABER ihr verliert dabei einen Teil der Spannung, denn euer Charakter hat offensichtlich Zeit, zu atmen und sich umzuschauen, ohne, dass ihm im nächsten Moment der Kopf abgeschlagen wird. Falls genau das im Anschluss passiert, alle Achtung!

Der Trick, spannende Actionszenen zu schreiben, besteht darin, sich vollkommen auf eine Sicht zu konzentrieren. Und die ist ziemlich beschränkt. Man denke nur an Ritterhelme.

Benutzt eure Umgebung

Klar, eure Charaktere haben ihre tolle Waffen und schlagen sich damit die Köpfe ein. Das ist schon ziemlich spannend, aber es wird noch viel spannender, wenn ihr ihre Umgebung mit einbezieht. Zum Beispiel könnte es regnen und euer Protagonist plötzlich mit einem Fuß in einem Schlammloch feststecken oder im Matsch ausrutschen. Er könnte statt zum Schwert schnell zum Bierkrug greifen und seinem Gegner eins überziehen oder sich am Kronleuchter durch den halben Raum schwingen. Andere Leute stehen im Weg, Mobiliar und enge Räume behindern euch – denkt daran, bei Schwertern muss man ganz schön ausholen und ihr wollt ja nicht die hübsche Schankmaid aufspießen – und Wäscheleinen hängen grundsätzlich auf Augenhöhe. All das macht eure Szene lebendig und somit spannender, als wenn sich zwei Leute immer parieren, bis irgendwer durch die Deckung dringt und gewinnt.

Fiction vs Fact

Jetzt wird es ein wenig kontrovers. Jeder weiß, wie wichtig Recherche für einen Autor ist und Geschichten sollen möglichst realistisch sein. Meistens trägt zu viel Realismus aber nicht unbedingt zur Förderung der Spannung bei. Man muss also immer auch ein wenig schauen, dass man den Plot und die eigentliche Geschichte bei aller Realitätsnähe nicht vergisst.

Dann gibt es aber noch die sogenannten fiktiven Fakten. Nein, ich spreche nicht von Trumps alternativen Fakten, sondern davon, dass manche Sachen schon so lange in Buch und Film falsch dargestellt werden, dass sie dem Leser wahrer als die Realität erscheinen. Jeder Pferdebesitzer könnte wahrscheinlich ein Lied davon singen, wenn die Pferde wieder mal stundenlang galoppieren und dann ohne Abreiben stehen gelassen werden. Die Sache ist jedoch, dass die meisten Leser nicht darauf achten und es ihnen zugunsten des Plots vollkommen egal ist. Plot/Action trumpft Fakt. Für die meisten Leser zumindest.

Einem Reenacter würde sich wahrscheinlich der Magen umdrehen, wenn er liest, wie der Held bevorzugt mit seinem Zweihänder rumläuft und Duelle damit ausficht. Der Leser findet es jedoch cool. Und so darf man als Autor ruhig auch mal ein Auge zudrücken, die Realität des Zimmers verweisen und sich darauf konzentrieren, einfach eine coole Actionsszene zu schreiben. Es ist immerhin Action und keine Kriegsdokumentation.

Risiko, Risiko, Risiko

Nichts ist langweiliger, als wenn man weiß, dass der Held eh alles überlebt. Schließlich ist er der beste, stärkste und klügste Held im ganzen Heldenland und außerdem besitzt er Plot-Rüstung. Eine Geschichte wird umso spannender, je höher die Fallhöhe ist. Und das gilt ebenso für Actionszenen. Ob durch ungünstige Wetterbedingungen, unzureichende Ausbildung oder eine Übermacht, geht sicher, dass für euren Charakter wirklich etwas auf dem Spiel steht und es nicht nur ein weiterer Plotpunkt ist, durch den er eben durch muss.

In anderen Worten lasst euren inneren Martin raus und erschafft eine Umgebung, in der niemand sicher ist, auch nicht euer Hauptcharakter für maximale Action. Ungewissheit ist euer Freund.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig in die Geheimnisse guter Actionszenen einführen. Habt ihr gute Beispiele oder andere Tricks, die ihr euch bei guten Actionszenen abgeschaut habt?

Ein Beitrag von Janna Ruth.

Grafik: Esther Wagner alias Kirana

Vom Leben als Buchfee (Irina Christmann)

Jeder Lesebegeisterte kennt das Problem. Man hat da ein Buch, das man einfach nicht so gut fand, dass es ins Bücherregal soll. Aber ein Buch wegwerfen? Undenkbar! Was also kann man machen, wenn man niemanden im Bekanntenkreis hat, dem man das Werk vermachen kann?

In jedem Regal finden wir Bücher, die wir teilen wollen. Aber wie?

Oder dieses eine Buch, das man immer und immer wieder lesen will. So sehr, dass man anderen Menschen eine Freude damit machen möchte!

Booksontherun

In den letzten Jahren vermehren sich die öffentlichen Bücherregale und werden auch gerne genutzt. Doch es gibt auch noch andere Möglichkeiten, seine Bücher auf Reisen zu schicken. Diesem Ziel hat sich die Plattform booksontherun verschrieben. Im Gegensatz zu anderen Büchertauschorganisationen wählen die Gründerinnen Samantha und Davina aus einer Vielzahl von Bewerbungen Bücherfeen und Buchninjas aus, die dann für den festgelegten Zeitraum Bücher „auf Reisen“ schicken. In Bus, Zug und S- oder U-Bahnen oder den dazugehörigen Bahnhöfen.

Einfach zurücklassen?

Klingt alles super einfach und komplikationslos, aber das ist es nicht. Habt ihr schon mal ein Buch verloren? Ihr greift in Eure Tasche und es ist weg. Ein schreckliches Gefühl. Klar, man kann es sich einfach nochmal kaufen, weiterlesen, aber da draußen ist irgendwo DEIN Buch. Ganz alleine und hoffentlich in Sicherheit.

Mit #booksontherun werden Bücher in den öffentlichen Verkehrsmitteln ausgesetzt, gefunden und wieder gelesen

Als Buchfee oder Buchninja führt man diesen Zustand des Verlustes zwar absichtlich herbei, das macht es aber nicht einfacher, das Buch einfach zurück zu lassen. Es liegt da, neben dir auf dem leeren Sitz, du machst dein Foto und dann musst du dich trennen. Von einem Schatz. Einer Geschichte, die dich etwas gelehrt hat, oder dir Freude gemacht hat. Tatsächlich fiel es mir** bei Büchern, die ich nicht selbst gelesen hatte, wesentlich leichter. Aber immer war da dieses komische Gefühl … Was wenn jemand mein Buch einfach wegwirft, anstatt es liegen zu lassen, weil es ihn nicht interessiert. Allerdings werde ich auch nie erfahren, was aus meine Bücher geworden ist. Insgesamt sind es bisher 13. Und bei keinem ist es mir wirklich leicht gefallen. Fünf weitere liegen noch vor mir, die ich extra für diesen Zweck gekauft habe. Alles in allem war ich gerne Buchfee, besonders da meine Dienstzeit mit der von Eva-Maria Obermann zusammenfiel.

Besondere Erlebnisse, die bleiben

Was ich nie vergessen werde, war der nette Mann, der eigentlich hätte weiterfahren müssen, aber mir samt meinem soeben frisch ausgesetzten Buch nachgelaufen ist, um es mir wiederzubringen. Leider sprach er kein Wort deutsch oder englisch, so dass er bis heute eine Ahnung hat, was ich versucht habe, ihm zu erklären.

Immer wenn ich den Hashtag #wirlassenBuecherwandern sehe, denke ich an meine Bücher und hoffe, nach wie vor, dass es ihnen gut geht, da wo sie jetzt sind. Aber ich würde es nochmal machen, wenn sich die Gelegenheit ergibt!

**Autorin dieses Beitrags ist Irina Christmann

Baum im Zwielicht mit Raben und Dämonen.

Rauhnächte – die Zeit „zwischen den Jahren“ (Diandra Linnemann)

Wer in einer ländlichen Gegend aufgewachsen ist, kennt vielleicht aus der Kindheit noch einige merkwürdige Gebräuche, die in der Zeit zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag gepflegt werden. In einigen Dörfern ist es üblich, in diesen Nächten eine Kerze ins Fenster zu stellen. Man soll keine Wäsche aufhängen und, sogar wenn man es könnte – was heute eher selten wird – kein neues Garn spinnen. Und alte Leute erzählen, in diesen Nächten könne man die Tiere im Stall sprechen hören.

Diese Bräuche, die sich von Region zu Region unterscheiden, gehen auf die Rauhnächte zurück, da sind die meisten Historiker einer Meinung. Leider endet damit auch schon das, was wir über die Rauhnächte tatsächlich wissen. Nicht einmal über die Herkunft des Namens herrscht Einigkeit – einige Sprachforscher haben die Theorie aufgestellt, der Begriff leite sich von einer altertümlichen Form des Wortes „Rauch“ ab, weil in dieser Zeit viel mit Weihrauch hantiert werde. Andere behaupten, Ursprung sei das Wort „Rauh“ für Tierpelze (wie in dem Märchen „Allerleirauh“), weil in dieser Zeit in Pelze gehüllte Dämonen das Land unsicher machen. Angeblich sind die Rauhnächte eine Überlieferung aus vorchristlicher mitteleuropäischer Zeit. Da es allerdings kaum schriftliche Belege gibt, stehen den Deutungen an dieser Stelle Tür und Tor offen. Viele Bräuche wurden nur mündlich überliefert und im Lauf der Zeit von Kirche und Gesellschaft modernisiert und vereinnahmt. Es herrscht also sozusagen Narrenfreiheit.

Einer heutzutage weitläufig akzeptierten Theorie zufolge sind die Rauhnächte die Zeit „zwischen den Jahren“ – das Mondjahr hat nur 354 Tage, das Sonnenjahr 365 (jeweils plus/minus ein paar Stunden). Die Tage nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember stehen somit sozusagen außerhalb der Zeit und sind weder Teil des alten Jahres, noch gehören sie zum neuen Jahr. Man sagt, dass in ihnen die wilde Jagd durch die Nächte zieht – je nach Überlieferung ein Heer aus Dämonen und ruhmreichen Helden, angeführt von Wotan oder der Percht. Wer sich mit diesen Wesen gutstellen will, stellt kleine Gaben nach draußen, ein wenig Schnaps oder ein Schälchen Milch oder Honig werden von den Geistern der Rauhnächte immer gerne angenommen. Es wird hingegen nicht empfohlen, in der Dunkelheit nach draußen zu gehen, wenn man nicht auf unheimliche Begegnungen und derbe Dämonenscherze steht.

Was kann man also tun, wenn man weder Wäsche waschen noch spinnen, nicht im Dunkeln im Wald herumturnen und auch sonst kaum etwas tun kann?

Natürlich sitzt man mit Familie und Freunden zusammen. Das zelebrieren wir auch heute noch, bevorzugt zu den Weihnachtsfeiertagen oder an Silvester, isst gut und erzählt einander Geschichten. In manchen Gegenden gibt es traditionelle Weihnachtsspiele, etwa die Jagd nach der Königsmandel im Pudding. Und natürlich wird auch gesungen und musiziert.

Ein weiterer Brauch in der Zeit der Rauhnächte ist das Orakeln, wie wir es für die Silvesternacht auch heute noch betreiben. Bleigießen hat wohl jede schon probiert – die Figürchen verlangen einem viel Phantasie ab bei der Deutung, und man sollte sich keineswegs durch die beigefügten Infoblätter einschränken lassen! Auch gibt es den Brauch, Nüsse im offenen Feuer zu verbrennen, und wenn die eigene Nuss spritzt und kracht, steht einem ein turbulentes Jahr bevor. Man könnte aus dem Kaffeesatz oder aus Teeblättern lesen, und natürlich gibt es reichlich Orakelmethoden wie Runen, Tarot oder I Ging, an denen man sich gerade in dieser Zeit versuchen kann. Wer besonders mutig ist, begibt sich in einer der Rauhnächte zu einer Wegkreuzung, wo einem angeblich um Mitternacht der oder die Liebste erscheint. Aber dazu muss man schon sehr mutig sein, denn wie bereits oben beschrieben – die wilde Jagd treibt in diesen Nächten ihren Schabernack mit den Menschen, und diese Gesellen sind nicht gerade zimperlich. Bauernweisheiten zufolge kann man am Wetter der Rauhnächte übrigens erkennen, wie das Wetter in den zwölf Monaten des kommenden Jahres wird.

Das sind natürlich alles nur Sagen und Legenden. Orakel, Dämonen – nichts als Hirngespinste, habe ich recht? Aber um auf Nummer sicher zu gehen, sollten wir uns in den Rauhnächten sicherheitshalber mit guten Büchern und einem Stück Schokolade in unsere Betten verziehen. Wir wollen schließlich nichts riskieren, oder?

Ein Beitrag von Diandra Linnemann.

Nornenadvent: Die Drabbles der Woche (3)

Heute kommt ihr zum letzten Mal in den Genuss der Drabbles aus unserem Adventskalender auf Facebook. Die Grafiken stammen aus der Feder von Elenor Avelle.

Lautloser Angriff (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Sie kamen in der Nacht, zu Tausenden. Stillschweigend setzten sie zur Landung an, sprangen ab, segelten geräuschlos über den Dächern der Ahnungslosen. Lange genug hatten sie oben verharrt, gewartet auf das Zeichen, bereit zum Angriff.
Der Befehl kam von ganz oben, niemand bezweifelte ihn. Das war ihr Auftrag. Nichts konnte sie aufhalten. Ihr Vorteil lag in der Überraschung. Niemand erwartete sie, niemand war bereit. Sie landeten, wo sie gerade hinkamen: auf Dächern, in Vorgärten, mitten auf der Straße, auf Spielplätzen, neben Bahngleisen. Dies war ihr Bestimmungsort.
Erst am Morgen erkannten es die Überfallenen. Die ganze Welt lag unter einer Schneedecke.

Die Blätter des Lebens (Laura Kier)

Viele Blätter an einem Baum – jedes steht für sich doch keines ist allein. Tiere huschen den Stamm empor, suchen ein zu Hause zwischen dem hellen Grün. Raupen krabbeln umher und hoch oben im Geäst ziehen Drosseln ihre Jungen auf.
Es wird gezwitschert, geknabbert und gewachsen, bis sich Schmetterlinge und Vögel aus ihrer Kinderstube erheben und in unbekannte Weiten aufbrechen. Doch die Blätter bleiben zurück mit Erinnerungen an einen Sommer, in dem sie Schatten und Futter geboten haben.
Sie waren ein Teil des Lebens und leuchten zum Abschied in farbenfroher Pracht bis der Winter sie auffordert am Boden Schutz zu bieten.

Driving home for Chrismas (Nike Leonhard)

Das Radio dudelt Weihnachtslieder. In der Wirklichkeit ist nichts mit „Dashing“. Trotz 220 PS unter der Haube.
Kupplung, Gas, Bremse – Stillstand. Regen malt Schlieren in die Lichterkette der Bremsleuchten. Die Wischerblätter zerhacken den Takt von White Chrismas. Kupplung, Gas, Bremse – Hupe, weil so ein Idiot …
Nur nicht die Nerven verlieren. Lieber mit Barry White träumen. Kupplung, Gas, Bremse. Wusch-wusch machen die Wischerblätter. Nicht einschlafen. Es geht weiter; tatsächlich es rollt! Ihm wird warm vor Sehnsucht.
Die Wohnung ist dunkel und leer. Aber auf dem AB wartet Steffs Stimme: „Schatz, es wird leider später. Ich steh noch im Stau.“

Alle für eine, oder? (June Is)

Die erste Schildkröte in Knecht Ruprechts Fabrik kramte nach einem Taschentuch. „Hatschi!“
„Gesundheit“, sagte die zweite Schildkröte am Fließband. „Meinst du, du schaffst es, deine Geschenke zu verpacken?“
„He, schon wieder ein Geschenk von Kröte 1, so schaffe ich meine eigenen nicht!“, rief Kröte fünf von hinten.
„Entschuldigung, aber … Hatschi!“
Die zweite Schildkröte seufzte und sagte zur ersten. „Ich sortiere deine vom Band und wir verpacken sie später gemeinsam.“
„Danke.“
Als ein beträchtlicher Berg Geschenke angewachsen war, kamen auch Kröte drei und vier, um der ersten zu helfen.
Nur die fünfte fehlte, sie hatte sich übernommen und war umgekippt.

Wahre Liebe (Jana Jeworreck aka Moira)

Er trägt sie ehrenvoll schwebend hoch über seinem Kopf. Sie ist die Schönste, die er jemals trug und doch wird sie vergehen, wie alle anderen vor ihr.
Ihre Tränen laufen wie Schauer über seinen Körper, bevor ihr Geist erlischt. Er kann es nicht aufhalten. Er muss es ertragen und erleiden, obwohl sein Herz mit ihr zerfließt.
Und dann, jedes Jahr, wenn die Blätter fallen und auch vergehen, kommt eine Neue. Eine Zauberhafte, die leuchtet und glüht, wie die davor und ihr doch nicht gleicht, denn jedes Jahr ist es die Schönste, die Einzige, die wahre Liebe, die der Kerzenständer trägt.

In der Nacht (Eva-Maria Obermann aka Variemaa)

Die tiefschwarze Nacht war die perfekte Tarnung.
Während die Menschen in ihren Betten nichtsahnend vor sich hin träumten, schlich eine kleine Gestalt durch die Straßen und Gassen, einen Sack auf dem Rücken, und huschte unbemerkt in jedes Haus.
Lautlos öffnete sie jede Tür und kein Wachhund wagte es den Eindringling zu melden. Zielsicher fand er in jedem Heim das, was er suchte, kam ohne Umschweife zum Ziel und machte sich an seine geheime Arbeit.
Plötzlich ein Tippeln, eine Tür wurde jäh geöffnet und Flurlicht fiel herein, auf jenes Wesen. Ein paar kleine Augen weiteten sich in großem Erstaunen.
„Das Christkind!“

Deutschland, ein Wintermärchen … (Tiphaine Somer Elin)

Gestern die Nacht vor dem großen Tag. Heute der Tag vor dem Abend aller Abende. Draußen frohlocken die Glocken, innen brummt es vor Aufregung. Es wurde gebacken, geschmückt und gebraten. Schüsseln türmen sich, von den Öfen her dampft es, Tische biegen sich unter köstlicher Last.
In den Schaufenstern prangen die Sterne und leuchten den Weg, von überall wispert und raunt es. Schnee knirscht unter den dicken Sohlen der heimlich Tuenden. Dann folgen Zerlumpte ängstlich dem unglaublichen Ruf. Unzählige sind es, so traurig und einsam. Plötzlich öffnen sich Türen, Fenster, Grenzen und Herzen. Frohe Weihnachten wünscht Deutschland und teilt sein Glück.

Natürlich darf am Heiligen Abend ein besonderes Extra-Schmankerl nicht fehlen;-)

Santa Space (Elenor Avelle)

„Bringen sie uns unter Lichtgeschwindigkeit Nummer Eins. Bereiten sie alles zum Andockmanöver vor“, sagte Santa und kontrollierte, ob sein roter Anzug auch richtig saß.
„Ist die Tarnvorrichtung aktiviert?“ Der kleine schrumpelige Kerl neben ihm nickte. „Sehr gut. Das Raumschiff wird von der einheimischen Spezies als Rentierschlitten wahrgenommen. Die perfekte Tarnung für den 24.“
„Wollen sie sich jetzt abseilen?“, fragte Nummer Eins.
„So genau wollen wir es mit der Tarnung nicht nehmen. Beamen sie mich runter.“ Santa verließ das Fahrzeug. Nummer Eins seufzte sprang aus dem Schlitten und tätschelte Rudolph.
„Ich wünschte wirklich, er würde nicht so viel Star Trek gucken.“

Fragefreitag: Was wünschst du dir zu Weihnachten?

Willkommen beim Fragefreitag im Nornennetz. Hier beantworten unsere Mitglieder regelmäßig spannende, interessante und auch mal kuriose Fragen. Ihr könnt gerne auf den sozialen Medien unter dem Hashtag #NornenFragefreitag mitmachen. Wir sind auf eure Antworten gespannt.

Diandra Linnemann: Ganz profan – etwas Ruhe. Ab November beginnt bei mir der Stress mit Familientreffen und Geburtstagen, dazu kommen Jahresendvorbereitungen und Pläne für das kommende Jahr … das kann etwas stressig werden. Wenn ich zwischendurch dann nur mit einem Buch und den Katzen neben meinem Freund auf dem Sofa sitzen kann, ist das das beste Geschenk.

Jasmin Engel: Endlich mal nichts mehr Unangenehmes vor mir zu wissen; meinen aktuellen Roman veröffentlichen zu können; ganz ehrlich und nicht nur als Spruch: Frieden und Freiheit für Menschen und Tiere, die von anderen ausgebeutet werden.

Elenor Avelle: Weihnachtsstimmung. Ich habe früher nie verstanden, wieso meine Mutter zu allen Feiertagen am liebsten Ruhe wollte. Jetzt weiß ich wieso ^^

June Is: Dieses verflixte NaNoBuch so weit zu haben, dass es testlesertauglich wird.

Jule Reichert aka Möchtegernautorin: Zeit und Ruhe für meine Kinder, meinen Hund und mich.

Michelle Janßen: Etwas Zeit zum Schreiben, nicht nur privat sondern auch für die Uni. Leider ist die Zeit zwischen den Jahren immer so voll gepackt. Deshalb wünsche ich mir das dieses Jahr ganz aktiv und möchte für ein paar Tage nach Marbach, um mich in der Bibliothek da einzuigeln.

Janna Ruth: Meine inneren Dämonen zu besiegen und mir ein wenig von meinem alten Ich zurückzuerobern und natürlich einen plötzlichen Anstieg in den Buchverkäufen – Märchen und Weihnachten passen doch super zusammen 😛

Tiphaine Somer Elin: Ich wünsche mir ein verlässliches Umfeld und einen richtig guten Plan

Esther: Nichts. Einfach mal nichts. Ohne Erwartungen an das herangehen, was vor mir liegt. 🙂

Anne Colwey: Zeit, mit meinem Mann alleine wegzufahren.

Nuya: Mit Harry Potter-Merch kann man mich immer glücklich machen. Außerdem habe ich mein Faible für das Basteln von Karten, Geschenkkartons, etc. entdeckt. Papier, Stempel oder ähnliches sind deshalb immer gern gesehen.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Einfach mal in Ruhe etwas essen können. In den letzten Tagen unmöglich geworden und ich sehne es sehr herbei.

Last-Minute-Geschenkeidee – Basteltipp (Sarah König)

Hallo zusammen!

Es sind nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die großen Besorgungen habt ihr sicher alle erledigt. Doch jetzt fällt euch ein: Mist, da fehlt mir noch eine Kleinigkeit für meine Nachbarin, die immer meine Pakete annimmt. Die Tagesmutter, den Busfahrer – oder ihr seid eingeladen und wollt nicht mit leeren Händen kommen.

Ihr braucht eine Kleinigkeit auf die Schnelle, die hübsch aussieht und trotz aller Einfachheit etwas hermacht.

Das Nornennetzwerk** hat heute für euch den ultimativen Last-Minute-Geschenktipp – eine kleine, feine Bastelei!

„Pizzabox“ für Mini-Rittersport

Was ihr braucht:
  • Tonkarton/Designkarton/Papier – passend mit Motiven oder neutral trotz Saison/Gelegenheit
  • Klebe oder Kleberoller (zB. Tesa)
  • Stift/Stempel/Schere
  • Deko: Sticker, Stanzmotive (klein oder groß), Klebepunkte (zB Doppelseitig 3 mm), farbig passender Karton für ein kleines Schild
  • Am besten noch ein Falzbrett. Wer das nicht hat, kann sich mit einem Lineal und der stumpfen Seite eines normalen Messers behelfen. Oder eine dünne Häkelnadel am Lineal entlang ziehen. Wichtig beim Falzen ist nur, dass man das Material nicht durchschneidet. Je nach Stärke eures Materials könnt ihr die betreffenden Seiten auch einfach umknicken.
Schritt 1:

Maße

Die Pizzabox solltet ihr euch auf dem Karton aufzeichnen. Wenn ihr ein Schneidebrett benutzt, dann benötigt ihr keine Zeichnung, sondern könnt direkt an die bezifferten Maße anlegen und schneiden.
Die Box hat eine Länge von insgesamt 14,5 cm. Eine Breite von 8 cm.

Schritt 1

Schritt 2:

Falzen oder Falten

Rundherum müssen 1,5 cm Rand gelassen werden, dieser wird gefalzt/geknickt.
Eine weitere Falzlinie ist auf der Längsseite nach einer Gesamtlänge von 6,5 cm und nach einer Gesamtlänge von 8 cm nötig. So erreicht ihr auch in der Mitte einen Streifen von 1,5 cm.
Mit einem Falzbrett oder Lineal die 1,5 cm anlegen, die den gesamten Rand umlaufen.
Per Lineal – Mit einem stumpfen Gegenstand am Lineal entlang ziehen und Druck ausüben.
Die Falz soll nur helfen, den evtl. dicken/sperrigen Karton in die richtige Richtung biegen zu können. Wer mit Papier bastelt kann hier einfach falten.

Zweiter Schritt

Schritt 3:

Schneiden

Im Uhrzeigersinn Einschnitte vornehmen. Siehe Nummer 1 – 4. Merken könnt ihr euch: Es ist immer ein kleines Feld, das geklebt wird, und eine längere Seite.

Einschneiden

Die Schnitte 5 und 6 müssen Keilschnitte sein.

Keilschnitte

In der Lasche des Deckels fehlt noch eine Aussparung, die ihr Schneiden oder ausstanzen könnt.

Der Deckel

Wenn ihr noch nicht wisst, welche Seite oben sein wird, dann entscheidet ihr im nächsten Schritt einfach, wo unten ist und holt die Aussparung dann nach.

Schritt 4:

Kleben

Wenn ihr wisst, was ihr wo hin falten müsst, erschließt sich euch schnell, wo nun geklebt wird. Ich benutze dafür die Kleberoller, aber auch flüssiger Kleber oder Klebestifte können funktionieren – je nach Material. Wer zB eine Steampunk-Box baut, der könnte auch tackern.

Die eingeschnitten Laschen werden nach innen geklebt. Die Laschen der Mitte werden am Rand der unteren Hälfte festgeklebt, um dem Boden mehr Stabilität zu verleihen. Wer bis jetzt noch nicht wusste, welche Seite unten ist, entscheidet dies nun und holt unter Schritt 3 die Aussparung am Deckel nach.

Schritt 5:

Deko

Überlegt euch, wie der Deckel gestaltet werden soll. Ein Schild? Ausgestanzte Motive? Sticker? Es gibt tolle Kleinigkeiten zu kaufen, um solche kleinen Aufmerksamkeiten noch zu schmücken. Ich empfehle hier Bastelläden oder 1-Euro-Geschäfte. Ich habe mich bei diesem Beispiel für ein kleines Schild und ein paar winzige Schmetterlinge entschieden. Passt nicht zu Weihnachten? Ach Quatsch! Macht was ihr wollt- es kommt von Herzen und das ist die Hauptsache.

Einfach gut

Das Schild in gewünschter Größe des Deckels zuschneiden/ausstanzen und bestempeln, beschriften – was ihr wollt. Ich wähle zusätzlich kleine Schmetterlinge, die ich mit einer Ministanze ausgestanzt habe und klebe diese direkt auf das Schildchen, das Schildchen wiederum klebe ich leicht schräg auf.

Jetzt kommen kleine Helfer ins Spiel: Abstandshalter, doppelseitig klebende Puffer.

Kleine Helfer

Natürlich könnt ihr das Schildchen ohne Abstandsklebepunkte auch direkt auf den Deckel kleben. Oder sogar ganz weglassen – diese kleinen Boxen sehen auch wunderbar aus, wenn man einfach ein Schleifenband verwendet.

Kleine Überraschung

 

Schritt 6:

Inhalt

Wie der Titel schon sagt, in diese kleine Box passt perfekt ein Mini-Rittersport. Meine Lieblingssorte zum Beispiel.

Mhm, Marzipan

Aber auch andere kleine Köstlichkeiten. Probiert es einfach aus – was nicht passt, müsst ihr zur Not selbst verputzen.
Und wenn die oder der Glückliche es lieber nicht nur süß mag; Geldscheine lassen sich natürlich auf diesem Wege ebenfalls sehr edel verschenken.

Hier noch ein paar Beispiele:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Nachbasteln! Vielleicht mögt ihr ja zeigen, wenn ihr diese kleinen Boxen für jemanden bastelt? Wir freuen uns, wenn ihr uns dazu Bilder schickt!

Das Nornennetz wünscht euch allen eine tolle Weihnachtszeit, besinnliche Festtage und erholsame Stunden mit euren Liebsten!

**Autorin des Artikels ist Sarah König