Fragefreitag: Was ist der größte Nachteil beim Selfpublishing?

Diesen Monat reden wir Nornen viel über Selfpublishing, unsere Erfahrungen und warum wie es so toll finden. Aber natürlich ist nicht alles nur rosig, manche Punkte stehen sogar ziemlich deutlich auf der „Contra“-Seite. Welche, wollen wir heute wissen. Macht mit unter dem Hashtag #NornenFrageFreitag und verratet uns, wo ihr die größten Nachteile beim Selfpublishing seht.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Man trägt das gesamte finanzielle Risiko. Wenn man nicht gerade selbst ein*e Coverdesigner*in ist, dann muss man zunächst mal Cover einkaufen. Und irgendwie auch an ein gutes Lektorat kommen. Kennt man nicht zufällig jemanden, der sich erbarmt (und dabei auch noch zu dem Job taugt!), geht das ins Geld, je fehlerhafter das Manuskript ist. Gerade Debüts sind in der Hinsicht oft abenteuerlich, oft schreibt man mit SP-Buch Nummer 1 erst schwarze Zahlen, wenn Buch 2 oder 3 auf dem Markt sind … Wenn man keine finanziellen Rücklagen hat, ist das dann ziemlich schwierig. Wenn man aber am Cover oder Lektorat spart, rächt sich das wieder durch mangelnde Verkäufe …

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Es gibt bei vielen Lesern und Buchhändlern noch immer eine große Hürde. SP ist als schnelle Veröffentlichungsmethode, ohne Hand und Fuß, verschrien. Werbung und Aufmerksamkeit zu bekommen ist ungemein schwieriger und mit viel mehr persönlichem Einsatz verbunden.

Janna Ruth: Sichtbarkeit. Als Selfpublisher hat man zunächst sehr wenige Möglichkeiten, sein Buch überhaupt sichtbar zu machen. Tatsächlich bleibt einem erstmal nur Social Media. Dies hat sicherlich einen großen Anteil, ist aber auch teilweise übersättigt, aber im Vergleich zum Ausliegen in Buchhandlungen oder Auftauchen in Listen, geht da mehr. Es ist also ein steiniger Weg, um sich erst einmal zu etablieren. Andere Aspekte sind natürlich Kosten und die quasi-Notwendigkeit eine eierlegende Wollmilchsau zu sein.

Michelle Janßen: Ich habe permanent das Gefühl, dass ich für niemanden schreibe. Man hat kaum Verkäufe und die paar die man macht, gehen meistens an Menschen, die man kennt. Das kann frustrierend sein, gerade wenn man noch ganz am Anfang steht.

Laura Kier: Die finanzielle Seite. Ich habe gerne die Zügel in der Hand und bestimme selbst, was ich wie umsetze, damit das Buch am Ende so ist, wie ich es haben möchte. Als Perfektionistin möchte ich natürlich alles besonders toll machen und das bedeutet auch Kosten. Lektorat, Cover, gedruckte Bücher, Marketing … Alles muss ich halt selbst in Vorkasse stemmen.

Jana Jeworreck aka Moira: Die Werbung in den sozialen Medien! Ich finde die permanente Selbstvermarktung schwierig und habe häufig das Gefühl, ich diene mehr den Konzernen als meinem Buch.

Diandra Linnemann:  Man muss entweder alles selbst können oder finanziell in Vorleistung gehen, wenn man sich Experten holt – und auch da muss man erst einmal Experten finden, mit denen man professionell auf einer Wellenlänge ist.

Alexandra Bauer: Einziger „Nachteil“ beim Selfpublishing sehe ich in der Vermarktung. Wenn man einen Hauptjob hat, bleibt dafür nicht viel Zeit.

Sarah König Der größte Nachteil ist für mich eine Mischung aus der Sichtbarkeit und der nicht vorhandenen Rückmeldung durch Leser. Die bekommt man als Verlagsautor außer in Form von Rezis ebenfalls kaum, aber wenn wir ehrlich sind schreiben wir eben nicht nur für uns, sondern wünschen uns, gelesen zu werden und für mich gehört auch dazu, zu erfahren, dass ich gelesen wurde.

Grumpy Moon: Für alles selbst verantwortlich zu sein… sprich: dasselbe, was für mich auch der größte Vorteil ist. Und dass ich laut deutschem Gesetz in Ermangelung eines Verlags verpflichtet bin, meine eigene private Adresse in das Buch zu schreiben, so dass jeder, dem mein Buch nicht gefällt, mal schnell vorbeikommen und mir das Fenster einwerfen kann.

Jasmin Engel: Ich könnte mich dann vermutlich nicht mehr so auf das Schreiben an sich konzentrieren und Marketing liegt mir leider nicht sonderlich.

Selfpublishing – ein persönlicher Erfahrungsbericht (Moira aka Jana Jeworreck)

Die Veröffentlichung meines** Debütromans im Selfpublishing ist bereits einige Jahre her. Zunächst bewarb ich mich damit bei Verlagen und Agenturen. Ich erhielt nur vereinzelt Antworten ohne Ergebnis und da ich mein Buch nicht in der Schublade liegen lassen wollte, entschloss ich mich, es einfach selbst herauszubringen. Die überraschend positiven Reaktionen ermutigten mich, auch meine nächsten Bücher selbst zu veröffentlichen.

Jana Jeworrecks Roman Dreiland

Trotz der erfreulichen Erfahrungen will ich aber zunächst mit der Beschreibung der Schwierigkeiten beginnen, da es beachtenswerte Punkte des Selbstverlegens sind:

Alles in einer Person?!

Ich bin Autorin, Produzentin, Schriftsetzerin, Grafikerin, Marketing -und Presseagentin in Personalunion und finanziere mein Lektorat selber. Am Anfang ist es unglaublich stressig, anstrengend und nicht immer perfekt, alles selber zu machen und vor allem finanzieren zu müssen. Jeder der Tätigkeiten wird in der Regel von Profis ausgeführt. Für eine Einzelperson ist das auf dem Niveau nicht zu leisten oder, wenn man es gar nicht selber macht, nur schlecht zu finanzieren.

Man reibt sich an den Hürden der Professionalität auf und der Frage, was von all den Informationen eigentlich Priorität hat.

Wähle deine Zielgruppe genau! Mach das Cover gefälligst gefällig. Schreib einfach, aber nicht zu einfach. Sei preiswert und sag es jedem, aber verkaufe dich nicht unter Wert. Lass dir von Lesern sagen, was ihnen gefällt und was nicht und dann halte dich dran, aber zugleich sei du selbst und mach, wie du es meinst.

Ja was denn nun?

Wenn man also endlich diesen Eiertanz hinter sich hat, bekommt man für die Vielfachleistung, die man für den Preis eines Cocktails mit Schirmchen erbringt, noch große Skepsis entgegengebracht, weil man ja „nur“ selbst verlegt hat. Damit muss man umgehen lernen, wenn man sich als Selfpublisher versucht.

Die meisten der genannten Argumente sind auf der anderen Seite aber auch absolut positiv. Es ist wahnsinnig toll, alles selber machen zu können. Das „was“ und „wann“ sind deine Entscheidungen und es ist eine wundervolle Freiheit. Die meisten der weiter oben gelisteten Jobs bereiten mir Spaß. Neben dem Schreiben arbeite ich gern am Cover, verbinde Bilder mit Texthäppchen, bereite Posts für Facebook und Instagram vor und plane Aktionen. Alle Ideen, sofern nicht zu abstrus, kann ich im Selfpublishing zum Ausdruck bringen und das schnell.

Viele Nornen veröffentlichen (auch) als Selfpublisher

Erfolgserlebnis, hausgemacht

Besonders der letzte Punkt ist hervorzuheben. Man wartet nach Fertigstellung eines Projektes bei Verlagsbewerbungen häufig bis zu sechs Monaten oder sogar länger auf Antwort. Meistens erhält man noch nicht einmal mehr eine Absage. Solange liegt der Roman auf der Festplatte rum und – zumindest bei mir war es so – der eigene Antrieb, weiterzumachen, wird gehemmt

Im Weiteren liegt der Vorteil des Selbstveröffentlichens darin, dass Fehler, die ich selber mache, ich auch mit mir selber ausmache. Außerdem habe ich nach Kritik durchaus den Ehrgeiz, immer besser zu werden.

Selfpublishing ist der Preis der Freiheit. Man braucht hohe Motivation und auch Geschäftsverständnis. Man ist selbständig und muss sich dementsprechend fragen: Kann (und will) ich jeden Tag schreiben und mich verbessern und voranbringen und pushen und ein Projekt beenden? Oder werde ich aufgeben, wenn es nicht so läuft? Diese Entscheidung muss jeder für sich selber fällen.

Informieren!

Durch viele Angebote im Internet kann man die eigene Fehlerquote langsam senken. Die Möglichkeiten sollte man jedoch immer auf Herz und Nieren prüfen, denn jede Fehlentscheidung kostet Zeit oder Nerven oder Geld, gerne auch mal alle drei Dinge gleichzeitig,

Nur Verlage können es sich leisten, eine große Menge hochwertiger Druck-Erzeugnisse und Werbematerialien zu produzieren und zu streuen. Auch die ausgearbeiteten Vertriebswege werden sicherlich noch eine ganze Weile in den Händen der Verlage bleiben, obwohl sich auch in diesem Bereich etwas tut. Zum Beispiel ist der Zugang zu guten Druckbüchern mit ISBN bereits erheblich leichter geworden.

Solange die Buchhändler allerdings für Selfpublisher nicht zugänglicher werden, wird Amazon seine Krakenarme weiter ausbreiten und Eigenverleger ansaugen, denn dort bekommt man für die ganze Arbeit und Eigenleistung wenigsten einen einigermaßen anständigen Geldanteil zurück.

**Autorin des Beitrags ist Moira aka Jana Jeworreck

Novizinnen fragen nach: Neun Fragen an die Nornen (Grumpy Moon)

Jeder kennt heutzutage die römische Mythologie, nach deren Göttern die Planeten und Asteroiden unseres Sonnensystems benannt sind – da wären unter anderem der größte Planet und Göttervater Jupiter, der am weitesten entfernte Planet und Gott der Unterwelt Pluto, und die Nachbarin der Erde sowie Liebesgöttin Venus. Selbiges gilt für das griechische Gegenstück mit ebenfalls bekannten Namen wie Zeus, Hades und Aphrodite. Aber wie viele Menschen kennen im Vergleich dazu eigentlich Urd, Verdandi und Skuld?

Die Nornen

Die Rede ist von den Nornen, Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie, die mich** persönlich mehr fasziniert als ihre römischen und griechischen Pendants, und jene Faszination spiegelt sich unter anderem in meinen eigenen Romanen wider. Auch die Nornen kommen in abgewandelter Form darin vor, und umso mehr hat es mich begeistert, auf meiner Suche nach einem geeigneten Autorenclub von der Existenz des Nornennetzes zu erfahren, einer Vereinigung von mittlerweile über 70 Fantasy-Autorinnen, die sich unter anderem für die Gleichberechtigung weiblicher Schriftsteller auf dem Arbeitsmarkt einsetzen und mit Ständen auf verschiedenen Buchmessen vertreten sind.

Auf dem Weg, selbst eine Norne zu werden – hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde! –, durfte ich letztens die Gelegenheit wahrnehmen, drei Autorinnen, die die sinnbildliche Aufnahmeprüfung bereits bestanden haben, nach ihren persönlichen Ansichten und Erfahrungen zu befragen. Da es für mich das erste Mal ist, dass ich in Bezug auf mein liebstes Hobby von so vielen Gleichgesinnten umgeben bin, hat mich in erster Linie deren Autoren-Werdegang interessiert. Es folgen neun Fragen an die Nornen, in guter alter Nornen-Tradition sowohl über ihre Vergangenheit als auch ihre Gegenwart und die Zukunft!

Die Geschichte des Namens

Wie es häufig bei Sängern, Schauspielern und anderen Künstlern der Fall ist, zieht auch der eine oder andere Autor es vor, seine Werke nicht unter dem Namen zu veröffentlichen, der in seiner Geburtsurkunde steht. Nicht wenige – mich eingeschlossen – tendieren dazu, ein Pseudonym zu wählen, und die Gründe dafür sind so vielfältig wie diese Pseudonyme an sich. Ich habe Evanesca, Stella Delaney und Luna Grace dazu befragt. Erstere erzählte mir eine interessante Geschichte über die Protagonistin eines ihrer früheren Werke, ein Mädchen namens Eva, das in einen Vampir verwandelt und in ein fremdes Land verschleppt wird, wo sie den neuen Namen Evanesca annimmt (»Die Verschwundene« auf Latein). Unzufrieden mit der Qualität ihrer Idee, hat die Autorin jene Geschichte nie ausgebaut, benutzt allerdings seither den Namen der Protagonistin als Pseudonym – wenn auch nur auf bestimmten Internet-Plattformen. Ihre Bücher veröffentlicht sie unter ihrem echten Namen, da ihr ein Pseudonym zu viel Aufwand und im Gegenzug keine nennenswerten Vorteile bringen würde.

Ganz anders sieht das Luna Grace (Sienna Morean), auch bekannt als Luna Skye, Grace Mortis, oder, wie ich persönlich sie nenne, »der andere Mond«. Der Grund für diese vielen verschiedenen Decknamen sind die verschiedenen Genres, in denen sie schreibt, aber auch sie hat beschlossen, sich in absehbarer Zukunft auf ein einziges Pseudonym festzulegen. Unter ihrem richtigen Namen möchte sie keine Geschichten veröffentlichen – etwas, das ich persönlich sehr gut nachvollziehen kann, da ich nicht gerade darauf brenne, als Autorin von allen wiedererkannt zu werden, die schon meine (etwas peinlichen) früheren Werke ertragen mussten… äh, genießen durften!

Stella Delaney geht den Mittelweg, indem sie sich einen Namen ausgesucht hat, der zwar nicht in ihrer Geburtsurkunde steht, jenem Namen aber doch sehr ähnelt und ihn im Alltag quasi ersetzt hat. Als Stella stellt sie sich vor, sowohl im wirklichen Leben als auch im Internet, ihre Freunde nennen sie so, und auch ihre Bücher verkaufen sich unter diesem Namen. Obwohl ihr ehemaliger bester Freund der Meinung war, dass der Name aufgrund seiner Bedeutung (»Stern«) gut zu ihr passt, war das nicht der Grund für ihre Wahl; in erster Linie wollte sie etwas, das natürlich klingt, noch nicht vergeben ist und auf mehreren Sprachen funktioniert, und diese Kriterien erfüllt ihr Autorenname auf jeden Fall.

Die Geschichte des Schreibens

Nachdem die Frage nach dem Künstlernamen geklärt war, wollte ich natürlich auch erfahren, wie, wann und warum man denn zum Verfassen originaler Geschichten kommt, denn bisher kenne ich nur meine eigene Geschichte, und die ist wirklich nicht sehr spannend; ich schreibe, seit ich schreiben kann, und davor habe ich meine Ideen aufgemalt. So gesehen gab es bei mir nie wirklich einen Punkt, an dem alles angefangen hat, es gehört einfach schon seit Anbeginn meines Lebens zu mir, und lange dachte ich, dass das bei den meisten Autoren so wäre. Weit gefehlt – während meiner Interviews bekam ich in dieser Hinsicht tatsächlich kein einziges Mal einen Spiegel vorgesetzt.

Während manch eine sich schon als Kleinkind Geschichten für Geschwister und Klassenkameraden ausgedacht, diese aber erst sehr viel später niedergeschrieben hat, versuchte sich eine andere zunächst an Fanfiktion und »zusammenplagiierten Bestandteilen der von [ihr] konsumierten Serien in Romanform«, bevor sie auf der Schwelle der Pubertät erstmals zu wirklich eigenen Projekten überging, und wieder andere entdeckten dieses Hobby erst in ihren Zwanzigern für sich. Daran zeigt sich, so unterschiedlich wie ihre Geschichten sind auch die Autorinnen, sei es nun das Gefallen am Erzählen selbst oder das Kennenlernen und Austesten eigener Fähigkeiten, das sie zum Schreiben motiviert, oder auch die eigene introvertierte Natur und das damit verbundene Streben, sich mit sich selbst zu beschäftigen, statt »draußen zu spielen«.

Eines haben sie allerdings alle gemeinsam: Der Umgang mit eigenen Geschichten, ob nun in geschriebener oder erzählter Form, ist mittlerweile ein fester Bestandteil ihres Lebens, und damit verbunden auch der Wunsch, die eigenen Werke zu veröffentlichen, denn »mehr als schiefgehen kann es ja nicht«. Aber hat man dafür neben seinen alltäglichen Pflichten überhaupt noch Zeit?

Der alte Hut von Hobby versus Pflichten, und wie man alles unter ihm vereint

»Wie findest du neben Beruf, Familie, etc. eigentlich noch Zeit zu schreiben?« Eine Frage, die ich nur sehr selten gestellt bekomme, denn die meisten meiner Bekannten wissen, dass ich gerne zuhause bleibe (statt auf Partys zu gehen), noch keine Familie gegründet habe (und auch nicht plane, das nachzuholen), und meine Tätigkeit als Autorin als meinen Hauptberuf betrachte (auch wenn sie mir momentan wesentlich weniger Geld einbringt als den halben Tag so zu tun, als wäre ich jemand anderes).

Aber nicht allen, die gerne schreiben, bleibt am Ende des Tages noch so viel Zeit dafür übrig wie mir, denn besonders Stella hat in dieser Hinsicht in erster Linie mit ihrem sehr anspruchsvollen Brotjob zu kämpfen, während Luna nebenher noch ein kleines Kind versorgen muss. Evanesca hat das Glück, sich als Selbstständige ihre Zeit frei einteilen zu können, daher sagt sie: »Schreiben geht immer!« Letzten Endes muss jeder selbst zusehen, wie er all seine Pflichten unter einen Hut bekommt, und daran ändert sich auch nichts, wenn man als Norne das Schicksal selbst in der Hand hält. Wie schön es da manchmal wäre, einfach für ein paar Stunden in eine Phantasie-Welt abzutauchen!

Fantasy-Literatur…

… ist so etwas wie ein Aufnahmekriterium des Nornennetzes, aber nicht unbedingt. Auf meine Frage, welche anderen Genres sie noch bedient, beichtete mir Stella, dass Fantasy für sie im Grunde nur Nebensache ist, weswegen sie anfangs nicht sicher war, ob die Nornen sie akzeptieren würden. Ihre primären Genres sind nämlich »Mystery, Suspense, Dystopie und Krimi, kombiniert mit Queer-Romance-Elementen«, und damit ist sie nicht alleine. Auch Evanesca schreibt gerne dystopische Romane, dazu Science-Fiction und, wie sie es nennt, »exotische Untergenres« wie Garbagepunk und Arcanepunk. (»Exotisch« passt auf jeden Fall, denn ich musste diese Begriffe erst einmal nachschlagen, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.) Luna hingegen ist, wenn sie sich nicht gerade in ihren Phantasie-Welten herumtreibt, gerne in Liebesstimmung und schreibt in verschiedenen Bereichen der Romantik, allerdings auch Thriller. Und wie kommt man nun auf die Idee, sich mit solchen Kombinationen ausgerechnet bei den Nornen zu bewerben?

Wie wird man Norne?

Hauptsächlich, indem man durch Freunde oder Social-Media-Plattformen darauf aufmerksam wird und sich dann bewirbt. Eines davon oder sogar beides trifft jedenfalls auf jede meiner drei Interview-Partnerinnen zu, und auch auf mich selbst. Evanesca war sogar (fast) von Anfang an dabei, kam bereits kurz nach der Gründung hinzu, und hat mit dafür gestimmt, dem Autorinnenverband eben jenen Namen zu geben, den er heute noch verwendet.

Und was ist eine Norne denn nun?

Auch das wollte ich genauer wissen, oder besser gesagt: Wussten sie bereits, was die Nornen in der nordischen Mythologie sind, bevor sie selbst welche wurden? Auch hierzu gab es unterschiedliche und dennoch ähnliche Antworten: Evanesca kannte die griechischen Schicksalsgöttinnen, die Moiren, Stella deren römisches Gegenstück, die Parzen, und beide hatten von Nornen zumindest schon einmal etwas gehört. Nur Luna musste sich erst einmal im Internet informieren, da sie sich davor nicht besonders viel mit Mythologie beschäftigt hatte, aber auch sie findet die Bezeichnung sehr passend. Und wie könnte es auch anders sein? Autorinnen sind schließlich selbst nichts anderes als »Schicksalsgöttinnen der erschaffenen Welt, die die Geschicke der Figuren lenken«, wie Stella es wunderbar anschaulich auf den Punkt bringt. So weit, so gut.

Ja, aber hat man als Norne wirklich mehr Chancen, ein Buch rauszubringen?

Wahrscheinlich nicht. Wie bei anderen Autoren auch, ist das Schicksal, über das sie bestimmen, schließlich nur das ihrer Charaktere, nicht zwangsläufig ihr eigenes. Nornen mögen in anderen Mythologien anders heißen, sind aber dennoch stets weiblich, und das ist für manche Verlage oder Agenturen selbst heute noch ein Problem – eines, dessen die Nornen sich bewusst annehmen. »Solange im Vordergrund keine Liebesgeschichte steht, werden Frauen in der Fantastik oft nicht ernst genommen«, heißt es auf der Website, und obwohl – oder gerade weil – ich selbst mit derartiger Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt der Autoren noch keine Erfahrungen gemacht habe (was auch kaum möglich ist, wenn nur die wenigsten Verleger einem verraten, warum sie das Manuskript ablehnen), wollte ich wissen, wie es diesbezüglich bei den anderen aussieht.

Evanesca kann das, was auf der Website geschrieben steht, leider nur bestätigen: Als sie einem Bekannten von ihrem Hobby erzählte, ging dieser doch tatsächlich wie selbstverständlich davon aus, dass sie »etwas mit Liebe« schreiben müsse – dabei war mitunter das Erste, was ich über Evanesca erfahren habe, dass Romantik gerade nicht ihr Ding ist, auch wenn es in untergeordneter Form natürlich dennoch in ihren Werken vorkommen kann. Aber wie es scheint, herrscht im Großen und Ganzen die Meinung vor, dass »Männer das richtige Zeug [schreiben], Frauen schreiben Schmonzetten«.

Unter »richtiges Zeug« scheint auch alles zu fallen, was irgendwie mit Männern an sich zu tun hat, denn laut Stella, die unter anderem Gay Romance schreibt, wird weiblichen Autoren nicht zugetraut, dieses Genre glaubhaft darzustellen, oder männliche Figuren im Allgemeinen. Im Gegenzug seien Männer als Autoren »typisch weiblicher« Literatur nicht gerne gesehen und dazu angehalten, sich ein Pseudonym des anderen Geschlechts zuzulegen, wie auch Frauen, die Thriller schreiben. Der Sexismus macht also auch vor den Herren der Schöpfung nicht Halt. Als hätte man(/frau) als Autor(in) nicht ohnehin schon genügend Probleme…

Das Frustrierendste am Autoren-Dasein

Es beginnt mit Schreibblockaden oder einem akuten Mangel an Ideen und geht über das schwierige Zeitmanagement bis hin zu der unumstößlichen Tatsache, dass Schriftsteller (wenn sie nicht gerade Rowling heißen) nicht die allerbesten Chancen haben, mit ihrer Leidenschaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oftmals ist das geregelte Einkommen vom Brotjob abhängig, den man nicht selten weder so gerne noch so gut macht, und der wiederum die Zeit einschränkt, die man mit seiner wahren Berufung verbringen darf… zumal man sich auch nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt einfach hinsetzen und auf Kommando produktiv sein kann.

Das Schreiben ist ein Job wie jeder andere, auch wenn er von außen oft nicht als solcher wahrgenommen wird, da die meisten von uns ihn in ihrer Freizeit ausüben. Dann gibt es natürlich noch den inneren Kritiker, eine böse Zunge, »die nichts gut findet und immer meint, dass es sowieso nur Zeitverschwendung ist« (Stella). Wer kennt sie nicht? Und sollte sie einmal nichts mehr zu melden haben, weicht sie schnell der Unzufriedenheit von Agenturen und Verlagen, die leider auch noch ein Wörtchen mitzureden haben, und auf deren Absagen man noch dazu viel zu lange warten muss.

Das Autorenleben ist also definitiv nichts für die Ungeduldigen. Seien es brauchbare Ideen, Rückmeldungen von außen oder der Erfolg, auch nachdem man bereits etwas veröffentlicht hat – auf alles muss man warten, und das kann sehr frustrierend sein. Wir haben hier also ein Hobby, das sehr anstrengend ist, Geduld erfordert und sich am Ende womöglich nicht einmal auszahlt. Lohnt es sich demnach überhaupt, Autor zu werden?

Der richtige Garn, um sein Schicksal zu weben

Es lohnt sich – aber nur, wenn man weiß, worauf man sich einlässt, und sich dennoch bewusst dafür entscheidet. Autor zu sein »ist wie ein laufender Prozess, der niemals endet«, sagt Luna, denn ständig lernt man dazu, bildet sich weiter. Deswegen rät sie zukünftigen Autoren, klein anzufangen und seine Ziele anfangs nicht zu hoch zu stecken, um zu verhindern, dass man letztendlich »doch kein Autor mehr sein möchte, weil mehr zu tun ist als angenommen«. Da ist sie also wieder – die Geduld.

»Never give up!«, lautet Stellas Devise, denn auch wenn es manchmal noch so unmöglich scheint, den inneren Schweinehund und all die anderen Hindernisse zu überwinden, fühlt es sich doch umso besser an, wenn dabei eines Tages etwas Vorzeigbares herauskommt, worauf man stolz zurückblicken kann. Denn das Durchhaltevermögen, so Evanesca, »unterscheidet am Ende die, die gern ein Buch schreiben würden, und die, die es geschafft haben«.

**Autorin des Beitrags ist Grumpy Moon

Buntes Nornengestöber am Sonntag

Diesen Monat befassen wir im Nornennetz uns besonders mit Selfpublishing. Diesen Sonntag haben wir zwei interessante Artikel zum Thema für euch. Aber das ist nicht alles – freut euch auf Schreibtipps (die besonders für die CampNaNo-Teilnehmer wichtig sein könnten), den Umgang mit Vorurteilen und mehr in der Stöberrunde!

Welche Dinge man bei Selfpublishen unbedingt vermeiden sollte fasst euch die Leselupe in diesem Beitrag zusammen. Aufgepasst, es geht unter anderem um Lektorate bei Selfpublishern. Das war bei uns diese Woche schon Thema beim Fragefreitag!

Für diese Woche haben wir außerdem einen Artikel aus der Zeit zum Thema. Was sind Selfpublisher, warum gehen sie trotz großer Verkäufe oft unter und wie werden sie im Buchmarkt eingeordnet? Die Antworten auf diese Fragen findet ihr hier.

Nicht zwingend nur Selfpublishern sondern allen KünstlerInnen sind die Vorurteile von Brotlosigkeit in künstlerischen Berufen bekannt. Der verhungernde Autor, der nur so Meisterwerke schreiben kann, die Künstlerin die aufgrund ihres Liebeskummers emotionale Bilder erschaffen kann. Warum das nicht nur Blödsinn ist, sondern schlichtweg gefährlich sein kann, könnt ihr im Büchnerwald nachlesen.

Ihr macht beim CampNaNo mit und kommt einfach nicht weiter? Oder steckt ihr einfach generell in eurem Manuskript fest? Dann hat Nina Hasse 5 Schreibtipps, die euch vielleicht weiterhelfen werden. Und wer direkt auf der Seite bleiben möchte, kann sich ihren Artikel zum Thema Die Macht der Worte anschauen. Dort erklärt sie, wie man sich oft unterbewusst durch die eigene Sprache selbst schadet.

 

Was ist für euch die größte Sünde beim Selfpublishing? Wie steht ihr zu Stereotypen gegenüber dem Autorentum und macht ihr beim CampNaNo mit?

Fragefreitag: Wie wichtig findest du ein Lektorat?

Immer mal wieder geistert durch die Welt der Selfpublisher die Meinung, ein Lektorat wäre überflüssig. Wir fragen heute unsere Nornen und euch. Macht mit unter #NornenFrageFreitag und verratet uns: Wie wichtig findest du ein Lektorat?

Katharina Ushachov aka Evanesca: Sehr wichtig. Und das nicht nur, weil ich Lektorin bin. Klar, es wird Fehler geben, die Schnellleser*innen ohne Autorenhintergrund ohnehin überlesen. (Aus eigener Erfahrung: Es wird auch schon mal nicht bemerkt, dass ein halbes Kapitel fehlt, weil die Technik versagt hat). Aber ich als Leserin, die gleichzeitig auch Autorin und Lektorin ist, möchte ein sauber gearbeitetes Buch. Ein schlampiges oder nicht vorhandenes Lektorat sorgt dann schon mal dafür, dass ich Bücher von der Person nie mehr auch nur mit der Kneifzange anfasse.

Tiphaine Somer Elin: Lektorat ist wichtig, ganz klar – aber und das ist ein GROßES aber: er oder sie muss passen. Zur Autorin, zur Geschichte, zum Schreibstil. Sich mit einem Lektor über einen Schreibstil (nicht Einzelfehler, sondern Stil!) rumschlagen müssen, weil er/sie ein völlig anderes Verständnis von einer guten Geschichte hat, kann einem die Lust am Werk nehmen. Also genau suchen und auch AUSsuchen, damit es wirklich passt.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Ohne Lektorat geht es nicht. Auch Autoren werden betriebsblind und übersehen kleine (und große) Logikfehler oder haben das Gefühl, manches wäre offensichtlich, was tatsächlich eher Fragen aufwirft. Ein gutes Lektorat findet diese Schwachstellen und hilft, sie auszubügeln, ohne den eigenen Stil oder die Intention zu verraten.

Janna Ruth: Natürlich ist ein Lektorat wichtig, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass gute (!) Testleser ein Lektorat am Anfang auch ersetzen können. Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Kolleginnen nicht den Lohn für ihre Arbeit zugestehe, aber gerade am Anfang ist ein Lektorat für einen ganzen Roman oft weit außerhalb des Budgets eines Selfpublishers. Daher lässt sich mit einer kleinen kritischen Armada von Testlesern trotzdem ein gutes, wenn auch arbeitsintensiveres Lektorat ersetzen.

Michelle Janßen: Das kommt drauf an. Wenn man wirklich als AutorIn leben möchte, kommt man um ein professionelles Lektorat nicht herum. Ich kann allerdings verstehen, wenn Selbstpublisher die noch nicht das Kapital haben, diesen Schritt übergehen.

Laura Kier: Ich finde sehr wichtig, dass Lektoren oder andere Autoren den Text eingehend prüfen. Es muss in meinen Augen nicht zwingend Geld fließen, um ein Buch qualitativ aufzuwerten. Ich hatte bereits extrem gute Betaleser unter Autoren, die besser waren als ein bezahltes Lektorat. Von daher: es muss eine prüfende Instanz drüber, die noch nicht Textblind ist und den Text kritisch betrachtet.

Diandra Linnemann: Ein Lektorat ist nicht zwingend notwendig, macht aber garantiert jeden Text besser, wenn die Lektorin etwas von ihrem Handwerk versteht. Als SP leiste ich mir keines und arbeite den Text stattdessen mehrfach mit exzellenten Testlesern durch, aber mein erstes richtiges Verlagslektorat war doch noch einmal eine andere Hausnummer. Ich war quasi sehr genervt und sehr verliebt gleichzeitig, wie in einer guten Beziehung.

Alexandra Bauer: Es ist wichtig, denn eigenen Fehler findet man im Text nicht! Ich ärgere mich IMMER über Fehler im Buch – vor allem über die im eigenen. Leider passiert sowas auch trotz Lektorat, was nicht passieren sollte. Letztlich trifft es immer den Autor/die Autorin.

Sarah König: Prinzipiell finde ich es wichtig, aber ich sehe es wie einige andere Nornen auch: Es muss für den Anfang kein bezahltes Lektorat sein, es müssen aber immer gut ausgewählte Leser sein, die mit dir das Buch testen, dich kritisieren, etc. Da ich mir selbst das SP noch nicht zugetraut habe, habe ich mich zur Entscheidungsfindung natürlich auch damit beschäftigt. Und die Kohle, die man für Lektorat und mehr ausgeben soll sind einfach unverhältnismäßig hoch, für das enorme Risiko, nichts davon wieder einspielen zu können.

Barbara Weiß aka TheBlueSiren: Unverzichtbar! Alleine Testleser können schon so viele Ecken und Kanten eines Textes herausarbeiten, ein professionelles Lektorat scannt das Dokument und hilft dabei, das beste aus dem Text herauszuholen.

Jasmin Engel: Wichtig bis sehr wichtig. Ich habe für meinen zweiten Roman ein Lektorat in Anspruch genommen und die Lektorin hat noch Fehler und Schwächen gefunden, die meine beiden Testleser und ich wohl nie bemerkt hätten.

June Is: Ich wollte früher ohne Lektorat nichts veröffentlichen, mittlerweile tue ichs doch – allerdings ausschließlich auf der HP. Ich glaube aber nicht, dass es sonderlich gut ist.

Lyrik von Iris Welker-Sturm zu Sprache und Geschlecht (Barbara Fischer Reitzer)

Es war einmal das Jahr 2018, das höchste deutsche Zivilgericht und eine Klägerin… Marlies Krämer wollte auch auf Sparkassenformularen als die Person wahrgenommen werden, die sie ist: eine Frau. Im Bankensprech wären wir da bei der Formulierung „Kundin“, der feministischen Sprachkritik sei Dank. Es gibt offizielle Richtlinien für solch eine geschlechtergerechte Sprache. Die leider auf vielen Formularen und Vordrucken nie angekommen ist. Ein Zustand, der nun höchstrichterlich abgesegnet wurde.

Zum Vergleich: als der erste Mann im Jahr 2010 den Beruf einer Hebamme in Deutschland ergriff, war ihm nicht zuzumuten unter eben dieser Berufsbezeichnung zu firmieren. Nein, für einen einzigen Mann wurde gleich ein ganzer Berufsstand neu erfunden: Entbindungspfleger. Einen Hebammer, wenn wir einmal andersherum ableiten, gab es nie und wird es auch nie geben. Im Gegensatz zu Millionen Kunden, die keine sind. Ach, könnten wir die Sprache selber fragen…

Iris Welker-Sturm hat sich dran gemacht und ist mit der Sprache und den unglaublichen Urteilsbegründungen zum Thema „Das andere Geschlecht“ in Dialog getreten.

Ob die männliche Leserin
jetzt wohl befriedigt ist?
Geschützt vor Texten
die zu kompliziert für ihn?
In der Chefinnenetage
darf er weiter stöckeln
sprach- und geschlechtsblind
durch der Gänge
her und hin. 

Der furchtbare Bürokratie
zieht den so in der Länge.
Der arme Kämpferin
kann sich da nur
die Augen reiben.
Was 2000 Jahr lang
Unrecht war
soll endlich –
auch so bleiben.

Autorin des Beitrags ist Barbara Fischer Reitzer  / Autorin des Gedichtes ist Iris Welker-Sturm

Nornengestöber im SP-Dschungel

Im April dreht sich bei uns alles um das Thema Selfpublishing. Immerhin haben wir einige erfolgreiche SP-Autorinnen im Netzwerk und finden die Thematik immer wieder interessant und wichtig. Damit ihr euch auch einlesen könnt, haben wir zur #Nornenstöberrunde ein paar wertvolle Links gesammelt. Viel Spaß beim Durchklicken.

Ein Verlagsvertrag ist der Traum vieler Autoren, aber manchmal versteckt sich dahinter ein unfaires Spiel. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, in einem Verlag unterzukommen, denkt daran, auch auf die Bedingungen zu achten. Bei der Autorenwelt findet ihr eine Charta der gerechten Vertragsbedingungen, da solltet ihr unbedingt reinschauen.

Aber auch Selfpublishing ist heute ein durchaus annehmbarer Weg, der Erfolg versprechen kann. Auf der Leipziger Buchmesse hat Marianne Kaindl über die Professionalität im SP-Bereich gesprochen – nachzulesen bei Spubbles.

Nike Leonhard ist Selfpublisherin und kennt die Tücken, aber auch Vorteile. Auf ihrem Blog könnt ihr regelmäßig zum Thema interessante Beiträge finden. Wie wichtig Rückgrat und Selbstbewusstsein für Autoren und speziell SP-Autoren ist, lest ihr hier.

Auch eine nützliche Anlaufstelle ist die Selfpublisherbibel, wo es allerlei Nützliches zum Thema  und immer wieder interessante Infos gibt.

Alle, die sich lieber analog vernetzten, können beim Self-Publisher-Day im Mai in Düsseldorf fündig werden. Workshops, Stände und ein buntes Programm bieten hier direkte Zugänge.

Obwohl das Nornennetz seinem ersten Geburtstag entgegen geht (und eifrig plant), werden wir immer noch regelmäßig gefragt, warum wir denn keine Männer aufnehmen. Liebe Männer, wir haben nichts gegen euch, ihr seid tolle Autoren und spielt oben mit. Lest einfach mal hier rein, dann versteht ihr vielleicht besser, warum wir speziell scheibende Frauen in den fantastischen Genres unterstützen.

 

Fragefreitag: Was ist für dich der größte Vorteil beim Selfpublishing?

Im April dreht sich im Nornennetz alles um das Thema Selfpublishing. Wir haben einige Selfpublisher in unseren Reihen und auch Autoren, die sowohl selbst, als auch von Verlagen veröffentlicht wurden. Noch immer schrecken viele Leser vor SP-Büchern zurück, erwarten niedrigere Preise und sind voreingenommen. Auch Buchhandlungen tun sich manchmal schwer damit, Bücher, die nicht aus einem Verlag kommen, ins Regal zu stellen. Dabei kann sich gerade hier ein wahrer Schatz verbergen. Wir wollen es heute wissen und fragen beim #NornenFrageFreitag: Was ist für dich der größte Vorteil beim Selfpublishing? Macht mit und verratet uns, welche Möglichkeiten ihr darin seht.

Eva-Maria Obermann aka Variemaa: Auch Nischenthemen unterzubringen, vor denen Verlage gerade bei jungen Autor*innen zurückschrecken.

Janna Ruth: Seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können und zum Beispiel schnell bei Aktionen reagieren zu können. Dazu kommt noch die Möglichkeit Geschichten unverfälscht schreiben zu können. So manches, was laut Marktforschungen nicht laufen würde, hat im Selfpublishing eine Chance.

Elenor Avelle: Prognosen über den Erfolg einer Geschichte, sind so eine Sache. Selfpublishing eröffnet Werken eine Chance, die bei Verlagen Schubladendenken zum Opfer fallen würden.

Grumpy Moon: Selbst über meinen Fortschritt zu bestimmen und nicht ständig auf andere angewiesen zu sein, so wie es leider bei den meisten anderen Dingen im Leben der Fall ist.

Katharina Ushachov aka Evanesca: Man sieht die Auswirkung oder Nichtauswirkung von Maßnahmen sofort, kann Verkäufe auf die Stunde genau tracken und sieht, was klappt und was nicht, auch in Hinblick auf Marketing. Bei Verlagen hat man ja nie den zeitnahen Blick auf die Verkaufszahlen, weil alles stärker verteilt ist. SP bedeutet, sofort alles zu erfassen und sofort reagieren zu können.

June Is: Freiheit bei Cover und Titel.

Paula Roose: Die Freiheit, meine Geschichten ohne Termindruck schreiben zu können, und ihnen so viel Zeit zu geben, wie sie nach meinem Gefühl brauchen. Außerdem liebe ich die Zusammenarbeit mit meiner Lektorin und der Coverdesignerin. Der gesamte Herstellungsprozess eines Buches, vom ersten Plotten bis zum Upload der fertigen Dateien, macht mir viel Spaß. Ich liebe Selfpublishing.

Tiphaine Somer Elin: Die Möglichkeit meinen eigenen Schreibstil schreiben zu dürfen.

Novizinnen fragen nach: Mareike Oikil interviewt Myna Kaltschnee und Elenor Avelle

Als frisch gebackene Novizin des Nornennetzes haben nicht nur die vielfältigen Aktionen und Themen mein** Herz vor Aufregung schneller schlagen lassen, sondern auch die Anzahl der Mitglieder in dem Netzwerk aus Fantastik-Autorinnen. Während ich einige bereits aus sozialen Netzwerken und Schreibforen zumindest vom Namen her kannte, gab es jede Menge neue Bekanntschaften. Um ein paar von ihnen näher kennenzulernen, durfte ich Interviews mit ihnen zu ihren Erfahrungen im Nornennetz durchführen – und sie damit hier vorzustellen. Geantwortet haben mir Elenor Avelle und Myna Kaltschnee.

Wie lange bist du schon beim Nornennetz dabei und wie bist du auf das Netzwerk aufmerksam geworden?

Elenor: Ich bin von Beginn an dabei, eine der sogenannten „Hohen Schwestern“, wie hier die Gründerinnen mit einem Augenzwinkern genannt werden. Nike Leonhard kam im Mai 2017 bei Twitter auf die Idee, dass ein Netzwerk für Autorinnen aus dem Bereich Fantastik eine Lücke im Literaturbetrieb schließen könnte und wir dachten uns dann, warum lange fackeln.

Myna: Ich bin im Frühjahr 2017, kurz nach der Gründung des Netzwerks, zum Nornennetz gestoßen. Ich hatte auf Twitter davon gelesen und war sofort neugierig.

Was waren deine Erwartungen an das Netzwerk? Und wenn du auf deine Erfahrungen zurückblickst, haben sie sich erfüllt?

Elenor: Ich habe mir eine Gruppe Gleichgesinnter gewünscht, mit denen ich gemeinsam geniale Projekte auf die Beine stellen kann. Der Autorenberuf selbst ist ja schon nicht gerade einfach, was die Anerkennung der Arbeitsleistung angeht, so wie die meisten künstlerischen Berufe, aber als Frau ist es gleich doppelt schwer. Eine Gemeinschaft mit denselben Zielen ist ein Sicherheitsnetz. Besonders schön am Nornennetz finde ich die Möglichkeit meine persönlichen Stärken einbringen zu können. Wir wollen einander stärken, so unterschiedlich wie wir sind, was nicht immer einfach ist. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung des Netzwerks.

Myna: Ich wollte neue Kontakte knüpfen und mich mit Gleichgesinnten austauschen können. Tatsächlich konnte ich einige Kontakte festigen und neue Leute kennenlernen.

Füllst du eine bestimmte Rolle im Netzwerk aus? Wie sieht diese aus?

Elenor: Ich habe mehrere Rollen. Das Netzwerk gibt es ja noch kein Jahr, aber strukturell haben wir schon ungemein viel auf die Beine gestellt, dadurch ist es noch wichtig, überall auszuhelfen, wo Lücken sind. Momentan bin ich im Grafikteam, Mediatorin und Discordorganisator. Und LBM-bastelwahnsinnig.

Myna: Nein, ich bin eine ganz normale Schwester und beteilige mich lediglich an manchen Aktionen. Den LBM-Stand habe ich z. B. finanziell unterstützt und auch beim Drabble-Adventskalender war ich mit dabei.

Hat dich das Netzwerk als Autorin bereits weitergebracht? Also, hängen konkrete Fortschritte bei deinen Projekten damit zusammen?

Elenor: Das Netzwerk hilft mir bei meinen Schreibprojekten nicht. Das geht anderen anders, weil sie diese Unterstützung wollen. Ich nutze sie eher, um über den Tellerrand zu schauen und hinter meinem Computer hervorzukommen. Das ist das Schöne am Netzwerk, jeder holt sich an der Stelle Unterstützung, wo sie gebraucht wird, und gibt etwas anderes zurück.

Myna: Ja, ich konnte kürzere Texte (Drabbles, Kurzgeschichte) bereits auf der Homepage des Nornennetzes veröffentlichen. Das hat meine Bekanntheit etwas gesteigert, was ja immer gut ist.

Wie wichtig ist dir der Grundgedanke des Netzwerkes, Frauen in der Fantasy stärker hervorzuheben und sich gegenseitig zu unterstützen? Wie empfindest du den Geschlechteranteil in dem Genre?

Elenor: Nachdem Autorinnen in meinem Genrebereich Postapokalypse / Sci-Fi immer noch empfohlen wird, sich ein männliches Pseudonym zuzulegen, um erfolgreich zu sein, stehen sie als ernstzunehmende Schriftsteller mit Know-how ungerechtfertigter Weise nicht auf der selben Stufe, wie ihre männlichen Kollegen. Denkstrukturen ändern sich leider nur langsam und unsere Gesellschaft hängt immer noch den alten Rollenbildern hinterher. Verstecken und erdulden kann da nicht der Plan sein. Nur wer sich bemerkbar macht, wird gehört. Wir machen das so lange, bis das Geschlecht keine Rolle mehr spielt, weil es das Richtige ist.

Myna: Ich finde das sehr gut. Ich meine, sogar J. K. Rowling musste ihr Geschlecht verstecken, weil der Verlag glaubte, ein Fantasybuch einer Frau würde sich nicht so gut verkaufen. Da wird es doch Zeit, dass Fantasyautorinnen sich zusammentun und sich gegenseitig unterstützen.

Vielen Dank an die beiden für das interessante Interview!

**Dieses Interview führte Mareike Oikil, Novizin des Nornennetzes

Nornengestöber im Osternest

Bei uns müsst ihr nicht lange suchen, wir haben euch ein paar tolle Artikel und Blogposts bereits rausgesucht. Einfach zurücklehnen, durchstöbern und genießen. Frohe Ostern oder einfach nur einen schönen Sonntag mit der #Nornenstöberrunde.

Nicht das richtige Buch im Nest gefunden? Vielleicht lohnt sich ja ein Blick in öffentliche Bücherschränke. Wenn ihr gar nicht so genau wisst, wo einer in eurer Nähe ist oder ihr noch die Familie besucht, schaut doch mal auf diese Karte.

Wer Geschichten schreibt kommt irgendwann an den Punkt, wo es ernst wird. Wie sollen die Figuren eigentlich heißen? Name ist nicht gleich Name weiß auch Babsi aka BlueSiren und schreibt auf ihrem Blog über Nomen est omen.

Schwierig ist es auch, verschiedene Kulturen im eigenen Roman zu platzieren, vor allem, wenn sich der/die Autor*in bisher kaum damit auseinandergesetzt hat. Schnell rutscht man ab in Stereotype und Mechanismen, die am Ende ganz anders ankommen, als eigentlich gedacht. Darum ist dieser Artikel der Bücherkrähe noch immer aktuell.

In der fantastischen Literatur sind Geister ein Klassiker, der immer wieder begeistert. Einen kleinen Einblick auf die Geschichte von Geistern in Büchern hat Eva aka Variemaa mit einer Gruppe Literaturbegeisterter im Buchlabor geschaffen. Hier geht’s zum Startbeitrag.

Falls ihr lieber noch einmal in Messeerinnerungen schwelgt, legen wir euch den Messebericht von Camilla de Winter ans Herz. Wir sind auch noch ganz wehmütig – und bereits in der Planung für allerlei Neues 😉

Einen ganz anderen Bericht findet ihr bei Anne Zandt aka Poisonpainter, die fleißig am Nornenstand die Leipziger Buchmesse verbracht hat.

Immer wieder flammen große Diskussionen auf, zwischen Autoren, Bloggern, Literaturmenschen. Oft geht eines schnell verloren: der gegenseitige Respekt. Wie wichtig der in der Literaturbranche ist, zeigt Michelle auf Buechnerwald.

Eine tolle und teilenswerte Aktion hat Vera von Chaoskingdom gestartet. Mit Body Positivity statt Body Shaming berichtet sie nicht nur von einem sehr interessanten Buch, sondern ruft dazu auf über das Thema zu schreiben, Erfahrungsberichte oder andere Beiträge zu erstellen. Wir freuen uns auf allerlei Artikel.

Zum Abschluss heute legen wir euch das Literaturcamp Hamburg ans Herz. Am Freitag gab es dort die ersten Tickets, weitere werden folgen. Eine ideale Möglichkeit zum Austausch für Literaturmenschen.